FilmWelt: Resident Evil

Den Namen „Resident Evil“ verbindet der/die passionierte Gamer:in zunächst mit der gleichnamigen japanischen Videospielreihe, die dem Genre des Survival Horrors zu weltweitem Durchbruch verholfen hat. Ich selbst kenne die Spieleserie allerdings nur dem Vernehmen nach, was wohl damit zu tun hat, dass ich nicht sonderlich Konsolen-affin bin und „Resident Evil“ anfangs vor allem dort groß war. Entsprechend gering die Vorkenntnisse, mit denen ich an den ersten Realfilm von 2002 herangegangen bin.

Gesamteindruck: 3/7


Zombies in der Tiefe.

Bevor wir zum Film kommen, sei erwähnt, dass sich die Marke „Resident Evil“ als ausgesprochen langlebig erwiesen hat und ferner eines der erfolgreichsten Beispiele für ein Franchise ist, das sich weit über seine Ursprungsplattform ausdehnen konnte. So gibt es allein in der Hauptreihe bis dato zehn Spiele (das zum Zeitpunkt dieser Rezension aktuellste stammt aus 2021), dazu diverse Remakes und Ableger. Weiters wurden unzählige Romane, Comics und Animationsfilme veröffentlicht – und, zwischen 2002 und 2016, eben auch sechs Realfilme. Ein Ende des Hypes ist derzeit nicht absehbar, 2021 startete z. B. mit „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“ ein filmisches Reboot.

Worum geht’s?
Kurz nachdem Alice ohne sich an irgend etwa erinnern zu können in einer leeren Villa zu sich kommt, wird das Haus von einer Spezialeinheit gestürmt. Die Soldat:innen nehmen die junge Frau mit in den Hive, einen unterirdischen Forschungskomplex, in dem ein gefährliches Virus freigesetzt wurde. Die Aufgabe der Sicherheitskräfte: Den Zentralcomputer, der die Anlage abgeriegelt hat und außer Kontrolle geraten ist, zu deaktivieren…

Vorliegender Film dürfte der Startschuss gewesen sein, mit „Resident Evil“ einen internationalen Massenmarkt zu erobern. Diesen Versuch kann man nur als gelungen bezeichnen: Allein Teil 1 spielte weltweit über 100 Millionen Dollar ein (bei Kosten von rund 30 Millionen). Eine respektable Leistung, die von den Nachfolgern nochmals in den Schatten gestellt wurde, sodass die Serie als Ganzes weltweit fast 1,3 Milliarden (!) Dollar eingespielt hat. Diese Summe ist per se schon astronomisch – dass sie aber von Filmen, die auf Computerspielen basieren, erwirtschaftet wurde, ist alles andere als alltäglich.

Der Erfolg gibt den Verantwortlichen, allen voran Paul W. S. Anderson, der alle Drehbücher geschrieben und mit zwei Ausnahmen auch immer am Regiestuhl Platz genommen hat, also recht. Und ich will auch nicht bestreiten, dass „Resident Evil“ einiges richtig macht – so richtig vermag ich die Begeisterung jedoch nicht zu teilen. Ich frage mich übrigens, ob Fans der Spiele den Film generell anders (besser? schlechter?) wahrnehmen als Zuschauer:innen, die keine Ahnung von den Games haben. Bzw. ob letztere überhaupt einen nennenswerten Anteil am Publikum haben – das aber nur am Rande.

Ein passabler Vertreter seiner Zunft.

Fangen wir mit dem Positiven an: „Resident Evil“ dürfte tatsächlich eine der besten Spielverfilmungen sein, die es bis dato gibt – wer sehen möchte, was in der Hinsicht normalerweise abgeliefert wird, kann sich z. B. „Mortal Kombat“ (1995, ausgerechnet von Paul Anderson inszeniert, kommerziell allerdings ähnlich erfolgreich wie „Resident Evil“), „Double Dragon“ (1994), „Wing Commander“ (1999) oder – besonders übel – „Alone in the Dark“ (2005) geben. Im Falle von „Resident Evil“ hat es der Regisseur – im Gegensatz zu den genannten und einigen anderen Filmen – zumindest verstanden, die Atmosphäre der Vorlage zu konservieren. Speziell hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang Optik, Schnitt und Soundtrack, die zusammengenommen dem Gefühl eines Videospiels sehr nahe kommen. Und, auch wichtig: „Resident Evil“ funktioniert grundsätzlich auch dann, wenn der Film völlig isoliert von der Spielreihe betrachtet wird, Vorkenntnisse sind also nicht notwendig, um zu verstehen, was im Hive passiert.

Man könnte nun ganze Abhandlungen über die Schwierigkeiten schreiben, die die Umsetzung von Inhalten für verschiedene Medien mit sich bringt. Im Falle der Konvertierung eines Spiels in einem Film würde ich zusammenfassend meinen, dass es meist die Story ist, an der es sich spießt (die Kosten für Spezialeffekte dürften heute keine so große Rolle mehr spielen). Der Grund sollte einleuchten, auch wenn man noch nie ein Spiel in der Hand gehabt hat: Games sind immer interaktiv, d. h. man muss selbst etwas tun, um die Story voranzutreiben. Dabei ist nicht selten der Weg, auf dem diverse Aufgaben zu erfüllen sind, das Ziel. In einem Film sieht man hingegen passiv zu, wie hoffentlich interessante Charaktere etwas tun – entsprechend anders muss die Gewichtung unterschiedlicher Faktoren sein.

