FilmWelt: Solo: A Star Wars Story

Als klar wurde, dass der Star Wars-Rechteinhaber Disney auf eine andere, wesentlich schnellere Veröffentlichungspolitik setzen würde, als man es bisher gewohnt war, habe ich mich zunächst gefreut. Keine gefühlt endlose Warterei auf den nächsten Film mehr, sondern jedes Jahr neuer Stoff – das schien eine gute Idee zu sein, weil das von George Lucas geschaffene Universum mehr als genug hergibt, um zahllose Geschichten zu erzählen. Leider zeigt sich am 2018er „Solo: A Star Wars Stoy“ (kurz: „Solo“), dass es vielleicht doch nicht so gut ist, von Film zu Film zu hetzen.

Gesamteindruck: 4/7


Schmuggler, Pilot und Wookie-Zähmer.

„Solo“ ist der zweite Film aus der Reihe der „A Star Wars Story“-Ableger, die außerhalb der Episoden der Hauptreihe existieren. Gleichzeitig ist „Solo“ der dritte Star Wars-Film, der innerhalb von drei Jahren veröffentlicht wurde (2015: Episode VII: Das Erwachen der Macht, 2016: Rogue One, 2017: Episode VIII: Die letzten Jedi). Dazu sei auch noch gesagt, dass zwischen „Die letzten Jedi“ und „Solo“ kein Jahr, sondern nur rund fünf Monate liegen. Masse statt Klasse also?

Inhalt in Kurzfassung
Auch wenn das Imperium mit eiserner Hand über die Galaxis herrscht, haben Schmuggler und Verbrechersyndikate Hochkonjunktur. Einer der Gesetzlosen, die am Rande der Gesellschaft stehen und jede sich bietende Gelegenheit nutzen, ist Han Solo. Der Film erzählt, wie aus dem jungen Dieb einer der besten Piloten und Schmuggler des Universums wird – und, wie er dabei zu seinem legendären Raumschiff kommt und seinen langjährigen Freund und Copiloten Chewbacca trifft.

Fangen wir mit dem Positiven an: Der Film ist handwerklich sehr gut gemacht, keine Frage. Der Sound stimmt und die Effekte passen. Die Optik ist (fast) typisch, mir persönlich wirken wiederum einige Design-Elemente zu „neu“ bzw. zu glatt poliert. Im Haben sind – selbstverständlich – auch diverse Anspielungen und Momente zu verbuchen, die auf zukünftige Entwicklungen verweisen und so den Fans der Ursprungs-Trilogie als „Anker“ dienen.

Besetzungstechnisch bin ich dann schon weniger zufrieden. Zumindest hat man mit Donald Glover einen Goldgriff getan, er verkörpert den jungen Lando Calrissian tatsächlich so, dass man an Billy Dee Williams (Episoden V und VI) denkt. Alden Ehrenreich als Han Solo kann da für meinen Geschmack nicht mithalten. Den kann ich einfach nicht mit der von Harrison Ford so markant gespielten Rolle in Verbindung bringen. Nun sind das natürlich große Fußstapfen, die zu füllen wären – dass das nicht ganz funktioniert, kann man aber auch nicht Ehrenreich allein vorwerfen, es ist schon auch das Drehbuch, das ihn unter Wert verkauft.

Wen haben wir sonst noch? Emilia Clarke, bekannt aus der Serie „Game of Thrones“ (in „Solo“ allerdings – wie im wirklichen Leben – nicht blond und daher erst auf den 2. Blick zu erkennen) spielt das schmückende, weibliche Beiwerk – und kommt über dieses Klischee tatsächlich nicht hinaus. Ganz anders Woody Harrelson, den ich als undurchschaubaren, mal gut, mal böse agierenden Schurken überraschend und erfrischend empfinde. Leider hat auch er, ähnlich wie Alden Ehrenreich, mit einer Rolle zu kämpfen, die zwar Tiefe andeutet, im Endeffekt aber nicht über eben diese Andeutung hinaus kommt. Ebenso der Oberschurke Dryden Vos (gespielt von Paul Bettany) der mit seinem Narbengesicht wohl Gefährlichkeit ausstrahlen soll – davon aber weit entfernt ist, sodass er nicht mehr als ein Abziehbild eines typischen Star Wars-Bösewicht darstellt. Richtig Angst muss man vor ihm nicht haben. Bleiben Joonas „Chewbacca“ Suotamo und Phoebe „L3-37“ Waller-Bridge, die zwar größere Rollen haben, aber aufgrund der verkörperten Figuren eine Sonderstellung einnehmen, die kaum eine Beurteilung der schauspielerischen Leistung zulässt.

