FilmWelt: The Road

Romanverfilmungen sind ja immer so eine Sache – meist ist das Ergebnis irgendwo zwischen Katastrophe und „geht so“ einzuordnen. Umso lobenswerter, wenn es dann doch mal gelingt, das Buch einigermaßen werkstreu auf die Leinwand zu bringen. „The Road“ ist einer dieser relativ seltenen Fälle, in denen genau das gelungen ist.

Gesamteindruck: 6/7


Gute Romanverfilmung.

Wer das gleichnamige Buch von Cormac McCarthy (deutsch: „Die Straße“, 2006) gelesen hat, weiß um die Schwierigkeiten, die eine Verfilmung dieses Stoffes mit sich bringen muss: Im Roman wird kaum gesprochen, die wenigen Dialoge sind kurz, teilweise redundant und kaum das, was man in irgendeiner Weise unterhaltsam nennen kann. Im Buch funktioniert das – dafür sorgt der ganz eigene, sehr knappe Stil des Autors, der damit eine intensiv-verstörende Dystopie zu erschaffen vermag, die in Sachen Trostlosigkeit ihresgleichen sucht.

Inhalt in Kurzfassung
Eine unbekannte Katastrophe hat Amerika verwüstet. Die wenigen Menschen, die es noch gibt, kämpfen in einer verottenden Welt um ihr Überleben. Werte wie Moral und Anstand zählen nicht mehr, Raub, Mord und Kannibalismus haben sich breitgemacht. Mitten in diesem post-apokalyptischen Alptraum sind ein Mann und sein Sohn unterwegs. Ihre wenigen Habseligkeiten liegen in einem Einkaufswagen, den sie eine Straße entlang schieben, immer auf der Suche nach Nahrung und einem Unterschlupf. Dabei versuchen sie, ihre Menschlichkeit zu bewahren, was in dieser feindseligen Welt jeden Tag schwerer zu werden scheint.

Eine dermaßen minimalistische Vorlage stellt natürlich ganz besondere Herausforderungen an die Schauspieler. Fündig wurde der australische Regisseur John Hillcoat (eher bekannt für seine Musikvideos, u.a. für Depeche Mode und Nick Cave) bei Viggo Mortensen (u.a. „Herr der Ringe“) und Kodi Smit-McPhee (u.a. „Let Me In“). Beide machen ihre Sache gut, speziell Mortensen wächst meiner Meinung nach über sich hinaus. Smit-McPhee leidet hingegen ein wenig an der hoffnungslos-romantischen Naivität, die zu seiner Rolle gehört – dafür ist der Australier meines Erachtens einfach zu alt, sodass Glaubwürdigkeit verloren geht.

Das liegt aber auch am Drehbuch, das die Gefühlsduselei, die im Buch wesentlich hintergründiger ausgefallen ist, stärker in den Fokus rückt. Klar, Vater und Sohn sind emotional aneinander gebunden. Was im Roman aber einigermaßen natürlich wirkt, scheint zum Teil übertrieben, wenn man es in bewegten Bildern vor sich sieht. Aus irgendeinem Grund irritiert das mehr, als das es Gefühle weckt. Hinzu kommt, dass man sich beim Lesen des Buches kaum die Frage stellt, wieso der Junge sich so schwer tut, das zu machen und zu lernen, was für das Überleben notwendig ist. Im Film hingegen ist seine Uneinsichtigkeit – wohl aufgrund des höheren Alters des Darstellers – gelegentlich kaum zu ertragen. Um es salopp auszudrücken: Leider funktioniert die Unschuldsnummer nicht so gut wie erhofft.

Starke Atmosphäre.

Diese Probleme in der Darstellung des Sohnes sind allerdings alles, was ich an „The Road“ auszusetzen habe. Alles andere macht der Film richtig – das beginnt bei den starken Bildern, die den erbärmlichen Zustand der Überlebenden sowie die immer weiter verfallende Infrastruktur und Landschaft perfekt einfangen. Für mein Gefühl ist das ein so realistischer Ausblick auf die Post-Apokalypse, wie man ihn selten zu sehen bekommt. Jeder einzelne Gegenstand, den Vater und Sohn besitzen ist unendlich wertvoll, entsprechend schlimm ist jeder Verlust – auch für den Zuseher. Und erleben die beiden etwas Gutes, wie das Auffinden von gebunkerten Lebensmitteln, kommt echte Freude auf. Das Drehbuch passt ebenfalls und setzt auf den richtigen Mix aus ruhigen Momenten und Spannung, garniert mit ein paar Action-Sequenzen. Ganz so still wie das Buch ist der Film allerdings nicht, was ein bisschen schade ist – dafür hat dem Regisseur dann wohl doch der Mut gefehlt (was auch am Einsatz von Off-Text zu erkennen ist, der eigentlich gar nicht notwendig gewesen wäre).

Bleiben Soundtrack und Bilder. Die Musik wurde von Warren Ellis und Altmeister Nick Cave komponiert. Die schwermütigen Klavier-Melodien passen hervorragend zur Grundstimmung und verstärken die düstere Atmosphäre. Manchem mag das aufdringlich erscheinen, ich empfinde den Soundtrack hingegen als grandiose Ergänzung. Und auch optisch macht der Film sehr viel her: Gefilmt wurde praktisch nur bei schlechtem Wetter an entsprechend verlassenen und kargen Plätzen, darunter ein niedergebrannter Freizeitpark. Farbflecken gibt es so gut wie keine, teils wurde in der digitalen Nachbearbeitung entsprechende Trostlosigkeit erzeugt. Das in starkem Kontrast zu den Rückblenden, die in satten Farben gestaltet sind und damit den Unterschied zwischen Prä- und Post-Apokalypse herausstreichen.

Fazit: Trotz kleinerer Unzulänglichkeiten finde ich diesen Film sehr gelungen. Dass die absolute Unschuld des Jungen noch stärker herausgestrichen wird als im Buch, ist zu verschmerzen. Das ist aus meiner Sicht aber der einzige Punkt, an dem sich wirklich stören könnte – ging mir schon beim Buch so und ist hier nicht anders. Wäre dieser Faktor nicht ganz so prominent und der Darsteller des Sohnes ein wenig jünger, hätte es sogar für die Höchstwertung gereicht. Aber auch so bekommt man mit „The Road“ eine intelligente und atmosphärische Umsetzung eines großartigen Romans.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: The Road
Regie: John Hillcoat
Jahr: 2009
Land: USA
Laufzeit: 112 Minuten
Besetzung (Auswahl): Viggo Mortensen, Kodi Smit-McPhee, Robert Duvall, Guy Pearce, Charlize Theron, Molly Parker



 

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