FilmWelt: Es Kapitel 2

„Es“ (2017) habe ich als einen Film in Erinnerung, der der Romanvorlage von Stephen King einigermaßen gerecht wird und es dennoch schafft, sich vom ebenfalls ziemlich werkstreuen 1990er Fernsehfilm „Stephen King’s Es“ zu emanzipieren. Entsprechend gespannt war ich auf das zweite Kapitel der Neuverfilmung von Regisseur Andrés Muschietti.

Gesamteindruck: 2/7


In den Sand gesetzt.

Vorweg: Ich habe mir diesen Film zeitlich relativ isoliert angesehen: Kapitel 1 habe ich mir direkt nach Erscheinen im Jahr 2017 zu Gemüte geführt, die 1990er-Verfilmung zuletzt vor plus/minus 20 Jahren und dass ich das Buch gelesen habe, wird mittlerweile auch schon wieder 10 oder 15 Jahre her sein. Insofern bin ich nicht sicher, wie gut die jeweiligen Versionen wirklich waren – ich habe allerdings jede einzelne davon in positiver Erinnerung. Umso enttäuschter war ich ob der Qualität von „Es Kapitel 2“ (so übrigens die etwas merkwürdig anmutende Eigenschreibweise, sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch).

Worum geht’s?
27 Jahre nachdem Es vom „Club der Verlierer“ in die Schranken gewiesen wurde, regt sich erneut das Böse in Derry. Mike Hanlon, mittlerweile Bibliothekar und als einziger nicht weggezogen, ruft den in alle Winde zerstreuten Club der Verlierer zurück in ihre alte Heimat, um sich erneut dem Kampf zu stellen und Es endgültig zu vernichten

„Es Kapitel 2“ kommt auf eine Laufzeit von 170 Minuten – das sind immerhin fast 3 Stunden, während „Es“ nur 135 Minuten dauerte. Wieso ich das erwähne? Nun, bei einem guten Film merkt man auch eine solche Länge nicht oder kaum. In vorliegendem Fall spürt man mit zunehmender Dauer jedoch jede einzelne Minute, was letztlich im Verbund mit gewissen technischen Schwächen zur katastrophalen Gesamtwertung führt. Sehr schade – ich wollte den Film unbedingt mögen, habe alle negativen Bewertungen für übertrieben gehalten – und wurde doch eines Schlechteren belehrt.

Kurzer Sidestep an dieser Stelle: Ich habe mich gefragt, was zur Entscheidung geführt hat, das monumentale Epos von Stephen King (meine Taschenbuchausgabe hat über 1.200 Seiten) als Film zu verarbeiten. Ich schreibe diese Rezension im März 2021 – und wenn es in den vergangenen fünf bis zehn Jahren eine Revolution im Bereich des Fernsehens gab, war das eindeutig der Aufstieg handlungsbetonter Serien, der mit der Verbreitung der Streaming-Dienste eng verknüpft ist. Meines Erachtens hätte man „Es“ durchaus als Serie konzipieren können, vielleicht sogar müssen (ähnliches gilt, sogar in noch stärkerem Ausmaß, für „Der Dunkle Turm“). Denn trotz der Überlänge, die man für einen Zweiteiler zur Verfügung hat, ist der Original-Stoff offenbar zu komplex, die Folge sind Verwässerungen/Auslassungen und – paradoxerweise – gleichzeitig fast unerträgliche Längen.

Das Gute zuerst.

Beginnen möchte ich aber mit den guten Nachrichten, die es durchaus gibt und die den Film vorm Totalabsturz bewahren. Zunächst ist festzustellen, dass Regisseur Muschietti beim Casting einen tollen Job gemacht hat. Der erwachsene „Club der Verlierer“ wird von Schauspielern verkörpert, denen man tatsächlich abnimmt, die ältere Version der Kinder aus Teil 1 zu sein. Vom Aussehen bis zum Habitus ist die Illusion, hier eine 27-jährige Entwicklung zu sehen, fast perfekt gelungen. Zweiter Pluspunkt: Pennywise-Darsteller Bill Skarsgård hat es weiterhin drauf und gibt dem Clown einen ganz eigenen, unheimlichen Charakter. Ich würde allerdings nicht behaupten, dass er seinem Vorgänger aus dem Jahre 1990 (gespielt von Tim Curry) überlegen ist – der war qualitativ auf gleichem Niveau, aber eben auf andere Art furchteinflößend. Schade ist allerdings, dass der schwedische Schauspieler viel zu wenig Screentime bekommen hat, ich hätte gern deutlich mehr von seiner Darstellung des Clowns gesehen.

