MusikWelt: No Sacrifice, No Victory

HammerFall


Nach „Threshold“ (2006) habe ich es Stefan Elmgren (g) und Magnus Rosén (b) gleichgetan und bin bei HammerFall ausgestiegen, wenn man so will. Jenes Album hat mich jegliches Interesse an den einst so grandios aufspielenden Schweden verlieren lassen. Doch schlau sind sie ja, die Mannen aus Göteborg – denn sie wussten ganz genau, wie sie mich dazu bringen konnten, auch ihrem 2009er-Werk „No Sacrifice, No Victory“ eine Chance zu geben.

Gesamteindruck: 3/7


Kein Sieg.

Dazu mussten sie lediglich einen Song auf das Album packen, der alle alten Fans sofort in glorreiche Zeiten zurückversetzen würde. Und das ist mit „Any Means Necessary“, ausgekoppelt als Single und mit einem passenden Video versehen, perfekt gelungen. Ein instant classic, vor allem für die Bühne. Hier stimmt einfach alles – der stampfende, mitreißende Rhythmus, der typische Gesang mit überraschend düsterem Text, die bombastischen Chöre und das fetzige Solo. Hut ab, das haben die Schweden tatsächlich perfekt hinbekommen. Und: Nein, innovativ ist hier nix. Braucht es aber auch nicht zu sein, denn das war ohnehin nie eine Stärke von HammerFall, wie die Herren leider auch sehr oft in ihrer Karriere bewiesen haben.

Leider ist dieser grandiose Opener nicht mehr als ein Lockvogel-Angebot für alle, die die Band nach den jüngsten Fehlschlägen aufgegeben haben. Denn der Rest von „No Sacrifice, No Victory“ entspricht genau dem, was HammerFall bereits auf „Chapter V: Unbent, Unbowed, Unbroken“ (2005) und „Threshold“ (2006) kredenzt haben. Heißt: Einmal mehr fehlt es der ganzen Chose gehörig an Schwung; die Lust, zu simplen Hymnen mit hohem Wiedererkennungswert und einfachen Texten die Faust in die Luft zu recken, will sich bei mir so gar nicht einstellen. Das einzige Gefühl, das ich beim wiederholten Hören des Albums bemerkt habe, war bereits nach wenigen Nummern die Vorfreude auf den nächsten Durchgang von „Any Means Necessary“. Das sagt eigentlich schon alles.

Kaum durchgängig starkes Liedgut.

Ein bisschen ins Detail möchte ich dann aber doch gehen – wobei ich hier auch die Rezensionen von „Chapter V“ oder „Threshold“ reinkopieren könnte. Sei’s drum, ich versuche es trotzdem: Das Songwriting auf „No Sacrifice, No Victory“ ist lahm. Punkt. Beim Versuch, den Grund für dieses Problem festzumachen, ist mir eines aufgefallen: Es gibt auf diesem und den letzten Alben Songs mit guten Riffs, Refrains oder Strophen. Es gibt sogar Songs, die zumindest zwei dieser Kriterien passabel hinkriegen. Es gibt aber kaum eine Nummer, auf der alle drei Aspekte stimmen – es gibt also kaum einen echten Hit. Aber die Hitdichte ist genau der Punkt, der ältere HammerFall-Veröffentlichungen ausgezeichnet hat.

Akzeptabel sind aus meiner Sicht neben dem Opener nur zwei Songs: „One of A Kind“, das als vorletzter Track des Albums „versteckt“ wurde, lässt teilweise stark an Helloween denken, ist demnach sehr eingängig und flott. Zur Auflockerung ist ein langsamer, rau gesungener Mittelteil enthalten, der Sänger und Band sehr gut zu Gesicht steht und das Stück abwechslungsreich und trotz etwas größerer Länge gut hörbar macht. Das ist insofern bemerkenswert, als dass HammerFall damit wohl eine ähnliche, gemäßigt-progressive Intention verfolgt haben, wie zwei Alben zuvor mit „Knights of the 21st Century“. Mit dem Unterschied, dass „One of a Kind“ tatsächlich ein brauchbares Lied geworden ist. Zweiter kleiner Lichtblick ist „Legion“, zumindest wenn man das blödsinnige Intro ausblendet, bei dem ungute Erinnerungen an „Ride the Dragon“ von Manowar wach werden. Der Song selbst beginnt mit messerscharfen Gitarren und erinnert dann an eine etwas rauere Version von Stücken wie „On The Edge Of Honor“ – freilich, ohne dessen Klasse zu erreichen.

