FilmWelt: Red Sonja

In meiner Erinnerung habe ich mir als Jugendlicher drei Fantasyfilme besonders häufig angesehen: „Conan der Barbar“ (1982), dessen Fortsetzung „Conan der Zerstörer“ (1984) – und eben „Red Sonja“ (1985). Doch während Teil 1 der ursprünglich von Autor Robert E. Howard ersonnen „Conan“-Saga bis heute einen gewissen (freilich sehr rauen) Charme versprüht und ich dem Nachfolger nach wie vor mehr abgewinnen kann als damalige und heutige Kritiker, hat mich die 2021er-Sichtung von „Red Sonja“ ziemlich ernüchtert zurück gelassen.

Gesamteindruck: 2/7


Eine Barbarin rächt sich.

Zunächst etwas Grundlegendes: „Red Sonja“ würde ich prinzipiell nur jenen ans Herz legen, die mit „Conan“ etwas anfangen konnten. Oder mit ähnlichen Streifen, es gab zu jener Zeit ja eine regelrechte Schwemme an Filmen ähnlicher Natur, die großteils allerdings völlig zu Recht in Vergessenheit geraten sind. Wer also mit einer Unzahl an Schwertkämpfen, viel Blut und Gewalt, einer dazu passenden Story und einer eher fragwürdigen Charakterzeichnung nicht warm wird, schaltet besser gar nicht erst ein. Aber auch alle, die auf derartigen Trash stehen (dieser Rezensent zählt sich ausdrücklich dazu), könnten von „Red Sonja“ enttäuscht sein – vor allem, wenn sie den Film seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen haben (auch das trifft auf diesen Rezensenten zu).

Worum geht’s?
Königin Gedren hat einen Talisman errungen, mit dessen Zauberkraft sie die Welt beherrschen möchte. Um dieses Ziel zu erreichen, war und ist die Herrscherin nicht zimperlich – und auch die Familie von Red Sonja ist den Machtgelüsten von Gedren zum Opfer gefallen. Sonja selbst hat jedoch überlebt und ist zu einer mächtigen Kämpferin herangewachsen. Ihre Aufgabe sieht sie darin, Rache an der bösen Königin zu nehmen und den Talisman zu vernichten…

Die Figur der Red Sonya [sic!] wurde wie „Conan der Cimmerier“ von US-Autor Robert E. Howard erfunden. Das war 1934, später fand sie als Red Sonja immer häufiger Erwähnung in den von Marvel herausgebrachten „Conan“-Comics. Wer also eine gewisse Ähnlichkeit zwischen diesem Film und den „Conan“-Streifen erkennt, täuscht sich nicht, zumal im Vorspann von „Red Sonja“ sogar das hyborische Zeitalter erwähnt wird, das jedem „Conan“-Fan ein Begriff ist. Abgesehen davon ist die Figur des Lord Kalidor dem beliebten Barbaren nicht nur ähnlich, weil Arnold Schwarzenegger beide Rollen spielt: Ursprünglich hätte Kalidor tatsächlich Conan sein sollen, der Name durfte aus lizenzrechtlichen Gründen allerdings nicht verwendet werden. Verwirrend? Mag sein, aber heute kann man das alles wenigstens problemlos im Internet nachlesen. Als ich „Red Sonja“ erstmals gesehen habe, habe ich mir einfach eingeredet, dass Kalidor nur ein anderer Name für Conan sei. Hach, waren das noch einfache Zeiten… 😉

Stumpf ist Trumpf.

