MusikWelt: Viktoria

Marduk


„Viktoria“ (2018) ist nach „Panzer Division Marduk“ (1998) und „Frontschwein“ (2015) das dritte Marduk-Werk zum Thema Krieg. Während sein 1998er-Vorgänger wie ständiges Sperrfeuer aus allen Rohren klang, unterlegt von scheppernden Panzerketten, hat man für das 2015er-Album eher das Gefühl der Hoffnungslosigkeit des Infanteristen im Trommelfeuer vertont. Auf „Viktoria“ regiert hingegen der Blitzkrieg, was sich nicht nur an der extrem kurzen Spielzeit von knapp 33 Minuten festmachen lässt. 

Gesamteindruck: 4/7


Solider Blitzkrieg.

Man sieht es bereits am Cover, das verdächtig nach dem Konterfei eines Wehrmachtssoldaten aussieht und in den Farben schwarz, weiß, rot gehalten ist: Marduk machen mit „Viktoria“ nahtlos weiter, wo sie drei Jahre zuvor mit „Frontschwein“ aufgehört haben. Krieg, Provokation und nochmal Krieg dominieren zum zweiten Mal in Folge eine Platte der Norrköpinger. Eine Kopie seines direkten Vorgängers ist das 2018er-Album jedoch nicht. Ich muss allerdings konstatieren, dass „Viktoria“ nach mehreren sehr starken Releases davor eine kleine Ernüchterung ist. Ja, alles, was Marduk hier auffahren ist solide, ist geprägt von der alten Schule und klingt so, wie man es sich von den Schweden erwartet. Aber so richtig will der Funke nicht überspringen. Ein bisschen kommt es einem vor, als ob man hier Songs aus den „Frontschwein“-Sessions hören würde, die es nicht auf jenes Album geschafft haben. Das klingt hart, Fakt ist aber, dass mir kaum ein Track von „Viktoria“ so richtig und nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist.

Am ehesten ist das noch beim Opener „Werwolf“ der Fall. Hier besingen die um keine Provokation verlegenen Schweden (auch das ist eine Leistung nach so vielen Jahrzehnten im Geschäft) die NS-Freischärler-Organisation gleichen Namens, die in der Endphase des 2. Weltkrieges hinter den feindlichen Linien operieren sollte. Thematisch ist das nun nicht sonderlich überraschend, wohl aber musikalisch: Der Song zeichnet sich durch eine ungewohnt punkige, relativ leichtfüßige Attitüde aus. Das allein hebt ihn stark vom übrigen Material auf „Viktoria“ ab; überhaupt gibt es in der Diskografie von Marduk wenig Ähnliches zu hören. So richtig überzeugend ist die Nummer leider trotzdem nicht – sie geht zwar gut ins Ohr, lässt aber beide Grundpfeiler des Marduk’schen Schaffens (Brutalität und/oder Atmosphäre) vermissen.

Nicht schlecht, aber…

Zumindest drei Tracks ragen aus dem dicht gepackten Material auf „Viktoria“ hervor: „Narva“, das im zweiten Drittel mit einer grandiosen Gitarrenmelodie ausgestattet ist. Dann der Titeltrack, der schnell und langsam kombiniert und bei dem der Bass sehr prominent zum Einsatz kommt. Meine Lieblingsnummer auf dem Album ist allerdings „The Last Fallen“, das ich als schlau komponiertes und auf Dramatik bedachtes Stück Black Metal empfinde.

Der Rest des Albums ist routiniert, schnörkellos und ohne große Aha-Erlebnisse dargebracht. Es gibt wie üblich schnelleres und langsameres Liedgut zu hören. In die erste Kategorie fallen „June 44“, das entfernt an den Sodom-Gassenhauer „Sodomy and Lust“ erinnernde „Equestrian Bloodlust“ und „The Devil’s Song“, allesamt Black Metal aus dem Lehrbuch, inklusive Blastbeats, flirrendem Riffing, räudigen Vocals und einer generell sehr angriffslustigen Stimmung. Ich könnte jetzt auch nicht so richtig festmachen, warum diese Songs schlechter sein sollen, als ähnliche Nummern aus dem Backkatalog von Marduk. Und doch klingen die Tracks irgendwie verkrampft, wollen nicht richtig zünden und krallen sich nicht recht im Gehörgang fest. Die eine oder andere Idee darin zwar schon, als Ganzes bleibt aber kaum etwas hängen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Marduk-Veröffentlichungen schwächeln auf „Viktoria“ leider auch die langsameren Nummern. Zwei sind es an der Zahl: „Tiger I“, das sich entsprechend seinem Titel aus den Boxen walzt. Gar nicht schlecht, aber irgendwie hat man in diesem doomigen Bereich schon viel bessere Songs von den routinierten Schweden gehört. Vom Rausschmeißer „Silent Night“ ist bei mir hingegen auch nach zig Durchgängen nicht viel hängengeblieben. Gerade in Verbindung mit dem davor platzierten, ebenfalls schwachen „The Devil’s Song“, hinterlässt das am Ende einen ziemlich schalen Nachgeschmack, der sich – wenn man nicht aufpasst – auf das gesamte Album zu übertragen droht. Und das würde „Viktoria“ nun auch nicht gerecht werden.

Fazit: „Viktoria“ ist bei weitem kein schlechtes Album. Allerdings habe ich das Gefühl, dass Marduk ein bisschen müde und angestrengt klingen. Ganz generell bestärkt mich „Viktoria“ jedenfalls in der Ansicht, dass den Schweden die morbide, düstere Atmosphäre viel besser zu Gesicht steht, die ihre Platten umgibt, die nicht den Krieg zum Thema haben.


Track – Titel – Länge – Wertung

metal-archives.com

  1. Werwolf – 2:02 – 4/7
  2. June 44 – 3:49 – 5/7
  3. Equestrian Bloodlust – 2:51 – 5/7
  4. Tiger I – 4:12 – 6/7
  5. Narva – 4:31 – 5/7
  6. The Last Fallen – 4:25 – 6/7
  7. Viktoria – 3:06 – 6/7
  8. The Devil’s Song – 3:46 – 3/7
  9. Silent Night – 4:12 – 2/7

Gesamteindruck: 4/7 


Marduk auf “Viktoria” (2018):

  • D. „Mortuus“ Rostén – Vocals
  • M. Håkansson – Guitar
  • M. „Devo“ Andersson – Bass
  • F. Widigs – Drums

Anspieltipp: The Last Fallen

Ein Gedanke zu “MusikWelt: Viktoria

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