FilmWelt: Auslöschung

Es ist fast schon ein schlechtes Omen: Mit „The Cloverfield Paradox“ und „The Ritual“ musste ich zwei Filme, die ohne den Umweg über das Kino auf Netflix veröffentlicht wurden, eine schlechte Bewertung geben. „Auslöschung“ ist der Dritte im Bunde der direkt auf dem Streaming-Dienst veröffentlichten Filme, der auf WeltenDing besprochen wird. Und ja, auch hier hätte ich mir wesentlich mehr erwartet, als letztlich abgeliefert wurde.

Gesamteindruck: 4/7


Streckenweise zu langatmig.

„Auslöschung“, entstanden unter der Regie von Alex Garland (u.a. „28 Days Later“, „Dredd“), basiert auf dem gleichnamigen Auftakt der „Southern Reach-Trilogie“ von Jeff VanderMeer aus dem Jahr 2014. Wir haben es also mit der Verfilmung eines sehr jungen Stoffs zu tun. Vorausschickend und für alle Kenner des Buches sei erwähnt, dass die Verbindung zwischen Buch und Film relativ lose ist. Die Unterschiede sind meines Erachtens nur teilweise dramaturgischen Gründen geschuldet (so hat im Buch im Gegensatz zum Film z.B. keine Figur einen Namen, die Berufsbezeichnungen reichen dem Autor aus). Die Geschichte selbst ist ähnlich, die Abweichungen in den Details jedoch stellenweise so signifikant, dass man kaum noch von einer „richtigen“ Adaption sprechen mag.

Inhalt in Kurzfassung
Ein Phänomen, genannt „der Schimmer“, liegt seit einigen Jahren wie ein Schild über einem nicht näher bezeichneten Landstrich. Bisher wurden elf Expeditionen in das innere des Gebietes geschickt, um zu erkunden, was jenseits der Grenze passiert. Jede davon war ein Fehlschlag – die Teilnehmer verschwanden spurlos, begingen Selbstmord oder kehrten unheilbar krank zurück und starben bald darauf. In „Auslöschung“ macht sich die zwölfte Expedition, ein reines Frauen-Team, auf den Weg in den Schimmer. Der Auftrag: Erforschung der Tier- und Pflanzenwelt und Aufdeckung der Ursache für die Entstehung des Gebietes. 

Die Prämisse von „Auslöschung“ ist durchaus interessant, auch wenn die Idee schon recht dreist von „Picknick am Wegesrand“ der Strugatzki-Brüder abgekupfert ist. Dafür kann der Film natürlich nichts, die Schuld, wenn man so will, liegt beim Autor der Buchvorlage. Wie dem auch sei, die Geschichte, die „Auslöschung“ erzählt, macht definitiv neugierig. Das Mysterium, das den Schimmer umgibt, wird gut aufgebaut, wozu auch die tolle Optik des Films beiträgt. Allein, wie sich die Welt außer- und innerhalb der Grenze unterscheidet, wurde exzellent umgesetzt und verleiht dem Film etwas von „Alice im Wunderland“.

Holpriger Aufbau…

Leider dauert es viel zu lang, bis der Zuseher zu sehen bekommt, was er dank des exzellenten Trailers erwartet. Nicht falsch verstehen: Ein behutsamer Aufbau muss nicht schlecht sein. „Auslöschung“ geht in diesem Zusammenhang zunächst auf Nummer sicher und unterscheidet sich in der Charakterentwicklung kaum von anderen Filmen. Heißt: Die Hauptdarstellerin wird in verschiedenen Facetten vorgestellt, gerne auch mit Rückblenden. Dabei hält sich der Film einigermaßen an die literarische Vorlage, allerdings wird ihm gerade das zum Verhängnis. Denn die Durchschnittlichkeit und das fehlende Charisma der Biologin sind schon im Buch alles andere als ein Highlight. Im Film, der naturgemäß straffen muss, geht der Figur jegliche Identifikationsmöglichkeit ab. Daran ändert auch die Starbesetzung mit Natalie Portman nicht viel, wenngleich sie durch ihre Leistung einiges wettmachen kann.

