FilmWelt: Eolomea

„Eolomea“ aus dem Jahr 1972 ist der erste und zum Zeitpunkt dieser Rezension einzige Film der DEFA (Deutsche Film AG), den ich gesehen habe; genau kann ich das freilich nicht sagen, es gibt immerhin um die 700 DEFA-Filme. Viel habe ich mir jedenfalls nicht versprochen – und doch: „Eolomea“ hatte eine merkwürdige, fast hypnotische Wirkung auf mich.

Gesamteindruck: 4/7


Science Fiction aus dem Osten.

Es mag sein, dass das Jahr, in dem „Eolomea“ gedreht wurde, den modernen Science Fiction-Fan abschreckt. In diesem Genre kam es ja schon immer auch auf die Technik, sprich die Güte der Effekte und die glaubhafte Darstellung einer zukünftigen Welt an. Diesbezüglich kann ich aber definitiv beruhigen: „Eolomea“ ist mittlerweile 50 Jahre alt, sieht jedoch deutlich besser aus, als man meinen möchte. Sowohl Raumschiffe als auch Kulissen und Kostüme wirken nach nach wie vor sehr ansprechend. Welchen Eindruck das alles in den 1970ern gemacht hat, wage ich nicht zu mutmaßen; er kann aber definitiv kein schlechter gewesen sein.

Inhalt in Kurzfassung
Nachdem acht Raumschiffe in der Nähe der Station „Margot“ verschwunden sind, wird ein sofortiges Verbot für alle weiteren Flüge ausgesprochen, bis die Ursache für die merkwürdigen Ereignisse gefunden wird. Es scheint, als hätte das Verschwinden der Raumer etwas mit den periodischen Funksignalen zu tun, die aus dem viele Lichtjahre entfernten Sternbild „Schwan“ kommen – und die als Buchstabenkombination „EOLOMEA“ entschlüsselt wurden…

„Eolomea“ wurde, wie einleitend erwähnt, von der DEFA gedreht. Sieht man sich den Film heute an, hat man daher ständig das Gefühl, man müsste nach irgendwelchen Botschaften suchen, die sich entweder subversiv gegen das DDR-Regime richten oder anti-westliche Propaganda beinhalten. Mir persönlich wäre weder in die eine noch in die andere Richtung etwas aufgefallen, ich muss aber zugeben, dass es diesbezüglich mit meinem geschichtlichen Verständnis nicht allzu weit her ist. Immerhin ist es mir dadurch möglich gewesen, „Eolomea“ einfach nur als Science Fiction-Film zu betrachten und zu bewerten.

Und als solcher funktioniert der 80-Minüter des bis weit in die 1990er Jahre hinein tätigen Regisseurs Hermann Zschoche definitiv. Positiv ist mir vor allem aufgefallen, dass in „Eolomea“ durchgehend gute bis sehr gute Schauspieler vor der Kamera stehen. Erfreulich auch, dass die Mimen zwar nicht sonderlich tiefgründige, aber immerhin sehr sympathische Charaktere verkörpern dürfen – allen voran den zwischen Draufgängertum und Lustlosigkeit hin- und hergerissenen Raumpiloten Daniel Lagny, gespielt vom bulgarischen Multitalent Iwan Andonow. Sogar der eigentlich eher als Antagonist angelegte Professor Olo Tal (eine weitere Bösewicht-Rolle für den 2018 verstorbenen Rolf Hoppe) und die unterkühlte Professorin Maria Scholl (Cox Habbema) haben ihre sympathischen Momente.

In dieser Hinsicht muss man auch die Dialoge hervorheben, die ausgesprochen geschickt inszeniert wurden – denn sie gaukeln eine Tiefgründigkeit vor, die der Film eigentlich gar nicht hat. Zumindest nicht von der eher minimalistischen Handlung her. Aber die Art und Weise, wie die Charaktere ihre Motivationen, Befürchtungen und Wünsche zum Ausdruck bringen, muss man fast schon als grandios bezeichnen. Ich habe das Gefühl, dass es genau das ist, was heutigen Filmen oft fehlt: Figuren mit Ecken und Kanten – und natürlich Schauspieler, die das auch genau so rüberbringen können.

Und noch ein Lob möchte ich aussprechen: Durch das Zusammenspiel zwischen Musik und immer wieder eingestreuten, leicht psychedelischen Elementen, entsteht die eingangs von mir erwähnte, hypnotische Wirkung. Das ist schon sehr speziell, aber genau richtig dosiert, um nicht aufgesetzt oder gar unangenehm zu wirken. Übrigens: Das Drehbuch ist passenderweise auch mal nicht-linear. Es werden gelegentlich Rückblicke, die nicht sofort als solcher erkenntlich sind, eingestreut. Kann es sein, dass Hermann Zschoche ein sehr fortschrittlicher und experimentierfreudiger Regisseur war (zum Zeitpunkt dieser Rezension lebt der Mann übrigens noch, ist aber längst nicht mehr im Filmbusiness tätig)? Ich weiß es nicht, aber „Eolomea“ würde auf jeden Fall dafür sprechen.

Nicht zu Ende gedacht.

Inhaltlich fußt der Film auf einer eigentlich sehr interessanten Prämisse, die mit auch aus heutiger Sicht noch realistisch wirkendem, quasi-wissenschaftlichen Hintergrund untermauert ist. Das führt uns aber leider auch schon zum eigentlichen Problem, das eine deutlich bessere Wertung verhindert: Die Idee hinter den Signalen aus der Ferne wirkt nicht zu Ende gedacht. Will sagen: Der Film endet, wenn die Spannung deutlich anzieht und man wissen möchte, was es wirklich mit „Eolomea“ aus sich hat. Aufgeklärt wird nichts – und das offene Ende ist leider nicht so gelungen, dass man darüber hinwegsehen kann, vielleicht sogar noch Stunden oder Tage später darüber nachdenkt. Genau genommen wirken dadurch weite Teile des Films wie verhältnismäßig sinnloses Geplänkel, das nur dann eine größere Bedeutung gehabt hätte, wenn „Eolomea“ tatsächlich mit einer klaren Botschaft zu Ende gegangen wäre. So bleibt in der Rückschau das Gefühl einer Art Vorgeschichte, so ähnlich, wie es Pilot-Folgen für heutige Serien oft vermitteln.

Schade drum, denn der Versuch, die Charaktere in den Mittelpunkt eines Science Fiction-Filmes zu stellen, war ein guter Gedanke. Der drängt den Fiction-Anteil zwar etwas in den Hintergrund, das wäre aber in Ordnung gewesen; zumindest dann, wenn das Finale entweder große Fragen gestellt oder beantwortet hätte. So bleibt „Eolomea“ ein Film, den ich mir gerne angesehen habe, der mich am Ende aber ratlos und, ja, auch ein bisschen enttäuscht, zurückgelassen hat.

PS: Angesehen habe ich mir den Film auf Amazon Prime Video, wo er derzeit in der Flatrate gestreamt werden kann. Er scheint aktuell auch offiziell und legal in voller Länge auf Youtube verfügbar zu sein – siehe unten.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Eolomea.
Regie:
Hermann Zschoche
Drehbuch: Angel Wagenstein, Hermann Zschoche, Willi Brückner
Jahr: 1972
Land: DDR
Laufzeit: ca. 80 Minuten
Besetzung (Auswahl): Cox Habbema, Iwan Andonow, Rolf Hoppe, Petar Slabakow, Wsewolod Sanajew



Ein Gedanke zu “FilmWelt: Eolomea

  1. Pingback: Filme A-Z | Weltending.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.