FilmWelt: Love and Monsters

„Love and Monsters“ (2021) macht seinem Titel alle Ehre: Die Liebe kommt vor, die Monster kommen vor – und, das steht nicht im Titel, Humor gibt es auch noch. Die Frage ist also nur noch, wie die Kombination aus diesen drei Elementen funktioniert.

Gesamteindruck: 4/7


Das gigantische Krabbeln.

Ich weiß auch nicht, vielleicht liegt es einfach an mir: Action-Filme waren früher härter, Katastrophenfilme beeindruckender, Komödien lustiger und Liebesfilme schnulziger. Es ist wie verhext – kaum ein Blockbuster der jüngeren Vergangenheit will mir so richtig gefallen. Wobei ich nicht sicher bin, ob „Blockbuster“ im Falle von „Love and Monsters“ der richtige Ausdruck ist, ein Kino hat der Streifen ja nie gesehen, die Veröffentlichung erfolgte über den Streaming-Dienst Netflix. Dort wollten ihn aber sehr viele Leute sehen, sodass der Begriff wohl doch nicht ganz falsch ist.

Worum geht’s?
Den Einschlug eines Asteroiden konnte die Menschheit dank eines beeindruckenden Waffenarsenals gerade noch verhindern; die Freude darüber währte aber nur kurz, denn die Abwehrschlacht hatte ungeahnte Auswirkungen auf die irdische Fauna. Seither terrorisieren zu gigantischen Ausmaßen mutierte Insekten, Amphibien und Krustentiere die Erde und zwingen die verbliebenen Menschen, ihr Dasein in Schutzbunkern zu fristen. So auch der junge Joel, der denkbar schlecht mit der Post-Apokalypse zurechtkommt. Bis er beschließt, seiner prä-apokalyptische Freundin Aimee in deren Bunker aufzusuchen. Der Haken: ein langer Marsch durch ausgesprochen feindliches Terrain liegt vor dem unerfahrenen Burschen, will er die Angebetete erreichen…

„Godzilla vs Kong“ lässt zum Zeitpunkt dieser Rezension noch auf sich warten, was aber nicht heißt, dass Monster-Fans darben müssen: Mit „Love and Monsters“ hat sich Netflix die Veröffentlichungsrechte für einen Film gesichert, in dem zwar nicht Riesenechse und Gorilla gegeneinander antreten, dafür aber ebenso riesiges Krabbelgetier den Fortbestand der Menschheit bedroht. Grundsätzlich ist das Szenario von „Love and Monsters“ jedenfalls gelungen, gilt es hier doch nicht, eine unmittelbare Bedrohung zu stoppen, wie man es u. a. eben auch aus „Godzilla“ kennt. Im Gegenteil, der Zug ist abgefahren, die Apokalypse bereits geschehen – und der Film zeigt, wie der klägliche Rest der Menschheit damit zurecht kommt. Wobei, ganz so ist es nicht: Der Film verfolgt eigentlich nur den Weg einer Person durch ein sehr ansprechend gestaltetes, post-apokalyptisches Amerika.

Und damit sind wir auch schon beim Thema: „Love and Monsters“ sieht sehr gut aus. Die titelgebenden Viecher sind ausgesprochen gut gemacht und bewegen sich sehr natürlich durch die Landschaft. Blöd ist an der Stelle nur, dass es neben realistischem Getier wie gigantischen Ameisen auch einige Fantasiegeschöpfe gibt, die der Film meines Erachtens nicht gebraucht hätte. Ja, ich weiß, man darf das alles nicht zu ernst nehmen, auch und vor allem, weil es sich in erster Linie um eine Komödie handelt. Und doch hat mich beispielsweise das Aussehen der Krabbe, die gegen Ende auftritt, gestört. Ich bin da wohl sehr eigen… Aber sei’s drum, das ist natürlich kein Grund für eine schlechte Wertung, die Technik stimmt jedenfalls.

Generell ist die gesamte Optik dem doch eher humoristischen Grundton angemessen. Wie sich das äußert? Naja, selten war die Post-Apokalypse so farbenfroh und bunt, wie sie es in „Love and Monsters“ ist. Ich persönlich mag eher düsteres Zeug – aber a) ist auch das natürlich Geschmacksache und b) weiß man nach dem Trailer ja, was einen erwartet. Wer also auf eine Art „Fallout“ für die Leinwand hofft, wird wohl – trotz einiger ähnlicher Elemente – enttäuscht sein.

