FilmWelt: The Cloverfield Paradox

„Cloverfield“ (2008) hat durch seine erfrischende Herangehensweise an das Monsterfilm-Genre heute nahezu Klassikerstatus. Natürlich war man als Zuseher am Ende versessen auf weitere Erklärungen – die Frage nach der Herkunft des Monsters beherrschte die Diskussion. Gerüchte über Fortsetzungen waren immer wieder zu hören, letztlich musste man bis 2016 und „10 Cloverfield Lane“ warten. Ein guter Film, keine Frage, wenn auch keine wirklich Fortsetzung. „The Cloverfield Paradox“ kam schließlich 2018. Nicht ins Kino sondern direkt auf Netflix. Ein Hinweis auf die Schwäche des Films und das geringe zu erwartende Zuschauerinteresse?

Gesamteindruck: 2/7


Muss man nicht gesehen haben.

Endet ein Film gänzlich ohne Erklärungen, ist das immer eine Zwickmühle. Einerseits fühlt man sich als Zuseher dadurch oft unbefriedigt, andererseits umgibt das den betreffenden Film mit einem Mysterium, der ihn erst richtig interessant macht. Außerdem: Spekulation und das Anstrengen der eigenen Fantasie sind ja per se nichts Schlechtes. Die Neugier bleibt natürlich trotz selbst gezimmerter oder in Foren gelesener Überlegungen bestehen. Denn auch die schönsten Theorien bleiben ja genau das und man hat immer das Gefühl, dass nur „offizielle“ Erklärungen die letzte Befriedigung bringen. So ungefähr war es wohl auch bei „Cloverfield“, dem Film, der zehn Jahre vor „The Cloverfield Paradox“ in die Kinos kam. Der Star des Films war ein riesiges Monster, von dem niemand wusste, was es wollte und wo es herkam. Das wurde auch im Quasi-Nachfolger „10 Cloverfield Lane“ nicht geklärt, sodass die Hoffnungen der Fan-Gemeinde auf den 2018 überraschend auf Netflix veröffentlichten „The Cloverfield Paradox“ lagen.

Inhalt in Kurzfassung
2028 sind die Energiereserven der Erde so gut wie verbraucht. Die letzte Hoffnung der Menschheit: Der Shepard-Teilchenbeschleuniger, der unendlich viel Energie liefern könnte. Installiert ist das Wunder der Technik auf der internationalen Cloverfield-Raumstation. Die Frustration an Bord ist groß, brachten bisherige Tests doch keine positiven Ergebnisse. In einem neuen Versuch zeigt sich der Shepard schließlich doch stabil, allerdings nur für einen kurzen Moment. Der darauf folgende Energiestoß beschädigt nicht nur die Station, sondern lässt gleichzeitig scheinbar die Erde verschwinden. Doch damit nicht genug, merkwürdige und unheimliche Ereignisse lassen die Crew immer mehr in Richtung Wahnsinn abgleiten.

Irgendwie kommt einem die Story bekannt vor. Und wenn man den Film gesehen hat, ist das nicht das einzige Element, das man in anderen Produktionen bereits mehr als einmal gesehen hat. Um ein paar davon zu nennen: „Event Horizon“, „The Abyss“, „Solaris“ oder auch „Sphere“ haben meines Erachtens ganz deutlich Pate für Geschichte und/oder Optik von „The Cloverfield Paradox“ gestanden. Nun ist es ja nicht zwingend negativ, sich bei größeren oder kleineren Klassikern zu bedienen. Leider hat „The Cloverfield Paradox“ Probleme, die über das ausgiebige Paraphrasieren von ähnlich gelagerten Filmen hinausgehen.

Wirre Handlung ohne große Substanz.

Beginnen wir mit der Handlung. Abgesehen davon, dass sie für sich genommen wenig spannend ist, hat sie zwei Punkte, die entschieden zu kritisieren sind. Erstens ist der Film im Detail sehr verwirrend und mit einer Vielzahl von losen Fäden durchzogen. Und damit meine ich nicht, dass das Ende offen wäre, sondern, dass einige Szenen keiner verständlichen Logik folgen. Als Beispiel: Das Gyroskop, eine Art Kompass, der es der Raumstation ermöglicht, ihre eigene Position im Weltraum zu bestimmen, ist nach dem Unfall verschwunden. Dass ein abgetrennter Arm (!) mit Eigenleben der Crew aufschreibt (!!), wo das Ding zu finden ist, ist befremdlich genug. Der Fundort des Gyroskops (den der Arm übrigens richtig beschreibt) ist um nichts besser. Wie es dort hingekommen ist? Wieso der Arm lebendig ist? Wieso der ursprüngliche Besitzer des Arms keine Schmerzen hat und nicht blutet? Wird alles nicht erklärt. Und das wirkt keinesfalls rätselhaft sondern dilettantisch und (unfreiwillig) komisch. Es ist so, als ob man die Frage nach den Hintergründen solcher Ereignisse einfach aus dem Film geschnitten hätte. Das führt im Übrigen auch dazu, dass die philosophisch-moralischen Fragestellungen, die sich aus so gefährlichen Experimenten zwangsläufig ergeben sollten, nicht beim Zuseher ankommen. Substanz? Kaum vorhanden – und das trotz der Komplexität des Themas.

