FilmWelt: Funny Games

Ich überlege gerade, warum es so schwer fällt, eine Rezension zu diesem Film zu schreiben. Ist er intellektuell so herausfordernd, dass er sich einer Analyse meinerseits verschließt? Fehlt es an Handlung, an Spannung oder an schauspielerischer Leistung? Ist die Botschaft nicht klar? Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher; wie ich mir auch nicht sicher bin, ob das, was ich unten über den Film und wie er mir gefallen hat schreibe, überhaupt Sinn ergibt. Merkwürdig.

Gesamteindruck: 4/7


Gewalt um ihrer selbst Willen.

Beim Ansehen von „Funny Games“, einem Film des nicht gerade zimperlichen österreichischen Regisseurs Michael Haneke, beschleicht den Zuschauer ein merkwürdiges Gefühl: Einerseits gibt es Anleihen aus „Uhrwerk Orange“, z.B. die weiße Kleidung der Bösewichte oder die Gewalt, die scheinbar völlig grundlos und unaufhaltsam über die Opfer hereinbricht. Andererseits geht „Funny Games“ das groteske Szenario ab, das Stanley Kubricks gefeierte Satire u.a. auszeichnet, aber auch etwas „weicher“ macht. „Funny Games“ ist nämlich so gestaltet, dass a) man die ganze Zeit den Eindruck hat, selbst in eine solche Situation geraten zu können und b) Haneke das Publikum sozusagen als (Mit-)Ursache der Gewalt einbindet. Ein interessanter Ansatz – der meines Erachtens aber nicht konsequent genug verfolgt wurde.

Inhalt in Kurzfassung
Der Urlaub einer dreiköpfigen Familie an einem See wird jäh gestört, als zwei junge Männer mit zunächst außerordentlich höflichen Umgangsformen auftauchen. Schnell zeigt sich, dass die Besucher nicht mehr freiwillig gehen wollen und sich auch nicht vertreiben lassen.

„Funny Games“ polarisiert. Das ist bei einem Haneke-Film nicht ungewöhnlich und war offenbar auch schon bei seiner Premiere in Cannes so. Doch warum eigentlich? Aus heutiger Sicht ist das gar nicht so leicht nachzuvollziehen. Klar: Es gibt kein Happy End, die Situation, in der Regisseur seine Figuren bringt, ist ausweglos, eine Erklärung für das, was ihnen widerfährt, gibt es nicht. All das erzeugt natürlich ein äußerst ungutes Gefühl und macht „Funny Games“ für den normalen Filmkonsumenten sehr unbequem. Eine klare Linie, ob der Film nun ein Meisterwerk oder doch eher billige Provokation ist, lässt sich nur sehr unbefriedigend ziehen, wie ich finde.

Rein auf die Handlung bezogen ist „Funny Games“ meiner Meinung nach ein solider Film. Die Situation, in den eigenen vier Wänden als Geisel genommen zu werden und nichts dagegen tun zu können ist gut erzählt und löst die gewünschte Angst beim Zuseher aus. Dass die Antagonisten nicht sagen, was sie wollen, es sich weder um eine Lösegeld-Erpressung noch um einen Raubüberfall handelt, dass es auch keine Psychoanalyse gibt, in der eine schwierige Kindheit o.ä. für ihre Taten verantwortlich gemacht wird – all das empfinde ich als sehr unkonventionell und spannend, weil „anders“. Auf dieser Ebene funktioniert „Funny Games“ zumindest bei mir uneingschränkt gut – und das bis zum Schluss. Kritisieren könnte man allenfalls Kleinigkeiten, z. B. wirkt die Sprache im Gegensatz zum allgemeinen Habitus der Hauptpersonen arg gekünstelt. Etwas weniger Hochdeutsch und etwas mehr Dialekt hätten an dieser Stelle Wunder gewirkt.

Interessant – und eigentlich gegen die These der reinen Provokation sprechend – ist, dass die Gewalt, von der der Film geprägt ist, kaum zu sehen ist. Jedenfalls nicht so, wie man sich das vorstellt. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass sich die Zeiten geändert haben („Funny Games“ feierte ja vor über 20 Jahren seine Premiere). Auch damals gab es wesentlich explizitere Darstellungen als Haneke sie seinem Publikum zumutet. Allerdings ist das, was abseits der Kamera passiert, was nur zu hören ist (z.B. Schmerzensschreie, Weinen usw.) schon sehr starker Tobak und trägt letztlich mehr zum Flair der Brutalität bei als man meinen könnte.

Zweite Ebene überzeugt nicht ganz.

Doch „Funny Games“ spielt auch noch auf einer zweiten Ebene. Zu diesem Zweck wird die berühmte „4. Wand“ immer wieder durchbrochen, der Zuseher direkt angesprochen – so bieten die Antagonisten dem Publikum beispielsweise Wetten an, wer als nächstes stirbt. Diese Idee finde ich grundsätzlich gut, an der Umsetzung hapert es für mein Dafürhalten aber. Denn die Ansprache des Zuschauers fällt dermaßen leger und „nebenbei“ aus, dass dieser Aspekt des Films fast untergeht. Noch dazu zeigt sich an dieser Stelle, dass das Mitleid, das man mit der gepeinigten Familie empfindet, gar nicht so groß ist, wie Haneke es sich vermutlich gewünscht hat. „Schuld“ an diesem Umstand könnte sein, dass einer der beiden Bösewichte, der von Arno Frisch gespielte Paul, dem restlichen Ensemble in Sachen Charisma deutlich überlegen ist. Dieses Ungleichgewicht stört das eigentlich genau festgelegte Gut-Böse-Schema, wie ich finde.

Fazit: Zu sagen, der Film würde unterhalten, wäre wohl nicht angebracht und auch nicht das, was Michael Haneke erreichen wollte. Im Endeffekt hat mir „Funny Games“ gefallen. Das liegt aber vor allem an der guten Machart seiner konventionellen Ebene. Der intellektuelle Aspekt, der Versuch, den Zuseher für das, was auf dem Schirm passiert, quasi haftbar zu machen, hat sich mir hingegen nicht so richtig erschlossen. Daher: Gute 4 von 7 Punkten.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Funny Games
Regie:
Michael Haneke
Jahr: 1997
Land: Österreich
Laufzeit: 104 Minuten
Besetzung (Auswahl): Susanne Lothar, Ulrich Mühe, Arno Frisch, Frank Giering, Stefan Clapczynski



 

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