MusikWelt: Those Of The Unlight

Marduk


Was für ein Quantensprung: Bot das Marduk-Debüt „Dark Endless“ (1992) noch knarzigen, nicht sonderlich eindrucksvollen Death Metal, zeigen sich die Schweden nur ein Jahr später auf „Those Of The Unlight“ rundum verbessert. Die Musik ist dunkler, der Klang ist besser, das Songwriting überzeugt und einer der bis heute größten Hits der Bandgeschichte ist auch am Start. Eine solche Steigerung dürften anno dazumal die wenigsten Hörer von der Truppe aus Norrköping erwartet haben.

Gesamteindruck: 5/7


Starkes Zweitwerk.

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen: „Those Of The Unlight“ ist ein ziemlich kreativer Titel für ein Album – coole Idee, die so auch von den norwegischen Kollegen Immortal hätte stammen können. Und auch das Albumcover ist eine Augenweide und übertrifft nicht nur das Debüt um Längen, sondern ist bis heute eines der besten, die Marduk zu bieten haben.

Musikalisch ist „Those Of The Unlight“ tatsächlich der vielzitierte Quantensprung gegenüber dem Debüt. Nach den ersten zwei Durchgängen musste ich tatsächlich noch einmal „Dark Endless“ auflegen, denn dessen Eindruck war plötzlich wie weggeblasen. Und ja, ich finde das Debüt immer noch recht charmant, aber im direkten Vergleich macht der Nachfolger alles besser, was einem erst so richtig bewusst wird, wenn man die beiden Alben direkt nacheinander hört. Die Ansätze von „Those Of The Unlight“ gehen schon deutlich in Richtung Black Metal, der rumpelige Sound ist verschwunden und macht dem ersten, teilweise noch etwas zaghaften, kalten Flirren Platz, das der geneigte Schwarzmetall-Fetischist so schätzt. Das heißt aber nicht, dass wir es hier mit einer LoFi-Produktion im Darkthrone’schen Sinne zu tun haben. Im Gegenteil, der Klang ist zwar einigermaßen roh, jedoch keineswegs weichgespült. Abgesehen davon haben sich die jungen Männer auch an ihren Instrumenten stark verbessert, gleiches gilt für den Gesang, der hier schon sehr bösartig aus den Boxen kommt.

Besseres Songwriting.

Neben diesen Punkten sticht aber vor allem das um Welten bessere Songwriting hervor. Zwar ist nicht jeder Song ein absoluter Volltreffer ist, aber die Quote ist für ein Zweitwerk schon sehr hoch. Mit „Wolves“ gibt es den ersten wirklichen Klassiker zu hören, der auch heute noch auf den Setlists von Marduk zu finden ist. Interessanterweise würde die Nummer mittlerweile wohl als Black n‘ Roll durchgehen – 1993 war das anders und „Wolves“ war vermutlich eher einer der härtesten „Hits“ aller Zeiten.

Das ist aber nicht die einzige gute Nummer auf „Those Of The Unlight“.  In meinen Ohren sind die ersten fünf Songs besonders stark. Der Titeltrack mit seinem geilen Anfangs-Riff und der darauf folgenden Basslinie, das cool rausgerockte „On Darkened Wings“ (ebenfalls mit hörenswertem Bassintermezzo vor einem schönen Breakdown) sind für mich besonders hervorzuheben und im Endeffekt fast so stark wie „Wolves“. Und auch das eröffnende „Darkness Breeds Immortality“ und das die ersten fünf Nummern abschließende „Burn My Coffin“ (besonders dieser Song!) wissen zu überzeugen.

„A Sculpture Of The Night“, das den stärksten Black Metal-Anteil auf der Platte hat, findet hingegen noch nicht so viel Gefallen bei mir. Das Instrumental „Echoes From The Past“ ist zwar eine schöne, atmosphärisch dichte Nummer, die aber nicht so recht zu Marduk passen will – schon gar nicht so merkwürdig platziert. Der Übergang zum Rausschmeißer „Stone Stands Its Silent Vigil“ ist allerdings gelungen. Und auch an diesem Schlusstrack finde ich nichts auszusetzen – im Gegenteil, das Rausnehmen des Tempos sorgt noch einmal für Atmosphäre und setzt einen düsteren Schlusspunkt unter „Those Of The Unlight“.

Für mich ist das ein Album, das das enorme Talent aller Beteiligten zeigt – nur ein Jahr nach dem okayen Debüt sowas rauszuhauen ist schon aller Ehren wert. Und dennoch rede ich hier noch nicht von einem perfekten Album, auch im Wissen um das, was bei Marduk noch auf uns zukommt. Ich bin aber überzeugt, dass „Those Of The Unlight“ am Ende hoch in meiner persönlichen Marduk-Rangfolge angesiedelt sein wird.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Darkness Breeds Immortality – 3:48 – 5/7
  2. Those Of The Unlight – 4:43 – 6/7
  3. Wolves – 5:50 – 7/7
  4. On Darkened Wings – 4:15 – 5/7
  5. Burn My Coffin – 5:15 – 6/7
  6. A Sculpture Of The Night – 3:29 – 4/7
  7. Echoes From The Past – 7:06 – 3/7
  8. Stone Stands Its Silent Vigil – 3:03 – 5/7

Gesamteindruck: 5/7 


Marduk auf „Those Of The Unlight“ (1993):

  • Joakim Af Gravf − Vocals, Drums
  • Devo Andersson − Guitars
  • Morgan Håkansson − Guitars
  • B. War − Bass

Anspieltipp: Wolves

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6 Gedanken zu “MusikWelt: Those Of The Unlight

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  2. mochte ich damals auch sehr. muss mal schauen wo die liegt. hatte ich nämlich schon ein paar mal auf dem radar und fand sie nicht mehr. echoes from the past ist in der tat etwas fehlplatziert. trotzdem mag ich den song.

    • Ich versuche ja gerade, alles von Marduk in chronologischer Reihenfolge „neu“ zu entdecken. Ich war von „Dark Endless“ zunächst begeistert. Dann habe ich „Those Of The Unlight“ gehört und dachte, dass wäre das Non-Plus-Ultra. Und jetzt bin ich gerade bei „Opus Nocturne“ und das ist sogar noch besser. Bin schon gespannt, wann „Schluss“ ist, was diese ständigen Steigerungen betrifft. 😉

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