Was die filmische Darstellung der Titelrolle betrifft, regiert die Einfachheit: Sonja ist die gute Heldin, deren tragische Geschichte es ihr erlaubt, ohne moralische Bedenken auf Rache zu sinnen. Das ist freilich nichts Neues – letztlich ist sie nicht mehr als ein weiblicher Conan. Sie hat aber einen ganz großen Nachteil: Während sich „Conan der Barbar“ ausgiebig Zeit nimmt, die Vorgeschichte seines Helden zu erzählen, muss sich „Red Sonja“ mit ein paar verschwommenen, nichtssagenden Rückblenden begnügen. Ich denke, dass genau daher der Löwenanteil des Qualitätsunterschiedes der eigentlich so ähnlichen Filme kommt: Conan ist jemand, er hat eine Geschichte, er hat einen triftigen Grund für sein Handeln (und er hat, nebenbei bemerkt, einen sehr starken Gegenspieler). Welchen Hintergrund Sonja hat, ist bestenfalls zu erahnen – kein Wunder also, dass eine Identifikation kaum gelingen will. Und: Red Sonja mag oberflächlich wie der große Cimmerier wirken, in Wirklichkeit ist es aber so, dass sie Kalidor und seine beeindruckenden Muskeln immer wieder braucht, um ihr aus brenzligen Situationen zu helfen. Warum? Weil sie eine Frau ist, wie auch Kalidor nicht müde wird zu betonen. Diese Rollenverteilung und Geschlechterzeichnung zeigt sich übrigens auch auf den Filmplakaten, auf denen Arnold Schwarzenegger, der ja eigentlich eine Nebenrolle spielen sollte, deutlich prominenter platziert ist als Brigitte Nielsen. Was ich vom kommerziellen Standpunkt aus sogar verstehen kann, war Schwarzenegger damals ja deutlich bekannter als Nielsen. Alles in allem ist es aber schade, dass Kalidor im Film letztlich der größere Held ist, als Sonja. Immerhin schafft sie im gespielten Zweikampf gegen ihn ein Unentschieden, was wohl das Maximum war, das man zur Darstellung einer starken Frau beitragen wollte.

Abgesehen von diesen beiden, die hauptsächlich ihre Muskeln und Schwerter sprechen lassen (und sehr wenige Textzeilen haben), gibt es eine stereotype Bösewichtin (interessanterweise gespielt von Sandahl Bergman, die in „Conan der Barbar“ als Valeria noch an der Seite des Helden kämpfte). Und, bemerkenswerterweise, mit Paul L. Smith (Falkon) und Ernie Reyes, Jr. (Prinz Tarn) ein Duo, das für den Humor sorgt, der speziell dem ersten „Conan“-Film vollkommen fehlt. Bezeichnend, dass die Slapstick-Einlagen zwar relativ platt sind, den Film letzten Endes aber sogar vor einer noch schwächeren Wertung bewahren.

Die Story von „Red Sonja“ ist schlicht, entsprechend einfach ist auch das Drehbuch gehalten. Das muss kein Fehler sein, ist doch auch „Conan“ kein Ausbund an Tiefgründigkeit. Nur ist es leider so, dass die paar Episoden, aus denen vorliegender Streifen zu bestehen scheint, vergleichsweise lieblos aneinandergestückelt wirken. Oder, um es drastischer auszudrücken: „Red Sonja“ ist über weite Strecken ein ziemlich dummer Film und nicht geschickt darin, das zu verbergen. Ich frage mich ja, ob das damit zu tun hat, dass Schwarzenegger eigentlich gar keinen Bock mehr auf eine solche Rolle gehabt haben soll… Nicht, dass es einen großen Unterschied gemacht hätte, die Handlung ist und bleibt Grütze. Genau genommen haben wir es meines Erachtens sogar mit einem gar nicht so stark veränderten Abklatsch von „Conan der Zerstörer“ zu tun, der ja auch unter der Regie von Richard Fleischer entstanden ist. Allzu inspiriert scheint mir der Mann hier jedenfalls nicht gewesen zu sein. Und bevor jetzt einer kommt und sagt, dass der Film gar nicht anspruchsvoll sein soll, man sein Hirn ausschalten und die Action genießen sollte, dass ich falsche Maßstäbe anlege usw.: Ich habe schon angedeutet, dass ich „Conan der Barbar“ grandios finde und auch mit „Conan der Zerstörer“ gut leben kann. „Red Sonja“ ist beiden um Klassen unterlegen, hat im Endeffekt aber auch nicht diesen so schlecht, das es schon wieder gut ist-Charme, den ich persönlich ohnehin nicht brauche, aber zumindest nachvollziehen kann. Das hier ist einfach ein schwerfälliger, uninspirierter und inkonsequenter Film, dem man anmerkt, dass er ein verzweifelter Versuch war, das Barbaren-Genre bis zum letzten Cent auszupressen. Dank Schwarzenegger ist das sicher besser gelungen als mit vergleichbaren Streifen – an der Qualität ändert dessen Name aber so gut wie nichts.