Das zweite Problem mit der Geschichte ist, dass sie den Namen „Cloverfield“ trägt. Damit meine ich nicht primär, dass der Film dieses Titels unwürdig ist (obwohl er das tatsächlich ist). „10 Cloverfield Lane“ war ja ursprünglich ein Film, der nichts mit dem Cloverfield-Universum zu tun hatte. Erst relativ spät wurden der Name geändert und Szenen, die eine Verbindung zu jenem Universum herstellten, hinzugefügt. Das ist sogar einigermaßen gut gelungen. Bei „The Cloverfield Paradox“ verhält es sich anders. Hier wurde ein bestehendes Skript („God Particle“) genommen und versucht, es mit aller Gewalt so anzupassen, dass man es unter „Cloverfield“ laufen lassen konnte. Entsprechend angestrengt wirken dann auch die Anspielungen, die ab und an im Film vorkommen, wobei ich vermutlich einiges davon gar nicht mitbekommen habe, weil das Seh-„Vergnügen“ auch so schon anstrengend genug war.

Keine Identifikationsfiguren.

All das würde eigentlich schon reichen, um „The Cloverfield Paradox“ als echten Rohrkrepierer abzutun. Doch leider ist es damit noch nicht genug, denn auch der Cast kann nichts dazu beitragen, den Film besser zu machen. Abgesehen von Daniel Brühl, den man zumindest im deutschsprachigen Raum gut kennt, ist kein bekannter Schauspieler an Bord. Das hat selbstverständlich nichts über die Qualität zu sagen, eventuell aber darüber, dass sich kein bekannterer Name für das Projekt interessiert hat. So zumindest der Eindruck.

Jedenfalls haben es die Darsteller vor allem deshalb schwer, weil ihre Rollen nicht unbedingt tiefgründig angelegt wurden. Abgesehen von der Hauptperson Ava Hamilton ist kein Charakter mit mehr als ein paar rudimentären Hintergrundinfos ausgestattet. Entsprechend kann man sich nicht mit den Personen, die da durch die Raumstation gejagt werden und kaum Zeit zum Durchschnaufen haben, identifizieren. Das gilt übrigens auch für die Hauptdarstellerin bzw. ihre Rolle, weil ihre tragische Hintergrundgeschichte schlicht und ergreifend langweilt. Sie bietet nichts Neues und ist daher kaum geeignet, den Film zu tragen. Schade für die durchaus begabte Schauspielerin Gugu Mbatha-Raw.

Ein echtes Debakel.

Man sieht schon: „The Cloverfield Paradox“ ist katastrophal schlecht geworden. Als Einzelfilm wäre die Niederlage wohl nicht ganz so verheerend ausgefallen, als Teil des „Cloverfield“-Franchise kann man meines Erachtens kaum etwas Positives finden. Ja, es gibt einzelne Szenen, die zu gefallen wissen. Der größte Glücksmoment war für mich übrigens die Schlussszene, bei der man nach Genuss des restlichen Films allerdings den Eindruck hat, dass sie nur als Versuch, das Steuer doch noch herumzureißen, eingesetzt wurde. Viel mehr ist da einfach nicht. Gnädige zwei Punkte gibt es dafür und für den einen oder anderen guten Effekt sowie die passende Sound-Untermalung.

PS: Eine Fortsetzung ist geplant. Ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder fürchten soll.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: The Cloverfield Paradox
Regie: Julius Onah
Jahr: 2018
Land: USA
Laufzeit: 102 Minuten
Besetzung (Auswahl): Gugu Mbatha-Raw, Daniel Brühl, Elizabeth Debicki, Aksel Hennie,  Zhang Ziyi, Chris O’Dowd



 

3 Gedanken zu “FilmWelt: The Cloverfield Paradox

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