MusikWelt: Crimson Thunder

HammerFall


Man kann es ruhig vorweg nehmen: „Crimson Thunder“ (2002) erfindet das Rad natürlich nicht neu. Muss auch nicht sein – aber sogar im von HammerFall gewählten, eng gesteckten Rahmen ist das Album erstaunlich vorhersehbar. Für viele Power Metaller mag das Grund genug sein, die Platte zu verdammen – ich selbst sehe das weniger kritisch, denn die Hits, die man von den Schweden erwartet, sind da. Und das nicht besser oder schlechter als auf den Alben davor.

Gesamteindruck: 6/7


Mehr vom Gleichen.

Wenn man „Crimson Thunder“ auflegt und die ersten Takte des schnellen Openers „Riders of the Storm“ hört, fühlt man sich a) sofort heimisch und b) ein bisschen erleichtert, wenn man an den Vorgänger „Renegade“ (2000) zurückdenkt. Denn dort waren die (guten) Gitarrenriffs produktionstechnisch ein wenig in den Hintergrund gerückt worden, was man als Metal-Fan nicht goutieren kann. So oder so: „Riders of the Storm“ ist definitiv eine großartige Eröffnung im Stile des Titeltracks von „Legacy of Kings“; das Verhältnis zwischen Riffs, Melodie und einem großen Refrain passt einfach perfekt. Mindestens ebenso großartig sind die schnellen „On the Edge of Honour“ und „Trailblazers“ (mein persönliches Highlight auf der Platte) sowie „Hero’s Return“. Viel besser kann man es eigentlich nicht machen. Klar ist das alles ein wenig (ha ha…) cheesy, voll auf Eingängigkeit getrimmt und kommt ohne Ecken und Kanten daher – aber manchmal braucht man das einfach. Und HammerFall zeigen sich hier tatsächlich einmal mehr als Meister im Schreiben von hochmelodiösen Ohrwürmern, die man mitunter tagelang nicht mehr los wird.

Diesen vier wirklich großartigen Songs stehen zwei weitere kaum nach: Das Accept-lastige „The Unforgiving Blade“ und die Pflicht-Ballade „Dreams Come True“, die nach dem schwächeren „Always Will Be“ vom Vorgänger-Album wieder ein gutklassiger Vertreter ihrer Zunft ist. Interessanterweise gefallen mir diesmal auch beide Cover-Versionen, die auf dem Album vertreten sind recht gut (wobei man die Frage stellen kann, ob es wirklich hätten zwei sein müssen). „Rising Force“ von Meister Malmsteen passt für HammerFall natürlich wie die Faust aufs Auge, während ich von „Angel of Mercy“ von Chastain das Original gar nicht kannte. Die Version von HammerFall finde ich jedenfalls gut, auch, weil dieser Song einigermaßen düster und damit untypisch für die Schweden klingt.

Nur kleine Unsicherheiten.

Ein paar schwächere Momente sehe ich dann aber doch auch auf „Crimson Thunder“. Da wäre zum einen das vollkommen verzichtbare Instrumental „Lore of the Arcane“, das wie eine (schlechte) Keyboard-Übung klingt. Ein zweites Instrumental, „In Memoriam“, macht es besser, kommt mir letztlich aber fast wie eine Nummer vor, zu der den Schweden einfach kein Text eingefallen ist. Und dann gibt es noch zwei „richtige“ Songs, bei denen ich mir auch nicht ganz sicher bin: Der Titeltrack bringt zwar Abwechslung, weil er im epischen Midtempo angesiedelt ist, man fragt sich aber, wozu dieses Stück gut ist, wenn es „Templars of Steel“ bereits zwei Jahre vor „Crimson Thunder“ gab. Denn hier sind die Ähnlichkeiten dann so offensichtlich, dass ich nicht ganz darüber hinweg sehen mag. Dabei ginge der Song an sich ja durchaus in Ordnung, aber dieses Selbstplagiat ist mir dann doch eine Schippe zu viel.

Die zweite Unsicherheit ist für mich persönlich ausgerechnet der größte Hit, den HammerFall jemals produziert haben: „Hearts on Fire“. Ist das nun gut oder kann das weg? Viel anders als der Rest der schnellen, eingängigen Nummern ist der Song ja nicht. Er ist allerdings noch viel spürbarer auf Radiotauglichkeit getrimmt als jede andere Nummer im Backkatalog der Schweden. Noch dazu ist der Text hier auch noch einmal eine Spur platter (ja, das ist möglich, man reime einfach „Fire“ und „Desire“). Und – auch nicht wegzudiskutieren – „Hearts on Fire“ wurde bereits 2002 unglaublich oft gespielt. Heute, 17 Jahre später, ist die Nummer endgültig totgenudelt, finde ich. Wie beim Titeltrack gilt auch hier: Ein Totalausfall ist der Song nicht, aber sozusagen ein Opfer der Umstände.

Nicht leicht einzuordnen.

Bei den Überlegungen zur Gesamtwertung von „Crimson Thunder“ war ich ein wenig zwiegespalten. Ja, die einzelnen Songs sind gut, aber die Höchstnote wollte ich dann doch nicht zücken. Denn eines ist auch klar: HammerFall gehen mit diesem Album so sehr auf Nummer sicher, verlassen sich so sehr auf ausgetretene Pfade, dass es fast schon unverschämt ist. Leider (oder zum Glück) sind einzelne Nummern derartige Ohrwürmer, dass man den Schweden für ihre Faulheit nicht einmal richtig böse sein kann.


Track – Titel – Länge – Wertung

metal-archives.com

  1. Riders of the Storm – 4:34 – 7/7
  2. Hearts on Fire – 3:51 – 4/7
  3. On the Edge of Honour – 4:50 – 7/7
  4. Crimson Thunder – 5:05 – 4/7
  5. Lore of the Arcane – 1:27 – 2/7
  6. Trailblazers – 4:39 – 7/7
  7. Dreams Come True – 4:03 – 6/7
  8. Angel of Mercy [Chastain-Cover] – 5:38 – 6/7
  9. The Unforgiving Blade – 3:40 – 6/7
  10. In Memoriam – 4:22 – 5/7
  11. Hero’s Return – 5:23 – 7/7
  12. Rising Force [Yngwie J. Malmsteen-Cover] – 4:31 – 5/7

Gesamteindruck: 6/7 


HammerFall auf “Crimson Thunder” (2002):

  • Joacim Cans – Vocals
  • Oscar Dronjak – Guitar, Keyboard, Backing Vocals
  • Stefan Elmgren – Guitar, Keyboard, Backing Vocals
  • Magnus Rosén – Bass
  • Anders Johannson – Drums

Anspieltipp: Trailblazers

4 Gedanken zu “MusikWelt: Crimson Thunder

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