MusikWelt: The Avenger

Amon Amarth


„Once Sent from the Golden Hall“ (1998), erster Longplayer von Amon Amarth, hat mir so gut gefallen, dass ich fast ein bisschen nervös war, als ich vor einigen Tagen „The Avenger“ (1999) aufgelegt habe. Glücklicherweise bestätigten sich meine Befürchtungen nicht – ganz im Gegenteil, die Schweden können ihr großartiges Debüt sogar noch toppen. 

Gesamteindruck: 7/7


Ein echtes Highlight.

Ich beginne mal mit einer Plattitüde: Amon Amarth zeigen sich auf ihrem Zweitwerk deutlich gereift. Bevor man jetzt beginnt, die Streitäxte zu schleifen und mit dem Kampfschrei „Ausverkauf!“ in die Schlacht zu ziehen, sei folgendes gesagt: „The Avenger“ zeugt zwar von einer etwas kontrollierteren Herangehensweise als das wilde Debüt – mit den neueren, kommerziell extrem erfolgreichen Werken der Band ist das 1999er Album aber kaum vergleichbar. Im Gegenteil, das, was Amon Amarth hier zum Besten geben, ist nach wie vor brutaler und schroffer, gleichzeitig aber auch wesentlich komplexer als es die Musik der Schweden heute ist.

Die kleinen, aber feinen Neuerungen merkt man in erster Linie an einer Verschiebung im Sound; genauer gesagt an den Rändern des Amon Amarth’schen Klangkosmos: Während der Death Metal-Anteil annähernd gleich geblieben, vielleicht etwas angestiegen ist, wurden die Versatzstücke aus dem Black Metal ein wenig zurückgefahren. An deren Stelle rücken zum Teil Riffs und Soli, die schon in Richtung klassischen Heavy Metal zeigen – eine Spielart, der sich Amon Amarth im weiteren Verlauf ihrer Karriere immer mehr annähern sollten.

1999 war die Einflechtung von Heavy Metal-Elementen für Amon Amarth jedoch noch etwas Neues – zumindest wenn es über die eher angedeuteten Melodien auf „Once Sent from the Golden Hall“ hinausging. Puristen mögen das vielleicht anders sehen, aus meiner Sicht kommt das dem Hörgenuss aber durchaus entgegen. Sogar mehr als das: „The Avenger“ übertrifft seinen extrem starken Vorgänger in Sachen Songwriting und Hymnenhaftigkeit nochmal klar. Was die Atmosphäre betrifft, ist das Zweitwerk weniger düster ausgefallen und hat bereits den einen oder anderen Part zum Mitgrölen an Bord – wenngleich noch eher sparsam eingestreut. Daher gehen auch hier die „Kommerz“-Vorwürfe ins Leere, denn ich spreche nicht von Breitband-Refrains á lá „The Way of Vikings“ oder „Twilight of the Thunder God“. Es sind kleinere Momente, die ich meine – beispielsweise das Finale von „The Last with Pagan Blood“ oder die „Sacrifice!“-Rufe in „Bleed for Ancient Gods“.

Wie aus einem Guss.

Einzelne Songs hervorzuheben fällt mir schwer, denn „The Avenger“ klingt tatsächlich wie aus einem Guss. Ich weiß, dass das vielleicht übertrieben klingt, aber es ist wirklich so: Mir gefällt von vorne bis hinten jede Nummer auf diesem Album. Die Qualität ist sehr ausgeglichen und auf durchgehend hohem Niveau. Vielleicht so viel: Mit dem Eröffnungsduo „Bleed for Ancient Gods“ und „The Last with Pagan Blood“ gibt es zwei rasante Banger, zu denen sich hinten raus das dreckige „Metalwrath“ (höre ich da sogar Hardcore-Elemente?) gesellt. „North Sea Storm“ und – bei diesem Titel kein Wunder – „God, His Son and Holy Whore“ geben sich hingegen gut angeschwärzt, wobei letzteres mit einer geradezu unwiderstehlichen Melodie aufwartet. Für Abwechslung sorgen Amon Amarth mit dem Titeltrack sowie dem ganz hinten platzierten „Legend of a Banished Man“ – beides getragene, sehr epische Stücke. Übrigens ist nach 36 Minuten schon wieder Schluss – 10 Minuten früher als noch beim Debüt. Was vielleicht ganz gut ist, denn man muss auch zugeben, dass sich die Riffs und Melodien der Blondschöpfe gelegentlich stark ähneln. Auf diesem Album ist dieses Phänomen aber noch kein Problem.

Abschließend noch ein Wort zur Personalsituation bei Amon Amarth – vielleicht hat das ja etwas mit der Steigerung zu tun (wobei ich nochmal betonen möchte, dass das Erstwerk unglaublich gut war). Zwei Besetzungswechsel sind jedenfalls in den knapp zwei Jahren, die seit dem Debüt vergangen sind, zu vermelden: Am Drumhocker nimmt erstmals Fredrik Andersson Platz, der diese Position bis 2015 innehaben sollte. Außerdem ist Johan Söderberg, der die zweite Axt auch anno 2020 nach wie vor fest in Händen hält, zu den Wikingern gestoßen. Wir haben es hier also bereits mit jenem Quintett zu tun, das die Band zum Headliner-Status und in die bis dato kommerziell erfolgreichste Ära geführt hat.

Was soll ich sagen – alles andere als die Höchstwertung wäre ein Witz. Überzeugt mich vom Gegenteil.

Gesamteindruck: 7/7 


NoTitelLängeNote
1Bleed for Ancient Gods4:317/7
2The Last with Pagan Blood5:397/7
3North Sea Storm4:556/7
4Avenger7:117/7
5God, His Son and Holy Whore4:007/7
6Metalwrath3:496/7
7Legend of a Banished Man6:086/7
36:13

Amon Amarth auf “The Avenger” (1999):

  • Johan Hegg − Vocals
  • Olavi Mikkonen − Guitars
  • Johan Söderberg − Guitars
  • Ted Lundström – Bass
  • Fredrik Andersson − Drums
Bild von: metal-archives.com

Anspieltipp 1: God, His Son and Holy Whore
Anspieltipp 2: The Last with Pagan Blood

5 Gedanken zu “MusikWelt: The Avenger

  1. Pingback: Musik A-Z | Weltending.
  2. Pingback: MusikWelt: The Crusher | Weltending.
  3. Pingback: MusikWelt: Fate of Norns | Weltending.
  4. Pingback: MusikWelt: With Oden on Our Side | Weltending.
  5. Pingback: MusikWelt: Surtur Rising | Weltending.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.