In Levels gedacht.

„Resident Evil“ ist in meiner Wahrnehmung großteils wie ein Spiel aufgebaut. Und nein, das ist nichts Gutes, jedenfalls nicht für einen Film. Ein Beispiel: Die Story, die der Film erzählt, mag für ein Spiel, in dem man sie selbst vorantreibt, reichen, weil dort der Fokus in der Regel ein anderer ist. Hier ist sie ärgerlich, weil wahlweise nebensächlich oder vorhersehbar. Oder: Der Aufbau der Forschungsanlage „Hive“ entbehrt jeder Logik, man kann sich nicht vorstellen, dass dort normalerweise Wissenschaftler:innen arbeiten. Der Komplex scheint nur dem Zweck zu dienen, es den Charakteren schwer zu machen, ihn zu durchqueren. Ganz ähnlich ist es mit den Problemen, die dabei zu lösen sind, denn die erinnern in ihrem fast schon modularen Aufbau an die Aufgaben, die man in einem linearen Shooter hat. Zusammengenommen macht all das „Resident Evil“ zu einem überaus schlichten, stellenweise arg berechenbaren Action-Reißer. Mehr will er vermutlich auch nicht sein, dennoch hat mich die gnadenlose Einfachheit des Films ziemlich ratlos hinterlassen. Oder, anders gesagt: Das hier mag einer der besten Versuche sein, ein Computerspiel auf die Leinwand zu bringen – zu einem guten Film wird „Resident Evil“ dadurch aber nicht.

Das größte Problem ist, dass der Film abseits seiner stimmungsvollen Optik und durchgehendem Geballer praktisch nichts zu bieten hat – das allerdings sind Dinge, an denen man sich sehr schnell sattgesehen hat, weil die Varianz fehlt. Eine spannende Geschichte und Charaktere, die mehr sind als bloße Stichwortgeber sucht man hingegen vergeblich. Wie gesagt, man darf von einem Actioner keine philosophische Tiefgründigkeit erwarten – aber das, was die Figuren in diesem Film von sich geben, ist einfach nur dümmlich, jedoch nicht auf die lustige Art: Eigentlich ist „Resident Evil“ komplett humorlos, unfreiwillig komisch sind allerdings die markigen Sprüche der bemüht coolen Eingreiftruppe. Sieht man davon ab, bleibt die Riege der Schauspieler:innen aber völlig blass, speziell die männlichen Figuren.

Milla Superstar?

Glänzen, wenn man das denn so nennen möchte, kann vor allem Hauptdarstellerin Milla Jovovich, die man vorher eigentlich nur aus „Das fünfte Element“ (1997) kannte. Die Rolle der „Alice“ sollte die Karriere der Schauspielerin für die nächsten knapp 15 Jahre prägen; ich wage nicht zu beurteilen, ob die „Resident Evil“-Reihe Fluch oder Segen für ihre weiteren Hollywood-Ambitionen war. Fakt ist jedenfalls, dass Jovovich ihre Sache in vorliegendem Film ganz gut macht. Die Entwicklung ihres Charakters erinnert allerdings stark an die, den sie in „Das fünfte Element“ auch schon gezeigt hat: Vom zerbrechlich wirkenden Mädchen mit Gedächtnislücken hin zu immer mehr Selbstbewusstsein.

Abschließend und der Vollständigkeit halber noch ein paar Fragen, über die man nicht nachdenken sollte, wenn man „Resident Evil“ genießen möchte: Warum wird ein gefesselter Gefangener zu einer so gefährlichen Operation mitgenommen? Warum erklärt das Computerprogramm den „Eindringlingen“ bereitwillig, was sich zugetragen hat? Wieso vertraut die Truppe eben jenem Computer, der sie vorher noch beseitigen wollte? Nunja, ich habe es ja mehrfach angedeutet: Vielleicht ist es besser, einfach das Hirn auszuschalten und den Film als das zu sehen, was er ist: Ein Action-Streifen mit Horror- und Science Fiction-Elementen, der schnell, laut und ab und an etwas düster ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger und bei weitem nicht so schlimm wie vieles, das ähnlich aufgebaut ist. Ich glaube, 3 von 7 Punkten sind dafür gerechtfertigt.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Resident Evil.
Regie:
Paul W. S. Anderson
Drehbuch: Paul W. S. Anderson
Jahr: 2002
Land: Deutschland, Großbritannien
Laufzeit: ca. 100 Minuten
Besetzung (Auswahl): Milla Jovovich, Michelle Rodríguez, Eric Mabius, James Purefoy, Martin Crewes



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Ein Gedanke zu “FilmWelt: Resident Evil

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