BuchWelt: Der Weg zurück

Erich Maria Remarque


„Der Weg zurück“ ist die Fortsetzung von „Im Westen nichts Neues“. Erfolgsautor Erich Maria Remarque beschreibt darin – wiederum quasi-autobiografisch – den Versuch der ehemaligen Soldaten, nach Kriegsende im Zivilleben Fuß zu fassen.

Gesamteindruck: 6/7


Traumatisierte Heimkehrer.

Der 1. Weltkrieg war nicht nur zwischen 1914 und 1918 ein allseitiges und umfassendes Desaster. Der bis dahin größte Konflikt der Menschheitsgeschichte hatte auch tiefgreifende Folgen für Europa und die ganze Welt. Während in Sachbüchern neben Ursachen und Verlauf vor allem politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Nachwehen diskutiert werden, ist das Erlebnis des Einzelnen großteils der Romanliteratur vorbehalten. Meist konzentrieren sich die Autoren darin eher auf das Geschehen direkt an der Front – so auch Erich Maria Remarque in seinem Bestseller „Im Westen nichts Neues“. Ein Aspekt, den der Autor dort anlässlich der Episode um einen Heimaturlaub des Protagonisten andeutet, findet hingegen weniger Beachtung in der Literatur: Am Ende des Krieges wurden Millionen ehemalige Soldaten ins Zivilleben entlassen – meist völlig auf sich gestellt, oft traumatisiert und mit einer Gesellschaft konfrontiert, die sich grundlegend verändert hatte.

Inhalt in Kurzfassung
Herbst 1918: Der 1. Weltkrieg ist zu Ende, die überlebenden Soldaten kehren in ihre Heimat zurück. Dort müssen sie schnell feststellen, dass sie keineswegs als Helden gefeiert oder auch nur als verdiente Veteranen begrüßt werden. Noch dazu hat sich niemand darüber Gedanken gemacht, ob und wie die teils schwer traumatisierten Männer überhaupt in ein normales Leben zurückfinden sollen.

Inhaltlich ist „Der Weg zurück“ lose mit „Im Westen nichts Neues“ verbunden. Der Ich-Erzähler, Ernst Birkholz, scheint in der Kompanie von Paul Bäumer, dem Protagonisten von „Im Westen nichts Neues“ gewesen zu sein. Denn eben dieser und einige andere Soldaten, die man aus dem Vorgänger kennt, werden namentlich erwähnt; als einziger überlebt hat übrigens der Soldat Tjaden, der hier eine Nebenrolle spielt.

Remarque, der nach dem Krieg selbst mit Depressionen zu kämpfen hatte, arbeitet in „Der Weg zurück“ sehr gut heraus, dass das Drama 1918 keineswegs vorüber war. Die ehemaligen Frontsoldaten begegnen episodenhaft verschiedensten Problemen, die sich über sämtliche Lebensbereiche erstrecken. Das beginnt beim durch Gesichtsverletzungen entstellten Kommilitonen, der sich fragt, ob sein Berufswunsch (Lehrer) noch erreichbar ist, reicht über die offene Feindseligkeit ehemaliger Kameraden, die sich der Revolution angeschlossen haben, bis hin zu den Eltern, die einfach nicht verstehen können, was mit ihren Söhnen im Krieg passiert ist. Zu diesen äußeren Faktoren kommen dann noch innere Zerissenheit und posttraumatische Störungen (ein Begriff, den es damals freilich noch nicht gab), sodass sich insgesamt ein sehr trostloses Bild für die Heimkehrer ergibt. Absurde Situationen wie der Diebstahl und die Schlachtung des Hahnes des Nachbarn (ganz im Sinne des „Requirierens“ an der Front), der ehemalige Bursche, der in der Zivilgesellschaft im Stand deutlich über seinem damaligen Leutnant steht, der nach wie vor schneidige Offizier, der das Feuer auf ehemalige Kameraden, die im Verdacht stehen, Revolutionäre zu sein, eröffnen lässt usw. werden geschildert.

Einblicke in die Psyche.

Alles in allem ist dem Erich Maria Remarque mit „Der Weg zurück“ ein eindringliches Buch mit deutlich anderem Fokus als „Im Westen nichts Neues“ gelungen. Der Autor zeichnet ein Bild, das anhand relativ detaillierter Charaktere schonungslos die Folgen des Krieges aufzeigt – ganz im Gegenteil zur eher atmosphärische Schilderung des Geschehens im Vorgänger. Ich empfinde „Im Westen nichts Neues“ letztlich dennoch um eine Spur stärker, weil geradliniger. In „Der Weg zurück“ bemüht sich der Autor verstärkt darum, das, was in der Psyche der Charaktere passiert, zu beschreiben. Der Versuch ist aller Ehren wert und stellenweise auch sehr intensiv, etwa, wenn sich ein Offizier und Kamerad des Protagonisten zurück an die ehemalige Front begibt und dort (in seinem Kopf) erneut die Schrecken des Grabenkrieges durchlebt. Allerdings muss man auch konstatieren, dass diese Darstellung, eine Art innerer Monolog, nicht ganz die Stärke von Remarque ist und teilweise etwas langatmig ausfällt. Dennoch gelingt es ihm hier ganz gut, das Gefühl von Drama und Trauma in Metaphern zu fassen.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: Erich Maria Remarque
Originaltitel: Der Weg zurück.
Erstveröffentlichung: 1931
Umfang: ca. 275 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: E-Book

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Ein Gedanke zu “BuchWelt: Der Weg zurück

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