MusikWelt: Twilight of the Thunder God

Amon Amarth


Die Rückschau zeigt es deutlich: Amon Amarth befanden sich rund um die Veröffentlichungen von „With Oden on Our Side“ (2006) und „Twilight of the Thunder God“ (2008) auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Doch während die Huldigung an Allvater Odin noch ein absolutes Meisterwerk war, ist vorliegendes Album, gewidmet dessen Sohn Thor, ein erstes Zeichen von Stagnation. Freilich auf nach wie vor hohem Niveau – mir gefallen beide Platten praktisch gleich gut. Dennoch bekommt man hier erstmals Bedenken, dass die Formel demnächst schal werden könnte.  

Gesamteindruck: 6/7


Dem Donnergott gefällt’s.

Wer Amon Amarth kennt, kann sich denken, was ihn auf Album Nummer 7 erwartet: Hymnische Refrains, epische Melodien, Heavy Metal-Riffs und die grollende Stimme von Frontmann Johan Hegg, der von den Mythen und Legenden der Wikinger erzählt. Ich denke, die Frage, ob dieses Album auch denen gefällt, die klassischen Death Metal – und nur solchen – von den Stockholmern hören wollen, braucht man nicht mehr zu stellen. Das hier ist lupenreiner Heavy Metal, der sich nur in minimal höherem Tempo, etwas harscheren Riffs und den Vocals von anderen Acts dieses Genres unterscheidet. Das heißt nicht, dass es gar keine todesmetallischen Elemente mehr gibt; das Augenmerk liegt im Hause Amon Amarth mittlerweile aber eindeutig woanders. Bevor wir weiter in die Tiefe gehen, noch ein Satz zu einem Nebenkriegsschauplatz: Die Produktion war ein Grund zu sanfter Kritik an „With Oden on Our Side“. Wem jenes Album zu glatt aus den Boxen kam, wird vorliegender Dreher in dieser Hinsicht wieder deutlich besser gefallen. Ich würde zwar nicht behaupten, dass „Twilight of the Thunder God“ extrem rau oder dreckig klingt, aber es ist doch deutlich erdiger als sein Vorgänger ausgefallen, was dem Material meiner Ansicht nach gut zu Gesicht steht..

Eine kleine Überraschung gibt es gleich im Opener, gleichzeitig Titeltrack und einer von zwei ultra-eingängigen Songs auf „Twilight of the Thunder God“. Hier werden die typischen Riffs und die einfache, aber umso eingängigere Melodie durch ein Solo des damals bei den Finnen Children Of Bodom in Lohn und Brot stehenden Gitarristen Roope Latvala veredelt. Sidestep: Dieser kurze Gastauftritt macht den Unterschied zwischen finnischem und schwedischem Metal recht deutlich. Die Axtmänner von Amon Amarth haben ihre Stärken im Bereich der Riffs und Melodien, ihr Kollege aus Suomi legt den Fokus hingegen auf die Technik und lässt seine Finger mit Höchstgeschwindigkeit über das Griffbrett tanzen. Wie ein Fremdkörper wirkt das Solo dennoch nicht, eher wie eine schöne Auflockerung des ansonsten so typischen Sounds der Wikinger. An dieser Stelle sei gleich auch noch der zweite Song genannt, auf den sich der Anfang dieses Absatzes bezieht: „Guardians of Asgaard“ ist nochmal eine Spur riffbetonter bzw. heavier und verfügt über einen ebenso eingängigen und leicht zu merkenden Refrain. Und auch hier gibt es einen Gast zu hören: L-G Petrov, seines Zeichens Frontmann der legendären Entombed (A. D.) brüllt sich abwechselnd (bzw. in den Strophen gemeinsam) mit Johan Hegg durch die Nummer. Ein schöner Song, der aber, genau wie der Titeltrack, ständig in Gefahr ist, totgespielt zu werden. Mir ging’s selbst so, mittlerweile bin ich, nach einigen Jahren Abstinenz, wieder voll in der Lage, beide Songs auch in Dauerrotation zu genießen.

Riffs und Melodien.

