SpielWelt: Star Wolves


Etwas mehr als 40 Stunden habe ich mit „Star Wolves“ verbracht. Solche Angaben sind ja eine merkwürdige Sache, weil sie oft genug von der Zeit abweichen, die man sich gefühlt mit einem Spiel beschäftigt hat. Beispielsweise frage ich mich, wo die über 350 Stunden geblieben sind, die ich mit „Fallout: New Vegas“ verbracht habe, während es andere Fälle gibt, in denen sich 10 Stunden wie 100 angefühlt haben. Im Falle von „Star Wolves“ ist es hingegen noch einmal anders: Ich habe umgerechnet ziemlich genau eine Arbeitswoche für einen Durchgang gebraucht – und genau so hat es sich auch angefühlt. Ist das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Wir werden sehen…

Gesamteindruck: 3/7


Wölfe im Weltraum.

Freilich kann das Erlebnis „Star Wolves“ nicht ganz katastrophal gewesen sein, sonst hätte ich a) nicht so lange durchgehalten bzw. sogar durchgespielt und hätten sich b) die Stunden bis dahin deutlich stärker in die Länge gezogen, als ich es in Erinnerung habe. Umgekehrt will ich aber auch nicht verhehlen, dass die Zeit nicht gerade wie im Fluge vergangen ist. Letzteres spricht klar dagegen, dass wir es hier mit einem hoch spannenden oder gar epischen Spiel zu tun haben. Die Wahrheit wird demnach – auch wenn das nach einem Klischee klingt – wie so oft in der Mitte liegen.

Darum geht’s:
In ferner Zukunft hat sich die Menschheit in Form eines interstellaren Imperiums ins Weltall ausgebreitet. Dieses mächtige Reich gerät in Gefahr, als es auf eine außerirdische Rasse trifft, die den Terranern in Sachen Aggressivität kaum nachsteht. Sich gegen die Aliens zu verteidigen ist allerdings schwierig, denn das Imperium weit von einem geeinten Kaiserreich entfernt. Mächtige Gesellschaften haben großen Einfluss und schätzen es gar nicht, wenn sie beim Erwirtschaften ihrer Profite gestört werden. In diesem Spannungsfeld operiert die Söldnergruppe „Star Wolves“, die sich von Jenen anheuern lässt, die am besten bezahlen…

Kurz zu den Eckdaten: „Star Wolves“ kam 2005 in die europäischen Regale und stammt vom russischen Entwickler X-bow Software. Diese Firma gibt es längst nicht mehr und sie hat – abgesehen von vorliegendem Spiel und dessen Nachfolger „Star Wolves 2“ (2006) – praktisch keine Veröffentlichungen vorzuweisen. Es gibt mit „Star Wolves 3: Civil War“ (2009) übrigens einen weiteren Teil der Serie, der wurde allerdings von einem anderen Studio programmiert. Im Endeffekt dürfte aber ohnehin die gesamte Reihe bei weiten Teilen der Spieler:innenschaft in Vergessenheit geraten sein. Verwunderlich ist das meines Erachtens nicht, zu durchschnittlich ist das Erlebnis in praktisch allen Belangen.

Genremix.

„Star Wolves“ ist ein an sich durchaus interessanter Mix aus (pausierbarer) Echtzeit-Taktik mit kleineren Rollenspiel-Elementen und einem rudimentären Wirtschaftsteil: Man übernimmt das Kommando über die Einheit „Star Wolves“, die aus einem schwer bewaffneten und gepanzerten Mutterschiff (mit dem sinnigen Namen „Star Wolf“) besteht. Selbst tritt man dabei neben dem Posten als Kommandant als Pilot eines kleinen Jägers in Erscheinung, der von eben jenem Schiff aus startet, um feindliche Einheiten zu bekämpfen. Unterstützung erhält man von bis zu fünf Söldner:innen, deren individuelle Fähigkeiten im Laufe der Kampagne Rollenspiel-typisch mittels gewonnener Erfahrungspunkte ausgebaut werden.

Die Kämpfe laufen in Echtzeit ab und finden immer im Weltraum statt; auf das Geschehen blickt man mittels frei dreh- und schwenkbarer Außenkamera, eine Cockpit-Perspektive gibt es nicht. Im Gefecht kann jederzeit pausiert werden, was auch bitter notwendig ist, weil man jeden Jäger sowie das Mutterschiff steuert bzw. steuern kann (eine Zusammenfassung in Schwadronen ist glücklicherweise auch möglich). Die Steuerung erfolgt indirekt, heißt, man weist seinen Schiffen eine Aufgabe (z. B. den Angriff auf einen bestimmten Gegner) zu, diese wird dann so lange automatisch ausgeführt, bis man einen neuen Job vergibt oder das Ziel zerstört ist.

