BuchWelt: Auslöschung

Jeff VanderMeer


„Auslöschung“ ist Buch 1 der „Southern Reach Trilogie“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Jeff VanderMeer. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 3 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung der Trilogie. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 3/7


Wenig Spannung.

„Auslöschung“ erschien 2014 als Auftakt-Roman der „Southern Reach Trilogie“ und wurde unter anderem mit dem prestigeträchtigen Nebula Award ausgezeichnet. 2018 wurde das Buch unter gleichem Namen von Alex Garland verfilmt. All das klingt nach Qualität und auch der Klappentext weckt sofort Interesse. Was Autor Jeff VanderMeer letztlich abliefert, lässt beim Rezensenten jedoch höchst zwiespältige Gefühle und einige Fragezeichen zurück.

Inhalt in Kurzfassung
Area X ist ein Landstrich, der vor vielen Jahren durch ein unbekanntes Ereignis von einer unsichtbaren Grenze umschlossen wurde. Was genau im militärisch abgeriegelten Gebiet vor sich geht, ist auch für die zuständige Behörde Southern Reach nach wie vor ein Rätsel. Alle Expeditionen, die „hinein“ geschickt wurden, kehrten entweder gar nicht oder merkwürdig verändert zurück und konnten nichts zur Lösung des Geheimnisses beitragen. Weil sich das Gebiet aber auszudehnen scheint, müssen immer neue Freiwillige gefunden werden, die die Grenze überschreiten um Informationen zu beschaffen. Das ist auch der Auftrag der 12. Expedition, die aus vier Frauen besteht: Eine Psychologin, eine Vermesserin, eine Anthropologin und eine Biologin versuchen, das Unbegreifliche zu verstehen. Dabei geraten sie schnell selbst in den Bann von Area X.

Diese Inhaltsangabe wird jedem bekannt vorkommen, der „Picknick am Wegesrand“ gelesen hat. Die Zone, die sich jedem Verständnis entzieht, die gefahrvollen Expeditionen, die merkwürdigen Veränderungen – all das wurde von Arkadi und Boris Strugatzki bereits 1971 thematisiert. Stilistisch erinnert der aus Sicht der Biologin in der Ich-Form geschriebene Roman hingegen eher an die Werke von H.P. Lovecraft, von dem auch der eher unterschwellig verpackte Horror inspiriert sein dürfte. Schließlich sollte man bei den Einflüssen auch das Schaffen von Stanisław Lem, speziell „Solaris“, in dem die Grenzen der Wissenschaft ähnlich anschaulich aufgezeigt werden, nicht vergessen. All das ist selbstverständlich kein Grund für die mittelprächtige Bewertung – man darf sich ruhig bei den Besten bedienen, vor allem, wenn man es wie Jeff VanderMeer auf durchaus angemessene Art macht.

Erwartungen nicht erfüllt.

Wie so oft scheint das Problem eher bei den Erwartungen des Lesers zu liegen. Die Geschichte über ein von der Natur zurückerobertes Gebiet, in dem allerlei Unheimliches und Rätselhaftes passiert, ist gut gelungen und spannend umgesetzt – auch wenn eine Lösung freilich ausbleibt, so viel sei verraten. Allerdings ist „Auslöschung“ auch nur der Auftakt einer Trilogie, sodass erschöpfende Erklärungen gar nicht zu erwarten sind. Letztlich macht die Handlung, die man aufgrund der Inhaltsangabe erwartet, jedoch maximal die Hälfte der rund 240 Seiten aus. Der Rest ist eher eine Art Entwicklungsroman, in dem versucht wird, die Beweggründe der Hauptperson, sich der Expedition anzuschließen, zu erörtern. Grob gesagt wird die Hintergrundgeschichte dieser Figur in jedem zweiten Kapitel behandelt, immer abwechselnd zu den Ereignissen in Area X.

Diese Herangehensweise macht die Lektüre zerfahren und teilweise zäh. Denn so gerne man erfahren möchte, was das Geheimnis von Area X ist und so schnell sich die Abenteuer, die das Team dort erlebt, meist lesen, so zäh sind die Episoden, die sich mit dem Leben der Ich-Erzählerin beschäftigen. Ich möchte nicht sagen, dass alles davon schlecht ist, kann aber auch nicht verhehlen, dass weite Teile ihrer Geschichte schlicht langweilen. Ist man mit dem Buch durch, fragt man sich automatisch, ob die oft extrem detaillierten Beschreibungen des Vorlebens der Protagonistin überhaupt notwendig gewesen wären – für den Ausgang der Geschichte spielen sie keine Rolle, was für einen schalen Nachgeschmack sorgt.

Leider konnte ich auch mit dem sachlich-nüchternen Stil von „Auslöschung“ relativ wenig anfangen. Im Gegenteil, dadurch gestaltete sich die Lektüre für mich großteils sogar noch zäher. Im Endeffekt habe ich damit für die rund 240 Seiten länger gebraucht, als man erwarten kann. Und das ist nie ein gutes Zeichen.

(c) Knaur

Gesamteindruck: 3/7


Autor: Jeff VanderMeer
Originaltitel: Annihilation – Southern Reach Trilogy 1.
Erstveröffentlichung: 2014
Umfang: ca. 240 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch

6 Gedanken zu “BuchWelt: Auslöschung

  1. Pingback: Autoren A-Z | Weltending.
  2. Klingt ja leider nicht so dolle. Da ich aber ohnehin keine Trilo- und sonstige -gien lese, bevor nicht alle Bände veröffentlicht sind, kann ich ja gespannt auf Deine Einschätzung warten. Ich sage meinen Dank!

  3. Pingback: BuchWelt: Autorität | Weltending.
  4. Pingback: BuchWelt: Akzeptanz | Weltending.
  5. Pingback: BuchWelt: „Southern Reach Trilogie“ – Zusammenfassende Bewertung | Weltending.

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