FilmWelt: Kokoda – Das 39. Bataillon

„Kokoda – Das 39. Bataillon“ ist ein australischer Kriegsfilm, der einen Teil des als Kokoda-Track-Kampagne in die Geschichte eingegangenen Konflikts im 2. Weltkrieg thematisiert. Regisseur Alister Grierson versucht, die Schrecken dieser Auseinandersetzung am Beispiel einer kleinen, versprengten Einheit zu zeigen. Ganz will ihm das trotz beeindruckender Bilder leider nicht gelingen.

Gesamteindruck: 4/7


Im Dschungel (aber nicht in Vietnam).

In Hinblick auf den 2. Weltkrieg sind in Europa Filme, die den Kampf des nationalsozialistischen Deutschlands und seiner Verbündeten gegen die Alliierten zeigen, vorherrschend. Dabei wurde der bisher verheerendste Konflikt der Menschheitsgeschichte auch auf der anderen Seite der Welt mit großer Härte und Brutalität ausgefochten. Dass sich dort das Kaiserreich Japan und die USA unversöhnlich gegenüber standen, ist zwar ebenfalls ein gern genommenes Motiv für Filme unterschiedlicher Güte. Weit weniger im Fokus stehen hierzulande hingegen zahlreiche kleinere Konflikte jener Region, in denen Soldaten und Zivilbevölkerung freilich um nichts weniger zu erleiden hatten.

Worum geht’s?
1942 hat der 2. Weltkrieg weite Teile der Welt erfasst. Auch Papua wird nicht von den Kampfhandlungen verschont: Hier liefern sich Australien und das japanische Kaiserreich einen blutigen Konflikt. Die anfangs zahlenmäßig unterlegenen Australier kämpfen mit dem Mut der Verzweiflung – können sie die Japaner hier nicht aufhalten, droht eine Invasion ihres Heimatlandes. In den Wirren der Schlacht gerät eine kleine australische Einheit hinter die feindlichen Linien…

Vorliegender Film erzählt letzten Endes eine bekannte Geschichte, die in zahllosen Filmen verarbeitet wurde: Die Mär von der verlorengegangenen Einheit, die unter zahllosen Entbehrungen und Opfern versucht, die eigenen Linien zu erreichen. Das ist natürlich legitim – auch und vor allem weil sich die Handlung derartiger Filme meist an realen Begebenheiten orientiert. Und doch: Der Ablauf ist immer recht ähnlich, sodass man heute schon ganz besondere Qualität bieten muss, um den geneigten Fan und Kenner hinter dem Ofen hervorzulocken.

Beklemmende Atmosphäre.

Zunächst die gute Nachricht: „Kokoda“ ist technisch durchaus fein gemacht. Die Optik ist sogar überdurchschnittlich gut – trotz eines im Vergleich zu US-Produktionen kaum nennenswerten Budgets. Regisseur und Drehbuchautor Alister Grierson (als Schreiber war außerdem John Lonie an Bord) machten, so meine Einschätzung, aus der Not eine Tugend: Viele Action-Szenen, die ja immer mit enormen Kosten verbunden sind, bekommt man in „Kokoda“ nicht zu Gesicht. Klar, der eine oder andere wilde Schusswechsel ist dabei, hin und wieder explodieren die Granaten und auch die Ausstattung als solche dürfte nicht ganz billig gewesen sein. Insgesamt setzen die Filmemacher jedoch vor allem auf die bedrückende und fast schon klaustrophobisch anmutende Stimmung des Dschungelkampfes. Das gelingt ihnen so gut, dass „Kokoda“ in seinen besten Momenten an filmische Highlights erinnert, die das US-Trauma des Vietnamkrieges zum Thema haben – und nicht an einen Film, der im 2. Weltkrieg spielt.

