FilmWelt: Terminator: Dark Fate

„Terminator“ (1984) und „Terminator 2: Judgment Day“ (1991) zählen bis heute zu den besten Action-Filmen aller Zeiten. Ab 2003 folgten drei Fortsetzungen, allerdings nicht mehr unter der Ägide von Regisseur James Cameron, der gemeinsam mit den Schauspielern Linda Hamilton und Arnold Schwarzenegger den Grundstein für den Erfolg gelegt hatte. In der Folge blieben die Filme sowohl kommerziell als auch inhaltlich weit hinter den Erwartungen zurück und das „Terminator“-Franchise wurde zu einer weiteren Cashcow, die solange wie möglich gemolken werden sollte. „Terminator: Dark Fate“, der sechste Film der Reihe, sollte das Steuer 2019 wieder herumreißen und die bereits vor Jahren abgewanderten Fans wieder versöhnen. ACHTUNG: EIN ABSATZ ENTHÄLT SPOILER!

Gesamteindruck: 2/7


Endgültig terminiert?

Eine Image-Korrektur sollte es werden, eine Rückkehr zum Glanz alter Zeiten. Dafür holte man nicht nur James Cameron zurück (übrigens nicht als Regisseur, sondern als Produzent und Ideengeber), sondern überredete Arnold Schwarzenegger, ein weiteres Mal die Rolle des T-800 zu übernehmen. Und, fast schon unglaublich: Auch Linda Hamilton spielt erstmals seit 1991 wieder ihre Rolle als Sarah Connor. Sogar einen kurzen Auftritt von Edward Furlong als John Connor (allerdings per CGI verjüngt) gibt es zu sehen. Es wurden also schwere Geschütze aufgefahren, um an die glorreichen Tage von „Judgment Day“ anzuschließen.

Worum geht’s?
Mexico City im Jahre 2020: Ein Terminator, eine Killermaschine aus der Zukunft, hat die Mission, die junge Dani Ramos zu ermorden. Der Cyborg scheint unbesiegbar – nicht einmal die ebenfalls in die Vergangenheit gereiste, kybernetisch verbesserte Soldatin Grace schafft es, Dani zu beschützen. Zum Glück bekommen die beiden Unterstützung von Sarah Connor, die bereits seit Jahrzehnten Jagd auf zeitreisende Terminatoren macht. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach einem geheimnisvollen Informanten, der zu wissen scheint, wann und wo die Killer aus der Zukunft auftauchen. Als der sich als gealterter aber immer noch unverwüstlicher Terminator vom Typ T-800 herausstellt, scheinen die Chancen besser zu steigen…

Als ich versucht habe, die Story von „Terminator: Dark Fate“ zusammenzufassen, haben sich mir zwei Fragen gestellt. Erstens: Wie wirkt ein solcher Plot auf jemanden, der noch nie von „Terminator“ gehört hat? Zweitens: Was ist daran neu? Frage eins ist natürlich eher rhetorisch, aber ich muss zugeben, dass das alles schon ziemlich dings ist. Komplett wirres Zeug, das voraussetzt, das man sich bereits vorab zumindest ein bisschen mit den Prämissen dieses Franchise auseinandergesetzt hat. Hat man das nicht getan, ist es – so glaube ich – ziemlich mühsam, überhaupt irgendwie reinzufinden. Was Frage zwei betrifft, fällt die Antwort hingegen leicht: Nichts, absolut nichts ist neu am Plot, sieht man von ein paar (unwesentlichen) Details ab. Heißt: „Dark Fate“ bleibt dem traditionellen Schema, „Killermaschine will künftigen Anführer der Menschheit töten“, treu. Genau genommen ist es fast schon eine Frechheit, wie schamlos hier altbekannter Stoff wiederverwertet wird, um den Fans das Geld aus der Tasche zu ziehen.

*** ACHTUNG, SPOILER FOLGT ***
John Connor stirbt praktisch in der ersten Szene des Films und wird 1:1 durch Dani Ramos ersetzt. Ja, genau so ist es – Sarah Connor sagt es im Film sogar zu ihrer jungen Schutzbefohlenen: „Du BIST John.“ Tja, wie soll man als Fan der (fast) ersten Stunde auf so eine Offenbarung reagieren, wenn nicht mit tief erschütterten Schweigen. Denn es ist ja nicht nur die Sache an sich – gleichzeitig negiert der Film mit dieser Szene quasi nebenbei alles, was in den Teilen 3 bis 5 passiert ist, komplett. Dadurch wird „Dark Fate“ paradoxerweise zum direkten Sequel von „Judgment Day“, was, je nach Sichtweise, genial oder komplett daneben ist. Ich plädiere für letzteres, weil Terminator 3 bis 5 zwar nicht sonderlich gut waren, aber dennoch eine einigermaßen kongruente Story innerhalb des Franchise geschaffen haben. Schon klar, der „Terminator“-Canon ist, im Vergleich zu „Star Trek“ oder auch nur zum „Marvel Cinematic Universe“ ausgesprochen dünn – er war aber dennoch immer klar erkennbar: John Connor ist der Anführer, der die Menschen über die Maschinen triumphieren lässt. Wie das hier plötzlich über den Haufen geworfen wird, erinnert tatsächlich ein wenig an das Durcheinander, das die ständigen „Star Trek„-Prequels gebracht haben, wenngleich das Ausmaß im Falle von „Terminator“ deutlich überschaubarer ist.
*** AB HIER KEINE SPOILER MEHR ***

Ein alter Hut.