Das Gros der restlichen Stücke ist die gewohnte, auf einer zeitweise nur als „genial“ zu bezeichnenden Kombination aus Riffs und Melodien aufgebaute Kost. Daran gibt es nichts auszusetzen, immerhin ist es das, was die Band am besten kann. Trotzdem (oder gerade deshalb) horcht man – wie bei jeder bisherigen Platte – doch das eine oder andere Mal ganz besonders auf. So beim für diese Amon Amarth-Periode ungewohnt heftigen „Free Will Sacrifice“ – oder bei „The Hero“ mit seinem sofort mitsingbaren Refrain. Hervorragend sind auch die Tracks „Varyags of Miklagaard“ (extrem guter Gesang, nahezu perfekte Melodie und Riffing) sowie – vor allem – das großartige, im hymnischen Midtempo vorgetragene „Tattered Banners and Bloody Flags“ (mittlerweile sogar meine Lieblingsnummer auf „Twilight of the Thunder God“). Hervorzuheben ist außerdem „Live for the Kill“, in dem die Schweden einmal mehr aus ihrem Nachbarland Finnland unterstützt werden: Die Cello-Metaller Apocalyptica sorgen im Mittelteil des Liedes für Gänsehaut-Stimmung. Der Rausschmeißer „Embrace Of The Endless Ocean“ ist schließlich der längste Track des Albums, eine getragene, will sagen: relativ langsame Hymne, durchaus vergleichbar mit ähnlichen Songs, die Amon Amarth fast seit Beginn ihrer Karriere immer wieder einstreuen.

Unterm Strich gibt es aus meiner Sicht nur zwei Songs auf diesem Album, die ein wenig abfallen: „Where Is Your God?“, das sich als härteste Nummer auf der Platte wie ein Fremdkörper ausnimmt. Und dann noch „No Fear for the Setting Sun“ [sic!], das letztlich komplett nichtssagend ist und von dem mir auch nach vielfachen Durchläufen bis auf ein paar Textzeilen nichts im Gedächtnis geblieben ist.

Fazit: Amon Amarth stagnieren meiner Meinung nach mit „Twilight of the Thunder God“; das Album ähnelt seinem Vorgänger sehr stark, auch wenn es nicht ganz so schnell und direkt zündet. Aber: Trotz (oder gerade wegen) dieser nahezu völlig fehlenden Weiterentwicklung bin ich auch von dieser Platte sehr angetan. Die Mischung an Songs ist sehr ausgewogen, wobei eines klar sein muss: Wer die Entwicklung, die zu „With Oden On Our Side“ und damit auch zu vorliegendem Longplayer geführt hat, nicht goutiert, wird all das ganz anders sehen als ich. Mir ist das egal, genauso, wie auf diesen beiden Platten möchte ich Amon Amarth hören. Denn hier haben sie die perfekte Synthese aus ihrer deutlich härteren Vergangenheit und den Einflüssen, mit denen sie begonnen haben, die Massen zu begeistern, gefunden. Besser sind die Schweden bis dato (ich schreibe diese Rezension 2021) nicht mehr geworden.

Gesamteindruck: 6/7 


NoTitelLängeNote
1Twilight of the Thunder God4:087/7
2Free Will Sacrifice4:086/7
3Guardians of Asgaard4:237/7
4Where Is Your God?3:114/7
5Varyags of Miklagaard4:186/7
6Tattered Banners and Bloody Flags4:307/7
7No Fear for the Setting Sun3:544/7
8The Hero4:046/7
9Live for the Kill4:116/7
10Embrace of the Endless Ocean6:446/7
43:31

Amon Amarth auf “Twilight of the Thunder God” (2008):

  • Johan Hegg − Vocals
  • Olavi Mikkonen − Guitars
  • Johan Söderberg − Guitars
  • Ted Lundström – Bass
  • Fredrik Andersson − Drums
Bild von: metal-archives.com

Anspieltipp 1: Tattered Banners and Bloody Flags
Anspieltipp 2: Twilight of the Thunder God

2 Gedanken zu “MusikWelt: Twilight of the Thunder God

  1. Pingback: Musik A-Z | Weltending.
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