SerienWelt: Dark – Staffel 1

„Dark“ ist – dem englischen Titel zum Trotz – eine deutsche Produktion des Streaming-Anbieters Netflix. In 26 Episoden bzw. 3 Staffeln erzählen Baran bo Odar und Jantje Friese einen Mystery-Thriller über eine deutsche Kleinstadt in der nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Diese Rezension behandelt Staffel 1.

Gesamteindruck: 6/7


Hochspannende Mystery aus Deutschland.

Eine Warnung vorweg: Wer sich „Dark“ ansehen möchte, muss sich darauf gefasst machen, dass die Konzentration stark gefordert ist. Sieht man sich die Serie „nebenbei“ an, wird man relativ schnell den Überblick verlieren. Glücklicherweise heißt das nicht, dass „Dark“ extrem schwer konsumierbar ist. Im Gegenteil, vor allem die Staffeln 1 und 2 sind, wenn man grundsätzliches Interesse an derart komplexen Geschichten hat, bestens zum Binge Watching geeignet.

Inhalt in Kurzfassung
Winden ist eine typische Kleinstadt irgendwo in Deutschland. Vordergründig ist hier die Welt noch in Ordnung – bis ein Mann Selbstmord begeht und bald darauf wie schon einmal vor vielen, vielen Jahren, Kinder zu verschwinden beginnen. In dieser Situation beginnt die gutbürgerliche Fassade zu bröckeln und bald stellt sich heraus, dass es in Winden vor dunklen Geheimnissen nur so wimmelt. Vor allem vier Familien sind davon betroffen; und was haben das örtliche Kernkraftwerk, größter Arbeitgeber der Region, und eine geheimnisvolle Höhle mit den mysteriösen Ereignissen zu tun?

„Dark“ hat ein bisschen was von „Lost“ (2004-2010): Man weiß als Zuschauer sehr, sehr lange nicht, wie das Gesehene einzuordnen ist. Letztlich dauert es tatsächlich bis zur letzten Folge der dritten Staffel, bis wirklich alle Zusammenhänge erklärt sind. Allerdings tut das recht wenig zur Sache, denn dem verantwortlichen Duo Jantje Friese und Baran bo Odar gelingt es, die Spannung von Beginn an kontinuierlich zu steigern. Und all das auf glaubwürdige, immer nachvollziehbare Art. Genau dieser Balance-Akt ist es auch, der Respekt abringt: „Dark“ beginnt relativ ruhig und geradlinig, wird aber bereits in Staffel 1 bald zu einem im ersten Moment überwältigenden Geflecht aus Figuren, die sich in unterschiedlichen Zeiten bewegen. Es gibt eine Unzahl an Namen und Verflechtungen, denen es zu folgen gilt, um den Überblick zu bewahren.

Was aber fast nach Schwerstarbeit klingt, ist (fast) das Gegenteil: Das Drehbuch ist dermaßen clever geschrieben, dass man fast schon mühelos folgen kann, wenn man es schafft, sich zumindest die Namen der wichtigsten Figuren zu merken. Dass das so geschmeidig funktioniert, ist der geradezu virtuosen Komposition aus normalen Szenen, Flashbacks und Zeitsprüngen geschuldet, die ich auf diese Art und Weise noch nicht häufig in einer Serie oder einem Film bewundern durfte. Wer „Lost“ als Beispiel eher abschreckend findet, kann auch an „Zurück in die Zukunft“ denken – denn mit dem in einer Szene sogar zitierten Spielberg-Klassiker (1985-1990) hat „Dark“ viel gemein. Nimmt man dessen Humor heraus („Dark“ ist zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise komisch), hat man sogar eine in Grundzügen recht ähnliche Handlung.

Kaum Kritikpunkte.

Ich habe tatsächlich sehr wenig an der 1. Staffel von „Dark“ auszusetzen. Wie gut die Handlung inklusive ihrer teils komplett unerwarteten Wendungen und Verästelungen ist, habe ich schon angedeutet. Freilich wäre das nicht viel wert, wenn die Figuren nicht überzeugen würden – aber auch an dieser Stelle gibt es wenig auszusetzen. Bedenken muss man nur, dass die Serie und der komplette Handlungsbogen auf 3 Staffeln ausgelegt ist, man also nicht von Beginn an durchschaut, welcher Charakter wie tickt. Ein Gut-Böse-Schema gibt es ohnehin nicht, wie man relativ bald feststellen muss. Hier passt dann auch gleich hin, dass die Schauspieler ihre Sache meines Erachtens gut machen und – vor allem für eine deutsche Produktion – sehr glaubwürdig agieren. Die Performance des gesamten Cast (!) trägt viel dazu bei, dass man die Dunkelheit, die düsteren Geheimnisse, die der Serie ihren Namen geben, fast schon körperlich zu spüren meint.  Apropos Produktion: „Dark“ kann vor allem optisch, aber auch akustisch und in Sachen Ausstattung problemlos mit internationalen Serien mithalten. Auch das trägt viel dazu bei, dass man sich als Zuseher fragt, ob es nicht in der eigenen Nachbarschaft hinter verschlossenen Türen vielleicht ähnlich dramatisch zugeht.

Ein negativer Aspekt muss dann aber doch erwähnt werden: Auch wenn der Ton prinzipiell in Ordnung wäre, übertreiben es die Showrunner zum Teil. Viele Szenen sind hoch-offensiv mit bedeutungsschwangerer Musik unterlegt, die zwar passen würde – aber es ist einfach zu viel des Guten. Ich weiß nicht, was da passiert ist, ob man vielleicht zu stolz darauf war, für jede Szene den passenden Song zu haben, aber das hätte es für mich nicht gebraucht. Noch dazu ist der Mix in einigen Folgen ziemlich misslungen, heißt, dass die Musik im Verhältnis zum Rest viel zu laut ist. Besonders ärgerlich ist das in manchen Dialogen, die kaum verständlich sind, was aber gerade in diesen Schlüsselszenen notwendig wäre. Weniger wäre hier also tatsächlich mal mehr gewesen, um mal kurz in die Klischeekiste zu greifen.

Bis auf diesen Schönheitsfehler ist „Dark“ jedem Mystery-Fan jedenfalls wärmstens ans Herz zu legen!

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: Dark
Idee: Jantje Friese, Baran bo Odar
Land: Deutschland
Jahr: 2017
Episoden: 10
Länge: ca. 45-70 Minuten
Gesehen auf: Netflix
Haupt-Besetzung: Maja Schöne, Louis Hofmann, Stephan Kampwirth, Daan Lennard Liebrenz, Karoline Eichhorn, Oliver Masucci, Christian Steyer, Moritz Jahn



 

7 Gedanken zu “SerienWelt: Dark – Staffel 1

  1. Pingback: SerienWelt: Dark – Staffel 2 | Weltending.
  2. Pingback: SerienWelt: Dark – Staffel 3 | Weltending.
  3. Pingback: SerienWelt: „Dark“ – Zusammenfassende Bewertung | Weltending.

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