Abgesehen von der Besetzung kann man außerdem den ersten der drei Abschnitte, in die der Film grob zerfällt, als durchaus gelungen bezeichnen. Hier wird einerseits die Rückkehr des Schreckens nach Derry gezeigt, andererseits das Erwachsenenleben des „Clubs der Verlierer“ in aller Kürze umrissen – bis hin zu ihrer Wiedervereinigung. Hier wird – durchaus erfolgreich – viel Spannung und Atmosphäre für den Rest des Films aufgebaut.

Eher komisch als furchteinflößend.

Leider verpufft die Wirkung direkt nach Beginn des zweiten Drittels. Hier erweist es sich meiner Ansicht nach als großer Fehler, die „Verlierer“ zu trennen und einzeln auf die Reise zu schicken. Denn eine der großen Stärken von „Es“ war die hervorragende Chemie zwischen den so unterschiedlichen Einzelcharakteren. Dieses Zusammenspiel geht dem zweiten Kapitel über weite Strecken ab, weil die Story es nicht zulässt. Problematisch daran ist, dass das, was jede der Figuren für sich erlebt, aus einer Aneinanderreihung substanzloser Jump-Scares besteht. Klar, es ist ein Horrorfilm, doch nicht einmal unter dieser Prämisse funktioniert „Es Kapitel 2“ richtig – im Gegenteil, es ermüdet mit zunehmender Dauer immer mehr, einzelne Personen dabei zu beobachten, ihre „Artefakte“ zu finden. Der Ablauf ist immer gleich, mit entsprechend vorhersehbaren Schreckmomenten; die Folge: dieser Teil des Films zieht sich wie Kaugummi. Erschwerend kommt hinzu, dass der CGI-Einsatz nicht nur massiv, sondern fast schon komödiantisch überzeichnet ist. Das fällt vor allem bei den Episoden, die sich um Beverly Marsh und Eddie Kaspbrak drehen auf. Bei beiden sind die Gestalten, die Es annimmt, um ihnen Angst einzujagen, so grotesk, dass man eher lacht, als sich zu erschrecken. Das ist wirklich ärgerlich, weil es die düstere Atmosphäre, die in Derry grundsätzlich herrscht, komplett konterkariert.

Wenn dann irgendwann der letzte Abschnitt des Films beginnt, ist die Geduld des Zusehers bereits arg strapaziert. Einerseits haben die Jump-Scares dank übermäßigem Einsatz und unfreiwillig komischer CGI ihren Horror bis dahin längst verloren, andererseits rächt sich nun die im zweiten Teil stiefmütterlich behandelte Interaktion zwischen den Charakteren. Heißt: Es ist einem fast schon egal, was mit den „Verlierern“ passiert, wenn es endlich ins Finale geht. Dass dann auch noch der Schlussabschnitt verhunzt ist, spielt letztlich kaum noch eine Rolle, vielmehr rundet es den durchwachsenen Gesamteindruck passend ab: Zunächst waten die Protagonisten gefühlt endlos durch die Kanalisation, dann gibt es den Showdown, der ebenfalls viel zu lange dauert und durch einen neuen Schwung übler Effekte vollends zugrunde gerichtet wird.

Fazit: Ich war froh, dass der Film nach knapp 3 Stunden vorbei war. Nicht, weil ich Angst hatte, sondern weil „Es Kapitel 2“ unsagbar schwerfällig um die Ecke kommt, dabei noch unfreiwillig komisch ist und viel (zu viel) Potenzial ungenutzt liegen lässt. Merkwürdig, ich frage mich, was hier passiert ist – muss wohl mal wieder das Buch lesen bzw. den alten Film sehen, um mir ein endgültiges Urteil erlauben zu können. Dieses Kapitel der „Es“-Saga werde ich mir jedenfalls nicht noch einmal antun.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: It Chapter Two.
Regie:
Andrés Muschietti
Drehbuch: Gary Dauberman
Jahr: 2019
Land: USA
Laufzeit: ca. 170 Minuten
Besetzung (Auswahl): James McAvoy, Jessica Chastain, Bill Hader, Isaiah Mustafa, Bill Skarsgård, Jay Ryan



Ein Gedanke zu “FilmWelt: Es Kapitel 2

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