Bleibt inhaltlich viel zu flach.

Das größte Problem an „Solo“ ist – leider – wie schon bei „Das Erwachen der Macht“ der Inhalt. In diesem Zusammenhang könnte man bei den Dingen, die an „Solo“ stören, den einen oder anderen Einzelaspekt nennen – so z.B. dass es relativ am Anfang gleich mit einer handelsüblichen Verfolgungsjagd losgeht, die mir viel zu lang dauert und die man so ähnlich schon aus praktisch jedem Star Wars-Film kennt. Nervte mich hier ganz besonders. Es macht aber meiner Meinung nach gar nicht so viel Sinn, auf solche Details einzugehen, die einen per se guten Film vielleicht ein wenig schwächen mögen, aber normalerweise kein Beinbruch sind. Ausklammern muss man auch dabei die generelle Problematik, dass ein Prequel wenig Überraschungen hinsichtlich des Ausganges bieten kann – weiß man doch genau, wer zum Schluss überleben muss.

Unabhängig von alledem gibt es Logiklöcher und, noch störender, ungelöste Handlungsfäden (die wohl auf eine Fortsetzung hindeuten). Pläne scheitern hier relativ häufig, sodass man sich immer wieder fragt, wozu die teils sehr aufwändige Inszenierung dient. Ganz generell ist die Story flach und vorhersehbar, die Dialoge zum Teil schon witzig, insgesamt aber doch eher fad. Und: Es ist klar, dass sich dieser Film um den Hauptprotagonisten drehen muss – aber das mittelmäßige Drehbuch und die Leistung von Aldo Ehrenreich können das Ganze einfach nicht tragen. Das hätte nur durch einen starken Bösewicht/Gegenspieler kompensiert werden können, den es aber nicht gibt. Durch dessen Fehlen haben wir es mit lauter flachen Figuren zu tun, maximal der genannte Woody Harrelson (Was für einen unspektakuläreren Namen hat seine Rolle Tobias Beckett überhaupt?) ist einigermaßen interessant.

Ohne Droiden geht es nicht.

Ich persönlich hätte auch auf den gesamten Handlungsstrang um L3 verzichten können – das passt für mich nicht rein, macht zum Schluss Lando Calrissian sogar ein bisschen lächerlich und wirkt wie der plumpe Versuch, zwanghaft eine tragende Rolle für einen Roboter zu finden. Dass dadurch witzige Momente entstehen bestreite ich nicht – ich hätte aber z.B. lieber Solos Weg bei der Pilotenausbildung verfolgt, das hätte mir – zumindest in meiner Fantasie – mehr geholfen, eine tiefere Bindung zum Helden aufzubauen. Oder den Weg von Chewbacca in die Sklaverei. Keine Ahnung – so vieles wäre möglich gewesen und fehlt einfach.

Fazit: „Solo“ hat durchaus seine Momente und weiß zum Teil zu unterhalten. Gleichzeitig lässt er mich aber an meinem eigenen Geschmack zweifeln. Oder, anders gesagt: Er gibt mir erneut das Rätsel auf, was ein aktueller Film eigentlich haben muss, um uneingeschränkt zu gefallen. Das gilt ganz allgemein, weil ich im Kino in letzter Zeit immer wieder enttäuscht werde, speziell aber eben auch für Star Wars. Mit „Episode VII“ erging es mir genau wie mit „Solo“, „Episode VIII“ fand ich wesentlich stärker als diese beiden, am besten war meiner Meinung nach aber „Rogue One“. Wieso ist das so? Ich kann es einfach nicht festmachen, dabei wollte ich sowohl „Episode VII“ als auch „Solo“ unbedingt mögen. Vielleicht zu sehr? Zu hohe Erwartungen? Ich weiß es nicht.

Und so würde ich Solo im bisherigen Star Wars-Film-Kanon einordnen:

Episode I – Die Dunkle Bedrohung 3/7
Episode II – Angriff der Klongkrieger 2/7
Episode III – Die Rache der Sith 5/7
Episode IV – Eine neue Hoffnung 6/7
Episode V – Das Imperium schlägt zurück 7/7
Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter 7/7
Episode VII – Das Erwachen der Macht 4/7
Episode VIII – Die letzten Jedi 5/7
Rogue One 6/7

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Star Wars: The Last Jedi
Regie: Ron Howard
Jahr: 2018
Land: USA
Laufzeit: 135 Minuten
Besetzung (Auswahl): Alden Ehrenreich, Woody Harrelson, Donal Glover, Emilia Clarke, Joonas Suotamo, Thandie Newton



 

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