FilmWelt: Danger Close – Die Schlacht von Long Tan

Unlängst habe ich in meiner Rezension zu „Kokoda – Das 39. Bataillion“ (2006) festgestellt, dass die australische Beteiligung am 2. Weltkrieg selten in Filmen thematisiert wird. Dass Soldaten aus Australien und Neuseeland auch am Vietnamkrieg beteiligt waren, war mir hingegen völlig neu – bis ich vorliegenden Film aus dem Jahr 2019 gesehen habe.

Gesamteindruck: 2/7


Kampf unter Gummibäumen.

Der halbwegs reflektierte Kriegsfilm-Zuschauer ist natürlich vorsichtig: Traditionell wird dieses Genre immer wieder genutzt, um patriotische, nicht selten sogar nationalistische Ideologien zu verbreiten. Und das bis heute – man denke nur an Filme wie „Pearl Harbor“ (2001), um ein relativ junges Beispiel zu nennen. Ganz so schlimm wie jenes von Michael Bay verbrochene Werk ist „Danger Close“ freilich nicht, mit einem guten Film haben wir es aber auch nicht unbedingt zu tun; eine Botschaft wider den Krieg sucht man im Endeffekt auch hier vergeblich. Genau genommen wirkt der australische Streifen eher wie ein Action-Film, der maximal ein paar Bilder bietet, die den Einzelnen abschrecken mögen. Ob das allein reicht, um dem Krieg den Videospiel-Charakter zu nehmen, sei dahingestellt.

Worum geht’s?
1966 werden australische und neuseeländische Truppen in ihrem Hauptquartier in Vietnam angegriffen. Nachdem festgestellt wurde, dass der Mörserbeschuss von einer nahegelegenen Gummibaum-Plantage kommt, wird eine Kompanie unter dem Kommando des hartgesottenen Major Harry Smith zur Aufklärung losgeschickt. Bald sehen sich seine jungen und unerfahrenen Soldaten einem zahlenmäßig weit überlegenen Gegner gegenüber, der sie zu überrennen droht…

Der Vietnamkrieg ist aus westlicher Sicht meist eine vorwiegend amerikanisch-vietnamesische Angelegenheit. Doch auch Australien und, in geringerem Umfang, Neuseeland, hatten in den 1960er Jahren mehrere tausend Mann im Konfliktgebiet stationiert. Davon kehrten übrigens mehr als 500 nicht mehr in ihre Heimat zurück. Diese Tatsachen waren mir bisher nicht bewusst – und auch über die Gründe der australischen Politik, sich an diesem Krieg zu beteiligen, schwebt bei mir ein großes Fragezeichen. „Danger Close – Die Schlacht von Long Tan“ thematisiert die ersten größeren Kämpfe, in die australische Einheiten in Vietnam involviert waren. Als Geschichtsstunde eignet sich der Film jedoch nicht, wer mehr über dieses Thema wissen möchte, muss sich anderweitig informieren.

Action statt Tiefe.

„Danger Close“ ist ein Action-orientierter Kriegsfilm, der keinerlei Wert auf Hintergrundinformationen oder eine differenzierte Charakterzeichnung legt – ich denke, so kann man das Geschehen zusammenfassen. Das muss nicht automatisch negativ sein – in vorliegendem Fall trägt es aber durchaus zur mauen Gesamtwertung bei. Das Problem ist, dass der Film letzten Endes zwei Stunden lang zeigt, wie eine anonyme Masse asiatischer Soldaten gegen die Stellungen weniger Australier anrennt. Dazwischen gibt es kurze Feuerpausen, bevor das Gemetzel von vorne beginnt. Immer wieder wird dazwischen die Artillerie zur Unterstützung angefordert, mal stirbt der eine, dann wieder der andere Kamerad – all das scheint sich über die gesamte Laufzeit endlos und in immer ähnlichen Einstellungen zu wiederholen. Ermüdend – das ist das Prädikat, das mir dazu einfällt, auch wenn es ein wenig der Non-Stop-Action auf dem Bildschirm zu widersprechen scheint.

