FilmWelt: Seventh Son

„Seventh Son“ macht sehr viel richtig: Die Action stimmt, die Effekte passen, die Story ist passabel, die Schauspieler können meistens punkten, der Film ist durchaus unterhaltsam. Leider bleibt die Geschichte für meinen Geschmack etwas zu oberflächlich. Und auch wenn ich weiß, dass „Seventh Son“ vorwiegend unterhalten will, wird mir ein bisschen zu wenig erklärt. Könnte natürlich damit zu tun haben, dass der Film auf einer literarischen Vorlage basiert, die – so meine Vermutung – wesentlich mehr Erklärungsansätze bietet. Nutzt aber nichts – ein Film muss auch für sich alleine funktionieren.

Gesamteindruck: 4/7


Kein Meisterwerk, aber durchaus unterhaltsam.

„Seventh Son“ ist ein brauchbarer Fantasy-Film. Die Story vom Bauernsohn, der auszieht, um ein Held zu werden, ist natürlich bekannt, wird aber erfreulich straff abgehandelt und weiß daher einigermaßen zu unterhalten. Besonders hervorzuheben ist hingegen die Action, die perfekt choreografiert ist und kaum an den wie üblich bis zum Exzess eingesetzten Computer-Effekten leidet. Ich würde sogar behaupten, dass man in einem solchen Film selten derart gute Kampf- und Actionszenen sieht, die noch dazu kaum Längen haben und sich auch nicht gleich abnutzen. Leider ist inhaltlich nicht genug Substanz vorhanden, auch dann nicht, wenn man „Seventh Son“ in erster Linie als kurzweilige Unterhaltung und nicht als dramatisches Meisterwerk auffasst.

Inhalt in Kurzfassung
Ein alter Geisterjäger hat vor vielen Jahren eine böse Hexe zu ewiger Gefangenschaft verbannt. Zumindest dachte er das – viele Jahre später kann sie entkommen und beginnt ihre Gefolgschaft erneut um sich zu scharen. Der „Spook“, wie der Geisterjäger hier genannt wird, hat hingegen nur seinen Gehilfen, den siebten Sohn eines siebten Sohnes, an seiner Seite. Ausbilden muss er ihn im Schnellverfahren. Zusammen bestehen Meister und Lehrling einige Abenteuer, bis sie sich der Hexenkönigin und ihren Untertanen zum letzten Kampf stellen.

Jedem, der schon einmal etwas von der „Geralt“-Saga des polnischen Autors Andrzej Sapkowski bzw. der Computerspiel-Reihe „The Witcher“ gehört hat, wird die Geschichte, die in „Seventh Son“ erzählt wird, bekannt vorkommen. Wobei es weniger die Geschichte an sich ist – vielmehr ist es die Figur des „Spook“, die offenbar stark von eben jenem Hexer Geralt inspiriert wurde. Die Parallelen sind offensichtlich: Sowohl Spook als auch Hexer verdingen sich als eine Art Geisterjäger, der – gegen klingende Münze – allerlei finstere Geschöpfe vernichtet und verbannt. Zimperlich sind beide nicht, was die Wahl der Waffen und die Methoden zur Vernichtung ihrer Gegner betrifft. Und noch eine Gemeinsamkeit gibt es: Weder Spook noch Hexer sind bei den Menschen sonderlich beliebt, werden aber als notwendiges Übel angesehen, um schmutzige und gefährliche Arbeiten zu erledigen. Im Wesentlichen gibt es nur zwei Unterschiede zwischen den Figuren: Einerseits hat der Spook im Gegensatz zum Hexer einen Gehilfen, den er selbst ausbildet, andererseits ist er ein normaler Mensch während der Hexer eine Art magiebegabter Mutant ist. Ansonsten gibt es keine Unterschiede – beide sind intelligent, Meister mit verschiedensten Waffen, ständig übel gelaunt und einem guten Tropfen nicht abgeneigt. Die Vorlage zum Film „Seventh Son“ ist allerdings nicht der Hexer, sondern der „Spook“-Zyklus, eine Fantasy-Reihe für Kinder, geschrieben vom Briten Joseph Delaney. Ob und wie sehr der sich bei Sapkowski bedient hat, kann jeder für sich selbst beurteilen.

