MusikWelt: World Funeral

Marduk


Stilistisch ist „World Funeral“ ein Hybrid aus seinen unmittelbaren Vorgängern. Heißt: Es gibt Tracks in der unbändigen Extremität von „Panzer Division Marduk“ (1999), gleichzeitig scheuen sich Marduk nicht, das Tempo herauszunehmen. Was auf „La Grande Danse Macabre“ (2001) jedoch am gnadenlos schwachen Songwriting scheiterte und jene Platte zu einer der schwächsten und anstrengendsten des Backkataloges der Norrköpinger macht, funktioniert auf dem 2003er Nachfolger wesentlich besser. Die logische Konsequenz: „World Funeral“ ist einer der besten und abwechslungsreichsten Longplayer aus dem Hause Marduk

Gesamteindruck: 6/7


Das bessere Todes-Konzept.

Es gibt ja Rezensenten, die „La Grande Danse Macabre“ für das Werk von Marduk halten, das am ehesten Hörerschichten außerhalb der Black Metal-Gemeind ansprechen könnte. Wollte ich einen Metal-Normalo bei den Schweden an Bord holen, würde ich hingegen „World Funeral“ auflegen. Ich empfinde dieses Album, das irgendwo in der Schnittmenge aus Black, Heavy und Doom liegt, als verhältnismäßig eingängig und leicht zu erschließen.

Dabei beginnt der achte Longplayer der Band um Gitarrist Morgan Steinmeyer Håkansson gewohnt aggressiv: „With Satan And Victorious Weapons“ könnte so auch auf „Panzer Division Marduk“ stehen. Bemerkenswert ist an diesem Song eigentlich nur der kultige Einstieg, der aus einem Zitat aus dem Film „Der Name der Rose“ (1986), gesprochen vom unvergessenen Helmut Qualtinger, besteht. Festhalten kann man nach den ersten Tönen auch, dass die Produktion deutlich kräftiger ausgefallen ist, als auf „Panzer Division Marduk“. Das war aber auch schon auf „La Grande Danse Macabre“ der Fall, sodass alles andere eine Überraschung gewesen wäre. Wie auch immer – dieser Track ist, wie auch „Blessed Unholy“ gegen Ende des Albums – wenig geeignet, um die Klischees um Marduk (Nur Highspeed! Nur Krieg! Nur Satan!) zu entkräften.

Nicht immer trve, dafür aber gut.

Der Rest von „World Funeral“ könnte dem geneigten Entdeckungsreisenden in Sachen Black Metal hingegen sehr wohl zusagen. Als Einstieg bietet sich vielleicht der Titeltrack an: „World Funeral“ hämmert sehr aggressiv aus den Boxen, spart aber auch nicht mit Melodie und hat einen gut mitsingbaren Refrain mit hohem Wiedererkennungswert. Sicher nicht das, was die Szenepolizei (die ohnehin niemand braucht) goutieren dürfte und auch kein Ausbund an Komplexität – aber was soll’s, das ist einfach ein gutes, erdiges Stück harter Musik. Und weil wir gerade von den selbsternannten Sittenwächtern sprechen: Denen dürfte bei „Castrum Doloris“ auch der letzte Kalk aus der Fresse fallen. Langsame Heavy Metal-Riffs werden durchgehend (!) von einem merkwürdig leiernden, fast schon mit Sprechgesang arbeitenden Legion überlagert. Mit unheiligem Schwarzmetall hat das praktisch nichts mehr zu tun, geht aber ausgezeichnet ins Ohr. Ob Marduk das „dürfen“ sei dahingestellt – mir selbst gefällt die Nummer, auch wenn sie untrve AF ist.

