FilmWelt: Go Trabi Go

Es kann durchaus lohnend sein, sich als Erwachsene:r mit Werken zu beschäftigen, die man zuletzt in der Kindheit genossen hat. Mindestens genauso oft ist der Film, das Buch oder das Spiel in der Erinnerung jedoch deutlich besser aufgehoben. So ist es mir leider auch mit „Go Trabi Go“ (1991) ergangen.

Gesamteindruck: 3/7


Gen Italien.

Vorausschicken möchte ich, dass ich nie eine emotionale Bindung zu diesem Streifen gehabt habe – ganz im Gegensatz zu „Ein toller Käfer“ (1968), um eine andere Komödie rund um des Menschen liebstes Fortbewegungsmittel zu nennen. Ich meine sogar, dass ich „Go Trabi Go“ nur ein einziges Mal vollständig gesehen habe, vermutlich irgendwann zwischen 1991 und 1994. Entsprechend lückenhaft war mein Gedächtnis in dieser Hinsicht – übrigens ebenfalls konträr zu „Herbie“, bei dessen jüngster Sichtung ich auch nach zig Jahren einen Großteil der Dialoge mitsprechen konnte.

Inhalt in Kurzfassung
Kurz nach der Wiedervereinigung Deutschlands macht sich Familie Struutz von Bitterfeld in Sachsen-Anhalt auf den Weg in ihren ersten Italienurlaub. Standesgemäß soll Trabant „Schorsch“ Vater Udo, Mutter Rita und Tochter Jacqueline nach Neapel bringen – immer auf den Spuren von Goethe, dessen „Italienische Reise“ Deutschlehrer Udo als Fremdenführer auserkoren hat. Klar, dass die Fahrt zu einem echten Abenteuer wird und eine Panne die nächste jagt… 

Ich will gar nicht lange drumherum reden: „Go Trabi Go“ hat mich anno 2022 ein- oder zweimal laut auflachen lassen, ein paar Mal habe ich geschmunzelt – mehr war es dann aber nicht. Die Geschichte ist denkbar flach, was bedeutet, dass der Film nur von seiner Situationskomik und ein wenig Lokalkolorit (wenn man das so nennen mag) lebt. Leider ist beides relativ dürftig, wobei ich zumindest den beteiligten Schauspieler:innen, die die sächsische Familie auf durchaus charmante Weise geben, keinen Vorwurf machen möchte.

Ein Kind seiner Zeit.

Im wesentlichen dürften zwei Faktoren ausschlaggebend dafür sein, dass „Go Trabi Go“ mich nicht (mehr) abgeholt hat. Erstens ist der Film schlichtweg ein Kind seiner Zeit: Als er erschienen ist, war nicht nur der Westen etwas völlig Neues für die Menschen, die bis dahin hinter dem eisernen Vorhang gelebt hatten; umgekehrt hatte man – speziell auch hier in Österreich – kaum jemals einen „Ossi“ gesehen. Der fahrbare Untersatz, das Urlaubsoutfit und, vor allem, der merkwürdig anmutende Dialekt waren damals völlig ungewohnt. Und, so albern das aus heutiger Sicht klingen mag: Es war unterhaltsam anzusehen, wie sich die Sachsen mit Staunen durch „unsere“ Welt bewegt haben. Wobei ich gleich einschränken möchte, dass das eine sehr subjektive Sichtweise auf den Film ist, denn in Wirklichkeit werden die Unterschiede zwischen Ost und West kaum behandelt; mehr als dass die Familie über ihr Auto und ihre Sprache als ostdeutsch zu identifizieren ist, ist es im Endeffekt nicht, der Rest spielt sich eher im Kopf des Publikums ab. Und genau das hat für die westlichen Zuschauer:innen des Jahres 1991 noch funktioniert – heute fällt es ungleich schwerer, weil die Charaktere praktisch keine Tiefe haben und rein über ihre Herkunft aus dem Osten definiert sind.

Der zweite Kritikpunkt, der mir heute sofort ins Auge springt, während ich ihn Anfang der 1990er ignoriert (oder nicht erkannt) habe, hat mit Inszenierung und Drehbuch zu tun: „Go Trabi Go“ scheint auf den ersten Blick eine Art Roadmovie zu sein – das wäre aber viel zu hoch gegriffen, dafür fehlt es dem Film an Charakteren, es fehlt ihm aber auch an einem Drehbuch, das über eine bloße Aneinanderreihung von Sketches hinausgeht. Was in diesen Einzelszenen passiert, ist ab und an recht witzig, insgesamt aber arg vorhersehbar – und vor allem auch sehr brav. Bezeichnend, dass die einzige ernste Aufnahme eine Ohrfeige für die Tochter beinhaltet, etwas, das man heute in einem solchen Film wohl nicht mehr zeigen würde, zumindest nicht auf diese Art. Ich weiß übrigens nicht mehr, wie ich besagte Szene in den 1990ern empfunden habe – heute hat sie ein sehr mulmiges Gefühl erzeugt, weil sie so leichthin in einer bis dahin klamaukig, flach und harmlos dahinplätschernden Komödie platziert wurde.

Immerhin: Gute Musik.

Zum Abschluss möchte ich noch zwei positive Punkte hervorheben (dass die Darsteller:innen ihre Sache sehr gut machen, habe ich ja schon geschrieben): „Go Trabi Go“ wurde an diversen Originalschauplätzen gedreht, was durchaus für schöne Bilder sorgt, die den Film zu einem gewissen Teil sogar tragen. Noch besser gelungen – und mir überhaupt nicht mehr präsent gewesen – ist jedoch die Musik. Speziell den Titelsong, „Westward Ho“ von John Parr und das von Claudia Schmutzler alias Jacqueline Struutz gesungene „Gates of Eden“ (im Original von Eena) verpassen dem Film einen Teil des genannten Roadmovie-Feelings, das sein Inhalt eigentlich gar nicht hergibt.

Mittlerweile weiß ich, dass Hauptdarsteller Wolfgang Stumph damals Kabarettist war und „Go Trabi Go“ auf einem seiner Programme basiert – daher kommt wohl auch die szenenhafte Inszenierung des Films. Letztlich glaube ich, dass die Story auf der Bühne, vorgetragen von Stumph selbst, deutlich besser wirken dürfte, als vorliegender Realfilm. Der, so mein Fazit, ist jedoch bestenfalls mittelprächtig gelungen. Wer ihn damals gesehen hat, kann seine Erinnerung auffrischen – essenziell ist „Go Trabi Go“ aber weder als Komödie, noch als historisches Anschauungsmaterial zur Wiedervereinigung.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Go Trabi Go.
Regie: Peter Timm
Jahr: 1991
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Besetzung (Auswahl): Wolfgang Stumph, Marie Gruber, Claudia Schmutzler, Dieter Hildebrandt



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Ein Gedanke zu “FilmWelt: Go Trabi Go

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