MusikWelt: Built to Last

HammerFall


Mit „(r)Evolution“ gingen HammerFall 2014 nach einer Serie belangloser Alben und dem schnell ad acta gelegten, ohnehin eher halbherzigen Kurswechsel „Infected“ (2011) zurück zu ihren Wurzeln. Epischer Power Metal, heroische Texte, catchy Refrains – all das dominierte plötzlich wieder den Sound der Göteborger und rief Erinnerungen an die seligen späten 1990er wach. Mit ihrem 10. Album „Built to Last“ setzt das Quintett diesen Kurs anno 2016 fort – kein Fehler, zumal das Niveau im Großen und Ganzen stimmt.

Gesamteindruck: 5/7


Epische Hymnen und dämliche Texte.

Dabei machen es die Schweden zunächst durchaus spannend: Das Album beginnt mit dem schwachen Opener „Bring It!“. Dessen Strophen gehen zwar in Ordnung, der Refrain ist jedoch mehr oder weniger für die Tonne. Nachdem ich diese Nummer zum ersten Mal gehört habe, hatte ich tatsächlich schlimme Befürchtungen für das Album und erwartete einen Rückfall in die aus meiner Sicht schwächste HammerFall-Ära, die 2002 mit „Chapter V: Unbent, Unbowed, Unbroken“ begann und die fast ein Jahrzehnt andauern sollte.

Glücklicherweise ist die Eröffnungsnummer ein Ausrutscher und schon Track Nummer 2, „Hammer High“, zeigt die Templer wieder von ihrer besten Seite. Stampfender Rhythmus, mächtiger Heldenchor, zweckmäßige Riffs und ein schönes Solo – was will man mehr. Von einem ähnlichen Schlag ist der Titeltrack, dessen Refrain sogar noch eine Spur ohrwurmiger ausgefallen ist. Andererseits fällt bei eben jenem Song auf, dass die Chöre doch nicht ganz so fett sind, wie man anfangs noch gemeint hat, sondern deutlich an Tiefe vermissen lassen (am ohrenfälligsten ist das beim a-capella-Refrain gegen Ende von „The Sacred Vow“, der den Eindruck erweckt, man hätte dafür ein paar Penner von der Straße ins Studio geholt). Auf der flotteren Seite – und nicht weniger stark – sind „Stormbreaker“, „The Star of Home“ und das hymnenhafte „Dethrone and Defy“. Richtig episch wird es am Ende des Albums mit „Second To None“, das mich als verhältnismäßig progressiver Song voll und ganz überzeugt. Das ist eigentlich untypisch für HammerFall, weil derartig komplexe Anwandlungen in der Historie der Band öfter mal in die Hose gegangen sind. Nicht so „Second To None“, das ich für eines der am besten komponierten HammerFall-Stücke überhaupt halte.

Kleinigkeiten stören den Gesamteindruck.

Freilich ist auch auf „Built to Last“ nicht alles Gold, was glänzt. Die Standard-Ballade „Twilight Princess“ ist zwar kein Fall für die Skip-Taste, begeistert mich aber eher nicht so – vor allem der Schluss, mit dem von Sänger Joacim Cans intonierten„Because the Twilight Princess is me…“ ist ziemlich… merkwürdig. Dann gibt es noch „New Breed“, das ähnlich wie „Bring It!“ an einem sehr holprigen Refrain leidet und damit die tolle Strophe (die ist hier sogar noch viel besser als beim Opener) zunichte macht. Schließlich ist noch das oben kurz angesprochene „The Sacred Vow“ zu nennen, das es für mein Dafürhalten mit der Selbstreferenz, die bei HammerFall ja ohnehin nie zu kurz kommt, übertreibt. Wenn man bei diesem Refrain nicht an „Templars of Steel“ denken muss, weiß ich auch nicht… Sorry, das ist mir eindeutig zu abgedroschen, auch wenn das im Zusammenhang mit den Tugenden, die man an HammerFall schätzt, merkwürdig klingen mag.

Was an „Built to Last“ jedenfalls noch kritisiert werden kann: Meister der Lyrik waren die Herren aus Göteborg ja noch nie. Aber was sie dem geneigten Zuhörer auf diesem Album kredenzen, haut den stärksten Hector aus der Ritterrüstung. Am besten ist es wohl im Refrain von „Hammer High“ zusammengefasst: „Hammer high, this is a freedom cry / Hammer high, no one should ask me why“. Genau, es ist wohl wirklich besser, man fragt nicht, warum. Ich hatte bei HammerFall ja schon öfter das Gefühl, dass ihre Texte hauptsächlich auf Worten, die miteinander kombiniert gut klingen und einigermaßen zur Melodie passen, basieren. Bisher habe ich den Mannen um Sangeswunder Joacim Cans das durchgehen lassen – auf „Built to Last“ wirken die Lyrics allerdings dermaßen hingeschludert, dass man nicht mehr darüber hinwegsehen kann. Erinnert ein bisschen an Manowar, auch wenn deren Wortschatz noch einmal eine Nummer begrenzter ist. Und nein, ein Kompliment ist das in diesem Fall nicht, auch, wenn man beide Bands ob ihrer Einfachheit schätzt, ist das meiner Meinung nach reine Faulheit.


Track – Titel – Länge – Wertung

metal-archives.com

  1. Bring It! – 4:18 – 3/7
  2. Hammer High – 4:37 – 5/7
  3. The Sacred Vow – 4:11 – 5/7
  4. Dethrone and Defy – 5:10 – 6/7
  5. Twilight Princess – 5:03 – 4/7
  6. Stormbreaker – 4:51 – 6/7
  7. Built to Last – 3:52 – 6/7
  8. The Star of Home – 4:478 – 6/7
  9. New Breed – 5:02 – 5/7
  10. Second to None – 5:29 – 7/7

Gesamteindruck: 5/7 


HammerFall auf “Built to Last” (2016):

  • Joacim Cans – Vocals
  • Oscar Dronjak – Guitars, Keyboards, Backing Vocals
  • Pontus Norgren – Guitars, Keyboards, Backing Vocals
  • Fredrik Larsson – Bass, Backing Vocals
  • David Wallin – Drums

Anspieltipp: Second to None

Werbung

2 Gedanken zu “MusikWelt: Built to Last

  1. Pingback: Musik A-Z | Weltending.
  2. Pingback: MusikWelt: Dominion | Weltending.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..