Überhaupt ist die Atmosphäre das größte Plus dieses Werkes: Der unglaublich dichte Dschungel, Schlamm, Wetterkapriolen, Krankheiten, die hiesige Tierwelt und der desolate Zustand der schlecht vorbereiteten Soldaten – all das stellt der Regisseur so dar, dass man sich auch auf dem bequemen Sofa unwohl und dreckig zu fühlen beginnt. Dieses Gefühl wird noch durch die Darstellung des Gegners verstärkt: Ähnlich wie in den großen Vietnam-Kriegsfilmen taucht der Feind immer nur kurz und kaum erkennbar auf. Die Kameraeinstellungen sind so gewählt, dass man praktisch nie das Gesicht eines Japaners erkennen kann – was die diffuse Gefahr, die für die australischen Soldaten geradezu nervenzerreißend gewesen sein muss, auch für den Zuschauer zumindest im Ansatz erlebbar macht.

Wenige Identifikationsmöglichkeiten.

Dass „Kokoda“ trotz dieser guten Grundvoraussetzungen nicht so richtig punkten kann, liegt – man kann es sich vielleicht denken – an Drehbuch und Charakteren. Zu ersterem reicht es fast zu sagen, dass ich das, was in den 1940er Jahren tatsächlich auf Papua passiert ist, keineswegs relativieren oder irgendwie schmälern möchte. Dennoch hätte ich mir etwas mehr Spannung gewünscht – und ein paar Längen weniger. Die entstehen zwischendurch immer mal wieder, wenn es Ruhepausen gibt. Nicht falsch verstehen: Durchgehende Action will niemand in einem solchen Film haben. Nur müssen ruhigere Momente sinnvoll gefüllt werden und das ist in „Kokoda“ eher selten der Fall. Denn dafür bräuchte der Film starke Charaktere, die entsprechend gute Dialoge abliefern. Beides ist kaum vorhanden – letzten Endes gibt es eigentlich keine einzige Figur, die Sympathiewerte oder wenigstens ein Mindestmaß an Charisma besitzt.

Damit meine ich übrigens nicht, dass die Schauspieler, von denen man kaum einen aus größeren Produktionen kennt, schlecht wären. Im Gegenteil, die Mimen machen einen ordentlichen Job in der Darstellung der Leiden des einfachen Soldaten. Nur ist das im Endeffekt auch schon alles, was sie zu tun haben, denn einen echten, tiefgründigen Charakter hat der Regisseur keiner Rolle zugedacht. Wohl auch deshalb ist in „Kokoda“ ein Problem zu beobachten, das man auch aus anderen Kriegsfilmen kennt: Die Uniformen und der allgegenwärtige Dreck machen die jungen Männer kaum unterscheidbar – wenn es dann auch noch an markanten Charakterzügen mangelt, hat man als Zuseher echte Identifikationsprobleme.

So gesehen bin ich mir nicht ganz sicher, wieso „Kokoda“ teilweise geradezu überschwänglich rezensiert wird. Ich persönlich empfinde den Film zwar als optisch herausragend, atmosphärisch streckenweise sehr dicht und schauspielerisch passabel; auch als historisch akkurat kann er gelten, denke ich. Aber insgesamt reicht das aus meiner Sicht dennoch nur für ein sehr solides Werk, das es nicht schafft, diese ausgezeichnete Grundlage mit interessanten Charakteren zu füllen. Daher: 4 von 7 Punkten von mir. Möglich wären deutlich mehr gewesen, aber dafür hätte mich wenigstens eine einzige Figur wirklich berühren müssen.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Kokoda.
Regie:
Alister Grierson
Drehbuch: Alister Grierson, John Lonie
Jahr: 2006
Land: AUS
Laufzeit: ca. 120 Minuten
Besetzung (Auswahl): Jack Finsterer, Travis McMahon, Simon Stone, Luke Ford, Tom Budge, Angus Sampson



2 Gedanken zu “FilmWelt: Kokoda – Das 39. Bataillon

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