KonzertWelt: Me And That Man (Wien, 04.04.2017)

Datum: Dienstag, 4. April 2017
Location: B72 (Wien)
Tour: 
Headliner: Me And That Man
Support: Dool
Ticketpreis: 24,90 Euro (VVK)


Nergal hat den Blues.

Polens Vorzeigemetaller Adam „Nergal“ Darski ist mit seiner Band BEHEMOTH normalerweise überaus extrem unterwegs. Corpsepaint, Growling, Bühnenshows mit Feuer und allerlei Gimmicks, sogar eine Anzeige wegen „Verletzung religiöser Gefühle“ gehören im schwarz angehauchtem Death Metal seines Hauptbetätigungsfeldes praktisch zur Tagesordnung. Umso überraschender war die Bekanntgabe eines musikalisch völlig anders gelagerten Projektes, mit dem unser Mann aktuell auf Tour ist. ME AND THAT MAN nennt sich die Formation, die aus Nergal (v, g) und dem seit Jahrzehnten in Polen lebenden Briten John Porter (v, g) besteht.

Vor dem mit Spannung erwarteten Auftritt im Wiener B72 gab es aber noch eine Vorgruppe. Die mir bis dato völlig unbekannten DOOL spielten ein halbstündiges Set, das aus nur vier Songs bestand. War kein schlechter Gig, aber so richtig warm bin ich mit dem alternativ angehauchtem Prog Rock-Metal-Mix nicht geworden. Immerhin waren die durchgehend wild headbangenden Musiker mit ordentlich Spaß bei der Sache. Drei (!) Gitarren sorgten außerdem für einigermaßen fetten Sound und so konnten sich die Niederländer um Sängerin/Gitarristin Ryanne van Dorst (die auch hätte als Mann durchgehen können, aber das nur am Rande) zumindest über Achtungsapplaus freuen.

Danach wurde es richtig voll im winzigen Lokal. Das Publikum war erwartungsgemäß gemischt, auch wenn die Metalheads wohl in der Überzahl waren. Eh klar: Man kam, um „die andere Band von Nergal“ zu hören. Anfangs war das Gefühl noch merkwürdig: Ein ohne Schminke, dafür aber mit Hut und weißer (!) Gitarre bewaffneter Nergal auf der Bühne, keine oder kaum Pommesgabeln im Publikum davor. Irgendwie hatte ich das Gefühl, man musste in diesem für beide Seiten ungewöhnlichen Setting erst zueinander finden. Das gelang dann aber erstaunlich schnell. Kein Wunder, wurde als Opener mit „My Church Is Black“ doch gleich eine der vorab ausgekoppelten Nummern aus dem Debütalbum „Songs Of Love And Death“ gespielt. Eine gute Entscheidung, um das Eis zu brechen.

Nach dem ersten gegenseitigen Abtasten ging es dann richtig los und das Publikum bekam für mein Dafürhalten ein ausgesprochen feines und intensives Konzerterlebnis. Die Musik von ME AND THAT MAN ist eine interessante Melange aus Singer/Songwriter-Zeug, Blues, Country, (Gothic) Rock, Psychedelic und auch ein wenig Pop. Eine ungefähre Schnittmenge aus bekannten Namen, die einem immer wieder in den Sinn kommen, wenn man sich „Songs Of Love And Death“ anhört: ELVIS PRESLEY, JOHNNY CASH, THE DOORS, NICK CAVE & THE BAD SEEDS, DAVID BOWIE. Mundharmonika-Einsätze und Kinderchöre inklusive. Ja, das ist für den gemeinen Metalhead ungewohnt. Ich selbst bin aber sehr froh, dabei gewesen zu sein, habe danach Vinyl und T-Shirt abgegriffen und werde gerne wieder kommen, wenn ME AND THAT MAN mal wieder in der Nähe auftreten.

Auf der Bühne waren natürlich die beiden Herren, die sich den Gesang brüderlich teilten, am stärksten präsent. Unterstützung bekamen sie von einem Drummer und einem Bassisten (deren Namen ich zu meiner Schande vergessen bzw. bei der Vorstellung nicht verstanden habe), die ihnen ein ausgezeichnetes und sauberes Rhythmus-Fundament legten. Interessanterweise schien in dieser Konstellation Nergal der entspanntere und besser gelaunte der beiden Frontmänner zu sein – der Pole lachte immer wieder, bewegte sich und versuchte durchaus, mit dem Publikum und seinen Mitstreitern auf der Bühne zu interagieren. Der wesentlich ältere Porter war dagegen der Ruhepol, dabei aber durchaus nicht unsympathisch. Letztlich ergänzten sich Nergal und Porter perfekt, was auch zum gelungenen Abend beigetragen hat. Gespielt wurde das komplette aktuelle Album, dazu gegen Ende hin zwei Coverversionen, die sich nahtlos einfügten („Refill“ von der PORTER BAND, also einem anderen Betätigungsfeld von John Porter sowie als Rausschmeißer „Psycho Killer“ von den TALKING HEADS). Vom ME AND THAT MAN-eigenen Material gefielen mir neben dem genannten „My Church Is Black“ die eingängig-düsteren, mit starken Country-Anleihen versehenen „Ain’t Much Loving“ und – vor allem – „Cross My Heart And Hope To Die“ am besten. Aber auch der Rest wusste zu überzeugen, sodass man gegen 23 Uhr mit einem ausgesprochen guten Gefühl von dannen ging.

Fazit: BEHEMOTH sind auch für Metal-Verhältnisse eine unglaublich düstere Band. Man muss aber sagen, dass ME AND THAT MAN dem gar nicht so viel nachstehen, wie man meinen könnte. Das wird allerdings durch vollkommen andere Mittel erreicht – wo Nergal mit BEHEMOTH auf Härte, Aggression und Komplexität setzt, gehen ME AND THAT MAN viel sanfter, einfacher und reduzierter zu Werke. Das aber gleichzeitig auch sehr dunkel, sowohl musikalisch als auch lyrisch. Diese Kombination passt so unglaublich gut, wie ich es mir nicht erwartet hätte. Und live wird das Ganze dann nochmals aufgewertet, weil die Hauptprotagonisten derart gut miteinander harmonieren. Jeder, der mit genannten Referenzen etwas anfangen kann, sollte sich dieses Projekt nicht entgehen lassen. Jeder Metalhead, der ein wenig für andere Einflüsse offen ist, kann ebenfalls ein Ohr riskieren, dabei aber nicht erwarten, auch nur eine homöopathische Dosis Metal zu bekommen. Denn die ist schlicht nicht vorhanden, was Keinem auffallen würde, wäre nicht ein so bekannter Name im Line-Up.

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