FilmWelt: Dennis

Vorweg: Mir ist bewusst, dass „Dennis“ (1993) ein später Versuch gewesen sein dürfte, auf der gigantischen Erfolgswelle von „Kevin – Allein zu Haus“ (1990) mitzuschwimmen. Von einem Plagiat zu sprechen wäre allerdings alles andere als fair, basiert „Dennis“ doch eigentlich auf einem US-Comic, der bereits 1951 (!) erstmals erschienen ist.

Gesamteindruck: 3/7


Ein liebenswerter Quälgeist.

Freilich ist die filmische Verwandtschaft von „Dennis“ und „Kevin“ dennoch nicht von der Hand zu weisen – zu sehr ähneln sich die Hauptdarsteller. Und das nicht nur optisch, sondern auch die Verhaltensmuster sind nahezu identisch. Und: Die Handlung unterscheidet sich nur in Details, im Großen und Ganzen ist „Dennis“ so gesehen also tatsächlich nicht sonderlich eigenständig. Und auch wenn der Film seine Momente hat und weit davon entfernt ist, schlecht zu sein: Ein zweiter „Kevin“ ist Drehbuchschreiber John Hughes (richtig, der war auch für „Kevin – Allein zu Haus“ zuständig!) und Regisseur Nick Castle definitiv nicht geglückt.

Worum geht’s?
Dennis Mitchell ist 5 Jahre alt – und ausgesprochen lebhaft. Sehr zum Leidwesen des griesgrämigen Nachbarn George Wilson, der keine ruhige Minute hat, wenn der Lausbub in der Nähe ist. Der pensionierte Postbote und passionierte Gärtner weiß nicht, wie ihm geschieht als seine Frau einwilligt, auf Dennis aufzupassen, während dessen Eltern auf Geschäftsreise gehen – der Ärger ist vorprogrammiert und lässt natürlich nicht lange auf sich warten…

Mein kindliches Ich hat das sicher anders gesehen – die neuerliche Sichtung als Erwachsener („Dennis“ gibt’s zum Zeitpunkt dieser Rezension gerade auf Netflix zu sehen) fällt leider etwas ernüchternd aus. Im Endeffekt gibt es sogar nur einen Punkt, in dem „Dennis“ seinem vermeintlichen Vorbild ebenbürtig ist: Die Besetzung ist ähnlich hochkarätig. Speziell Walter Matthau († 2000), der nach „Dennis“ gar nicht mehr so viele Auftritte hatte, erweist sich als Glücksgriff – besser hätte die Rolle des grummeligen Nachbarn eigentlich nicht besetzt sein können. Dazu kommt mit Mason Gamble ein Kinderstar, der sich zwar nicht ganz vom damals allmächtigen und -gegenwärtigen Macaulay Culkin emanzipieren kann, seine Rolle aber dennoch sehr bodenständig, glaubhaft und – zum Glück – angenehhm unaufdringlich rüberbringt. Der dritte Hauptdarsteller ist mit Christopher Lloyd auch kein Unbekannter. Seine Darstellung des Schurken Schnappmesser-Sam ist ausgesprochen bizarr, für das damalige Kinderpublikum muss das fast schon an der Grenze des Erträglichen gewesen sein – wie im Übrigen auch die Brutalität, mit der er behandelt wird. Fraglich, ob das heute überhaupt noch so möglich wäre – aber das ist ein anderes Thema, auf das wir hier nicht einzugehen brauchen. Lloyd spielt die Rolle jedenfalls durchaus gut, allerdings ist seine Figur nicht annähernd auf dem Niveaus seiner „Kevin“-Pendants (die legendären „feuchten Banditen“), wofür man natürlich nicht dem Mimen die Schuld geben darf.

Trotz Nostalgiebonus eher durchwachsen.

Wie angedeutet, reißt dieses bunte Ensemble letzten Endes den ganzen Film raus. Denn der besteht aus der erwartbaren Aneinanderreihung von Unfällen und Katastrophen, deren Opfer in den ersten zwei Dritteln Nachbar Wilson, im letzten Abschnitt Bösewicht Schnappmesser-Sam wird. Ich bin mir nicht sicher, wie ich das als Kind gesehen habe – als Erwachsener muss ich sagen, dass der Film seinen Humor kaum aus Dennis‘ Streichen bezieht, sondern einzig und allein aus den Reaktionen darauf, speziell natürlich diejenigen von Mr. Wilson. Walter Matthau verkörpert diese Rolle einfach perfekt, was erstaunlich ist, weil man zu jener Zeit gar nicht vermutet hätte, dass er ohne seinen Langzeit-Partner Jack Lemmon würde reüssieren können. Ganz offen: Seine Körpersprache, wenn Dennis etwas angestellt hat, ist, so hart es klingt, der einzige Grund, wieso man vielleicht doch mal bei „Dennis“ reinschauen sollte.

Der Rest ist ein braves Drehbuch ohne große Ecken und Kanten. Der Humor ist nicht sonderlich zwingend, vor allem dann nicht, wenn Walter Matthau keine Screentime hat. Davon abgesehen bietet „Dennis“ ein wenig amerikanische Kleinstadt-Idylle, was zwar ganz nett anzusehen, gleichzeitig aber auch unglaublich spießig ist. Für Kinder scheint mir das aber durchaus ein schönes Vergnügen zu sein, ich wäre auf Reaktionen gespannt, wenn sich beispielsweise die gesamte Nachbarschaft zum Versteckspielen trifft – ist so etwas heute überhaupt noch üblich? Ich weiß es nicht…

Während man noch darüber nachdenkt, fährt der Film wie auf Schienen vor sich hin: Vorstellung der Charaktere, ein paar Gags, die Begründung, warum Dennis bei den Nachbarn bleiben muss, eine großer Streit und schließlich die Rettung der Situation durch den kleinen Helden und die Versöhnung mit dem alten Griesgram. Klar, das ist ein Film für Kinder und ein durchaus bewährtes Programm – allerdings wird es mir dann doch etwas zu routiniert abgespult, sodass zu keinem Zeitpunkt so etwas wie Spannung aufkommt. Muss vielleicht auch nicht, aber ich kann nicht verhehlen, dass mich das alles ein wenig enttäuscht hat.

So habe ich das übrigens nicht in Erinnerung gehabt – ich kenne den Film aus meiner Kindheit und hatte ihn als deutlich stärker im Gedächtnis abgespeichert. Aber so ist das mit der Nostalgie – sie ist was sehr Schönes, hält aber selten der harten Realität stand. Ausnahmen bestätigen freilich die Regel, wie man z. B. in meiner Rezension zu „Ein toller Käfer“ nachlesen kann. Fazit: Jeder Fan von Walter Matthau kann ein Auge riskieren, jeder, der „Dennis“ 1993 als Kind gesehen hat, ebenso. Zu viel erwarten darf man sich jedoch nicht, ansonsten könnte es eine Enttäuschung geben.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Dennis the Menace.
Regie:
Nick Castle
Drehbuch: John Hughes
Jahr: 1993
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Besetzung (Auswahl): Mason Gamble, Walter Matthau, Christopher Lloyd, Joan Plowright, Lea Thompson



Werbung

Ein Gedanke zu “FilmWelt: Dennis

  1. Pingback: Filme A-Z | Weltending.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..