MusikWelt: Surtur Rising

Amon Amarth


Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, war ich 2011 nach den ersten Durchläufen von „Surtur Rising“ erstmals enttäuscht von Amon Amarth. Freilich kannte ich damals „Fate of Norns“ (2004) nicht oder zumindest nicht sonderlich gut, aber das ist eine andere Geschichte. Wieso „Surtur Rising“ nach neuerlicher Sichtung (oder heißt es in dem Fall „Hörung“?) deutlich besser ist, als ich es im Gedächtnis hatte, versuche ich im Folgenden zu erklären.  

Gesamteindruck: 5/7


Eher heavy als hart.

Eigentlich lässt sich in wenigen Worten erklären, was 2011 mein Problem mit „Surtur Rising“ war: Im Vergleich zu ihren unmittelbaren Vorgängern „With Oden on Our Side“ (2006) und „Twilight of the Thunder God“ (2008) fehlt vorliegender Platte schlicht der unwiderstehliche und alles in den Schatten stellende Refrain. Heißt: Eine Nummer vom Format eines „Asator“ oder „Guardians of Asgaard“ sucht man vergeblich. Am nächsten kommt diesem innerhalb der Fangemeinde durchaus umstrittenen Song-Typus noch „Destroyer of the Universe“; so richtig überzeugt aber ausgerechnet dieser Song nicht, klingt er doch eher so, als hätten Amon Amarth Ideen recycelt, die sie für „Twilight of the Thunder God“ (das Lied, nicht das Album) bereits verworfen hatten. Die Ähnlichkeit ist tatsächlich frappierend, zumindest in meinen Ohren – wenn das als der große Hit des Albums geplant war, ist meine 2011er-Enttäuschung auch heute noch verständlich.

Bevor jetzt Fans der ganz alten Amon Amarth zu jubeln beginnen: Nein, „Surtur Rising“ markiert trotz vergleichsweise geringen Hitpotenzials keineswegs die musikalische Rückkehr zu „The Avenger“ (1999) & Co. Im Gegenteil, Album Nummer 8 ist – vielleicht sogar mehr noch als seine Vorgänger – eine fast lupenreine Heavy Metal-Veröffentlichung. Death Metal-Parts muss man mit der Lupe suchen, sieht man mal vom weiterhin beeindruckenden Organ von Johan Hegg ab, der sich wie der Donnergott höchstpersönlich durch die Songs brüllt. Ob man das mag oder nicht bleibt freilich Geschmackssache; mir gefällt es jedenfalls, weil Amon Amarth mit ihrer Kombination aus Melodie, Riffs und harschen Vocals eine musikalische Nische besetzen, die mich sehr gut abholt. Schade finde ich nur, dass sie es bis dato kaum jemals geschafft haben, alle Facetten ihres Repertoires in entsprechender Qualität auf einem Album zu vereinen.

Braucht seine Zeit.

Was mich an „Surtur Rising“ vor allem anderen beeindruckt, ist die Gitarrenarbeit. Klar, die Axtmänner Olavi Mikkonen und Johan Söderberg erfinden die Riffs und Melodien nicht neu. Gerade letztere sind allerdings einmal mehr ganz große Klasse – so sehr nach Iron Maiden klangen die Schweden bis zu diesem Zeitpunkt nie. Wer auf doppelläufige Harmonien steht, wird beispielsweise vom Mittelteil von „War of the Gods“ oder auch „For Victory or Death“ begeistert sein. Es ist allerdings nicht nur die Verbeugung vor den Eisernen Jungfrauen, die mein Herz höher schlagen lässt: Fast jeder Song auf „Surtur Rising“ ist mit einer mal längeren, mal knapper gehaltenen Melodie gesegnet, die das Wikinger-Thema perfekt unterstützt. Irgendwie haben es Amon Amarth (nicht erst mit diesem Album) geschafft, die Vorstellung, die wir als Metalheads vom Klang der Wikingerzeit haben, (mit) zu definieren. Johan Hegg würde mir vielleicht widersprechen, weil die Schweden immer nur eine Death Metal-Band sein wollten und sich nie in die Viking Metal (á lá Týr) Schublade haben stecken lassen – und doch müssen sie damit leben, durch ihre Kombination aus Lyrics, Riffs und Melodien, einen Beitrag zur langlebigen Erfolgsgeschichte „Heavy Metal + Wikinger“ geleistet zu haben. Ein Beispiel gefällig? Man höre nur den epischen Instrumentalteil ab ca. 2:00 Minuten im Song „Slaves of Fear“. Noch mehr Schlachtengemälde geht fast nicht, so jedenfalls meine Empfindung.