Auf diese Weise arbeitet man sich durch einen in der Regel vorgegebenen Baum an Missionen, bei denen es sich meist um klassische Suchen & Zerstören-Aufgaben handelt, gelegentlich aufgelockert durch Eskort-Aufträge o. ä. Immerhin ändern sich ab und an die Ziele während einer Mission, was zumindest etwas Abwechslung in das Geschehen bringt. Dazwischen gilt es, die Fähigkeiten seiner „Star Wolves“ zu verbessern und, auf wirtschaftlicher Ebene, für den Nachschub an Waffen und Jägern zu sorgen. Dazu verwendet man Geld, das man entweder als Sold für erfüllte Missionen oder durch den Verkauf von auf dem Schlachtfeld gesammelter Beute erhält.

All das klingt spannend und komplex? Ist es auch – aber leider nur bis zu einem gewissen Grad; richtigen Tiefgang oder einen hohen Wiederspielwert darf man sich von „Star Wolves“ nicht erwarten. Und leider machen auch eine Reihe von Designentscheidungen das Spiel trotz guter Ansätze zu einem zwiespältigen Vergnügen.

Nicht zu Ende gedacht.

Beginnen wir mit der Technik: „Star Wolves“ hat mit einer bestenfalls gewöhnungsbedürftigen Steuerung zu kämpfen. Die eigenen Schiffe mittels Mausklick in einer pseudo 3D-Umgebung (die Höhe spielt – im Gegensatz zu Breite und Tiefe – praktisch keine Rolle) zu bewegen, ist eine Qual: So gut wie nie fliegen die Raumer dorthin, wo man sie haben möchte. Erträglich wird das Ganze nur, wenn man einen Wegpunkt, ein feindliches Schiff oder sonst ein definiertes Ziel automatisiert ansteuern lässt – denn dann übernimmt der Computer die Wegfindung. Aber auch ohne diesen Aspekt wirkt das Interface von „Star Wolves“ reichlich hausbacken, umständlich und wenig intuitiv, was meines Erachtens nur zum Teil mit dem Alter des Titels zu erklären ist. Vor allem am Marktplatz fällt das auf: Herauszufinden, ob das gewünschte Waffensystem nun besser oder schlechter als die bereits installierte Variante ist, ist nur eines von vielen Beispielen an mangelhaftem UI-Design.

Wer sich mit solchen Dingen arrangieren kann, bekommt ein Spiel, das meines Erachtens an kaum einer Stelle zu Ende gedacht ist. Einige Beispiele: Das Spielprinzip mit den unterschiedlichen Persönlichkeiten, die man in den Kampf schickt, erinnert entfernt an die „Jagged Alliance“-Reihe von Sir-Tech. Das klingt im ersten Moment gut, schnell stellt sich aber heraus, dass die „Star Wolves“-Söldner:innen wenig interessant geschrieben sind bzw. man gar keine richtige Beziehung zu ihnen aufbaut, weil sie nur über rudimentäre Persönlichkeiten verfügen. Das Spiels geht auch nicht soweit, dass man sich z. B. aus einem Pool an Pilot:innen mit unterschiedlichen Fähigkeiten (und Gehaltsvorstellungen) bedienen kann; die Zusammensetzung des Teams wird vom Spielverlauf automatisch vorgegeben, Platz für Kreativität gibt es keinen, sieht man von der Möglichkeit ab, gewisse Fähigkeiten auszubauen.

