MusikWelt: From Afar

Ensiferum


Gut zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass Ensiferum mit ihrem 4. Longplayer „From Afar“ um die Ecke kamen. In meiner Erinnerung war das Album gut, bot aber mit „From Afar“ und „Twilight Tavern“ nur zwei Songs, die ich bis heute regelmäßig höre und die sich nach wie vor praktisch immer auf der Live-Setlist der Finnen finden. Höchste Zeit also, mit ein paar neuen Durchläufen herauszufinden, wie der Rest der Songs klingt. Und vor allem, ob die Enttäuschung, an die ich mich zu erinnern glaube, tatsächlich gerechtfertigt war.

Gesamteindruck: 6/7


Epische Breite.

Der Start ins Album ist tatsächlich auch heute noch so amtlich wie 2009: Vom Intro „By the Dividing Stream“ über „From Afar“ und „Twilight Tavern“ entsteht sofort das typische Ensiferum-Feeling. Vor allem der Titeltrack hat es in sich und ist meines Erachtens eine der besten Nummern der „Schwertträger“ überhaupt. Einfach nur die Faust in die Luft strecken und mitbrüllen möchte man hier. Abgesehen von diesem heroischen Doppelschlag ist in meinem Hirn noch das leicht merkwürdige „Stone Cold Metal“ mit seinem Western-Zwischenteil abgespeichert – aus heutiger Sicht der erste Song einer für Ensiferum inhaltlich und teils auch musikalisch ungewohnten Machart, dem auf den nächsten Alben Nummern wie z.B. „Two of Spades“ folgen sollten. Geht ganz gut rein, hat aber relativ wenig mit dem bis dato durchgezogenen Folk Metal zu tun.

So weit, so gut. Spannender wird es dann beim Rest von „From Afar“. Schuld daran (wenn man so will) sind zwei Tracks, die in der Mitte und am Ende des Albums platziert wurden und dadurch alles dazwischen ein wenig in Vergessenheit geraten lassen. Namentlich ist das der für Ensiferum-Verhältnisse überlange „Heathen Throne“-Zweiteiler, bestehend aus eben „Heathen Throne“ und „The Longest Journey (Heathen Throne Part II)“. Hier muss man dann doch genauer hinhören, als man es von den ersten Alben der Finnen gewohnt war, erst dann offenbart sich die schöne Epik dieser Tracks. Hier haben es Ensiferum tatsächlich geschafft, Komplexität und Songwriting-Skills an Stelle ihrer sonst eher einfachen Hymnen zu setzen. Das mag nicht jedem gefallen, weil es nicht den schnellen und fröhlichen Humppa-Kick eines „Twilight Tavern“ bietet – ich finde bei genauerer Betrachtung den Versuch, etwas andere Songs zu schreiben aber durchaus gelungen. Und, seien wir uns ehrlich: Auch „Heathen Throne“ ist kein Prog Metal. Aber nicht mehr und nicht weniger als eine schön durchkomponierte Erzählung in der man zu jeder Sekunde den Stil von Ensiferum erkennt.

Man sollte genau hinhören.

Letztlich macht jeder neue Durchgang von „From Afar“ klar, was bei mir damals (2009) passiert ist. Ich stand damals noch stark unter dem Eindruck der ersten drei Alben der „Schwertträger“, die allesamt großartig, aber auch sehr leicht zugänglich waren. Platte Nummer 4 hat dagegen zwei überlange Tracks zu bieten, die sich naturgemäß etwas schwerer erschließen. Bis zu diesem Zeitpunkt war der sehr gute „Victory Song“ (von „Victory Songs“, 2007) der einzige Versuch der Band, auf der Langstrecke was zu reißen. Diese Nummer verfügte allerdings über einen extrem eingängigen Refrain, was sie deutlich leichter konsumierbar macht, als die zwei Parts von „Heathen Throne“. Nicht, dass die nicht auch eingängig wären, aber ein bisschen muss man sie sich schon erarbeiten. Und genau das hat bei mir 2009 offenbar nicht geklappt, ich konnte und wollte „From Afar“ nicht die notwendige Zeit geben. Für den schnellen Erfolg sind der Titeltrack und „Twilight Tavern“ natürlich bestens geeignet, wer aber mehr davon erwartet und erhofft, wird im ersten Moment tatsächlich enttäuscht sein. Völlig zu unrecht, wie ich heute gerne zugebe.

Und damit ist auch schon alles gesagt. „From Afar“ ist eine Art zweigeteiltes Album, auf dem neben zwei atypischen Songs, die eigentlich als Einheit gelten müssen, eine handvoll Nummern stehen, die so oder so ähnlich auf jedem Longplayer der Finnen Platz finden würden.


Track – Titel – Länge – Wertung

metal-archives.com

  1. By the Dividing Stream – 3:50 – 5/7
  2. From Afar – 4:51 – 7/7
  3. Twilight Tavern – 5:38 – 6/7
  4. Heathen Throne – 11:09 – 6/7
  5. Elusive Reaches – 3:26 – 5/7
  6. Stone Cold Metal – 7:25 – 5/7
  7. Smoking Ruins – 6:40 – 6/7
  8. Tumman Virran Taa – 0:52 – 5/7
  9. The Longest Journey (Heathen Throne Part II) – 12:49 – 6/7

Gesamteindruck: 6/7 


Ensiferum auf “From Afar” (2009):

  • Petri Lindroos – Vocals, Guitars
  • Markus Toivonen – Guitars, Vocals, Backing Vocals
  • Sami Hinkka – Bass, Vocals, Backing Vocals
  • Janne Parviainen – Drums
  • Emmi Silvennoinen – Keyboards, Organ, Backing Vocals

Anspieltipp: From Afar

 

4 Gedanken zu “MusikWelt: From Afar

  1. Pingback: Musik A-Z | Weltending.

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