Angemerkt sei an dieser Stelle noch, dass weder die titelgebende Heldin, noch ihr muskelbepackter Begleiter oder deren Gegenspielerin ihren Darsteller:innen sonderlich viel abverlangen. Schwarzenegger spielt halt seinen Stiefel als Conan, der zwar nicht so heißt, ihm ansonsten aber bis aufs Haar gleicht, herunter. Nielsen spielt ebenfalls Conan, Bergman spielt die übliche grausame Herrscherin ohne irgendwelche Besonderheiten. Am „anspruchsvollsten“ scheint mir noch das verbale Hin & Her zwischen Smith und Reyes zu sein, was auch schon einiges aussagt. Positiv hervorzuheben ist immerhin die Choreografie der Kämpfe: Die Erfahrung aus den „Conan“-Filmen macht sich hier bezahlt. Einziger Wermutstropfen: Die Fechterei zieht sich teilweise ganz schön in die Länge. Überhaupt hat man sich bald daran sattgesehen, weil das Drumherum einfach zu dumpf ist. Man merkt förmlich, wie versucht wurde, den Film mittels zünftiger Prügeleien zu strecken, weil es beim Rest an allen Ecken und Enden gefehlt hat.

Ausstattung und Ton retten vor der World of Shame.

Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich aber ein kleines Lob aussprechen: „Red Sonja“ beeindruckt wie seine quasi-Vorgänger mit wunderbaren Landschaftsaufnahmen. Es ist kaum zu glauben, wie viel Atmosphäre die Optik schafft (gedreht wurde übrigens hauptsächlich in Italien). Dazu passen auch die Kulissen, die das hyborische Zeitalter schön ins Bild setzen. Die Kostüme sind zwar nicht ganz so gelungen, aber immerhin noch im grünen Bereich. Und auch der Soundtrack vom legendären Ennio Morricone weiß zu gefallen, zieht im Vergleich zu dem, was man in „Conan“ zu hören bekommt, allerdings klar den Kürzeren. So oder: An Barbaren-Atmosphäre fehlt es „Red Sonja“ nicht, wodurch die inhaltlichen Schwächen umso eklatanter hervorstechen.

Letztlich würde ich die knapp anderthalb Stunden, die ich gestern mit „Red Sonja“ verbracht habe, trotz alledem nicht als komplett verschwendet verbuchen. Es macht meiner Meinung nach durchaus Sinn, sich ab und an etwas anzusehen, von dem man früher begeistert war – und sei es nur, um die eigene Sichtweise zu hinterfragen. Bei „Conan“ ist es so, dass ich nach wie vor der Meinung bin, dass wir es speziell im Falle von Teil 1 mit großer Unterhaltung zu tun haben. Bei „Red Sonja“ hingegen… naja, ich habe es ja ausführlich beschrieben. Was mich wirklich interessieren würde: Wie sieht den Film jemand, der ihn anno 2021 erstmals zu sehen bekommt? Wie sehen ihn andere Leute, die ihn – wie ich – damals mochten und seither nicht mehr gesehen haben? Ich muss wohl mal bei meinen Freunden nachhaken, obwohl mir gar nicht so viele einfallen wollen, die „Red Sonja“ damals zu schätzen wussten…

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Red Sonja.
Regie:
Richard Fleischer
Drehbuch: Clive Easton, George MacDonald Fraser
Jahr: 1985
Land: USA
Laufzeit: ca. 85 Minuten
Besetzung (Auswahl): Brigitte Nielsen, Arnold Schwarzenegger, Sandahl Bergman, Paul L. Smith, Ernie Reyes, jr.



SpielWelt: Star Wars: TIE Fighter


„Star Wars: X-Wing“ (1993) war ein Spiel, mit dem ich in meiner Jugend viel Zeit verbracht habe. Am Nachfolger „Star Wars: TIE Fighter“ (1994) habe ich mich hingegen erst Jahre nach dessen Erscheinen erstmals versucht. So richtig intensiv habe ich es allerdings nie gespielt – eventuell hat mich der deutlich höhere Schwierigkeitsgrad abgeschreckt. Heute ficht mich das nicht mehr an, daher ist es anno 2021 höchste Zeit, erneut im Dienste des Imperiums gegen Rebellen, Piraten und sonstigen Abschaum zu kämpfen.

Gesamteindruck: 6/7


Für das Imperium!

In letzter Zeit greife ich verstärkt zu alten und ganz alten Spielen. Dabei habe ich ein interessantes Phänomen beobachtet: Programmen aus den 1980ern verzeiht man ihre minimalistische Grafik ohne Probleme (siehe meine Rezensionen zu den frühen Vertretern der „Ultima“-Reihe). Vieles, was in den 1990ern auf den Markt gekommen ist, wirkt im Gegensatz dazu deutlich schlechter gealtert. Und das unabhängig vom Genre: „Ultima VI: The False Prophet“ (1991) mag zu seiner Zeit das grafisch mit Abstand schönste Spiel der Reihe gewesen sein, heute hat man mit dem bunten und unübersichtlichen Titel seine liebe Mühe. Und auch an vorliegendem Programm hat der Zahn der Zeit erbarmungslos genagt.