Der Rest der Platte ist im besten Falle unspektakulär ausgefallen. Das reicht von der üblichen Ballade „Between Two Worlds“ (die mehr nach Manowar als nach HammerFall klingt) über den stampfenden Titeltrack bis hin zum Stratovarius-affinen Instrumental „Something for the Ages“. Maximal die schönen Chöre und der halbwegs gute Refrain von „Punish and Enslave“ bleiben noch hängen. Der Rest ist zwar technisch makellos, besitzt aber im Angesicht des bis inklusive „Crimson Thunder“ (2002) so guten Backkataloges der Truppe aber einfach zu wenig Wiedererkennungswert. Und was man sich beim unsäglichen Rausschmeißer „My Sharona“ gedacht hat, weiß ich nicht. Katastrophal schlechtes Cover einer Nummer, die schon im Original von The Knack an den Nerven zerrt.

Neue Bandmitglieder ohne Akzente.

Abschließend ein Wort zu den neuen Bandmitgliedern: Am Bass ist Fredrik Larsson zu hören, der 2007 nach ziemlich genau 10 Jahren zu den Templern zurückgekehrt ist (er war bereits auf dem Debüt „Glory to the Brave“, 1997, zu hören und wurde danach durch Magnus Rosén ersetzt). Den Job als Lead-Gitarrist hat Pontus Norgren übernommen. Einen großen Unterschied vermag ich bei beiden Instrumenten nicht zu vernehmen. Randnotiz: Die Keyboards auf den Tracks „Between Two Worlds“ und „Something for the Ages“ wurden von Jens Johansson, seines Zeichens Tastenmann bei Stratovarius und Bruder von HammerFall-Drummer Anders Johansson, eingespielt.

Fazit: Eigentlich ist diese Platte der kleinste gemeinsame Nenner aus ihren unmittelbaren Vorgängern „Chapter V: Unbent, Unbowed, Unbroken“ und „Threshold“. Wie 2005 gibt es einen einzigen, alles überragenden Hit; abgesehen davon gibt es wie 2006 keinen einzigen (!) Song, der über das Prädikat „mittelmäßig“ hinauskommt. Das war auf „Chapter V“ zumindest noch bei 2 Nummern der Fall. Gemeinsam hat „No Sacrifice, No Victory“ mit beiden Releases das lahme Songwriting. Tut mir leid, HammerFall, das war nix. Schon wieder.


Track – Titel – Länge – Wertung

metal-archives.com

  1. Any Means Necessary – 3:35 – 6/7
  2. Life Is Now – 4:43 – 2/7
  3. Punish and Enslave – 3:57 – 3/7
  4. Legion – 5:36 – 4/7
  5. Between Two Worlds – 5:28 – 3/7
  6. Hallowed Be My Name – 3:56 – 2/7
  7. Something for the Ages – 5:03 – 3/7
  8. No Sacrifice, No Victory – 3:32 – 4/7
  9. Bring the Hammer Down – 3:41 – 3/7
  10. One of a Kind – 6:14 – 4/7
  11. My Sharona [The Knack-Cover] – 4:24 – 1/7

Gesamteindruck: 3/7 


HammerFall auf “No Sacrifice, No Victory” (2009):

  • Joacim Cans – Vocals
  • Oscar Dronjak – Guitar, Backing Vocals
  • Pontus Norgren – Lead Guitar, Backing Vocals
  • Fredrik Larsson – Bass, Backing Vocals
  • Anders Johannson – Drums

Anspieltipp: Any Means Necessary

Ein Gedanke zu “MusikWelt: No Sacrifice, No Victory

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