Das nutzt natürlich nichts, wenn das Drehbuch den Funken einfach nicht überspringen lässt. Der Regisseur ergeht sich den ganzen Film über in relativ langen Szenen, in denen kaum gesprochen wird. Das soll wohl bedeutungsschwer sein, langweilt letztlich aber gerade im ersten Drittel über weite Strecken.

Abgesehen von dieser Schwerfälligkeit schafft man auch nur mit Müh‘ und Not ein wenig Interesse an der Hauptfigur. Der Rest des Casts ist Beiwerk, was bedeutet, dass man von Anfang an weiß, wer überleben wird und wie der Film ausgeht – und das nicht nur, weil man ohnehin gleich in den ersten Szenen gespoilert wird. Diese Herangehensweise ist an und für sich in Ordnung, setzt aber voraus, dass im restlichen Film die Spannung z.B. durch gruppendynamische Prozesse aufrecht erhalten wird. Die gibt es in „Auslöschung“ praktisch gar nicht – oder sie sind so banal, dass sie den langsamen Aufbau wie Hohn wirken lassen.

Dennoch wird der Film im Hauptteil besser und nimmt, beginnend mit dem Betreten des Schimmers, an Fahrt auf. Das liegt zum einen daran, dass es die eine oder andere Action-Szene zu sehen gibt, zum anderen beginnen die Figuren tatsächlich, so miteinander zu agieren, wie man sich das erhofft. Diese Kombination führt gemeinsam mit den Dingen, die die Gruppe im Schimmer findet und die mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten, zu einem gutklassigen Mittelteil. Man rätselt mit, man erschreckt sich, man ist begierig darauf, dass das Geheimnis gelüftet wird. Und vor allem ist man von der fantasievollen Optik begeistert.

…langatmiges Finale.

Leider kann das Finale wiederum nicht punkten. Kenner des Buches, das sehr offen endet und keinerlei Erklärungen bietet, wissen um diese Problematik. Nun ist es aber so, dass der Film sogar mehr zu erklären versucht. Das misslingt letztlich, sodass das Ende weder Fisch noch Fleisch ist. Noch dazu ist die Schlüssel-Sequenz extrem langatmig geraten und sorgt für mein Dafürhalten für einen negativen Schlusspunkt. Das hätte so nicht sein müssen, ich verstehe nicht, was da im Kopf von Alex Garland vorgegangen ist. Vielleicht wollte er ein Ende á lá „2001 – Odyssee im Weltraum“ generieren? Schon bei jenem filmischen Meisterwerk ist das bei mir nicht so richtig angekommen, bei „Auslöschung“ ist es ein einziges Ärgernis, wenn sich Natalie Portman im mehr oder minder synchronisierten Paartanz durchs Bild quält.

Aber vielleicht verstehe ich das alles nur nicht? War nicht ein Grund, wieso man den Film dem hiesigen Kinopublikum nicht zumuten wollte, dass er „zu intellektuell“ wäre? Wenn dem so ist, bin ich wohl tatsächlich nicht verkopft genug, um Handlung und Drehbuch von „Auslöschung“ schätzen zu können. Sehr wohl punkten kann der Film bei mir hingegen mit optischer Qualität und in Teilen auch mit düsterer Atmosphäre. Das allein reicht mir aber nicht für eine bessere Bewertung.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Annihilation
Regie: Alex Garland
Jahr: 2018
Land: USA, UK
Laufzeit: 115 Minuten
Besetzung (Auswahl): Natalie Portman, Jennifer Jason Leigh, Gina Rodriguez, Tuva Novotny, Tessa Thompson, Oscar Isaac



 

7 Gedanken zu “FilmWelt: Auslöschung

  1. Pingback: Filme A-Z | Weltending.
  2. Nachdem der Trailer mich schon mehr gelangweilt als fasziniert hat, werde ich diesen Film dann wohl besten Gewissens ignorieren. Merci für die Entscheidungshilfe 🙂

  3. Pingback: BuchWelt: Auslöschung | Weltending.

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