Im Endeffekt ist es so: Man muss „Surtur Rising“ etwas mehr Zeit geben als seinen unmittelbaren Vorgängern. Das klingt wie ein Klischee und ich habe es erst selbst nicht geglaubt, weswegen ich das Album so lange ad acta gelegt hatte. Jetzt, Jahre nach dem Erscheinen und bei intensivem Zuhören ist mir klar geworden, dass ein Großteil der Nummern auf dieser Platte wirklich großartig geschrieben ist. Klar, ein paar Ausnahmen gibt es: Das genannte „Destroyer of the Universe“ ist zwar markant, kann aber als Hit nicht mit anderen Großtaten der Band mithalten. Und hinten raus ist den Schweden mit dem abschließenden Trio „Wrath of the Norsemen“, „A Beast Am I“ und „Doom Over Dead Man“ wohl ein bisschen die kreative Luft ausgegangen – einerseits fehlt es bei diesen Nummern irgendwo im Songwriting, sodass der Funke nicht recht überspringt, andererseits klingen Teile davon schon sehr arg nach Wiederholung.

Das ändert aber nichts daran, dass mich weite Teile von „Surtur Rising“ ausgesprochen gut unterhalten, wenn ich mir die Platte z. B. beim Sport anhöre. Gesagt sei aber auch, dass ich wohl kaum einen Songtitel zuordnen könnte, wenn ich ihn höre – abgesehen von den Refrains, die wie oben erwähnt nicht ganz so eingängig sind, aber doch markant genug, um zumindest den Titel zu erkennen. Es ist halt wie üblich eine Frage der Erwartungen: Der ganz große Zug nach vorne, die Dampfwalze, die alles platt macht, ist „Surtur Rising“ selten. Es ist aber sehr wohl eine Platte, die zeigt, dass Amon Amarth als Musiker, vor allem aber als Komponisten, ihr Repertoire ordentlich erweitert haben. Wer genau hinhört, wird das hoffentlich erkennen (muss es aber selbstverständlich nicht mögen). Von mir gibt’s dafür unerwartet starke 5 Punkte!

Gesamteindruck: 5/7 


NoTitelLängeNote
1War of the Gods4:315/7
2Töck’s Taunt – Loke’s Treachery Part II5:566/7
3Destroyer of the Universe3:404/7
4Slaves of Fear4:236/7
5Live Without Regrets5:015/7
6The Last Stand of Frej5:355/7
7For Victory or Death4:276/7
8Wrath of the Norsemen3:425/7
9A Beast Am I3:354/7
10Doom over Dead Man7:234/7
48:13

Amon Amarth auf “Surtur Rising” (2011):

  • Johan Hegg − Vocals
  • Olavi Mikkonen − Guitars
  • Johan Söderberg − Guitars
  • Ted Lundström – Bass
  • Fredrik Andersson − Drums
Bild von: metal-archives.com

Anspieltipp 1: Töck’s Taunt – Loke’s Treachery Part II
Anspieltipp 2: For Victory or Death

3 Gedanken zu “MusikWelt: Surtur Rising

  1. Pingback: Musik A-Z | Weltending.
  2. Pingback: MusikWelt: Deceiver of the Gods | Weltending.
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