Ein anderer Punkt, der den Spielspaß deutlich reduziert, sind die immer ähnlich ablaufenden Missionen. Zwar hat sich X-bow bemüht, eine Handlung zu stricken, die mitunter überraschende Wendungen nimmt; das ändert aber nichts an der Spielmechanik, die stets darauf hinausläuft, eine Übermacht an Feinden zu bezwingen. In Hinblick auf die Geschichte, die „Star Wolves“ erzählt, ist es übrigens kein Zufall, dass ich das Wort „bemüht“ …ähem… bemühen muss: Die Handlung ist nicht das Gelbe vom Ei; im Endeffekt bin ich nicht so richtig mitgekommen, worum es überhaupt geht. Was aber noch schlimmer ist: Es war mir eigentlich völlig egal, ich wollte nur meine Missionen fliegen, um mächtigere Pilot:innen zu bekommen, die die folgenden Aufgaben noch leichter bewältigen sollten. Dazu passt auch, dass der Wiederspielwert gegen Null tendiert; das nicht nur wegen des immer ähnlichen Ablaufs der Missionen, sondern auch weil deren Reihenfolge fast immer fix vorgegeben ist (auch hier sei auf „Jagged Alliance“ verwiesen, das die Entscheidung, welcher Sektor als nächstes erobert werden soll, völlig der Person vor dem Bildschirm überlasst).

Ein dritter Faktor, der mich massiv gestört hat (auch wenn er vergleichsweise vernachlässigbar sein mag): Ich kann mich ad hoc an kein Spiel erinnern, das über eine dermaßen schwache Vertonung verfügt wie „Star Wolves“. Ich weiß nun nicht, ob das mit der Übertragung aus dem Russischen zu tun hat; Fakt ist jedoch, dass die Sprecher:innen nicht professionell klingen, weder in Hinblick auf die Stimmen an sich, noch was die schauderhafte Betonung betrifft. Eine Kleinigkeit? Mag sein, allerdings wird damit einiges an Atmosphäre zunichte gemacht, auch wenn glücklicherweise nicht allzu viel gesprochen wird. Ironie des Schicksals: Speziell die eigene Repräsentanz im Spiel ist stimmlich nicht ansatzweise zur Identifikation geeignet, im Gegenteil, man klingt – mit Verlaub – wie ein absoluter Vollidiot.

Trotz aller Mängel keine völlige Katastrophe.

Wieso das Spiel trotz seiner Schwächen Spaß bringt, ist schnell erklärt: Die grundlegende Mechanik, die die eigenen Held:innen nach und nach immer mächtiger werden lässt sowie das ständige Einsammeln von Beute, die wiederum ordentlich Geld in die Kassen spült, funktioniert. Und auch, wenn man dann seine liebevoll gehegten Pilot:innen in ihren nach eigenem Gutdünken ausgerüsteten Maschinen in die Schlacht schickt, kommt zunächst Freude auf. Ein Teil davon ist im Übrigen dem Tüfteln an der richtigen Taktik geschuldet, mit der die zahlenmäßig überlegenen Gegnerscharen in die Schranken zu weisen sind. Zusammengenommen sorgt das für ein überraschend befriedigendes Spielgefühl (zumindest für das einmalige Durchspielen), wobei man durchaus sagen könnte, dass das auch als ungute Reminiszenz an gewisse casual games am Handy lesbar ist.

Viele Spiele mit einem so wilden Mix wie ihn „Star Wolves“ bietet, habe ich jedenfalls noch nicht gespielt – Setting, Mechaniken und Idee haben mich am ehesten an „EVE Online“ (2003) erinnert. Dabei ist gerade dieser Vergleich problematisch, weil man innerhalb von Sekunden merkt, wie einfach das russische Spiel in Wirklichkeit gestrickt ist. Vielleicht ist auch genau das das Problem: Wer, wie ich, den Online-Dauerbrenner von CCP Games zuerst gespielt hat, kann an „Star Wolves“ eigentlich keine überbordende Freude mehr empfinden; es ist im Prinzip genau das gleiche Spiel, allerdings mit weniger von allem.

Umgekehrt wird sogar ein Schuh daraus: Ja, „EVE Online“ erschlägt (nicht nur) anfangs mit seiner Komplexität; „Star Wolves“ ist dagegen viel zu einfach gestrickt. Ein Mittelding aus diesen beiden wäre genau das Richtige für mich. Ich bin gespannt, wann ich auf meiner Reise durch die Welt der Computerspiele auf eines solches Teil stoßen werde. Im Zweifelsfall bin ich aber tatsächlich eher der Komplexität zugeneigt – wer das anders sieht, kann zur Gesamtwertung noch ein Pünktchen addieren.

Gesamteindruck: 3/7


Genre: Echtzeit-Taktik
Entwickler:
X-bow Software
Publisher: 1C Company
Jahr:
2005 (EU)
Gespielt auf: PC


Screenshots aus „Star Wolves“ – Copyright beim Entwickler!

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Ein Gedanke zu “SpielWelt: Star Wolves

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