MusikWelt: La Grande Danse Macabre

Marduk


Mit „Panzer Division Marduk“ hatten die Schweden Marduk 1999 ein Ausrufezeichen besonderer Art gesetzt. Das in manchen Fankreisen geradezu kultisch verehrte Werk begründete den Ruf der Band, die schnellsten, bösesten und härtesten unter den Black Metaller der alten Schule zu sein. Und: Gar nichts anderes zu können als Blast Beats und Tremolo Picking. An diesem (falschen) Eindruck konnten weder die wesentlich abwechslungsreicheren Vorgänger noch der 2001 erschienene Nachfolger „La Grande Danse Macabre“ so richtig rütteln. 

Gesamteindruck: 3/7 2/7


Keine runde Sache.


*** UPDATE (15. Jänner 2019) ***

Ursprünglich hatte ich dieses Album mit einem Gesamteindruck von 3/7 bewertet. Nach weiteren Durchgängen und Vergleichen mit anderen Platten der Band erscheint mir diese Wertung zu hoch, sodass ich auf 2/7 abwerten muss.


Wer Marduk mit „Panzer Division Marduk“ kennengelernt hat und/oder jenes Werk als das Nonplusultra der Schweden betrachtet, wird nach dem ersten Durchlauf von „La Grande Danse Macabre“ verwundert auf das Bandlogo schielen. Und dabei feststellen, dass sich der Schriftzug mindestens ebenso sehr verändert hat wie die Musik. Ja, finster sind sie auch auf Album Nummer 7, die Jungs um Gitarrist Morgan Steinmeyer Håkansson. Allerdings lenkt „Der große Totentanz, so die Übersetzung des französischen (!) Albumtitels, die Düsternis in andere musikalische Bahnen als es auf dem Hassbolzen mit dem Panzer am Cover der Fall war. Randnotiz: Mit „La Grande Danse Macabre“ schließen Marduk die mit „Nightwing“ (1998) und „Panzer Divsion Marduk“ begonnene Trilogie um die Themen Blut, Krieg und Tod ab.

Zur Beruhigung: Ganz ohne Highspeed kommen die Norrköpinger freilich auch auf „La Grande Danse Macabre“ nicht aus. Mit „Azrael“ gibt es gleich zu Anfang eine Nummer, die direkt aus den Songwriting-Sessions zu „Panzer Divsion Marduk“ stammen könnte. Und es vielleicht auch tut – in der Gerüchteküche heißt es zumindest, dass einige Songs des 2001er-Albums bereits 1999 geschrieben, dann aber aufgehoben wurden; zum Teil aufgrund der zu geringen Geschwindigkeit. Merkwürdige Herangehensweise, die aus meiner Sicht weder „Panzer Division Marduk“ noch „La Grande Danse Macabre“ gut getan hat. Neben „Azrael“ hätten auch „Obedience Unto Death“ und „Jesus Christ… Sodomized“ auf dem Vorgänger stehen können. Allein, während „Azrael“ seine Momente hat, wirken die zwei letztgenannten Stücke wie ungeliebte Überbleibsel und hätten sich auch 1999 unter den schwächeren Tracks eingereiht.

Der generelle Tenor auf „La Grande Danse Macabre“ ist ohnehin ein anderer: Regelrecht doomig walzt sich der Großteil der Songs aus den Boxen. Nun ist es ja nicht so, dass man das von Marduk gar nicht kennen würde – auf „Nightwing“ standen bereits Jahre zuvor mehrere langsame Stücke. Und auch sonst hat sich – abgesehen von „Panzer Division Marduk“ – immer mal wieder ein richtiger Stampfer in die Tracklists geschlichen. Was ich selbst immer goutiert habe, weil ich finde, dass den Schweden ein gemäßigteres Tempo gut zu Gesicht steht und ihre Bösartigkeit wesentlich eindrucksvoller unterstreicht.

Man ahnt schon, dass nun ein „Aber“ folgen muss. Und so ist es auch, denn auf „La Grande Danse Macabre“ sind weder die schnellen, noch die langsameren Nummern so gelungen, wie man sich das erhofft hätte. In der Theorie sind alle Zutaten vorhanden: Schwere, malmende Riffs, ein Gutteil Melodie, es gibt Solos, die Produktion (aufgenommen wurde einmal mehr in den Abyss-Studios mit Tommy und Peter Tägtgren an den Reglern) ist sehr stark und organisch und Legion krächzt sich in seiner unnachahmlichen Art durch die Nummern. In Summe sorgt das dafür, dass dieses Album dem nicht an Black Metal gewöhnten Hörer weniger abschreckend erscheinen dürfte, als der bisherige Output von Marduk.

