FilmWelt: Stromberg

Ich sage es rundheraus: „Stromberg“ gehört meines Erachtens zum Besten, was die deutschsprachige Fernsehwelt in den vergangenen Jahren (oder Jahrzehnten) hervorgebracht hat. Zumindest gilt das für die Serie, die sich in 46 Episoden, verteilt auf fünf Staffeln kaum Schwächen leistet. Allenfalls sind in den späten Staffeln Probleme erkennbar, das Pseudo-Doku-Format sowie den Verbleib des Charakters Stromberg in seiner Firma einigermaßen plausibel zu erklären. Von daher war es wohl gut, dass eine Fortführung der Serie trotz großen Erfolges stets abgelehnt wurde. Freilich gab es kein so richtig befriedigendes Finale, weshalb man sich tatsächlich zu einem per Crowdfunding finanzierten Kinofilm breitschlagen ließ. Der hat zwar seine Momente, ich hätte ihn aber nicht zwangsweise gebraucht.

Gesamteindruck: 3/7


Der Papa macht das… nicht so gut.

Für alle, die es vielleicht noch nicht wissen: „Stromberg“ ist eine Adaption der britischen Serie „The Office“, was in den Anfangstagen zu Urheberrechtsstreitigkeiten führte, die aber außergerichtlich beigelegt wurden. Das Konzept ist im Wesentlichen an eine Dokumentation angelehnt – so folgt ein immer unsichtbar bleibendes TV-Team dem Hauptprotagonisten Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) durch seinen Alltag im Büro einer Versicherungsgesellschaft. Zwischen Sequenzen, die Stromberg und seine Kollegen bei der Arbeit, in den Pausen und in allen möglichen und unmöglichen weiteren Situationen zeigen, sind immer wieder Interviews eingeschoben, die auf verschiedene Ereignisse Bezug nehmen. Die Serie wurde zwischen 2004 und 2012 produziert, 2014 folgte sozusagen als Abschluss „Stromberg – Der Film“, der im gleichen Stil wie die Serie gehalten ist.

Die Handlung in Kurzfassung

Für die Versicherungsgesellschaft Capitol steht ein großes Jubiläum an: 50 Jahre besteht die Firma, bei der Stromberg und seine Kollegen seit Jahren vor sich hin werkeln. Eine entsprechende Feier ist geplant – doch gleichzeitig gibt es Gerüchte über Rationalisierung und Schließung von Unternehmensteilen, darunter auch die Stromberg’sche Filiale. Dennoch macht sich auch die Abteilung Schadensregulierung frohen Mutes auf den Weg zur Firmenfeier, die bald völlig außer Kontrolle gerät.

Fangen wir vielleicht mit den guten Nachrichten an: „Stromberg – Der Film“ bringt dem geneigten Fan einiges, das er sich erwartet. Der aus der Serie bekannte Cast ist in seinen Rollen natürlich routiniert und man freut sich über das Wiedersehen sowohl mit den Haupt- als auch zahlreichen Nebendarstellern. Ein Kompliment muss man außerdem dem bewährten Duo Ralf Husmann (Drehbuch) und Arne Feldhusen (Regie) aussprechen, denen es einmal mehr gelingt, den Bürowahnsinn zwar überspitzt, aber doch auch wieder unglaublich treffsicher abzubilden. Das schließt die an Peinlichkeiten nicht zu überbietende Betriebsfeier inklusive klischeegeladenem Rahmenprogramm mit ein, wie jeder bestätigen wird, der in einer größeren Firma mal eine Weihnachtsfeier mitgemacht hat. Es gelingt sogar einigermaßen, die pseudo-dokumentarische Perspektive aufrecht zu erhalten – ob das sinnvoll bzw. glaubhaft ist, steht zwar auf einem anderen Blatt, andererseits hätte man diese Frage spätestens nach zwei Staffeln der Serie schon stellen müssen. Von daher kann ich gut damit leben, dass die Capitol trotz aller Erfahrungen mit Stromberg kein Problem damit hat, dass auch bei diesem Jubiläum ein Fernsehteam dabei ist.

