MusikWelt: Serpent Sermon

Marduk


Mit „Serpent Sermon“ feierten Marduk 2012 ihre Rückkehr zu Century Media. Das deutsche Label war bereits 2001 für „La Grande Danse Macabre“ Heimat der schwedischen Black Metal-Institution. Ein schlechtes Omen? Immerhin war eben jene Platte eine der schwächsten im gesamten Backkatalog der Band. Von einem derartigen Rohrkrepierer oder auch der kaum besseren „Plague Angel“ (2004) ist „Serpent Sermon“ zum Glück weit entfernt. Aber auch wenn die Norrköpinger voll auf Kurs bleiben und erneut abliefern, können sie nicht ganz an die großartigen Vorgänger „Rom 5:12“ (2007) und „Wormwood“ (2009) anknüpfen. 

Gesamteindruck: 5/7


Marduk bleiben auf Kurs.

Nach den ersten Durchläufen des 12. Marduk-Longplayers steht eines fest: „Serpent Sermon“ führt den stilistischen Ansatz weiter, den die Schweden seit dem Einstieg von Sänger Mortuus verfolgen. Wie auf den vorangegangenen Alben ist Abwechslung Trumpf: Einfache Nummern wie „Messianic Pestilence“ oder „Gospel of the Worm“ treffen auf komplexere Kompositionen („Souls for Belial“, „Damnations’s Gold“), ultraschnelle Raserei auf düster-hypnotische Langsamkeit, Brutalität auf Melodie. Diese Bausteine kannte man von Marduk schon früher, allerdings haben sie es erst ab dem 2. Album mit Mortuus am Mikro geschafft, auch auf Albumlänge damit zu überzeugen.

Auf „Serpent Sermon“ gelingt das über weite Strecken ebenfalls. Wie bei Marduk üblich, kristallisiert sich bereits beim ersten Durchlauf der eine oder andere Hit heraus. In diesem Fall zunächst der gleich als Nummer 1 platzierte Titeltrack, der im Refrain mit einer epischen, an die Landsmänner von Amon Amarth (!) erinnernden Melodie aufwartet. Ich weiß, ich weiß, das widerspricht der reinen Lehre, was aber auch nichts daran ändert, dass sich Gitarren und Gesang ins Hirn fräsen und dort bleiben. Ob man das von einer Black Metal-Truppe hören will oder nicht – hier gibt es Ohrwurm-Alarm wie seit dem Titeltrack von „World Funeral“ (2003) nicht mehr. Der zweite quick win auf „Serpent Sermon“ hört auf den merkwürdigen Namen „M.A.M.M.O.N“ und ist im Gegensatz zum geradlinigen Opener etwas komplexer komponiert. Nicht ganz so flott, greift der Song aber auf ein ähnliches Gitarrenthema zurück, das ebenfalls direkt ins Ohr geht.

Was spätestens an dieser Stelle – eigentlich aber über die gesamte Spielzeit – auffällt: Mortuus, seit seinem Einstieg bei Marduk immer außerordentlich abwechslungsreich und eigenständig unterwegs, klingt auf „Serpent Sermon“ oft wie ein gewisser Herr aus Norwegen, der sich sein Pseudonym aus „Herr der Ringe“ entlehnt hat. Nicht, dass ich dessen Gesangsstil per se ablehne – allerdings nimmt das dem Marduk-Shouter viel von seiner unnahbar-düsteren Stimmfarbe. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich die Marduk-Platten nach dem Ausstieg von Legion genau so angehört hätten, wenn Mortuus nicht eigenständig agiert, sondern sich an seinem Vorgänger orientiert hätte. Alles in allem eine merkwürdige Konstellation, wie ich finde. Raubt „Serpent Sermon“ in meinen Ohren ohne Not eine ordentliche Schippe Finsternis. Übrigens gilt das auch für die wohl glatteste Produktion, die jemals auf einem Marduk-Album zu hören war. Ich bin nun wirklich niemand, der sagt, Black Metal muss immer so nekro wie möglich klingen – aber „Serpent Sermon“ ist dermaßen auf Hochglanz poliert, dass man zumindest technisch schon fast von Massentauglichkeit sprechen könnte. So richtig will mir das im Zusammenhang mit den Themen, die die Schweden so bearbeiten, nicht gefallen, muss ich ehrlich zugeben.

Kaum Schwachstellen auszumachen.

Doch zurück zur Musik. Abgesehen von den genannten Nummern gibt es weitere starke Songs, was sich allerdings erst nach diversen Durchläufen bemerkbar macht. Ein Beispiel für das hervorragende Songwriting der Post-Legion-Ära ist das finale „World of Blades“, das es schafft, alle Facetten von Marduk in einem Song zu vereinen. Eine ganz große Nummer – auch, wenn ich mich gefragt habe, ob da nicht wieder Alan „Nemtheanga“ Averill von Primordial die Finger im Spiel gehabt hat – denn an dessen Band erinnert der Anfang des Songs überdeutlich. Davon ist aber nirgends etwas zu lesen. Außerdem gut: Das düster-schleppende „Temple of Decay“ und das raffiniert geschriebene Black Metal-Geprügel „Into Second Death“.

Der Rest von „Serpent Sermon“ ist durchaus gefällig – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Am wenigsten gefallen mir persönlich die 2. Auskoppelung „Souls for Belial“, die nie so richtig in Fahrt kommt und nicht zu Ende gedacht wirkt und das zwar komplexe, aber wohl etwas überambitionierte „Damnation’s Gold“. Dann gibt’s noch „Hail Mary (Piss-Soaked Genuflexion)“, das schon am Titel erkennen lässt, was hier gespielt wird. Schließlich noch „Messianic Pestilence“ und „Gospel of the Worm“, die klassischen Marduk-Highspeed bieten, im Endeffekt aber nichts sind, was man immer mal wieder von den Schweden gehört hat. Einen Totalausfall gibt es auf dem Album jedoch nicht und damit ist ihm ein Platz relativ weit vorne in der Diskographie sicher. Eine gewisse Zeit braucht „Serpent Sermon“ allerdings zum Reifen, das sollte man sich stets vor Augen halten. Aber auch dann bleibt es vom Gesamteindruck her etwas hinter seinen Vorgängern zurück. Ohne wirklich schlecht zu sein, wohlgemerkt.


Track – Titel – Länge – Wertung

metal-archives.com

  1. Serpent Sermon – 4:38 – 5/7
  2. Messianic Pestilence – 2:50 – 4/7
  3. Souls for Belial – 4:47 – 3/7
  4. Into Second Death – 5:11 – 6/7
  5. Temple of Decay – 5:25 – 7/7
  6. Damnation’s Gold – 6:48 – 3/7
  7. Hail Mary (Piss-Soaked Genuflexion) – 3:27 – 4/7
  8. M.A.M.M.O.N. – 3:30 – 6/7
  9. Gospel of the Worm – 2:37 – 5/7
  10. World of Blades – 7:09 – 7/7

Gesamteindruck: 5/7 


Marduk auf “Serpent Sermon” (2012):

  • Mortuus – Vocals
  • Morgan – Guitar
  • Devo – Bass
  • Lars – Drums

Anspieltipp: World of Blades