BuchWelt: Die Mauern des Universums

Paul Melko


„Die Mauern des Universums“ basiert auf den Annahmen der „Viele-Welten-Interpretation“ aus der Quantenmechanik. Im Wesentlichen geht diese Theorie von der Existenz unendlich vieler Parallel-Universen aus, die sich mal mehr, mal weniger von unserem unterscheiden. Ein Ansatz, der in der Science Fiction seit vielen Jahren immer wieder gerne verwendet wird. Die Frage ist also, ob US-Autor Paul Melko dem Thema neue Impulse hinzufügen kann.

Gesamteindruck: 3/7


Wie man einen Flipper baut.

Wer sich Mitte der 1990er für Science Fiction-Serien interessiert hat, wird die Story von „Die Mauern des Universums“ nach wenigen Sekunden verorten können: „Sliders – Das Tor in eine fremde Dimension“ (1995-2000) erzählt eine sehr ähnliche Geschichte; teilweise bedient sich Paul Melko sogar identischer Begrifflichkeiten (z.B. „Prime“). Ob man sich daran stört, ist freilich Geschmacksache – ich persönlich hatte kein grundsätzliches Problem damit. Im Gegenteil, bietet diese spezielle Form von „alternativer Realität“ doch zahllose Möglichkeiten für „was-wäre-wenn“-Spielchen.

Inhalt in Kurzfassung
Der junge John Rayburn staunt nicht schlecht, als er plötzlich sich selbst gegenüber steht. Sein anderes Ich entpuppt sich als Reisender zwischen Parallel-Universen und nach einigem Hin und Her lässt John sich überreden, auch einmal einen Wechsel in eine andere Welt zu versuchen. Als er merkt, dass er hereingelegt wurde, ist es zu spät und die Rückkehr in sein Heimat-Universum schient unmöglich.

Meiner Ansicht nach krankt „Die Mauern des Universums“ nicht an der auf den ersten Blick recht ausgetretenen Story. Letztlich ist das Buch jedoch die Weiterentwicklung einer Kurzgeschichte, was man vor allem im langen Mittelteil deutlich merkt. Dabei geht es gut los: Der Held springt von einem Universum ins andere, trifft mal auf menschenleere Welten, die von gefährlichen Lebewesen bevölkert sind, nur um im nächsten Moment an einem Ort zu sein, der sich kaum von der ihm bekannten Realität unterscheidet. All das ist flott, durchwegs spannend und fantasievoll geschildert. Auch die Versuche, sich das Wissen anzueignen, das defekte Sprunggerät zu reparieren, sind ein schöner, wenn auch etwas inkonsequent umgesetzter Aspekt der Geschichte. Und dass Paul Melko in einem zweiten Handlungsstrang versucht, die Situation des Doppelgängers zu beschreiben, der sich im alten Leben des Protagonisten eingenistet hat, ist ebenfalls eine gute Idee.

Verliert im Mittelteil an Momentum.

Doch irgendwann geht dem Buch dann doch die Luft aus. Irgendwann? Nein, eigentlich ist die Grenze recht genau definiert: Unser Held wird in einem Universum sesshaft und verliert dort zunehmend das ursprüngliche Ziel aus den Augen, irgendwann in seine Heimat zurückzukehren. Das scheint mir fast symptomatisch für den Autor zu sein, der – so jedenfalls mein Gefühl – immer mehr den Fokus auf die Grundprämisse des Buches verliert. Denn an dieser Stelle des Romans ist dem Leser längst klar, dass die Unterschiede zwischen den Universen eine Möglichkeit darstellen, zu Geld zu kommen. Finde ich per se einen interessanten Ansatz – doch leider beginnt Paul Melko zunehmend, sich in Details und Problemen der Konstruktion und Vermarktung eines Flipper-Automaten (denn den gibt es im Universum, für das sich der Held letztlich entschieden hat, nicht) zu verstricken. Im Nachhinein betrachtet scheinen genau das die Seiten zu sein, die der Autor gebraucht hat, um seine ursprüngliche Kurzgeschichte auf Roman-Umfang zu strecken. Sehr ähnlich ist es im Übrigen mit dem Handlungsstrang, der dem zweiten John Rayburn folgt und dessen Probleme als Ehemann und Vater beschreibt – ebenfalls aller Ehren wert, aber kaum essenziell für die eigentliche Geschichte.

Stilistisch finde ich an „Die Mauern des Universums“ übrigens wenig auszusetzen – umso bitterer, dass der Inhalt trotz vieler guter Ideen nicht überzeugen kann. Das Problem ist, dass sich Paul Melko viel zu stark auf aus meiner Sicht eher nebensächliche Details konzentriert. Es hätte doch einige lohnendere Anknüpfungspunkte gegeben; z.B. hätte ich zu gerne erfahren, wer denn nun wirklich Verbrecher in andere Welten verbannt und wie das überhaupt funktioniert. Letztlich ist es so, dass der Autor für mein Dafürhalten bei den falschen Dingen ins Detail geht (siehe „Flipper“), während er durchwegs interessante Ideen entweder im Sande verlaufen lässt oder vollkommen unbefriedigend auflöst. Vor allem der Schluss lässt viele Fragen offen und wirkt generell überhastet und wenig durchdacht. Schade, das Potenzial für eine höhere Wertung wäre durchaus da gewesen.

HartliebsBücher

Gesamteindruck: 3/7


Autor: Paul Melko
Originaltitel: The Walls of the Universe.
Erstveröffentlichung: 2009
Umfang: ca. 510 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch

Ein Gedanke zu “BuchWelt: Die Mauern des Universums

  1. Pingback: Autoren A-Z | Weltending.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.