MusikWelt: In Sorte Diaboli

Dimmu Borgir


Hier haben wir es also: Das erste Album von Dimmu Borgir, bei dem ich mich nach den ersten Durchläufen im Jahre 2007 tatsächlich an Enttäuschung meinerseits erinnern kann. Klar, aus heutiger Sicht und bei ganz genauem Hinhören sind alle Alben der Norweger – mit Ausnahme des genau zehn Jahre zuvor erschienenen, nach wie vor grandiosen „Enthrone Darkness Triumphant“ – nicht so toll, wie ich sie im Gedächtnis hatte. „In Sorte Diaboli“ (2007) war aber die erste Platte, bei der ich direkt merkte, dass sie mir über weite Strecken nicht gefällt.

Gesamteindruck: 3/7


Unaufhaltsamer Abstieg.

Anno 2007 erwartete man von Dimmu Borgir selbstverständlich schon lange kein schwarzmetallisches Manifest mehr, sondern ein solides Album mit dem einen oder anderen Hit. Derer stehen dann auch wirklich zwei auf „In Sorte Diaboli“: Der Opener „The Serpentine Offering“ ist ein vielversprechender Auftakt für das erste Konzeptwerk von Dimmu Borgir. Die Stimmung des Songs passt gut zur Geschichte, die das Album erzählt: Ein Priester, der im mittelalterlichen Europa an seinem Glauben zu zweifeln beginnt und schließlich den Mächten des Bösen verfällt. „The Serpentine Offering“ ist eingängig, dennoch dunkel genug, um zu überzeugen – so will man das von Dimmu Borgir hören. Oder auch nicht, aber das ist ein anderes Thema.

Zweiter Treffer ist „The Sacrilegous Scorn“, das wie „The Serpentine Offering“ und „The Chosen Legacy“ mit einem (recht aufwändigen) Videoclip ausgestattet wurde. Auch dieses Stück kann mit den Attributen punkten, die man an Dimmu Borgir entweder seit „Spiritual Black Dimensions“ (1999) samt Nachfolgern entweder hasst oder die man von der Band unbedingt hören möchte. Also Klargesang von Bassist ICS Vortex, den aggressiven Gegenpart von Shagrath, ein paar Passagen zum Mitschreien, Orchester-artige Arrangements von Keyboarder Mustis und hie und da einen leichten Industrial-Touch. Passt für mich – wobei hier (und mehr noch bei „The Serpentine Offering“) bereits auffällt, dass die Norweger sehr sparsam mit den Texten sind. Nicht, dass die bei Dimmu Borgir jemals eine Offenbarung gewesen wären… Vielleicht ist es aber auch so, dass es auf „In Sorte Diaboli“ umso mehr auffällt, weil sich Silenoz hier zur Umsetzung des Konzepts tatsächlich mal an sinnvollen Lyrics versuchen musste, was vorher nie der Fall gewesen war. In diesem Zusammenhang sei auch noch erwähnt, dass der Titel des Albums (deutsch etwas „Im Auftrag des Teufels“) erstmals seit 1997 vom völlig sinnfreien Drei-Wort-Nonsens abweicht.

So viel zu den Songs auf „In Sorte Diaboli“, die ich seit 1997 in guter Erinnerung habe und die den test of time für mein Dafürhalten gut überstanden haben. Beim neuerlichen Hören des gesamten Albums ist mir ein weiterer Track positiv aufgefallen, den ich damals gar nicht auf dem Schirm hatte: „The Ancestral Fever“ ist eine vergleichsweise langsame Nummer, die im Gegensatz zum Rest der Platte tatsächlich sowas wie Black Metal-Atmosphäre verbreitet – natürlich im Rahmen des Dimmu Borgir’schen Soundkosmos, dessen bin ich mir durchaus bewusst. Dennoch, das ist ein guter, sehr dunkler Song, der mir zu Unrecht vollkommen entfallen ist. In dessen Genuss kommen übrigens nur Besitzer einer europäischen Variante des Albums.