Nun wäre all bereits das Grund genug, als alter Fan enttäuscht zu sein (dem jungen Publikum wird’s vermutlich egal sein, das hat wohl eher mit den alternden Stars zu kämpfen); schlechterdings nutzt der Film diesen Neustart aber nicht, um wenigstens eine neue Story zu erzählen. Im Gegenteil, man serviert dem Zuschauer genau den gleichen Plot, den er aus den bisherigen Teilen kennt. Nur halt mit anderen Figuren – die sich charakterlich aber kaum von ihren Vorgängern unterscheiden. Und sogar innerhalb dieses eh schon überschaubaren Mikrokosmos tue ich mir mit der Glaubwürdigkeit der von Linda Hamilton und Arnold Schwarzenegger gespielten Figuren ausgesprochen schwer. Beide wirken deplatziert, egal ob man „Dark Fate“ als sechsten Teil einer Reihe betrachtet, oder sich einredet, dass man es hier mit dem „echten“ „Terminator 3“ zu tun hat.

Was meine ich damit? Sarah Connor ist nicht nur arrogant wie Sau, sie verhält sich noch dazu vollkommen inkonsequent. Es hätte vielleicht geholfen, wenn man die oben im Spoiler genannte Szene mit John Connor deutlich anders angelegt hätte, um die gealterte Sarah Connor glaubwürdig darstellen zu können. Weil das nicht passiert, bleiben ihre Handlungen irrational und sind nicht mit der Sarah Connor, die man als Fan kennt, in Einklang zu bringen. Und Arnie bzw. der T-800? Ich sage es mal so: Der war in „Judgment Day“ schon nicht mehr der böse Killer, wurde danach sehr sanft weiterentwickelt – aber man hatte immer das Gefühl, dass er trotz kleiner menschlicher Anwandlungen ein Roboter geblieben ist, woraus die Reihe einen nicht unwesentlichen Teil ihres Unterhaltungswertes zieht. Was man in „Dark Fate“ aus ihm gemacht hat… keine Ahnung, aber so (quasi mit Frau, Kind und Hund) möchte ich einen Terminator auf keinen Fall sehen. Hier treibt man es mit seiner Menschlichkeit viel zu weit – wie hätte sich ein programmierter Killerroboter jemals so entwickeln sollen? Ergibt für mich überhaupt keinen Sinn und zerstört mehr vom Mythos „Terminator“ als all der Blödsinn, der in den Teilen 3 bis 5 zum Teil erzählt wurde.

Das „Alien“-Syndrom.

Apropos Blödsinn: „Dark Fate“ leidet – natürlich – am selben Problem, das alle Filme nach „Judgment Day“ hatten und muss zwanghaft erklären, warum alle Mühen, die Sarah Connor & Co auf sich genommen haben, nichts an der Zukunft geändert haben. Heißt: Auch dieser Film versucht sich in hilflosen Erklärungen von Zeitreise-Paradoxien, die mehr Plot-Holes erzeugen, als sie stopfen können. Weil das nun schon seit Jahrzehnten so geht, nimmt man diese Art von Story ohnehin nicht mehr sonderlich ernst; man hat längst geschnallt, dass es ausschließlich einen Grund gibt, wieso die Zukunft nicht geändert werden kann: Nur so ist es möglich, uns weiterhin mit „Terminator“-Filmen das Geld aus der Tasche zu leiern. Ich weiß, ich weiß – das klingt sehr hart und verbittert. Es tut mir irgendwo auch leid, aber mich hat es tatsächlich wütend gemacht, dass bei „Dark Fate“ nicht einmal das Bemühen erkennbar war, die innere Logik halbwegs weiterzuführen. „SkyNet“ gibt’s nicht mehr, dafür eine künstliche Intelligenz namens „Legion“. Wow. Was für eine Enttäuschung, es kann eigentlich nicht offensichtlicher sein, wie sehr alles dem Gedanken untergeordnet wurde, auf Biegen und Brechen einen neuen „Terminator“-Streifen ins Kino zu bringen, für den die Leute schon zahlen werden.