Darum geht’s:
Das Galaktische Imperium ist stets auf der Suche nach neuen Piloten. Ihre Aufgabe: Der Galaxis endlich Ordnung und den wohlverdienten Frieden zu bringen, was von rebellischen Terroristen immer wieder verhindert wird. Und auch Verräter, Wissenschaftler, die sich nicht in den Dienst der Sache stellen wollen, Raumpiraten und ähnliches Gesindel stört laufend die Pläne des Imperators. Entsprechend wichtig ist die kaiserliche Flotte mit ihren Großkampfschiffen und den kleinen, wendigen Raumjägern wie dem TIE Fighter, die auf verschiedenste Missionen gegen die allgegenwärtigen Feinde geschickt werden

Ich habe die Collector’s CD-ROM-Edition von „TIE Fighter“ gespielt. Die ist 1995 erschienen und zeichnete sich im Vergleich zum Original vor allem durch besser aufgelöste Grafiken aus – sowohl im Spiel als auch in den Zwischensequenzen. Außerdem enthält diese Version (zum Zeitpunkt dieser Rezension um 8,49 Euro bei GOG.com zu haben) beide Erweiterungen, sodass man stolze 13 Schlachten (die jeweils aus fünf bis sieben Einzelmissionen bestehen) zu absolvieren hat. Ein schönes Paket, das auch heute noch für viele Stunden vor den Computer fesselt.

In punkto Grafik habe ich eingangs angedeutet, dass solche Äußerlichkeiten in vielen Fällen zu vernachlässigen ist. Im Falle einer Simulation, wie es „TIE Fighter“ eine ist, spielt die Optik allerdings schon eine gewisse Rolle. Zu genau darf man auf den heutigen, viel größeren Bildschirmen also nicht hinsehen; alles sieht relativ grobschlächtig und eckig aus, oft kann man regelrecht zuschauen, wie sich Objekte quälend langsam aus einzelnen Polygonen zusammenfügen. Und auch die Geschwindigkeit lässt mit zunehmender Anzahl an Raumschiffen stark zu wünschen übrig. Ein Teil des Problems wird sicher daher rühren, dass ich kurz vor meinen jüngsten „TIE Fighter“-Sessions ein paar Stunden im Cockpit meiner Vulture in „Elite: Dangerous“ verbracht habe. Ein solcher Rückschritt ist schwerer zu verkraften, als ich mir anfangs eingestehen wollte, da bin ich ganz ehrlich.

Wie dem auch sei: Die Grafik mag aus heutiger Sicht primitiv wirken, sie erfüllt jedoch ihren Zweck. Ein großes Plus: Wie schon in „X-Wing“ ist es ein wahrer Augenschmaus, wie sich abgeschossene Jäger in ihre Bestandteile auflösen (das ist fast schon unverschämt gut aus den Filmen übernommen). Größtes Minus (neben dem manchmal ärgerlich langsamen Bildaufbau): Eigentlich gigantische Schiffe wie die ikonischen Sternenzerstörer wirken zu keinem Zeitpunkt so riesig, wie man es aus dem Kino kennt. Ist man weiter entfernt, kann man sich die gewaltigen Ausmaße noch vorstellen – je näher man kommt, desto kleiner wirken die Raumer. Davon abgesehen ist „TIE Fighter“ optisch aber durchaus in Ordnung, auch wenn ich den ganz großen Sprung zu „X-Wing“ nicht sehe, der damals (und teils auch noch heute) herbeigeschrieben wurde.

Der Sound ist im Übrigen großartig – ich weiß nicht, wie es im Original war; die CD-ROM-Fassung bietet jedenfalls den klassischen Score von John Williams, der sich je nach Situation ändert und beispielsweise die Ankunft von Verstärkung – oder neuen Feinden – mit der entsprechenden Musik ankündigt. Dazu gibt es digitalisierte Sprache, sowohl in den Missionsbesprechungen als auch direkt im Kampfgeschehen. Die Effekte kennt man ebenfalls aus den Filmen: Laser zirpen, TIE Fighter röhren, Explosionen dröhnen. Alles im luftleeren Raum, wohlgemerkt – aber das ist eine andere Geschichte, die die Science Fiction bis heute kaum jemals anders gelöst hat (und, seien wir uns ehrlich, die niemand anders haben möchte).

