FilmWelt: Alien: Covenant

„Prometheus – Dunkle Zeichen“ war 2012 ein merkwürdiges Ding zwischen Hoffnungsschimmer auf einen guten Neustart der „Alien“-Reihe und Enttäuschung, weil einfach kein wirklich guter Film. Schon damals hoffte man auf Besserung bzw. dringend notwendige Erläuterungen in einer Fortsetzung. Die ist nun, 2017, mit „Alien: Covenant“ in die Kinos gekommen. Zusammenfassend kann man sagen: Das Warten hat sich nicht wirklich gelohnt.

Gesamteindruck: 3/7


Eine herbe Enttäuschung.

Ein Verdienst des mittlerweile klassischen „Alien“-Stoffs, der 1979 mit dem ersten Film seinen Ausgangspunkt genommen hat, war die erste Frau in einer Action-Hauptrolle – darauf wird im Zusammenhang mit dem von Kult-Regisseur Ridley Scott ersonnen Werk immer wieder gerne verwiesen. Und offenbar ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass eine Frau bis heute in jedem Film dieses Franchise die Hauptrolle zu spielen hat. Nun ist es nicht so, dass ich damit ein Problem hätte. Im Gegenteil, das durchbricht auch heute, fast 40 Jahre nach dem ersten Auftritt von Ellen Ripley, immer noch ein Klischee. Allerdings sind die Fußstapfen, die Sigourney Weaver in ihrer ersten großen Rolle hinterlassen hat, zu gewaltig für ihre Nachfolgerinnen. Im 2017er Film „Alien: Covenant“ wird das besonders deutlich. Konnte sich Noomi Rapace in „Prometheus – Dunkle Zeichen“ (2012) noch einigermaßen passabel verkaufen, gelingt das Katherine Waterston in der Fortsetzung so gut wie gar nicht. Beide werden von Michael Fassbender, der jeweils den Androiden David bzw. dessen Nachfolgemodell Walter verkörpert, an die Wand gespielt. Das tritt in „Covenant“ noch deutlicher zutage als in „Prometheus“.

Inhalt in Kurzfassung*
Die Besatzung des Kolonieschiffs „USCSS Covenant“ wird nach einem Notfall aus dem Kälteschlaf geholt und empfängt ein Funksignal, das offenbar menschlicher Herkunft ist. Gesendet wird es von einem gut für eine Kolonie geeigneten, erdähnlichen Planeten, den man daraufhin natürlich anfliegt. Dort angekommen beginnt die übliche Alien-Action, man trifft auf alte Bekannte und neue Monster. Achtung: Enthält längere, metaphysische Dialoge über den Sinn des (künstlichen) Lebens.

* Der Versuch eines neuen Features auf WeltenDing. Ich versuche Spoiler zu vermeiden.

Das Problem scheint – wie so oft – nicht eine vermeintlich schwache Schauspielerin zu sein. Denn das Drehbuch ist meiner Ansicht nach leider keineswegs geeignet, die Darsteller gut dastehen zu lassen. Im Wesentlichen gibt es nur drei einigermaßen ausgearbeitete Rollen – zwei davon paradoxerweise vom gleichen Schauspieler (eben Michael Fassbender) verkörpert. Zusätzlich hat Billy Cudrup als  stellvertretender Kommandant Christopher Oram ein wenig Persönlichkeit bekommen. Wichtigste Figur sollte (der Logik der weiblichen Heldin folgend) aber eigentlich Terraforming-Expertin Daniels sein. Die bietet jedoch aufgrund ihrer recht weinerlichen Art kaum Identifikationsfläche. Auf diese Weise kann man eine weibliche Hauptrolle meiner Meinung nach nicht etablieren. Leider zeichnet sich Regisseur Scott auch beim Rest der Crew seines Kolonieschiffs nicht aus. Tatsächlich wächst dem Zuseher kein einziges Besatzungsmitglied richtig ans Herz – sie bleiben austauschbare Abziehbilder, teilweise sogar schrecklich klischeebehaftet – dazu braucht man sich nur den Piloten Tenessee anzusehen.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass man kaum Angst bekommt, wenn die Mannschaft der Reihe nach dahingemetzelt wird – teilweise im Sekundentakt.  Bei manchen ist man direkt erleichtert, wenn man bedenkt, wie sie agieren „dürfen“. Oder war es jemals in einem Film eine gute Idee, mal kurz austreten zu gehen? Oder trotz Angebots einer Begleitung allein nach dem überfälligen Kameraden zu suchen? Der Tod der Figuren erscheint als Strafe für solche Verhaltensweisen fast schon gerecht. Überhaupt sind einige Ideen, die im Film auftauchen, mäßig kreativ. Man fragt sich selbstverständlich von Beginn an, wie es diesmal wohl angestellt wird, dass ein a) ein Funksignal das Raumschiff zu einem Planeten lockt (was in diesem Fall ein besonders unwahrscheinlicher Zufall ist, der jeder Wahrscheinlichkeit vollkommen widerspricht und auch nicht erschöpfend geklärt wird), b) ein Besatzungsmitglied von einem Alien „infiziert“ wird und c) ein Xenomorph in das Raumschiff kommt. Wirklich gut gelöst wird nichts davon – wobei, was heißt nicht gut? Es wird so gelöst, wie es immer war. Das muss nicht schlecht sein, ist aber mittlerweile für sich genommen auch zum Klischee geworden.