Für mich persönlich noch besser, weil dann doch etwas schwärzer, ist „Bleached Bones“, eine düstere Nummer in schleppendem Midtempo. Mithin genau das, was ich selbst am liebsten von Marduk höre und was sie – wie man nicht oft genug betonen kann – auch am besten können. Am überraschendsten dürfte auf „World Funeral“ neben dem bereits genannten „Castrum Doloris“ wohl der epische Instrumentalpart sein, mit dem die zweite Hälfte „Night of the Long Knives“ eröffnet wird. Hätte ich so überhaupt nicht von Marduk erwartet. Ausgezeichnet gemacht und ein weiterer Beweis dafür, dass die landläufige Meinung, die Schweden würden sich nur im Uptempo-Bereich wohlfühlen, Blödsinn ist. Wobei nicht unerwähnt bleiben darf, dass zwei der schnellen Nummern auf „World Funeral“ durchaus funktionieren: „Cloven Hoof“ ist kurz, knackig und perfekt auf den Punkt gespielt und auch „Hearse“, neben dem Titeltrack die zweite Auskoppelung, gefällt mir durchaus.

Noch nicht erwähnt habe ich den einzigen Totalausfall auf „World Funeral“. „To the Death’s Head True“ ist langsam und schleppend, was ja grundsätzlich kein Fehler sein muss. Allerdings leidet dieses Lied für meinen Geschmack unter dem „La Grande Danse Macabre“-Syndrom: Ermüdend, anstrengend, uninspiriert. Kommt mir wie ein Überbleibsel aus jenen Songwriting-Sessions vor und holt mich überhaupt nicht ab. Schade drum – wenn man eine derart gelagerte Nummer von Marduk hören mag, fährt man mit dem Titeltrack von „La Grande Danse Macabre“ definitiv besser. Oder man skippt auf vorliegendem Album zu „Bloodletting“. Beide Songs sind um Welten stärker als „To the Death’s Head True“.

Ein neuer Mann.

Personell markiert „World Funeral“ den Einstieg von Drummer Emil Dragutinović. Viele Hörer ziehen den Neuen an der Schießbude seinem Langzeit-Vorgänger Fredrik Andersson (1993-2002 in Diensten von Marduk) vor. Ich vermag den Unterschied nicht so richtig herauszuhören. Ja, Dragutinović kann mehr als nur Blastbeats. Dass das so zur Geltung kommt, liegt meines Erachtens aber vor allem am veränderten Songwriting. Die weiteren Positionen sind unverändert, heißt, dass zum vierten Mal in Folge Legion hinter dem Mikrofon steht. Dessen Vocals stehen stark im Vordergrund von „World Funeral“ und sind sehr gut hörbar, von Müdigkeit o.ä. Schwächen kann ich nichts hören. Der extrovertierte Schreihals ist auf diesem Album sogar noch abwechslungsreicher unterwegs als bisher, nachzuhören z.B. in „Bleached Bones“.

Viel gibt es an „World Funeral“ meines Erachtens so oder so nicht auszusetzen, einer sehr guten Bewertung steht daher nichts im Wege. Letztlich ist es sogar so, dass der Tod als Teil der Marduk’schen Dreifaltigkeit des Black Metal – Blut, Krieg und Tod – durch „World Funeral“ wesentlich eindrucksvoller und passender repräsentiert wird als auf dem uninspirierten Vorgänger (der ja das Finale einer losen Trilogie war).


Track – Titel – Länge – Wertung

metal-archives.com

  1. With Satan and Victorious Weapons – 3:51 – 4/7
  2. Bleached Bones – 5:20 – 7/7
  3. Cloven Hoof – 3:26 – 5/7
  4. World Funeral – 3:31 – 7/7
  5. To the Death’s Head True – 3:58 – 2/7
  6. Castrum Doloris – 3:34 – 6/7
  7. Hearse – 4:54 – 5/7
  8. Night of the Long Knives – 5:31 – 6/7
  9. Bloodletting – 5:49 – 6/7
  10. Blessed Unholy – 5:02 – 4/7
  11. Blackcrowned – 2:18 – 5/7

Gesamteindruck: 6/7 


Marduk auf “World Funeral” (2003):

  • Legion – Vocals
  • Morgan Steinmeyer Håkansson – Guitar
  • B. War – Bass
  • Emil Dragutinović – Drums

Anspieltipp: Bleached Bones

 

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3 Gedanken zu “MusikWelt: World Funeral

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