Flach, wenig Charakter – und nicht wirklich witzig.

Soviel zu den Äußerlichkeiten, kommen wir nun zu den inneren Werten. In Sachen Schauspieler bzw. deren Leistung kann man nicht meckern: Außerordentliche Leistungen bleiben zwar aus, aber zumindest spielt Dylan O’Brien den liebenswerten, leicht unbeholfenen Anti-Helden auf angenehme und unaufdringliche Weise. Die Nebenrollen bleiben weitgehend im Hintergrund, detaillierter ausgearbeitet ist eigentlich niemand bis auf die Hauptfigur – und selbst bei der reicht es nur für charakterliche Andeutungen, was aber durchaus zum sehr leichtfüßigen und lockeren Grundton sowie der schnellen Erzählweise des Films passt. Etwas schade finde ich, dass man es nicht geschafft hat, zumindest dem gegen Ende auftauchenden Bösewicht etwas Charisma zu verpassen. Schwache Leistung an der Stelle – fast, als wäre „Love and Monsters“ für ein Publikum gedacht, das mit wenigstens ansatzweise komplexeren Charakteren nichts anzufangen weiß.

Die Story ist – man kann es sich schon denken – ähnlich simpel wie die Charaktere. Genau genommen ist es die übliche Geschichte vom unfreiwilligen Helden, der sich letzten Endes behaupten kann und den Tag allen Widrigkeiten zum Trotz rettet. Kann man machen, aber auch hier hätte ich mir dann doch ein bisschen mehr Mut und vielleicht die eine oder andere Wendung gewünscht. Überraschungen gibt es keine, nicht mal ansatzweise – es besteht von Anfang an kein Zweifel, dass die Mission gelingt und auch zwischendurch hat man nie das Gefühl, es würde tatsächlich Gefahr für unseren Helden bestehen. Auch das kann man so machen, muss man aber nicht ganz so Reißbrett-mäßig abarbeiten.

Der Mix macht’s (nicht) aus.

Ok, vielleicht ist das alles tatsächlich mein persönliches Problem. Ich finde, wie beschrieben, die Grundannahme des Films sehr gut, schaue mir gerne die Post-Apokalypse an und auch gigantische Insekten haben bei mir einen Stein im Brett. Und: Ich lache schon gern, gibt einige richtig gute Komödien. Nur ist die Kombination aus alledem nicht so toll, was ich aber – ehrlich gesagt – im Vorfeld bereits befürchtet habe. Denn leider ist „Love and Monsters“ nicht nur sehr flach, was ja ok wäre, sondern schlicht und einfach nicht lustig genug. Damit ist es raus: Es gab nur wenige Momente im Film, die mich zum Schmunzeln gebracht haben, von richtigem Lachen rede ich da noch gar nicht. Und auch hier sieht man mich ratlos: Bin ich zu alt? Sind meine falschen Erwartungen an die Post-Apokalypse schuld? Ist das nicht mein Humor? Was ist dann mein Humor (zumindest das weiß ich und nenne hier drei sehr lustige Filme, einer sogar mit einem Riesen-Insekt: „Spaceballs“, „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ und „Brust oder Keule“)?

Was bleibt also zu sagen? Nun: „Love and Monsters“ ist kein wirklich schlechter Film. Ich habe mich unterhalten gefühlt, weil mir Ausstattung und Prämisse gefallen haben, der Streifen tut also auf keinen Fall weh. Aber er ist auch nicht spannend, bietet nicht einmal ein Minimum an Tiefgang, keine kantigen Charaktere – und, fast am schlimmsten, ist nicht sonderlich witzig. Damit reicht es für 4 Punkte – kann man sich mal ansehen, ein zweites Mal muss man ihn sich aber eher nicht geben, denn sobald man sich an den Monstern sattgesehen hat (gleiches gilt für die Standard-Action-Szenen) bleibt nicht sonderlich viel übrig.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Love and Monsters.
Regie:
Michael Matthews
Drehbuch: Brian Duffield, Matthew Robinson
Jahr: 2021
Land: USA, Australien
Laufzeit: ca. 110 Minuten
Besetzung (Auswahl): Dylan O’Brien, Jessica Henwick, Michael Rooker, Dan Ewing, Ariana Greenblatt



Ein Gedanke zu “FilmWelt: Love and Monsters

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