SerienWelt: Spuk in Hill House – Staffel 1

Derzeit hat man das Gefühl, dass eigene Ideen ziemlich rar geworden sind. Anders ist die Schwemme an Remakes, Reboots, Pre- und Sequels kaum zu erklären. Auch „Spuk in Hill House“ ist kein neuer Stoff: Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman (Shirley Jackson, 1959) und wurde bereits zweimal verfilmt (1963 als „Bis das Blut gefriert“ und 1999 als „Das Geisterschloss“). 2018 hat das Material den Sprung auf ein Streaming-Portal und gleichzeitig ins Serien-Format geschafft, was einen moderneren Anstrich und verbesserte Charakterentwicklung zur Folge hat.

Gesamteindruck: 5/7


Viel Drama und ein bisschen Horror.

Kunst ist ja immer auch ein Spiegel ihrer Zeit. Es kann so gesehen durchaus lohnend sein, eine bereits mehrfach erzählte Geschichte an aktuelle Gegebenheiten und Probleme anzupassen. In Bezug auf bewegte Bilder war zu diesem Zweck bis vor wenigen Jahren meist die Kinoleinwand das Mittel der Wahl, in jüngster Zeit wurde dafür die Fortsetzungserie (engl.: serial) (wieder-) entdeckt. Heißt: Die Handlungsstränge sind episodenübergreifend und die einzelnen Folgen bauen aufeinander auf. Der Charakterentwicklung kann damit entsprechend viel Platz eingeräumt werden. Das macht sich „Spuk in Hill House“ zu Nutze und zeichnet einerseits sehr detaillierte Figuren, spielt andererseits mit verschiedenen Zeit- und Handlungsebenen und leistet sich den Luxus, Erklärungen für das Geschehen nicht immer sofort zu liefern.

Inhalt in Kurzfassung
Anfang der 1990er zieht Familie Crain (Vater, Mutter, fünf Kinder) in das „Hill House“ und stellt bald fest, dass es in dem düsteren Anwesen nicht mit rechten Dingen zugeht. Alpträume, merkwürdige Phänomene und Erscheinungen terrorisieren vor allem die Mutter und die jüngeren Kinder, bis es schließlich zur Tragödie kommt. Viele Jahre später bringt das Schicksal die Mitglieder der Familie erneut zusammen und sie müssen sich den Geistern ihrer Vergangenheit (und auch den Dämonen der Gegenwart) stellen.

Unlängst habe ich die erste Staffel der Netflix-Serie „Lost in Space“ (2018) rezensiert. Deren Kernelement ist dem von „Spuk in Hill House“ durchaus ähnlich: eine dysfunktionale Familie, die mehr mit zwischenmenschlichen Problemen zu kämpfen hat, als sich äußeren Einflüssen zu stellen. „Lost in Space“ ist also mehr Drama als Science Fiction. Oder will es sein, wieso das nicht so gut funktioniert, habe ich in meiner Rezension dargelegt. „Spuk in Hill House“ ist – analog dazu – mehr Drama als Horror, macht seine Sache aber ungleich besser. Das liegt vorwiegend an den Charakteren, die ausgezeichnet aufeinander abgestimmt und stets glaubwürdig sind. Entsprechend muss man die Darsteller loben, die den Figuren realistisches Leben einhauchen.

Das dürfte gar nicht so leicht gewesen sein, denn „Spuk in Hill House“ folgt nicht strikt der linearen Erzählform. Es gibt zwei Zeitlinien (1992 und die Gegenwart), die ineinander übergehen und in praktisch allen Episoden quasi-parallel dargestellt werden. Man bekommt also jede Figur als jung und alt präsentiert, entsprechend viel Augenmerk musste Mike Flanagan auf eine vernünftige und nachvollziehbare Entwicklung seiner Charaktere legen. Interessant, wie gut dieser Aspekt der Serie funktioniert – am Ende erhält man tatsächlich ein Gesamtbild, das man auch versteht. Ganz generell muss man das Drehbuch loben, das es sehr geschickt schafft, den Zuseher bei der Stange zu halten. So sind in den Episoden immer wieder Details eingestreut, die man in diesem Moment nicht einordnen kann. Das mag anfangs frustrierend sein, allerdings merkt man schnell, dass es immer eine Aufklärung gibt. Um die eine oder andere Szene zu verstehen, muss man zwar bis zum Staffelfinale warten, all das wurde aber so geschickt und interessant verpackt, dass der Frust schnell weicht und man einfach wissen will, wie es weitergeht.

Ärgerliche Schlussphase.

Leider reicht es trotz dieser Lobeshymnen nicht für ein bessere Bewertung von „Spuk in Hill House“. Denn alles, was ich bis hierhin geschrieben habe, gilt vornehmlich für die ersten sechs bis sieben Episoden dieser ersten Staffel. Zum Schluss hin wird es leider sehr anstrengend und man hat als Zuseher das Gefühl, dass einige Inhalte fast schon mit Gewalt auf das gewünschte Ende hingetrimmt werden mussten. Am meisten stören aber die Dialoge, die zum Finale hin immer länger werden und in denen die Charaktere Dinge zum Besten geben, die in Wirklichkeit niemand so sagen würde. Es wird teilweise so philosophisch und wortgewaltig, wie man es vom berühmt-berüchtigten Architekten in „Matrix Reloaded“ kennt. Und das ist wahrlich kein Kompliment. Denn auch „Spuk in Hill House“ wird dadurch gegen Ende viel anstrengender, als es notwendig gewesen wäre.

Übrigens: Ja, es gibt natürlich Horror in „Spuk in Hill House“. Meist ist das eher im Hintergrund zu beobachten, aber auch der eine oder andere Jumpscare hat es in die Serie geschafft. So richtig zum Fürchten ist das alles aber selten, wer sich also durchgehend gruseln möchte, wird – zumindest mit dieser Staffel – nicht glücklich werden. Ich selbst bin dennoch gespannt, wie es weitergeht – die Geschichte der Familie Crain scheint mit Staffel 1 ja abgeschlossen zu sein.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: The Haunting of Hill House
Idee: Mike Flanagan
Land: USA
Jahr: 2018
Episoden: 10
Länge: ca. 60 Minuten
Gesehen auf: Netflix
Haupt-Besetzung (Auswahl): Michiel Huisman, Timothy Hutton, Elizabeth Reaser, Oliver Jackson-Cohen, Kate Siegel, Victoria Pedretti, Carla Gugino, Paxton Singleton, Henry Thomas



 

Ein Gedanke zu “SerienWelt: Spuk in Hill House – Staffel 1

  1. Pingback: FilmWelt: I Am the Pretty Thing That Lives in the House | Weltending.

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