Schwere Kost.

Freilich bedeutet das nicht, dass „La Grande Danse Macabre“ leichtfüßig und zugänglich daherkommt. Im Gegenteil, mir hat sich die Platte als Gesamtwerk auch nach vielfachem Hören nicht so richtig erschlossen. Das war bei keinem der vorher erschienen Marduk-Alben der Fall. Ja, das Debüt „Dark Endless“ (1992) ist unvollkommen und irgendwo auch unspektakulär, aber auf seine Weise dennoch gut hörbar. Ja, „Panzer Division Marduk“ ist anstrengend und monoton, hat aber immerhin einen roten Faden. Und ja, „Nightwing“ besteht aus zwei Einzelteilen, klingt aber trotzdem (fast) wie aus einem Guss. All das lässt sich über den 2001er-Longplayer nicht sagen, so hart das klingen mag und so ungern man das hörbare Bemühen um Abwechslung verreißen möchte.

Eine richtige Linie kann ich jedenfalls nicht heraushören. Auf das gitarrendominierte Intro „Ars Moriendi“ (klingt fast, als hätten sich Satyricon davon bei „Voice Of Shadows“, der Eröffnung ihres 2013er-Albums „Satyricon“ , inspirieren lassen) folgt der Brecher „Azrael“, gleich darauf gibt es mit „Pompa Funebris 1660“ ein weiteres, eher gemächliches Instrumental, gefolgt von einer weiteren Highspeed-Nummer. Sehr merkwürdiger Einstieg in das Album, der es mir schwer macht, aufmerksam zu bleiben. Danach geht es im doomigen Doppelpack und zweifacher Überlänge (für Marduk-Verhältnisse) weiter: Zunächst „Bonds of Unholy Matrimony“, das mir zu langatmig ausgefallen ist, dann der durchaus überzeugende Titeltrack, der mit mehr als 8 Minuten (!) zu Buche schlägt. Diese Nummer bildet mit ihren tonnenschweren Riffs das Fundament des Albums und verhindert, dass „La Grande Danse Macabre“ komplett aus dem Leim geht. Ein stoischer Rhythmus, der erstmals auf dieser LP für hypnotische Konsistenz sorgt. Gefällt! Danach gibt es mit „Death Sex Ejaculation“ und „Funeral Bitch“ zwei weitere Nummern, die trotz ihrer peinlichen Titel gut gelungen sind, bevor es mit dem fast schon als Halbinstrumental zu bezeichnenden „Summers End“ und dem bereits erwähnten „Jesus Christ… Sodomized“ nochmal bergab geht.

All das ist ziemlich schwere Kost. Das aber nicht unbedingt im positiven Sinn, obwohl die Riffs selbst großteils sehr heavy sind und wissen schon zu gefallen. Nur hilft alles nichts, wenn die Tracks per se unfertig und uninspiriert klingen. Das Songwriting ist – über das ganze Album betrachtet – schwach, sodass „La Grande Danse Macabre“ letztlich weder im Hinblick auf das Gros der einzelnen Nummern noch als Gesamtalbum etwas taugt. Und auch das Konzept des Todes ist schön und gut, schlägt sich im Hinblick auf den Gesamteindruck aber bei weitem nicht so eindrucksvoll nieder, wie auf den zwei Vorgängern. Schade, aber für mich definitiv einer der schwächsten Outputs aus dem Hause Marduk.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Ars Moriendi – 1:50 – 4/7
  2. Azrael – 3:07 – 5/7
  3. Pompa Funebris 1660 – 2:36 – 3/7
  4. Obedience Unto Death – 3:16 – 3/7
  5. Bonds of Unholy Matrimony – 7:03 – 4/7
  6. La Grande Danse Macabre – 8:11 – 6/7
  7. Death Sex Ejaculation – 5:11 – 5/7
  8. Funeral Bitch – 4:58 – 5/7
  9. Summers End– 4:40 – 3/7
  10. Jesus Christ… Sodomized – 4:33 – 2/7

Gesamteindruck:  3/7 2/7 


Marduk auf “La Grande Danse Macabre” (2001):

  • Legion – Vocals
  • Morgan Steinmeyer Håkansson – Guitar
  • B. War – Bass
  • Fredrik Andersson – Drums

Anspieltipp: La Grande Danse Macabre

Werbeanzeigen

3 Gedanken zu “MusikWelt: La Grande Danse Macabre

  1. Pingback: MusikWelt: World Funeral | Weltending.
  2. Pingback: Musik A-Z | Weltending.
  3. Pingback: MusikWelt: Serpent Sermon | Weltending.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s