SpielWelt: Eye of the Beholder II – The Legend of Darkmoon

(A)D&D, kurz für (Advanced) Dungeons & Dragons ist ein Name, der nicht nur Pen & Paper-Rollenspieler mit der Zunge schnalzen lässt. Auch am Computer war das von Gary Gygax und Dave Arneson erdachte Regelwerk seit den frühesten Anfängen, sprich den 1970er Jahren, am Start. Die „Eye of the Beholder“-Trilogie (1990-1992) war der erste Versuch, AD&D in 3D-Grafik und mit Echtzeit-Kämpfen auf den Bildschirm zu bringen.

Gesamteindruck: 6/7


Rundum verbessertes Spielerlebnis.

„Eye of the Beholder“ (1990) empfand ich trotz diverser Unzulänglichkeiten (die nicht vorwiegend mit dem Alter des Titels zu tun haben) als gelungenes Spiel. Der größte Pferdefuß war meines Erachtens die extrem rudimentäre Story, die dem an sich guten Spielgefühl einfach nicht gerecht wurde. Teil 2 der Trilogie macht es an dieser Front viel besser. Und auch die gesamte Präsentation ist dem Vorgänger deutlich überlegen – als Spieler gewinnt man tatsächlich den Eindruck, dass Entwickler Westwood in dem Jahr, das zwischen den Veröffentlichungen lag, viel gelernt hat. Oder über ein größeres Budget verfügen durfte. Wie auch immer, „The Legend of Darkmoon“ ist ein Spiel, das man auch heute noch ohne Bedenken genießen kann.

Die Handlung in Kurzfassung
Nach den Ereignissen aus „Eye of the Beholder“ feiern unsere Helden ihren Sieg in der hiesigen Taverne, als sie eine neue Hiobsbotschaft erreicht: Im Tempel Darkmoon scheint sich das Böse zu regen. Khelben „Schwarzstab“ Arunsun, seines Zeichens Erzmagier und väterlicher Freund, macht sich jedenfalls Sorgen, was mit einer von ihm dorthin entsandten Späherin passiert sein könnte. Unversehens schickt er die Helden los, um nach dem Rechten zu sehen.

Es stimmt schon: Diese Hintergrundgeschichte unterscheidet sich im Wesentlichen nicht von „Eye of the Beholder“. Der Teufel steckt aber, wie so oft, im Detail und man merkt recht schnell, dass der Tiefgang hier ein ganz anderer ist. Wesentlich öfter als in Teil 1 trifft die Party auf NPCs, es gibt die eine oder andere Wendung und ganz generell wirkt die Handlung, wie sie sich während des Spiels entfaltet, viel ausgereifter. Oder ist überhaupt vorhanden, was in „Eye of the Beholder“ letztlich gar nicht der Fall war. Übrigens ist auch das Intro, in dem der Auftrag präsentiert wird, viel ansehnlicher und – ja! – zum Schluss wird man tatsächlich mit einem richtigen Abspann belohnt. Das alles sorgt für gesteigerte Spieltiefe und ein rundum besseres Gesamterlebnis.

Technik: In Nuancen weiterentwickelt.

Dabei hat sich an der Technik, wie in jener Zeit üblich, wenig getan. Der Sound ist weiterhin spartanisch, reicht aber gerade noch aus, um die Atmosphäre an passenden Stellen ein wenig zu verdichten. Die Grafik ist für mein Gefühl besser geworden – im Spiel selbst merkt man das vornehmlich an detaillierteren Hintergründen. Die Animationen unterscheiden sich hingegen nicht wesentlich vom Vorgänger. Etwas schöner sind einige Effekte und die Portraitbilder der eigenen Party. Der größte Augenöffner ist allerdings außerhalb des Spielgeschehens zu bewundern: Intro, Zwischensequenzen und Dialogfenster sind ganz wunderbar gezeichnet und deutlich stimmungsvoller als noch in „Eye of the Beholder“. Das hätte ich in diesem Ausmaß nicht erwartet.