Vieles bleibt ungeklärt.

Was bleibt also? Natürlich die Story, von der man sich erhofft hat, dass diverse offene Fragen aus „Prometheus“ aufgegriffen und – hoffentlich – geklärt werden. Leider erwartet den Zuseher auch an dieser Stelle eine herbe Enttäuschung, zumindest ist es mir so ergangen. Ja, Ridley Scott versucht, einiges zu erörtern. Allerdings nicht in einem ausreichenden und damit befriedigenden Ausmaß. Abgesehen davon eröffnet der Film gleichzeitig eine Reihe neuer, ungelöster Fragen, sodass es letztlich nicht ansatzweise „klickt“. Fast hat man das Gefühl, der Regisseur hätte sich mit seinen metaphysischen Überlegungen, die in „Prometheus“ noch nicht ganz so prominent waren, übernommen. Mag sein, dass ein bereits geplanter Nachfolger das gerade rückt, aber das macht „Covenant“ leider nicht leichter konsumierbar. Denn wenn sich Androiden in philosophischen Mutmaßungen ergehen, erinnert das sehr ungut an den katastrophalen „Matrix Reloaded“, der 2003 an einem ähnlichen Spagat gescheitert ist. Letztlich ist „Covenant“ hin- und hergerissen zwischen Action und Philosophie, was ihn wesentlich schwerfälliger daherkommen lässt als seinen alles andere als perfekten Vorgänger.

Verhängnisvolle Entmystifizierung.

Ein Punkt, der die „Alien“-Reihe immer schon ausgezeichnet hat, soll nicht unerwähnt bleiben: Das namensgebende Wesen aus einer fremden Welt wird in „Covenant“ weiter entmystifiziert. Die Verantwortlichen mögen das nicht so sehen, weil „Prometheus“ und „Covenant“ keine Fortsetzungen oder Prequels sondern eher ein Neustart sein sollen – für den „Alien“-Fan spielt das jedoch keine Rolle. Bereits die „Prometheus“-Aliens waren nicht die Monster, die man aus dem Original kannte. In „Covenant“ wird das – diverser Erklärungen sei „Dank“ – noch deutlicher. Die Entscheidung, das in der ursprünglichen Reihe als perfekt an jeden Lebensraum angepassten, extrem widerstandsfähigen Jäger dargestellte Wesen zu einer Art Waffe zu machen, nimmt ihm paradoxerweise fast vollkommen den Schrecken. Es ist kein unbekannter, uns völlig fremder Organismus mehr sondern etwas, das man bauen kann. Und das ist der Punkt, an dem ich mir trotz der genannten Unzulänglichkeiten am schwersten mit „Alien: Covenant“ tue: Das Grauen bekommt ohne Not einen quasi-rationalen Grund. Das will mir einfach nicht gefallen, manchmal ist es besser, wenn man nicht alles sieht und alles weiß.

Im Endeffekt ist „Alien: Covenant“ der bisher wohl blutigste Teil der Geschichte um die Xenomorphen. So schnell wurde eine Besatzung selten dezimiert, so blutig noch nie. Das sollte wohl die Löcher in der Handlung stopfen helfen – und man hat ja schließlich auch den Ruf der Brutalität zu verlieren. Nur leider reicht das allein heute nicht mehr, schon gar nicht, wenn der Rest des Filmes ein völlig anderes Tempo anschlägt und die beiden Teile so gar nicht ineinander greifen wollen. Magere 3 Punkte für einen Film, der hoffentlich nicht das unrühmliche Ende für das „Alien“-Universum bedeutet.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Alien: Covenant
Regie: Ridley Scott
Jahr: 2017
Land: USA
Laufzeit: 122 Minuten
Besetzung (Auswahl): Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Guy Pearce



 

Ein Gedanke zu “FilmWelt: Alien: Covenant

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