BuchWelt: The Monkey’s Paw

W. W. Jacobs


Dass mir die klassische Horror-Kurzgeschichte „The Monkey’s Paw“, zu deutsch „Die Affenpfote“, überhaupt ein Begriff war, ist der seit gefühlten Ewigkeiten laufenden Zeichentrick-Serie „Die Simpsons“ zu verdanken. Dort wurde das Motiv in einem der ersten, mittlerweile berühmt-berüchtigten Halloween-Specials aufgegriffen (freilich sehr frei interpretiert). In der Folge hatte ich jahrelang (genau genommen waren es gar Jahrzehnte!) immer im Hinterkopf, dass ich die zugehörige Geschichte einmal lesen wollte. Nun, im Jahr 2020, ist es mir endlich gelungen, das Büchlein aufzutreiben. War gar nicht so einfach, an dieser Stelle ein Danke an Medimops, dort ist wirklich vieles zu bekommen, das es sonst nirgends (mehr) gibt.

Gesamteindruck: 6/7


Pass‘ auf, was du dir wünscht!

„The Monkey’s Paw“ ist eine Kurzgeschichte von William Wymark Jacobs und wurde erstmals 1902 veröffentlicht (Achtung: Verwechlsungsgefahr!). Der Autor versteht es, auf knapp 30 Seiten eine ausgesprochen dunkle und unheimliche Atmosphäre zu schaffen. Man meint, einen vergessenen Text des alt-ehrwürdigen Meisters Edgar Allan Poe zu lesen – wer das jemals getan hat, weiß, worauf ich hinaus will: Jacobs geht nicht direkt auf Details ein, es gibt kein schnelles Erschrecken und kein Blut. Ihm reicht es, geschickt mit bloßen Andeutungen zu spielen, sodass sich im Kopf des Lesers ganz von selbst eine Geschichte entspinnt, die letztlich sogar noch düsterer als das ist, was der Autor auf das Papier gebannt hat.

Inhalt in Kurzfassung
Eine Familie – Vater, Mutter und erwachsener Sohn – leben in ärmlichen Verhältnissen. Man ist zwar nicht direkt unglücklich, aber dass es an Geld fehlt, ist immer wieder ein großes Thema. Zumindest bis eines Abends ein alter Freund des Vaters auftaucht, der einen merkwürdigen Talisman aus dem fernen Indien mitgebracht hat: Eine Affenpfote, die angeblich drei Wünsche erfüllen kann. Damit wären die Geldsorgen natürlich gelöst – wenn die Sache nicht einen schlimmen Haken hätte

Die Inhaltsangabe zeigt im ersten Moment nicht viel Neues: Ein Gegenstand oder eine Person, die Wünsche zu einem hohen Preis erfüllt, ist ein Motiv, das immer wieder in Erzählungen und Legenden zu finden ist. Und auch die Beobachtung, dass die Habgier Menschen dazu bringen kann, alle Warnungen (die in diesem Fall der Besitzer der Affenpfote sehr deutlich ausspricht) in den Wind zu schlagen, ist immer wieder eine gern genommene Prämisse – kein Wunder, liegt doch genau das in der menschlichen Natur.

Dennoch empfinde ich „Die Affenpfote“, trotz ihres Alters, als eine erfrischend andere Herangehensweise. Denn der Autor erhebt nicht direkt den moralischen Zeigefinger, sondern bringt den Leser durch gewisse Andeutungen und ganz generell die unheilvolle Atmosphäre dazu, keinen Wunsch mehr nach einem solchen Talisman zu verspüren. Denn wer sieht, wie diese Geschichte endet, wird sich dreimal überlegen, ob er überhaupt die Gute Fee treffen möchte. Das Ende ist, nebenbei bemerkt, offen, was den Leser mit einem unbehaglichen Gefühl und dunklen Vorahnungen zurück lässt und vom eigenen Verstand ebenfalls als Warnung interpretiert wird – zumindest ging es mir so.

Fazit: „Die Affenpfote“ ist ein ausgezeichnetes Werk der unheimlichen Literatur. Ich bin froh, dass es mir endlich gelungen ist, dieses kurze Buch zu lesen und kann es jedem nur empfehlen. Wer vor hat, dieser Empfehlung zu folgen, sollte sich – wie ich – nach Möglichkeit das englische Original zu Gemüte führen. Ich weiß es zwar nicht aus erster Hand, kann mir aber kaum vorstellen, dass eine Übersetzung dem so richtig gerecht wird.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: William Wymark Jacobs
Originaltitel: The Monkey’s Paw.
Erstveröffentlichung: 1902
Umfang: ca. 40 Seiten
Gelesene Sprache: Englisch
Gelesene Version: Taschenbuch