SerienWelt: Game of Thrones – Staffel 1

Wenige Tage vor Erscheinen dieser Rezension war es soweit: Eine der beliebtesten und gleichzeitig auch meistdiskutierten Fernsehserien endete nach 8 Staffeln und 73 Episoden. Zur Umsetzung dieses Mammut-Projektes benötigte das Produzentenduo David Benioff und D.B. Weiss 8 Jahre – die erste Folge von „Game of Thrones“ wurde 2011 ausgestrahlt. Nach so langer Zeit hat man vielleicht das eine oder andere Detail vergessen, kann sich nicht mehr so gut erinnern, was in den einzelnen Staffeln passiert ist. Daher mein Entschluss, quasi direkt nach dem Abspann der finalen Folge noch einmal mit Staffel 1, Folge 1 zu beginnen und – mit etwas Abstand zum ersten Durchgang – Rezensionen zu den einzelnen Staffeln zu verfassen.

Gesamteindruck: 7/7


Großartige Umsetzung.

VORSICHT: Eventuell können „Game of Thrones“-Rezensionen auf WeltenDing Spoiler enthalten!

Die 1. Staffel der US-Serie „Game of Thrones“ behandelt den gleichnamigen 1. Band von George R.R. Martins großer Saga „A Song of Ice and Fire“ (in der deutschen Version: „Das Lied von Eis und Feuer“). Dabei werden in zehn Folgen die Geschehnisse der Buchvorlage ziemlich exakt wiedergegeben. Es gibt natürlich gewisse Anpassungen, hier und da wurde gestrafft und nicht alles ist exakt so, wie man es vielleicht aus den Büchern kennt. Gleichwohl sind die Unterschiede zwischen Buch und Serie in Staffel 1 verhältnismäßig gering.

Inhalt in Kurzfassung
Viele Jahre nachdem er in einer blutigen Rebellion die Macht übernommen hat, bittet König Robert Baratheon seinen Freund und Waffenbruder Eddard „Ned“ Stark, seine rechte Hand zu werden. Schnell zeigt sich, dass die Politik in den Sieben Königslanden vor allem von Intrigen um Macht und Geld bestimmt wird – ein Parkett, auf dem der rechtschaffene Eddard Stark sich schnell mächtige Feinde macht, während er einer Verschwörung auf die Spur kommt, die bereits seinem Vorgänger zum Verhängnis wurde. Zeitgleich erhebt sich im hohen Norden hinter der von den Männern der Nachtwache gehüteten „Mauer“ eine unheimliche Bedrohung für die Reiche der Menschen – und auf einem anderen Kontinent schmieden die letzten Überlebenden der vor der Rebellion herrschenden Dynastie Pläne, aus dem Exil zurückzukehren und den Eisernen Thron für sich zu beanspruchen. 

Vorweg: Ich habe direkt nach 2 oder 3 Folgen der 1. Staffel von „Game of Thrones“ begonnen, die Bücher zu lesen – und habe jedes davon genossen. Die Serie habe ich, wie angedeutet, komplett gesehen, fand aber, bevor ich meine Meinung dazu abgebe, einen 2. Durchgang aller Folgen und Staffeln notwendig. Damit sollte ich eher in der Lage sein, das Gesehene mit etwas emotionalem Abstand und halbwegs objektiv reflektieren zu können.

Viel besser geht es (vermutlich) kaum.

Generell sind Umsetzungen von großen literarischen Vorbildern ja oft eine zwiespältige Sache. Um den Anforderungen des visuellen Mediums gerecht zu werden, muss die Handlung häufig gestreckt oder gerafft werden, hinzu kommt, dass Figuren oft nicht so aussehen und sich nicht so verhalten wie in der Vorlage und das es allgemein sehr schwierig ist, eine bestimmte Atmosphäre einzufangen. Vieles davon hat allerdings mit der individuellen Vorstellung der Leser bzw. Seher zu tun – und allen kann man es naturgemäß nie recht machen.

In „Game of Thrones“ wurde im Prinzip dennoch alles richtig gemacht. Das beginnt bereits mit der Auswahl der Schauspieler: Zum Zeitpunkt der 1. Staffel dürft das einzige, einer breiteren Masse bekannte Gesicht Sean Bean (u. a. Boromir in „Der Herr der Ringe“) als Lord Eddard Stark sein. Bean wird von einer damals weitgehend unbekannten, aber dennoch sehr guten Riege an Darstellern unterstützt. Besonders hervorzuheben sind dabei Peter Dinklage (Tyrion Lannister), Lena Headey (Cersei Lannister), Aidan Gillen (Petyr Baelish) und Iain Glenn (Jorah Mormont) die ihre Rollen tatsächlich so gut spielen, dass man sich direkt in das Buch versetzt fühlt – auch wenn die Optik oft nicht so ganz stimmt. Aber auch alle anderen Figuren wurden sehr gut besetzt, lediglich Jack Gleeson (Joffrey Baratheon) wirkt für mich ein wenig farblos und überfordert.