Ein bisschen erinnert das alles an die Entwicklung des „Alien“-Franchise, dem nach einem grandiosen Auftakt und einer immer noch sehr guten Fortsetzung (die übrigens unter der Regie von, eh klar, James Cameron entstanden war) ebenfalls nach und nach der Spirit abhanden kam. Der Grund ist meiner Ansicht nach identisch: Man setzte auf den großen Namen, meinte, es würde reichen, Hauptdarstellerin Sigourney Weaver mit immer abstruseren Geschichten ihrer Nemesis in den Weg zu stellen. Andere, starke Charaktere, ein entsprechendes Drehbuch und eine halbwegs vernünftige Story waren offenbar Nebensache, Hauptsache die Massen pilgerten ins Kino. Ich frage mich, ob sich ernsthaft jemand über den ausbleibenden Erfolg gewundert hat. Vermutlich schon, sonst wäre man die Sache doch nie dermaßen fragwürdig angegangen, oder? Und auch die jüngsten Ereignisse sind in beiden Franchises fast identisch: Im Falle von „Alien“ holte man Ridley Scott für „Prometheus“ (2012) und „Covenant“ (2017) zurück auf den Regiestuhl, für „Terminator: Dark Fate“ sollte es James Cameron als Produzent richten. Auf beides hätte ich als Fan im Nachhinein betrachtet sehr gut verzichten können. Interessant übrigens, dass „Terminator“ sowohl beim Erfolg als auch beim Versagen ein paar Jahre später dran war – man hätte also durchaus aus dem „Alien“-Fiasko lernen können.

Hasta la vista, Terminator.

Was bleibt also von „Dark Fate“? Ein paar gelungene Aufnahmen, darunter eine modernisierte Kopie der Verfolgungsjagd aus „Judgment Day“, aus dessen Fundus sogar ein Kameraschwenks und Einstellungen direkt übernommen wurden. Beides sorgt für ein paar schöne Nostalgie-Momente, ebenso der eine oder andere One-Liner. Ob man das überhaupt positiv sehen möchte, ist freilich eine Frage des Standpunktes, denn letztlich haben wir es lediglich mit einem Wiederkäuen bereits bekannter Szenen und Sätze zu tun. Es hat keinerlei eigene Substanz und setzt tatsächlich einzig und allein auf nostalgische Gefühle. Wie krass das eigentlich ist, kann ich sogar am Beispiel einer Szene festmachen: Der T-800 verlässt sein Haus, kommt am Weg nach draußen an der Garderobe vorbei. Dort liegt eine Sonnenbrille, die er in die Hand nimmt – und im ersten Moment denkt man natürlich, er will sie wie in bisher allen Filmen ganz ikonisch aufsetzen. Weit gefehlt – er „überlegt“ (!) es sich anders und lässt die Brille liegen. In solchen Szenen scheint sich die Kreativität und der Wille, etwas Neues zu machen, zu erschöpfen. Ich war hier irgendwie komplett hin- & hergerissen: Als er zur Sonnenbrille griff, habe ich gespürt, wie sich ein Nostalgie-Wohlfühl-Moment aufbaut. Ich wusste, dass das ein billiger Effekt eine Art Bestechung eines Alten Fans, ist. Und doch muss ich sagen, dass es eine der größten Enttäuschungen des ganzen Films war, dass er die Sonnenbrille nicht aufgesetzt hat. Sagt das mehr über mich oder über den Film aus? Ich weiß es nicht…

Wieso „Terminator: Dark Fate“ bei trotzdem nicht ganz abstinkt: Ich finde die Idee dieses Franchise immer noch gut, ich sehe Schwarzenegger gern in dieser Rolle und ich konnte sogar den Filmen dazwischen ein bisschen was abgewinnen. Und Teile der Action stimmen ja immer noch; leider ist gerade in diesem Bereich Vieles dermaßen over the top, dass man schnell übersättigt ist, aber das ist keineswegs das Hauptproblem vom 6. Teil der „Terminator“-Saga.

Damit gibt es – wider besseres Wissen und weil ich den Film unbedingt mögen wollte – immerhin noch 2 Pünktchen. Eigentlich müsste einer reichen, weil es wirklich unverschämt ist, wie sehr sich James Cameron (oder wer auch immer das zu verantworten hatte) darauf verlassen hat, dass das Duo Schwarzenegger/Hamilton dem Publikum auch ohne kreative Ideen genug Geld aus der Tasche leiert würde. Ist schiefgegangen, wie wir heute wissen; obwohl eigentlich eine neue Trilogie geplant war, steht eine Weiterführung nach empfindlichen Verlusten derzeit nicht zur Debatte. Und das leider vollkommen zurecht.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Terminator: Dark Fate.
Regie:
Tim Miller
Drehbuch: David Goyer, Justin Rhodes, Billy Ray
Jahr: 2019
Land: USA
Laufzeit: ca. 130 Minuten
Besetzung (Auswahl): Mackenzie Davis, Natalia Reyes, Arnold Schwarzenegger, Linda Hamilton, Gabriel Luna