FilmWelt: Eat

Ich hab mich zum Fressen gern!

Ich habe selten einen Film mehr gesehen, bei dem ich mich so sehr zum Hinschauen überwinden musste, wie bei „Eat“ (2014). Dabei sind die Splatter-Szenen, in denen die Hauptfigur an ihren eigenen Gliedmaßen herumnagt, gar nicht so häufig; wenn sie aber eingesetzt werden, dann in einem Maß, das an die Grenzen dessen stößt, was ich persönlich ertragen kann. Leider ist das letzten Endes aber alles, was „Eat“ leistet (wenn man das überhaupt eine „Leistung“ nennen mag).

Gesamteindruck: 2/7


Fleischeslust.

Wie so oft stellt sich auch bei vorliegendem Werk die Frage, was der deutschsprachige Verleih mit der Wahl des Titels ausdrücken wollte. Den Film wortgetreu und durchaus sinnig (was ja nicht immer möglich ist) als „Essen“ zu bezeichnen, war offenbar zu naheliegend, daher blieb man bei „Eat“, stellte dem aber ein „Ich hab mich zum Fressen gern!“ als Untertitel zur Seite. Der Sinn dieser Aktion erschließt sich mir nicht, suggeriert die launig klingende Subline doch einen gewissen Humor. Der geht dem Film meiner Ansicht nach jedoch weitgehend ab; zumindest glaube ich nicht, dass er als Komödie gedacht war, wenn doch, ist das gründlich danebengegangen. Und das ist nicht das einzige Problem, wie wir im Folgenden sehen werden…

Worum geht’s?
Novella McClure ist eine von unzähligen jungen Frauen, die sich nach einer Karriere als Schauspielerin sehnen. Trotz aller Bemühungen und regelmäßiger Teilnahme an Castings wurde sie nach drei Jahren in Los Angeles allerdings noch nie für eine Rolle gebucht. Mittlerweile beginnen sich die Rechnungen zu stapeln. Und dann stellt die Verzweifelte zu allem Überfluss auch noch fest, dass sie Gefallen daran findet, Fleisch aus ihrem eigenen Körper zu essen…

Im ersten Moment klingt die Story, die uns Regisseur und Drehbuchautor Jimmy Weber in „Eat“ erzählen möchten, nach brauchbarem Stoff: Hollywood hat viele große Karrieren geschaffen, doch für jeden Marlon Brando, Brad Pitt und Leonardo DiCaprio gibt es tausende Novella McClures (hier könnte wohl auch der Name von Darstellerin Meggie Maddock stehen, die in der IMDB nicht einmal ein Foto hat), die auf der Strecke bleiben und über die niemand spricht. Der Glamour von Los Angeles hat also durchaus seine dunklen Seiten und man kann sich zumindest vorstellen, welchen physischen und psychischen Traumata und Belastungen speziell junge Frauen dort ausgesetzt sein müssen. Vor allem dann, wenn sie sich von den Verheißungen der Traumfabrik blenden lassen und nicht rechtzeitig erkennen, dass es nur ein verschwindend geringer Bruchteil nach ganz oben schafft.

Keine klare Botschaft.

Meiner Wahrnehmung nach hätte „Eat“ eine Metapher für all das sein sollen. Die Wirklichkeit sieht freilich anders aus: Sollte dieser Film tatsächlich eine tiefgründige Botschaft haben, kommuniziert er sie so ungeschickt, dass man eigentlich annehmen muss, es gäbe keine. Es gibt zwar zaghafte Andeutungen, dass ein Gutteil der Porno-Industrie aus jenen gescheiterten Schauspieler:innen hervorgeht – und auch dem Schönheitswahn von Hollywood wird alibihaft ein kleines Plätzchen eingeräumt. Diese durchaus kritikwürdigen Ansätze sind aber bei weitem kein zentrales Thema von „Eat“. Zumindest habe ich es nicht so empfunden, vielleicht auch deshalb, weil der Komplex „Hollywood und die Suche nach dem Glück“ hierzulande eher ein Nischendasein führt, was die Identifikation mit den Figuren letzten Endes deutlich erschwert.

Aber was ist „Eat“ dann eigentlich? Nun, für mein Dafürhalten ist dieser Film nichts anderes als der Versuch, mit explizitem Body-Horror zu schocken. Das gelingt durchaus, mehr passiert hier aber nicht. Wobei man es unfair wäre, zu behaupten, die unblutigen Szenen wären samt und sonders für die Tonne – sie werden letztlich aber fast vollständig von wenigen, dafür umso ekelhafteren Einstellungen, zugedeckt. Ein wenig erinnern Machart und Handlung – nicht jedoch die Atmosphäre – im Übrigen an den französischen Beitrag „In My Skin“ (2003), wobei die Darstellung des selbstverletzenden Verhaltens in „Eat“ deutlich brutaler ausfällt. Aber auch bei „In My Skin“ musste man sich teilweise zwingen, die Augen auf dem Bildschirm zu halten.

Merkwürdige Synchro.

Bevor wir zum Fazit kommen noch kurz zur Aufmachung: „Eat“ verfügt über einen halbwegs gefälligen, mir aber fast ein bisschen zu zwanghaft auf hip (bzw. das was Anfang der 2010er wohl hip gewesen ist) getrimmten Soundtrack. An der Kameraarbeit gibt es nichts auszusetzen, die Effekte sind ebenfalls weitgehend ok, auch, wen man sich manchmal fragt, wie sich der Regisseur die menschliche Anatomie wohl vorstellt.

Ein Punkt, den ich aber nicht unter den Tisch fallen lassen will und der sogar das erste ist, was beim Genuss der deutschsprachigen Fassung von „Eat“ auffällt: Die Synchronisation ist sehr merkwürdig, macht fast den Eindruck, hier wäre keines der großen Studios am Werk gewesen. Teilweise sind die Sprecher nicht nur schlecht gewählt (die Stimme des Psychologen Dr. Simon passt überhaupt nicht), sondern sie intonieren ihre Zeilen auch eher semi-professionell. Will sagen: „Eat“ hört sich nicht natürlich an, sondern man merkt deutlich, dass hier synchronisiert wurde, was bei einer professionellen Arbeit nur selten der Fall ist. Und das hat gar nicht so viel mit den teils dümmlichen Dialogen zu tun, die werden wohl im Original auch nicht viel besser sein… 😉

Fazit: Sollte es in „Eat“ eine Botschaft geben, die über leichte Andeutungen hinausgeht, hat mich diese nicht erreicht. Im Gegenteil, ich fand den Film zwar einigermaßen düster, letztlich aber viel zu dünn, um eine ordentliche Punktzahl springen zu lassen. Wer auf extremen Body-Horror steht, kann einen Blick riskieren, wird aber eventuell enttäuscht sein, weil die entsprechenden Szenen nur einen Bruchteil des Films ausmachen. Alle anderen müssen nicht unbedingt einschalten, neue Erkenntnisse sind hier nicht zu erwarten und auch der Unterhaltungswert ist eher gering einzuschätzen.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Eat.
Regie:
Jimmy Weber
Drehbuch: Jimmy Weber
Jahr: 2013
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Besetzung (Auswahl): Maggie Maddock, Ali Francis, Jeremy Make, Dakota Pike



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Ein Gedanke zu “FilmWelt: Eat

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