MusikWelt: Dark Endless

Marduk


Das Marduk-Debüt „Dark Endless“ ist 1992 erschienen, die Protagonisten waren jung, die ganze Szene war jung und (zum Teil) technisch entsprechend unbedarft. Kann man also kaum mit heutigen Platten von wem auch immer vergleichen, auch nicht mit aktuellen Debüts, denn die Zeiten haben sich in vielfacher Hinsicht geändert. Das sollte jedenfalls nicht vergessen werden, wenn man sich dieses Album anno 2018 anhört und sich wundert, wo denn da der Black Metal sein soll.

Gesamteindruck: 3/7


Rumpelt und knarzt vor sich hin.

In einem Internet-Forum, in dem ich aktiv bin, wurde unlängst die Idee geboren, alle Alben einer Band in chronologischer Reihenfolge zu hören und zu bewerten. Warum nicht – alte Scheiben unter neuen Gesichtspunkten anzuhören oder gar neu zu entdecken, ist definitiv ein lohnendes Unterfangen. Als erste Band wurden die schwedischen Black Metal-Urgesteine Marduk ausgewählt. Definitiv ein interessanter Start – und ich habe mich entschlossen, meine Hörerlebnisse auch hier festzuhalten.

Im Prinzip ist es mit „Dark Endless“ ähnlich wie mit vergleichbaren Debüt-Alben, siehe dazu zB auch meine Rezension zu „Diabolical Fullmoon Mysticism“ (Immortal, ebenfalls 1992): Man hört das Talent der Band ansatzweise und in einzelnen Nummern heraus, so richtig will der Funke aber nicht überspringen. Der Eindruck, dass man hier ein Album einer Band hört, deren Karriere zum Zeitpunkt dieser Rezension bald 30 Jahre andauert und die in ihrer Nische sogar überaus erfolgreich ist, stellt sich nicht ein. Oder, positiv formuliert: Mit dem Wissen um das, was uns auf späteren Platten der Truppe erwartet, ist man geneigt, mehr in „Dark Endless“ zu sehen, als man dem Album zugestanden hätte, wenn man es 1992 erstmals gehört hätte. So jedenfalls meine persönliche Einschätzung – ob diejenigen, die 1992 dabei waren, das auch so sehen, kann ich nicht beurteilen. Was die Gesamtwertung betrifft war ich kurz davor, 4 oder sogar 5 Punkte zu geben. Nach mehreren Durchläufen musste ich konstatieren, dass ich mich von zwei großartigen Nummern ein bisschen habe blenden lassen und das Album als Ganzes nicht so stark ist, wie ich zunächst dachte.

Kaum Black Metal.

Für die genre-technische Einordnung von „Dark Endless“ reicht hingegen ein Hördurchgang. Wie schon Darkthrone auf ihrem Debüt „Soulside Journey“ (1991) sind Marduk 1992 noch sehr stark auf Death Metal fokussiert, dessen schwedische Spielart damals noch relativ neu war. Ein paar schwarze Einsprengsel gibt es auf dem Album zwar, der Großteil des Sounds poltert allerdings eher todesmetallisch vor sich hin. Ganz generell hat man das Gefühl, dass „Dark Endless“ heute sogar mehr Lorbeeren einstreichen könnte als noch 1992, denn dieser knarzige Sound scheint momentan eher im Trend zu sein – das aber nur am Rande.

Was die Songs betrifft fällt das eröffnende „Still Fucking Dead (Here’s No Peace)“ mit seinem verstörenden Klavier-Intro besonders auf. Meiner Meinung nach eine großartige Nummer, zumindest wenn man mit der rumpeligen, deathigen Attitüde grundsätzlich etwas anfangen kann. Der zweite Song, durch den ich mich beinahe zu einer Überbewertung von „Dark Endless“ habe hinreißen lassen, ist „The Sun Turns Black As Night“. Im Gegensatz zum Opener nicht so sehr der absolute Brecher sondern eher ein …ähem… zarter Fingerzeig, was der Hörer in Sachen Songwriting-Qualität künftig von Marduk zu erwarten hat. Im Kontext dieses Albums ist das eine durchaus abwechslungsreiche und sehr stark komponierte Nummer. Von diesen zwei Top-Tracks abgesehen wären noch das gitarrentechnisch gutklassige und mit geilem Outro gesegnete „Holy Inquisition“ sowie das einfach geil betitelte „The Funeral Seemed To Be Endless“, das fast schon melodisch aus den Boxen kommt, zu nennen.

Der Rest des Albums ist allerdings mehr oder minder Stückwerk und kaum der Rede wert. Daher stellt sich das Gefühl, hier was wirklich Außergewöhnliches zu hören, nicht richtig ein. Ja, „Dark Endless“ hat räudigen Charme und ist aus musikhistorischen Gründen interessant – unter anderem auch, weil Marduk nicht aus Norwegen stammen. Aber es ist halt bei aller Nostalgie kein Überwerk. Es bleibt weder genug nachhaltig hängen, noch ist die Gesamtatmosphäre so beeindruckend, wie man es sich erhofft. Muss man so deutlich sagen. Wobei letzteres schon wieder so eine Sache ist – hätte ich „Dark Endless“ 1992 gehört, hätte ich mir gar nichts erhofft, weil der Name „Marduk“ bei mir keine Erwartungen geweckt hätte.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Still Fucking Dead (Here’s No Peace) – 3:55 – 6/7
  2. The Sun Turns Black As Night – 3:05 – 6/7
  3. Within The Abyss – 3:45 – 3/7
  4. The Funeral Seemed To Be Endless – 3:36 – 5/7
  5. Departure From The Mortals – 3:22 – 3/7
  6. The Black… – 4:02 – 4/7
  7. Dark Endless – 3:51 – 3/7
  8. Holy Inquisition – 4:27 – 5/7

Gesamteindruck: 3/7 


Marduk auf “Dark Endless” (1992):

  • Andreas Axelsson – Vocals
  • Devo Andersson – Guitar
  • Morgan „Evil“ Håkansson – Guitar
  • Richard Kalm – Bass
  • Joakim Grave – Drums

Anspieltipp: Still Fucking Dead (Here’s No Peace)

Advertisements

5 Gedanken zu “MusikWelt: Dark Endless

  1. Pingback: Musik A-Z | Weltending.
  2. Pingback: MusikWelt: Those Of The Unlight | Weltending.
  3. Pingback: MusikWelt: Opus Nocturne | Weltending.
  4. Pingback: MusikWelt: La Grande Danse Macabre | Weltending.
  5. Pingback: MusikWelt: Plague Angel | Weltending.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s