Viel mehr uneingeschränkt Gutes kann ich leider nicht berichten. Klar, der eine oder andere große Lacher ist dabei – aber insgesamt ist der Film qualitativ bei weitem kein Vergleich zur Serie. Ein ähnliches Phänomen erlebt man leider immer wieder, beispielsweise bei „Akte X – Der Film“ (1998) oder, um im deutschsprachigen Bereich zu bleiben, den Bullyparade-Filmen „Der Schuh des Manitu“ (2001) und „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“ (2004), die trotz ihres riesigen Erfolgs an den Kinokassen Gag-technisch ebenfalls nicht so richtig zünden konnten. Kurz gesagt: Ich nehme an, der Erfolg von „Stromberg“ liegt auch oder sogar vor allem in der Kürze seiner 45-minütigen Episoden. Der Film dauert 1 ½ Stunden, was man leider nur zu deutlich spürt.

Woran liegt’s nur?

Ich glaube, dass es mehrere Faktoren gibt, die den Film im Vergleich zu seinem Vorbild abstinken lassen. Ich habe weiter oben beispielsweise erwähnt, dass der Cast routiniert ist. Stimmt, man könnte aber auch sagen, dass das Gros der Schauspieler teilweise fast schon lustlos rüberkommt – auch Christoph Maria Herbst selbst, was ich so nicht erwartet hätte. Am aktivsten scheinen mir Oliver Wnuk (Ulf Steinke) und Diana Staehly (Tanja Steinke) zu sein, deren Leistung mir mit Abstand am besten gefällt – wohl auch, weil das die einzigen Figuren sind, bei denen eine Weiterentwicklung stattgefunden hat. Das war schon in der Serie so (wobei dort auch andere Figuren zumindest behutsame Anpassungen erfahren haben) und ist auch hier so, weil die kleine Familie mittlerweile um einen Pflegesohn erweitert wurde. Das passt und sorgt mit für einige wirklich gute Szenen. Es wäre aber unfair, den Darstellern allein die Schuld zu geben – die halten sich ja auch nur ans Drehbuch, auch wenn „Stromberg“ immer sehr improvisiert wirkt (was es übrigens viel weniger ist, als man meinen könnte). Und leider sind die Dialoge einfach nicht gut, will sagen: witzig genug.

Das größte Problem und gleichzeitig wohl DER Grund, wieso der in dieser Rolle eigentlich so famose Christoph Maria Herbst nicht so richtig zu glänzen vermag: Ihm fehlt ein richtiger Gegenspieler aus der Chefetage. Das war in der Serie immer der Fall, die Probleme mit Strombergs Vorgesetzen sind mittlerweile ja fast schon legendär. Im Film macht sich hingegen die Abwesenheit von Lars Gärtner (in der Serie als Timo Becker direkter Vorgesetzter von Stromberg) leider sehr deutlich bemerkbar. Da helfen auch die Rückkehrer Tatjana Alexander (Tatjana Berkel) und Sinan Akkus (Sinan Turculu) nicht viel, auch wenn man sich über das Wiedersehen freut. Schade, denn Strombergs Streitigkeiten mit seinen Chefs waren immer ein immens wichtiger Teil der Serie, das Fehlen eines etablierten Kontrahenten lässt den ganzen Film irgendwie… hmm… halbherzig wirken.

Merkwürdiges Ende.

Viel mehr Erklärung braucht es glaube ich nicht. Gesagt werden kann noch, dass zumindest mir auch das Ende nicht gefallen hat. Im Sinne der Serie und der Entwicklung der Figur Stromberg hätte ich es wesentlich lieber gesehen, wenn er nochmal so richtig auf die Mütze bekommen hat. Klar, es kommt schon dick für ihn, aber so richtig will das Ende mit einem Stromberg, der plötzlich auch außerhalb der Capitol wieder Oberwasser hat, nicht passen. Das allerdings eher am Rande, wenn der Rest ein solches Gag-Feuerwerk wie die Serie gewesen wäre, hätte man über das Finale eventuell hinwegsehen können.

Natürlich ist „Stromberg – Der Film“ kein totaler Ausfall. Aber ich gebe zu, dass ich nach der großartigen Serie wesentlich mehr erwartet hätte. Das hier ist einfach nur durchschnittlich. So leid es mir tut.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Stromberg – Der Film.
Regie: Arne Feldhusen
Drehbuch: Ralf Husmann
Jahr: 2014
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 120 Minuten
Besetzung (Auswahl): Christoph Maria Herbst, Bjarne Mädel, Oliver Wnuk, Diana Staehly, Milena Dreißig, Laurens Walter, Maja Beckmann, Max Kluge



Ein Gedanke zu “FilmWelt: Stromberg

  1. Pingback: Filme A-Z | Weltending.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.