MusikWelt: The Three Tremors

The Three Tremors


 Drei namhafte Sänger, eine eingespielte Rhythmus-Fraktion, zeitloser Heavy Metal, coole Spitznamen… Was soll mit dieser Kombination schon schief gehen? Leider so ziemlich alles, wie die Auseinandersetzung mit „The Three Tremors“, dem 2019er Debüt der gleichnamigen Supergroup, zeigt.

Gesamteindruck: 1/7


Drei Schreihälse.

Irgendwann Anfang der 2000er gingen die Herren Bruce Dickinson (Iron Maiden), Rob Halford (Judas Priest) und Geoff Tate (Queensrÿche) mit der Idee schwanger, unter dem Namen The Three Tremors gemeinsame Sache zu machen – was damals komplett an mir vorüber gegangen ist, vermutlich, weil sich die Umsetzung zerschlagen hat und seither keine Rede mehr davon war, diese auf dem Papier sehr reizvolle Idee wiederzubeleben. Machen wir nun einen Zeitsprung von rund 20 Jahren – und plötzlich ist es da, das Debüt von The Three Tremors. Wer sich jedoch anno 2019 auf die epochale Zusammenarbeit drei der Größten ihres Faches freut, erlebt eine Überraschung: Statt Dickinson, Halford und Tate  haben sich Tim Owens (u.a. ex-Judas Priest, ex-Iced Earth), Harry Conklin (u.a. Jag Panzer) und Sean Peck (u.a. Cage) zum lustigen Wettsingen zusammengefunden; drei Mittfünfziger, die zwar unbestritten als gute Metal-Shouter gelten, entgegen der ursprünglichen Idee aber klar die zweite Garde darstellen.

Das musikalische Fundament für unsere drei Sängerknaben kommt übrigens von Sean Pecks Hauptband Cage, die mir persönlich – genau wie ihr Frontmann – bis dato völlig unbekannt war. Auf „The Three Tremors“ haben wir es jedenfalls mit klassischem Heavy Metal, wie man ihn z.B. von Bands wie Primal Fear kennt, zu tun. Zumindest in den wenigen guten Momenten, meist ist die Chose eher fad und unspektakulär. Man merkt meiner Meinung nach sehr deutlich, dass auf kompositorische Qualität kein großer Wert gelegt wurde; die Hintergrundmusik ist da, damit der Gesang eine Basis hat. Einen anderen Zweck, beispielsweise Emotionen zu wecken oder Atmosphäre zu vermitteln, erfüllt sie selten. Soll sie wohl auch nicht, weil das eventuell von den Hauptprotagonisten ablenken könnte. Damit genau das nicht passiert, wurde der Gesang im Mix so weit in den Vordergrund gestellt, dass die Instrumente zwangsläufig untergehen.

Chaotisches Gesamtbild.

Und da liegt auch schon der Hase im Pfeffer: Bei der Produktion dieses Albums hat man sich offenbar vollkommen verschätzt. Irgendwer scheint gedacht zu haben, dass es reicht, drei Typen, die in der Metal-Szene einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzen, gegen-, mit- und übereinander singen zu lassen. Ja, richtig gelesen – „The Three Tremors“ ist in meinen Ohren vor allem ein extrem lautes und über weite Strecken ungemein chaotisches Machwerk. Die drei Vokalisten schmettern ihre klischeebeladenen Botschaften dermaßen laut und wild aus den Boxen, dass einem Hören und Sehen vergehen kann. Der chaotische Gesamteindruck entsteht auch dadurch, dass sich anscheinend niemand gefunden hat, der einen vernünftigen Refrain schreiben kann. In Ansätzen gelingt das zwar (z. B. im meiner Meinung nach besten Track „Lust of the Blade“), vom Rest bleibt kaum was hängen. Es gibt keine Hooks, die Gitarrensolos sind nicht der Rede wert, kurz: Nach dem Genuss von „The Three Tremors“ kann man sich zwar an ungeheure Gesangseskapaden erinnern, aber kaum daran, wie einzelne Songs klingen. Von begeistertem Mitsingen ganz zu schweigen.