Dass man dabei als Zuseher trotz zahlreicher Tode relativ wenig empfindet, liegt an den auffällig schwachen Charakteren. In der kämpfenden Truppe gibt es nur zwei, die man sich merken kann: Den von Travis Fimmel dargestellten Major Smith und dann noch Private Large, der von Daniel Webber gespielt wird. Der Rest des Trupps ist kaum weniger anonym als die Heerscharen an Gegnern, derer sie sich tapfer erwehren. Was die genannten Helden betrifft, gibt es übrigens zwei gravierende Probleme: Travis Fimmel spielt den toughen Major mit einem gehörigen Schuss Ragnar Lodbrok – es ist, als hätte der australische Mime sein komplettes Repertoire in der Erfolgsserie „Vikings“ (2013-2020) verbraten. Er scheint es nicht zu schaffen, sich von jener übermächtigen Rolle zu lösen, was vor allem in der Mimik viel zu oft durchblitzt. Im Übrigen sei erwähnt, dass Major Smith alles andere als ein Sympathieträger ist. Und, auch nicht zu unterschätzen: Mit Kurzhaarfrisur und in militärischer Uniform sieht Fimmel nicht nur unglaublich unscheinbar aus, sondern scheint auch nicht recht gewusst zu haben, wie er seinen Charakter mit Leben füllen soll. Für mich ist das damit einer der wenigen Fälle, in denen der Darsteller tatsächlich eine Mitschuld an einem misslungenem Hauptcharakter trägt.

Was die zweite vermeintliche Identifikationsfigur betrifft, macht Private Large ein ganz anderes Problem offenbar: Dieser Charakter wird von Anfang an rebellisch gezeichnet – und zwar auf eine Art, die keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass er mit seinem Major zunächst zusammenkrachen und sich dann als dessen wichtigster Mann herausstellen wird. Irgendwann im Film versöhnen sich diese beiden Figuren also – und dass das für mindestens einen der beiden das Todesurteil ist, ist klar, sobald die vorher so gegensätzlichen Typen beginnen, über ihre Familien zu sprechen. Überraschungen? Fehlanzeige!

Schade drum.

Mir ist übrigens klar, dass „Danger Close“ auf realen Personen und Ereignissen basiert. Alles, was ich oben geschrieben habe, soll also bitte nicht als mangelnder Respekt aufgefasst werden – es mag sein, dass es sich zwischen Major und Private tatsächlich genau so abgespielt hat. „Danger Close“ ist allerdings ein Film und keine Dokumentation und von einem solchen erwartet man dann schon ein Mindestmaß an Identifikationsmöglichkeiten. Oder zumindest die Chance, ihre Tragödie „mitzuerleben“. Beides leistet „Danger Close“ für mein Dafürhalten nicht.

Unterm Strich bleibt damit ein Film stehen, der vermutlich bald in Vergessenheit geraten wird. Und das völlig zu Recht – abgesehen von seinen wirklich wunderbaren Bildern, deren Komposition sich allerdings mehr als deutlich beim Klassiker „Apocalypse Now“ (1979) bedient, gibt es hier nichts, das eine Sichtung wert wäre. Eventuell könnte man noch ins Feld führen, dass man dadurch auf ein Kapitel australischer Geschichte stößt, von dem man bisher noch nichts wusste – ob das reicht, um sich diese zwei Stunden zu geben, muss jeder für sich entscheiden. Ich persönlich bezweifle es, einfach, weil es „Danger Close“ gerade in dieser Hinsicht an Tiefe fehlt. Schade eigentlich, gerade diese wenig bekannte Episode dieses schrecklichen Konflikts hätte sich eigentlich eine sinnvollere Behandlung verdient gehabt.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Danger Close: The Battle of Long Tan.
Regie:
Kriv Stenders
Drehbuch: Stuart Beattie, Jack Brislee, James Nicholas, Karel Segers, Paul Sullivan
Jahr: 2019
Land: AUS
Laufzeit: ca. 120 Minuten
Besetzung (Auswahl): Travis Fimmel, Luke Bracey, Richard Roxburgh, Daniel Webber, Anthony Hayes



Ein Gedanke zu “FilmWelt: Danger Close – Die Schlacht von Long Tan

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