FilmWelt: X-Tro

Nicht alle Außerirdischen sind freundlich!

Ich habe Filme auf meiner Watchlist, von denen ich nicht recht weiß, wieso sie eigentlich dort sind. Klar, ich habe sie selbst drauf gegeben – oft aber aus eher seltsamen Gründen. So auch „X-Tro: Nicht alle Außerirdischen sind freundlich!“ (1982): Dessen Kurztitel „X-Tro“ ist dermaßen markant, dass ich ihn irgendwann einmal tief in meinem Gedächtnis abgespeichert haben muss. Von dort kam er mehr oder minder regelmäßig an die Oberfläche – ohne, dass ich den Film jemals gesehen oder gewusst hätte, worum es darin geht.

Gesamteindruck: 2/7


In vielerlei Hinsicht grausig.

„X-Tro“ gilt heute als Kult-Film, ein Prädikat, das meines Erachtens relativ leichtfertig für ausgewiesene B- und C-Ware vergeben wird. Klar, nicht jeder Streifen, der billig gemacht wurde, ist per se schlecht und es gibt ja tatsächlich einige großartige Filme, die weit weg von jeglicher Hochglanz-Hollywood-Produktion sind. „X-Tro“ kommt aus Großbritannien, erinnert mich ein wenig an das nicht minder durchwachsene „Forbidden World“ aus demselben Jahr und gehört meiner Meinung nach nicht gerade zum Pflichtprogramm.

Worum geht’s?
Drei Jahre, nachdem Sam Phillips vor den Augen seines Sohnes Tony offenbar von Außerirdischen entführt wurde, kehrt er auf unerklärliche Weise zurück. Und: Er ist nicht mehr derselbe Mann wie vor seinem Verschwinden, wie seine Ex-Partnerin, ihr neuer Freund und der ohnehin schon traumatisierte Sohnemann bald erfahren müssen…

„X-Tro“ hat, soviel sei vorweggenommen, ein Problem weniger als „Forbidden World“: Der britische Regisseur Harry Bromley Davenport kann auf großartige, auch heute noch sehenswerte Special Effects zurückgreifen. Die Geburt eines erwachsenen Mannes aus dem Körper einer jungen Frau ist beispielweise ein kreatives Highlight – wenngleich ein ausgesprochen Ekelhaftes, was wohl mitverantwortlich für die FSK18-Einstufung bei Amazon Prime gewesen sein dürfte (es gibt offenbar auch eine Fassung mit 16er-Freigabe). Und auch einige andere, nicht zwangsweise grausige Szenen, darunter ein zum Leben erweckter Plastiksoldat, sind qualitativ sehr gut gemacht, was bei „Forbidden World“ – und vielen anderen vermeintlichen Kult-Filmen – absolut nicht der Fall ist. Im Gegenzug kann man über „X-Tro“ nicht so herzlich lachen, aber das ist eine andere Geschichte…

Gute Effekte – und sonst?

Hat man sich an den Effekten sattgesehen, gibt es nicht mehr viel, das für „X-Tro“ spricht. Im Gegenteil, der Film hat mich kaum an einer Stelle unterhalten, gute Ideen sind leider Mangelware. Dabei sind die Schauspieler:innen im Rahmen ihrer Möglichkeiten sogar passabel unterwegs; zumindest die meisten, mit dem Sohn, gespielt von Simon Nash und vor allem der Mutter (Bernice Stegers) konnte ich wenig bis nichts anfangen. Immerhin hat Philip Sayer als Werkzeug einer außerirdischen Macht ein paar gute Momente. Und Maryam d’Arbo, die später als Bond-Girl in „Der Hauch des Todes“ (1987) zu Bekanntheit gekommen ist, gibt hier ihr Debüt. Und wie? Nun ja, sie ist hübsch und hat eine Nacktszene… Allgemein ist das Frauenbild des Films ohnehin wenig erbaulich, aber ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir in der Hinsicht eh nichts Anderes erwartet habe.

Die größten Schwierigkeiten hat „X-Tro“ freilich in den Bereichen Story und Drehbuch, aber auch fotografiert ist der Film alles andere als großartig. Letzteres ist immerhin noch zu verzeihen, weil es zwar zeitweise etwas unbeholfen wirkt, sich aber eigentlich sogar recht angenehm vom Hollywood-Einerlei abhebt, wenn man sich an die Kameraführung gewöhnt hat und über einige unpassende Schnitte hinwegsehen kann.

Was sich der Regisseur aber inhaltlich bei „X-Tro“ gedacht haben mag, werden wir wohl nie erfahren. Die Geschichte schafft das Kunststück, gleichzeitig sehr dünn und doch ziemlich wirr zu sein. Logik ist ein Fremdwort, vor allem passen einzelne Versatzstücke der Geschichte nur sehr notdürftig zusammen. Erklärungen für verschiedene Aspekte – beispielsweise was die Außerirdischen wollen, die Sam entführt haben oder wieso er unbedingt als erwachsener Mann von einer Wirtin geboren werden muss – gibt es schlicht und einfach nicht. Dass damit, in Tatmehrheit mit Charakteren, die diese Bezeichnung kaum verdienen, keinerlei Spannung aufkommen will, liegt auf der Hand.

Überhaupt ist das der Punkt, den ich „X-Tro“ am stärksten vorwerfen möchte: Im Gegensatz zu anderen B-Movies, die (ob beabsichtigt oder nicht) zumindest irgendwie unterhalten, ist vorliegendes Werk vor allem anstrengend. Irgendwo meine ich gelesen zu haben, dass das Drehbuch von „X-Tro“ nur dem Zweck zu dienen scheint, eine Basis für zugegeben beeindruckende Spezialeffekte zu liefern. Ein harsches Urteil – aber nach dem zweifelhaften Genuss dieses Films, der einem länger als 1 1/2 Stunden vorkommt, muss ich es letzten Endes bestätigen. Hier noch einmal das oben erwähnte Beispiel: Die außerirdischen Entführer scheinen ja über große Macht zu verfügen und die auch ihren menschlich aussehenden Agenten verleihen zu könne. Wie das funktioniert, wird nicht erklärt – aber es ist ein willkommener Anlass, über Telekinese (?) die Spielzeuge im Kinderzimmer verrückt spielen zu lassen. Und schon hat der Special Effects-Spezialist wieder eine Möglichkeit, sein Können zu beweisen. Ob die Szene für die Story relevant ist oder nicht, interessiert nicht – möglicherweise ist sie es, aber dann hätte es eben auch eine entsprechende Erklärung auf Handlungsebene gebraucht.

Fazit: Die Effekte sind auch heute noch einen Blick wert und haben einen X-Tra-Punkt verdient. Der Rest ist sinnlos zusammengewürfelter Unsinn und erfüllt meines Erachtens nicht einmal das B-Movie-Klischee „so schlecht, dass es schon wieder gut ist“. Keine Empfehlung von mir, auch wenn ich von der World of Shame absehen würde, weil es tatsächlich noch Schlimmeres gibt und man hier zumindest ungefähr weiß, was einen erwartet.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Xtro.
Regie:
Harry Bromley Davenport
Drehbuch: Robert Smith, Iain Cassie
Jahr: 1982
Land: Großbritannien
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Besetzung (Auswahl): Philip Sayer, Bernice Stegers, Danny Brainin, Maryam d’Abo, Simon Nash



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Ein Gedanke zu “FilmWelt: X-Tro

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