FilmWelt: Slender Man

Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis das Internet-Phänomen „Slender Man“ zu filmischen Ehren kommen würde. 2018, fast zehn Jahre nach dem ersten Auftauchen der unheimlichen Figur, war es soweit: Unter der Regie von Sylvain White machte sich der hagere, gesichtslose Protagonist auf, einer handvoll US-College-Kids das Fürchten zu lehren. 

Gesamteindruck: 2/7


(Keine) Angst vorm dünnen Mann.

„Slender Man“ zeigt einmal mehr das, was schon so oft zu beobachten war: Eine Idee, die in einem bestimmten Medium gut funktioniert, ist nicht so ohne weiteres auf eine andere Plattform übertragbar. In diesem Fall ist die Figur des „Slender Man“ ein Phänomen, das für das Internet erdacht wurde. Genaueres dazu ist hier nachzulesen, daher nur in aller Kürze: Der „Slender Man“ sieht aus wie ein dünner, hochgewachsener Mann im schwarzen Anzug. Er hat allerdings kein Gesicht und seine Arme und Beine wirken häufig unnatürlich in die Länge gezogen. Anfangs war das paranormale Wesen von einem jungen Mann für einen Wettbewerb auf zwei Fotos platziert. Das Phänomen ging viral und mittlerweile gibt es unzählige Fotos, Videos und Geschichten von höchst unterschiedlicher Qualität. Was der „Slender Man“ eigentlich genau macht, ist unbekannt – es reicht vermutlich zu sagen, dass er einfach nur unheimlich ist.

Inhalt in Kurzfassung
In Massachusetts halten es die Freundinnen Wren, Hallie, Chloe und Katie für eine gute Idee, den Slender Man zu beschwören. Zunächst passiert nicht viel, doch nach einigen Tagen nehmen die merkwürdigen und unheimlichen Ereignisse ihren Lauf. Eines der Mädchen verschwindet, die anderen werden von schrecklichen Visionen geplagt. Sie sehen nur eine Möglichkeit: Den Slender Man erneut zu kontaktieren und ihm etwas anzubieten, damit er sie in Ruhe lässt…

Eigentlich kann ich es kurz machen (was ich freilich nicht tue): Wie die Inhaltsangabe vermuten lässt, ist „Slender Man“ ein Film, der alle ausgelutschten Klischees der Teenie-Horrors erfüllt. Das Drehbuch setzt auf die üblichen Jump-Scares – doch nicht einmal die schaffen es, den Zuseher ordentlich zu erschrecken, zu vorhersehbar kommen sie um die Ecke. Die Handlung ist insgesamt eher wirr und ergibt relativ wenig Sinn, sodass man teilweise aus dem Kopfschütteln nicht mehr herauskommt. Begleitet wird all das von den üblichen, mal dümmlichen, mal belanglosen Dialogen. Oh, und bevor ich es zu erwähnen vergesse: Die Effekte sind einigermaßen in Ordnung – aber auch in diesem Bereich gibt’s besseres zu sehen. Zu richtiger Gruselstimmung trägt jedenfalls keiner der genannten Punkte bei, allenfalls die Art, wie die unheimlichen Visionen eingefangen werden, würde ich unter einigermaßen bedrohlich verbuchen.

Alleinstellungsmerkmal? Fehlanzeige!

Das alles wäre zwar schlimm genug – dennoch hätte „Slender Man“ aufgrund seiner Thematik vielleicht als einigermaßen passabler Film durchgehen können. Denn letztlich fehlt es dem dünnen Herrn ja nicht an Bedrohlichkeit – man bedenke nur, dass die Angst vor ihm in den USA tatsächlich zu Gewalttaten geführt hat.

Dass die reale Furcht vor ihm durch diesen Film wieder angeheizt wird, ist indes nicht zu befürchten, denn letztlich ist es so, dass anstelle des „Slender Man“ jedes x-beliebige Monster die Titelrolle hätte übernehmen können. Ja, natürlich hat der Bösewicht seine ganz eigene Optik. Aber das war es dann auch schon, sein Verhalten bleibt absolut nichtssagend und fügt dem Mythos keine neuen Aspekte hinzu. Ist vielleicht ohnehin besser so – andererseits würde ich fast soweit gehen, zu sagen, dass die Art, wie der „Slender Man“ hier eingesetzt wurde, den Charakter sogar beschädigen könnte. Wobei… so viele Leute werden diesen Film ohnehin nicht sehen.

Alles in allem scheint das Problem zu sein, dass etwas, das erfunden wurde, um auf ein paar Fotos im Hintergrund aufzutauchen, unsere Fantasie anregen soll. Und ja, es soll uns auch Angst machen. Wenn es dann aber in einem Film die Hauptrolle übernehmen soll, muss es zwangsweise auch erklärt werden, weil in einem solchen Medium eine wie auch immer geartete Handlung notwendig ist. Diese Erklärung muss entweder sehr gut sein – oder man lässt es gleich bleiben. „Slender Man“ erklärt ein bisschen, das aber nicht gut und bleibt gleichzeitig viel zu vage, um überhaupt Interesse zu wecken.

Von daher: Glaubt mir, den braucht man wirklich nicht gesehen haben! Zwei Sterne gibt es nur deshalb, weil der Totalausfall für noch größere Gurken reserviert ist. „Slender Man“ tut zumindest niemandem weh, das war es dann aber auch schon.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Slender Man.
Regie:
Sylvain White
Drehbuch: David Birke
Jahr: 2018
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Besetzung (Auswahl): Joey King, Julia Goldani Telles, Jaz Sinclair, Annalise Basso, Javier Botet



6 Gedanken zu “FilmWelt: Slender Man

    • Ja, man kann sich ja durchaus selbst ein Bild machen. Und es gibt selbstverständlich wesentlich schlimmeren Müll, aber ich empfinde merkwürdigerweise so Filme wie genau diesen als größere Zeitverschwendung als die ganz schlechten. Vielleicht, weil man sich über die dann noch besser negativ auslassen kann 😉

      • Das wäre natürlich möglich 🙂
        Ich hab ein Faible für B – Movies oder Trashfilme aber ich denke, das sollte dieser Film bestimmt nicht werden 😉

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