Verschärft wird das Ganze durch die ähnliche Stimmfarbe der drei „Tremors“. Selbst als Kenner der Materie kann man die Sänger zeitweise nicht voneinander unterscheiden, weil sie kaum ihre normalen Singstimmen und persönlichen Stärken einsetzen. Tun sie es doch mal, hebt sich der Song gleich viel angenehmer vom Rest ab, nachzuhören z.B. auf „Sonic Suicide“, was nur zeigt, was eigentlich möglich gewesen wäre. Leider wird auf dem Album aber fast nur gescreamed und in höchsten Tönen jubiliert. Und das pausenlos – „The Three Tremors“ ist über 50 Minuten lang, nur ein Song dauert unter 4 Minuten. Alles viel zu ausufernd und anstrengend, um es öfter als zwei oder drei Mal zu hören. Stellenweise (z.B. beim Opener „Invaders from the Sky“) ist man sogar versucht, sich zu fragen, ob überhaupt die richtigen Gesangsspuren für den jeweiligen Track verwendet wurden oder ob da irgendwas durcheinander geraten ist, so unorganisiert und schlecht getimed klingt das alles. Und warum zum Teufel hat man keine Ballade für die Herren geschrieben? Normalerweise braucht man als Metaller solche Nummern ja nicht zwingend, beim Hören dieses Albums sehnt man ruhigere Töne regelrecht herbei.

Der finale Sargnagel für diese musikalische Katastrophe ist die Bedienung sämtlicher Metal-Klischees. Nicht, dass man als Hörer des Genres ohnehin bestens verwöhnt ist, was gewisse Themen betrifft. Aber hier sind Texte und Cover dann doch ein bisschen zu viel des Guten. Obwohl, stimmt eigentlich nicht, es ist vor allem die Kombination dieser Faktoren mit der anstrengenden Akustik, die einem vermutlich die Schamesröte ins Gesicht treiben würde, würde man dieses Machwerk jemandem vorspielen, der noch nie etwas mit dieser Musik zu tun gehabt hat. Nicht, dass ich das jemals probieren werde…

Folter für die Ohren.

Ein „Tremor“ ist laut Wikipedia sinngemäß das unwillkürliche, rhythmische Zusammenziehen einander entgegenwirkender Muskelgruppen. Irgendwie passt das wie die Faust aufs Auge. Unsere drei Helden scheinen gegen den Hörer, gegen die Band und letztlich auch gegeneinander anzusingen. Sie versuchen sich gegenseitig in immer höheren Stimmlagen zu übertrumpfen – und vergessen dabei auf das, was im Heavy Metal mehr zählt als alles andere: Den Song. Alles, was dem Hörer bleibt, ist ein Klingeln in den Ohren, wenn er sich „The Three Tremors“ zu oft und auf zu hoher Lautstärke anhört. Und das ist kein Kompliment! So sehr ich die Protagonisten per se schätze – ohne die auf sie allein zugeschnittene Musik ihrer Hauptbetätigungsfelder sind sie offenbar nicht in der Lage, ihre normale Leistung abzurufen. Oder – ganz ketzerisch: Vielleicht wäre „The Three Tremors“ sogar ein halbwegs gutes Album geworden – wenn nur einer der drei am Mikro gestanden hätte. Welcher, scheint keine Rolle zu spielen, Hauptsache nicht alle.

Das mag jetzt übertrieben klingen, aber ich muss es einfach schreiben: Angeblich wurde im Irak-Krieg ja mit der Musik von Metallica und Britney Spears „gefoltert“. Dafür würden sich The Three Tremors in dieser Form wesentlich besser eignen.


metal-archives.com

Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Invaders from the Sky – 4:54 – 1/7
  2. Bullets for the Damned – 4:10 – 1/7
  3. When the Last Scream Fades – 6:03 – 3/7
  4. Wrath of Asgard – 4:58 – 4/7
  5. The Cause – 3:53 – 1/7
  6. King of the Monsters – 4:23 – 2/7
  7. The Pit Shows No Mercy – 4:34 – 3/7
  8. Sonic Suicide – 4:40 – 4/7
  9. Fly or Die – 4:28 – 3/7
  10. Lust of the Blade – 4:54 – 4/7
  11. Speed to Burn – 5:18 – 1/7
  12. The Three Tremors – 6:18 – 1/7

Gesamteindruck: 1/7 


The Three Tremors auf “The Three Tremors” (2019):

  • Sean „The Hell Destroyer“ Peck – Vocals
  • Harry „The Tyrant“ Conklin – Vocals
  • Tim „Ripper“ Owens – Vocals
  • Casey „The Sentinel“ Trask  – Guitars
  • David „Conan“ Garcia – Guitars
  • Alex „The Captain“ Pickard – Bass
  • Sean „The Thrash Machine“ Elg – Drums

Anspieltipp: Lust of the Blade

Ein Gedanke zu “MusikWelt: The Three Tremors

  1. Pingback: Musik A-Z | Weltending.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.