Das Drehbuch ist sehr gut gelungen und schafft es ausgezeichnet, Stimmung und Atmosphäre der Saga einzufangen. Alle wichtigen Ereignisse aus dem literarischen Vorbild kommen vor oder werden erwähnt – man hat als Kenner des Buches eigentlich kaum das Gefühl, dass etwas Wichtiges weggelassen wurde. Hier zeigt sich auch die Stärke einer mehrteiligen Serie gegenüber einem Kinofilm: Es bleibt genug Zeit, die Charaktere zu entwickeln und die Geschichte ausführlich zu erzählen.

Ebenfalls perfekt umgesetzt wurde die Optik. Es ist eigentlich unglaublich, mit welcher Liebe zum Detail hier für eine Fernsehproduktion gearbeitet wurde. Ein ausreichendes Budget hat es wohl möglich gemacht… Das beginnt bereits beim aufwändigen und epischen Intro und setzt sich über für Serienverhältnisse überdurchschnittlich gute Effekte und Choreografien fort. Auch Landschaft, Bauten, Waffen und Wetter wirken wie aus einem Guss – hier gibt es beim besten Willen nichts auszusetzen. Überraschend war der für eine US-Serie erstaunlich hohe Anteil an Gewalt. Für Enthauptungen, Schwertkämpfe und Turniere wurden soviel Kunstblut und -eingeweide verwendet, wie schon lange in keiner Serie mehr (abgesehen vielleicht vom zeitgenössischen „The Walking Dead“). Auch vor nackten Körpern in eindeutigen Stellungen schreckten die Verantwortlichen nicht zurück – im prüden Amerika sicher ein Schock. Die Serie richtet sich jedenfalls eindeutig an Erwachsene, was aber nicht nur daran, sondern auch an der generellen Komplexität und vielen „politischen“ Szenen liegt.

Synchronisation als einziger Kritikpunkt.

Größter, oft einziger Kritikpunkt vieler Rezensenten ist die deutsche Synchronisation. Tatsächlich ist es so, dass man sich das Ganze nach Möglichkeit im englischen Original ansehen sollte; gleiches gilt ja auch für die Buchvorlage. Sollten die dafür notwendigen Kenntnisse fehlen und man sich nicht mit Untertiteln herumschlagen wollen, ist die deutsche Variante natürlich die einzige Möglichkeit. Hier ist es so, dass sich die Verantwortlichen an die Übersetzung des Buches gehalten haben. Es wurden also praktisch alle Eigennamen eingedeutscht, ähnlich wie man das aus „Herr der Ringe“ kennt. Auch wenn diese Meinung viele nicht teilen werden: ich empfinde das als die bessere Variante gegenüber dem Beibehalten der englischen Begriffe. Allerdings wäre ein wenig mehr Augenmaß notwendig gewesen – ob man beispielsweise „Casterly Rock“ wirklich mit „Casterly Stein“ übersetzen muss, sei dahingestellt. Noch schlimmer ist die Eindeutschung gewisser Familiennamen, was aber in der Serie zum Glück nicht so extrem ins Gewicht fällt (ob nun „Lannister“ oder „Lennister“ ist in der Aussprache praktisch egal, ,ganz im Gegensatz zum Buch). Dass man „Königsweg“ anstelle von „Kingsroad“ sagt ist für mich hingegen eine akzeptable Lösung. Ich denke generell, dass man sich relativ schnell daran gewöhnt und das kein Grund für eine Abwertung sein muss. Die Synchronsprecher wurden übrigens gut und passend ausgewählt, hätten aber etwas emotionaler agieren können.

Eine Problematik, die eventuell abschrecken könnte, wenn man die Vorlage nicht kennt ist deren Komplexität. Bereits im Buch werden Ereignisse und Intrigen nur nach und nach enthüllt, alles ist zu Beginn relativ schwer zu verstehen und mysteriös. Das ist auch bei der TV-Serie so, darum könnten sich Zuschauer, die die Vorlage nicht kennen, vergleichsweise schwer tun, in Staffel 1 mitzukommen. Auch die Fülle der vorgestellten Charaktere macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Aber das ist – wie gesagt – auch beim Buch so und wurde sehr authentisch übernommen.

Fazit: Mit „Game of Thrones“ ist den Produzenten David Benioff und D. B. Weiss tatsächlich ein Geniestreich gelungen. Es gibt wohl nur eine handvoll Filme oder Serien, die es bisher so gut geschafft haben, ein komplexes literarisches Vorbild auf ein visuelles Medium zu übertragen. Von der Ausstattung über die Schauspieler bis hin zur Dramaturgie passt einfach alles. Kenner der Bücher werden sich über die liebevolle Umsetzung freuen und wer mit der TV-Serie in George R. R. Martins Universum einsteigt, bekommt wohl richtig Lust, die Bücher zu lesen und noch tiefer einzutauchen. Gut gemacht, viel besser geht es eigentlich nicht!.

Gesamteindruck: 7/7


Originaltitel: Game of Thrones
Idee: David Benioff, D. B. Weiss
Land: USA
Jahr: 2011
Episoden: 10
Länge: ca. 60 Minuten
Gesehen auf: Sky
Haupt-Besetzung (Auswahl): Sean Bean, Peter Dinklage, Emilia Clarke, Lena Headey, Kit Harington, Sophie Turner, Maisie Williams, Nikolaj Coster-Waldau, Alfie Allen, Mark Addy