Die übrigen sechs Nummern (darunter mit „The Fallen Arises“ ein Instrumental) sind hingegen reichlich unspektakulär ausgefallen. Es gibt gelegentlich Momente, in denen man aufhorcht, meist sind das aber in immer recht ähnlicher Form reingebrüllte Textzeilen wie „In sorte! Diaboli!“ („The Chosen Legacy“) oder „Antichristus! Spiritualis!“ („The Sinister Awakening“). Das ist zwar auch bei „The Serpentine Offering“ so („Share my sacrifice!“), aber dort stimmt der Rest des Materials halt auch, während bei genannten Nummern bis auf diese paar Worte so gut wie nichts hängenbleibt.

Viel Beliebigkeit.

Und genau das ist das Problem von „In Sorte Diaboli“ als Gesamtwerk. Bis auf wenige Momente verschwimmen die Songs ineinander, sind kaum unterscheidbar und wirken wie eine einziges, langes Hintergrundrauschen. Es hilft natürlich nicht, dass fast alle Tracks in ähnlichem Tempo aus den Boxen kommen – das Hauptübel würde ich jedoch definitiv im Songwriting an sich verorten. In meinen Ohren verstärkt sich hier ein Faktor, der spätestens seit „Puritanical Euphoric Misanthropia“ (2001) bei Dimmu Borgir Einzug gehalten hat: Es gibt zu viel Beliebigkeit.

Für mein Dafürhalten setzt die Band unbegreiflicherweise nicht auf die paar lichten Momente, die jedes (!) ihrer neueren Alben hat, sondern genau auf die Art von Song, bei dem ich mich frage, wem das eigentlich wirklich gefällt. Das, was auf „In Sorte Diaboli“ über weite Strecken geboten wird, ist dementsprechend weder Fisch noch Fleisch – die Zugänglichkeit für die moderne Generation fehlt, umgekehrt ist das Material aber auch nicht wirklich progressiv oder auch nur ansatzweise tiefgründig. Und auch die düstere Atmosphäre ist maximal in homöopathischen Dosen vorhanden; kurz: Es fehlt hier an allem, vor allem aber an Seele. Daran kann auch die höchst professionelle Umsetzung (Technik, Produktion, Mix) nichts ändern. Eventuell ist die sogar ein Hinderungsgrund (klinischer Drumsound, anyone?), aber das führt jetzt zu weit.

Fazit: Dafür haben die Osloer tatsächlich 4 Jahre seit dem letzten regulären Album „Death Cult Armageddon“ (2003) gebraucht? „In Sorte Diaboli“ ist für mich neben dem noch reichlich amateurhaften aber weit atmosphärischeren Debüt „For All Tid“ (1995) der bis zu diesem Zeitpunkt schwächste Output von Dimmu Borgir. Mit Abstand. Da wird es dann auch zur Randnotiz, dass kvlt-Drummer Hellhammer zum zweiten Mal nach der semi-gelungenen „Stormblåst“-Neueinspielung von 2005 die Felle gerbt. Ganz ehrlich: Vermutlich wäre es sogar noch ein Punkt weniger geworden, wenn ich nicht wüsste, was in den folgenden Jahren noch aus dem Hause Dimmu Borgir auf uns zukommen würde….


metal-archives.com

Track – Titel – Länge – Wertung

  1. The Serpentine Offering – 5:09 – 6/7
  2. The Chosen Legacy – 4:16 – 4/7
  3. The Conspiracy Unfolds – 5:23 – 3/7
  4. The Ancestral Fever [europäischer Bonustrack] – 5:51 – 6/7
  5. The Sacrilegous Scorn – 3:58 – 6/7
  6. The Fallen Arises – 2:59 – 2/7
  7. The Sinister Awakening – 5:09 – 4/7
  8. The Fundamental Alienation – 5:17 – 2/7
  9. The Invaluable Darkness – 4:44 – 3/7
  10. The Foreshadowing Furnace – 5:49 – 3/7

Gesamteindruck: 3/7 


Dimmu Borgir auf “In Sorte Diaboli” (2007):

  • Shagrath – Vocals
  • Silenoz – Rhythm Guitars
  • Galder – Lead Guitars
  • ICS Vortex – Bass, Vocals
  • Hellhammer – Drums
  • Mustis – Keyboards

Anspieltipp: The Serpentine Offering

 

3 Gedanken zu “MusikWelt: In Sorte Diaboli

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