MusikWelt: Follow the Reaper

Children of Bodom


„Follow the Reaper“ (2000) wird gemeinhin als Höhepunkt in der Diskographie von Children of Bodom gesehen. Zumindest von Fans der ersten Stunde, die mit den späteren Experimenten und der moderneren Ausrichtung der Finnen nicht so viel anfangen können. Dem stimme ich zu, würde aber den Vorgänger „Hatebreeder“ (1999) als ungefähr gleich stark bezeichnen. Dabei ist „Follow the Reaper“ abwechslungsreicher, kompositorisch ausgefeilter und auch produktionstechnisch höher einzuschätzen, während „Hatebreeder“ neben einigen unwiderstehlichen Hits die ungezügeltere Wildheit bietet, ohne aber so chaotisch wie das Debüt „Something Wild“ (1997) zu sein.

Gesamteindruck: 6/7


Dunkle Melodien.

Beginnen wir mit dem Sound: So klar, transparent und doch druckvoll war das Quintett aus Espoo bis zu diesem Zeitpunkt nie unterwegs. Manchem mag das Album überproduziert erscheinen, ich finde jedoch, dass dadurch die musikalische Finesse und die ausgezeichnete Technik von Children of Bodom sehr gut zur Geltung kommen. Wobei ich auch nicht verhehlen möchte, dass diese Art von Produktion aus heutiger Sicht relativ klinisch wirkt – mittlerweile ist man im Metal ja längst zu erdigeren Tönen und analogen Techniken zurückgekehrt. „Follow the Reaper“ ist soundtechnisch hingegen eindeutig ein Kind seiner Zeit, allerdings kein Schlechtes.

Neben der erwartungsgemäß perfekten Instrumentalarbeit gibt es an zwei Fronten kleine, aber feine Weiterentwicklungen zu beobachten: Einerseits kann sich Frontmann Alexi Laiho gesangstechnisch auf die Schulter klopfen – sein heiseres Gebell zeigt kaum Schwächen und klingt nicht mehr so „luftig“ wie noch zu früheren Zeiten. Der beste Growler ist er freilich nach wie vor nicht (ich erinnere mich an ein Interview mit ihm, in dem er sinngemäß den Satz „Ich bin ein verdammter Gitarrist und kein Sänger“ zum Besten gab), aber für mein Gefühl hat er auf „Follow the Reaper“ seine Nische gefunden. Was auf diesem Album andererseits deutlich hörbar ist, ist – nur ein Jahr nach „Hatebreeder“ – ein weiterer Sprung nach vorne in Sachen Songwriting. Die ersten fünf Tracks auf „Follow the Reaper“ gehören zu den ausgefeiltesten und reifsten Kompositionen der Truppe. Ein in der ersten Sekunde zündender Hit wie „Towards Dead End“ von „Hatebreeder“ ist zwar nicht dabei, allerdings verlassen auch Kompositionen wie der Titeltrack oder das Highlight der Platte, „Children of Decadence“, den Gehörgang kaum noch, wenn sie sich einmal dort festgekrallt haben.

Schwächelt nach der Halbzeit etwas.

Leider kann die zweite Hälfte des Albums nicht ganz mit dem grandiosen Auftakt mithalten. Es gibt zwar keinen Ausfall zu verzeichnen, aber so richtig schaffen es „Taste of My Scythe“, „Northern Comfort“ und „Kissing the Shadows“ nicht, es den ausgezeichneten Tracks 1-5 gleichzutun. „Hate Me!“, zu dem es auch eine alternative Version gibt, packt das zwar einigermaßen, aber ganz gelingt es auch mit dieser Nummer nicht. Ich würde diese Songs keineswegs als schlecht bezeichnen – sie sind aber im Vergleich zum Rest eher Füllmaterial. Das zieht sich im Übrigen durch die Karriere von Children of Bodom: Es gibt neben sehr starken Songs immer wieder Ausreißer, die letztlich die Höchstwertung für das eine oder andere Album der Finnen verhindern. So könnte man beispielsweise aus den besten Tracks von „Follow the Reaper“ und „Hatebreeder“ problemlos einen nahezu perfekten Longplayer kreieren.

Musikalisch dominieren auf „Follow the Reaper“ die damals gewohnten CoB-Tugenden. Flotte Läufe auf der Lead-Gitarre, neo-klassizistische Keyboards und stampfende Rhythmen prägen das Bild. Die Refrains gehen nicht ganz so schnell ins Ohr, die Songs werden für mein Gefühl tatsächlich eher von den Instrumenten getragen. Das funktioniert allerdings sehr gut. Die Riffs sind etwas akzentuierter und deutlich abwechslungsreicher als auf den Vorgängern. Besonders überzeugend ist aber die Atmosphäre, bei Children of Bodom immer mal wieder etwas ambivalent ist. Auf „Follow the Reaper“ stimmt sie aus meiner Sicht hingegen und schafft einen durchgehend düsteren Gesamteindruck. Das macht den dritten Longplayer meines Erachtens zum Dunkelsten, den die Herren aus Espoo bis dato zustande gebracht haben.


Track – Titel – Länge – Wertung

metal-archives.com

  1. Follow the Reaper – 3:47 – 7/7
  2. Bodom After Midnight – 3:44 – 6/7
  3. Children of Decadence – 5:34 – 7/7
  4. Everytime I Die – 4:03 – 6/7
  5. Mask of Sanity – 3:59 – 5/7
  6. Taste of My Scythe – 3:58 – 4/7
  7. Hate Me! – 4:45 – 5/7
  8. Northern Comfort – 3:49 – 4/7
  9. Kissing the Shadows – 4:32 – 5/7

Gesamteindruck: 6/7 


Children Of Bodom auf “Follow the Reaper” (2000):

  • Alexi „Wildchild“ Laiho – Vocals, Lead Guitars
  • Alexander Kuoppala – Rhythm Guitars
  • Henkka T. Blacksmith – Bass
  • Janne Warman – Keyboards
  • Jaska Raatikainen – Drums

Anspieltipp: Children of Decadence