Schwache Nebencharaktere, mittelprächtige Hauptfiguren.

Dass die Story das Rad nicht neu erfindet, habe ich bereits erwähnt. Muss sie natürlich nicht – dass so etwas auch gut gehen kann, zeigt „Seventh Son“ meiner Ansicht nach recht deutlich. Der Film unterhält gut, auch wenn ich persönlich die gemeinsame Vergangenheit von Hexenkönigin und Geisterjäger etwas zu dick aufgetragen finde. Darüber kann man allerdings hinwegsehen – ganz im Gegensatz zu den teils recht schwachen Charakteren. Dabei macht es mir nicht einmal etwas aus, dass die Nebenfiguren per se extrem schablonenhaft daherkommen. Dass ihre Geschichte, ihre Motivation und ihre Absichten aber so gar nicht beleuchtet werden, stört mich hingegen schon. Das umso mehr, weil man ja eigentlich das Gefühl hätte, es wäre an dieser Stelle mehr möglich gewesen. Ich hätte beispielsweise zu gerne gewusst, was Radu, der Anführer der Assassinen, mit seiner Armee so gemacht hat, bis ihn die Hexenkönigin zu sich ruft. So ist er eigentlich nur der Befehlshaber über eine Bande von Kanonenfutter. Glatt, ohne Ecken und Kanten wie seine Kollegen, die genau darum nicht wirklich gefährlich sondern wie leichte Beute für den Spook wirken. Das könnte natürlich der Adaption einer Buchvorlage geschuldet sein, die – so meine Vermutung – wesentlich detaillierter sein sollte.

Aber auch von den Hauptfiguren bin ich nicht ganz überzeugt. Jeff Bridges gefällt mir als gealterter Spook sehr gut, hat ein bisschen was von seiner Paraderolle als Jeffrey Lebowsky. Seine Verkörperung des zynischen und vom Leben als Außenseiter gezeichneten Geisterjägers kann jedenfalls überzeugen. Sein Gehilfe Tom Ward, der „Siebte Sohn“, wird passabel von Ben Barnes dargestellt – ein echter Sympathieträger, wie er in dieser Rolle vermutlich sein sollte, ist er jedoch nicht. Julianne Moore als böse Hexenkönigin Mutter Malkin macht ihre Sache recht gut, hätte aber von der Charakterentwicklung her etwas mehr Feinschliff gebraucht. Bleibt noch Alicia Vikander, die das „Halbblut“ Alice spielt. Auch hier gilt: Die Schauspielerin macht ihre Sache ordentlich, die Rolle ist allerdings denkbar klischeehaft angelegt. Leider.

Letztlich ist „Seventh Son“ ein unterhaltsamer Hollywood-Blockbuster. Ob der Film überhaupt mehr sein möchte, weiß ich nicht – ich hätte es definitiv besser gefunden, wenn etwas mehr Tiefe vorhanden gewesen wäre. Dann wäre der Film wohl länger geworden, was aus meiner Sicht auch überhaupt kein Problem gewesen wäre. So gibt es 4 Punkte für einen lässigen Streifen, der sehr kurzweilig daherkommt, bei dem man aber durchgehend das Gefühl hat, dass wichtige Aspekte der Vorlage fehlen.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Seventh Son
Regie: Sergey Bodrow
Jahr: 2014
Land: USA, UK, Russland
Laufzeit: 102 Minuten
Besetzung (Auswahl): Ben Barnes, Jeff Bridges, Julianne Moore, Alice Vikander, Kit Harrington