Zur Technik gehört selbstverständlich auch die Bedienung, die usability, wie es in Neudeutsch so schön heißt. An dieser Front gibt es wenig Neues zu vermelden – leider. Immer noch sind mangelnde Übersicht und fummelige Kampfsteuerung große Probleme. Beides treibt den Spieler teilweise zur Verzweiflung, auch, weil der Schwierigkeitsgrad deutlich angehoben wurde. Wenn man es dann mit mehreren Gegnern zugleich zu tun bekommt, die vielleicht auch noch von verschiedenen Seiten angreifen, kann es schnell kritisch, aber auch frustrierend werden. Über Automapping verfügt „The Legend of Darkmoon“ wie sein Vorgänger nicht. Das fällt hier allerdings etwas weniger ins Gewicht, weil die Dungeons nicht ganz so verwirrend angelegt wurden wie noch in Teil 1. Dennoch: Wer seine Karten nicht selbst zeichnet (was ich gut verstehen kann!), ist auch in Teil 2 der Saga stellenweise auf Material aus dem Internet angewiesen. Zumindest dann, wenn man mal mehrere Tage nicht spielt und der Aufbau des aktuellen Levels aus dem Gedächtnis verschwindet. Unverändert außerdem: Das fehlende Questlog, das es erleichtern würde, bei der Story am Ball zu bleiben sowie die Unmöglichkeit, mehr als einen Gegenstand gleichzeitig vom Boden aufzuheben (bei Pfeilen und anderen Geschossen ist das mitunter arg frustrierend).

Einen Fortschritt in Sachen Komfort gibt es dann aber doch zu vermelden: Magiebegabte können nun einen Zauberspruch lernen, der die Identifikation von gefundenen Gegenständen erlaubt. Eine sinnige und von mir häufig genutzte Neuerung ist außerdem die Möglichkeit, mehrere Savegames anzulegen. Die Angst, sich in eine Sackgasse manövriert zu haben, aus der man nur mit einem kompletten Neustart herauskommt, ist damit eliminiert.

Die gute alte Party.

Die großen Stärken von „The Legend of Darkmoon“ liegen – wie schon bei seinem Vorgänger – ohnehin nicht in der Technik. Die genannten kleinen Verbesserungen tragen dennoch ein Quäntchen zum intensiveren Spielerlebnis bei. Dazu gehört auch die Option, seine liebgewonnene Truppe aus „Eye of the Beholder“ zu übernehmen. Eine Möglichkeit, die auch bei Teil 3 der Reihe („Assault on Myth Drannor“) besteht, sodass man die gesamte Saga mit der anfangs erstellten Kerntruppe von vier Charakteren absolvieren kann. Der Identifikation mit der Party ist das sehr zuträglich. Wer mit seiner selbst generierten Truppe nicht zufrieden ist, kann übrigens stattdessen auch den einen oder anderen NPC übernehmen, den man in „Eye of the Beholder“ in die Party aufnehmen konnte. Oder man erstellt vier neue Kämpfer – alles ist möglich, wobei zu beachten ist, dass der Transfer aus dem 1. Teil nur für vier von insgesamt sechs Helden möglich ist. A pro pos Helden: Auch in „The Legend of Darkmoon“ trifft man auf den einen oder anderen NPC, der – ganz nach eigenem Gusto – in die Party aufgenommen werden kann oder nicht.

Inhaltlich ist zu bemerken, dass die Helden auf großteils vollkommen neue Gegner treffen. Deren Bandbreite reicht von Riesenameisen über Irrlichter bis hin zu fliegenden Schlangenmonstern, um nur einige zu nennen. Und der eine oder andere namensgebende Betrachter („Beholder“) ist ebenfalls wieder dabei, wenn auch diesmal nicht als Endgegner. Das Geschehen findet wie schon in Teil 1 in Dungeons statt, die sich im Design unterscheiden und diverse unangenehme Überraschungen bieten. Das Layout ist – wie erwähnt – weniger kompliziert und wirkt insgesamt wesentlich durchdachter. Übrigens gibt es gleich zu Beginn des Spieles ein Novum: Anstatt direkt im Dungeon startet „The Legend of Darkmoon“ im Wald, der sich aber lediglich optisch vom Rest des Spieles unterscheidet.

Zusammengefasst ergibt das für „The Legend of Darkmoon“ eine leicht höhere Wertung als für seinen Vorgänger. Es macht auch heute noch viel Spaß, durch die Korridore des Tempels zu tappen und herauszufinden, was dieser oder jener Schalter wohl macht. Und die Story nimmt tatsächlich mehr Fahrt auf, als ich für möglich gehalten hätte, sodass das Finale und der große (und ausgesprochen schwierige) Bosskampf im Gegensatz zu Teil 1 tatsächlich episch und bedeutungsvoll wirken. Die volle Punktzahl ist zwar nicht drin, ein sehr gutes Spiel ist „Eye of the Beholder II – The Legend of Darkmoon“ aber in jedem Fall. Wer die Chance hat, sollte sich unbedingt daran versuchen – auch 2019 noch!

Gesamteindruck: 6/7


Genre: Rollenspiel
Entwickler: Westwood Associates
Publisher: SSI
Jahr: 1991
Gespielt auf: PC


2 Gedanken zu “SpielWelt: Eye of the Beholder II – The Legend of Darkmoon

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