Altersbedingte Schwierigkeiten.

Das größte Mirakel für den modernen Spieler dürfte die Flugsteuerung sein. Dass sich die Jäger eher wie Flugzeuge in der irdischen Atmosphäre steuern: Geschenkt – das machen die meisten Weltraum-Sims bis heute so. Es ist jedoch zu bedenken, dass Joysticks in den 1990ern vergleichsweise bescheiden ausgestattet waren, zumindest die, die die Masse sich leisten konnte (übrigens würde ich ohne Joystick generell keine Empfehlung für dieses und ähnliche Spiele abgeben). Entsprechend umständlich steuert sich das Fluggerät aus heutiger Sicht – vor allem dann, wenn (wie von mir oben kurz erwähnt) unlängst eine aktuelle Simulation gespielt hat. Insbesondere das Fehlen der Seitwärtsbewegung, die moderne Sticks mittels „Twist“ beherrschen, macht sich ungut bemerkbar: Mehr als horizontales und vertikales Steuern ist nicht drin. Dazu kommt, dass man die Belegung des vom Programm ebenfalls weidlich genutzten Keyboards nicht frei wählen kann und in Sachen Steuerknüppel nur zwei Feuerknöpfe unterstützt werden. Glücklicherweise hat man die essenziellen Kommandos auch so bald intus, wirklich intuitiv ist vieles davon aber leider nicht. Auch hier gilt also: Wer seit 20 Jahren keine Simulation mehr gespielt hat, wird wohl keine großen Probleme haben. Jeder, der zwischen zwei „Elite: Dangerous“-Sitzungen in den TIE Fighter springt, muss sich gewaltig umstellen und wird anfangs häufiger am eigenen Unvermögen als an den Gegnern scheitern.

Apropos Gegner: Hier ist dann tatsächlich ein großer Unterschied zum Vorgänger „X-Wing“ festzustellen. Nicht nur, dass sich die feindlichen Piloten deutlich intelligenter verhalten und damit schwerer zu besiegen sind – ich musste teilweise sogar den Schwierigkeitsgrad auf „leicht“ reduzieren, weil mich die eine oder andere Mission schlicht zur Verzweiflung getrieben hat. Dazu kommt ein sehr viel ausgefeilteres und abwechlsungsreicheres Missionsdesign. Klar, grundsätzlich geht es in der Regel darum, so viele Feinde wie möglich bzw. nötig aus dem Weltraum zu pusten. Aber die Nebenaspekte (mal darf dieses Schiff nicht zerstört werden, mal ist jenes Shuttle zu identifizieren usw.) sind besser ausgearbeitet und zahlreicher. Und: Während einer Mission kann sich plötzlich alles ändern, worüber man dann auch per Funk informiert wird. An dieser Stelle ist übrigens ein Schwachpunkt zu bemerken, der ebenfalls dem Alter des Programms geschuldet sein dürfte: In der Hitze des Gefechts verliert man irrsinnig leicht den Überblick und hat oft alle Hände damit zu tun, überhaupt festzustellen, von wem man gerade beschossen wird. Kommt dann auch noch eine Meldung per Funk herein, übersieht und -hört man das schon sehr leicht. Ein späteres Abrufen ist leider nicht möglich und der Schirm mit den Missionszielen ist auch nur bedingt hilfreich.

Einmal möcht‘ ich ein Böser sein?

Es mag Leute geben, die sich in ein virtuelles Cockpit schwingen und einfach nur fliegen und schießen wollen. Für die macht es dann auch keinen Unterschied, für welche Seite sie kämpfen. Wer aber wie dieser Rezensent mit den „Star Wars“-Filmen und ihrer sehr eindeutigen Zeichnung von Gut und Böse aufgewachsen ist, muss erst einmal verdauen, dass er über ein ganzes Spiel hinweg Jagd auf die Freunde von Luke Skywalker & Co. machen soll. Übertreibe ich mit diesem moralischen Dilemma? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, Fakt ist aber, dass ich offenbar so sehr von „Star Wars“ sozialisiert und konditioniert wurde, dass ich mich zwischendurch immer mal wieder unwohl gefühlt habe, als ich diesen Konvoi oder jene Station der Allianz vernichten sollte. Andererseits fällt es mir aber auch in Rollenspielen, in denen man seine Gesinnung frei wählen darf (z. B. „Baldur’s Gate“), schwer, den bösen Weg einzuschlagen.

Ich scheine übrigens nicht allein mit diesem Problem zu sein – immer wieder liest man in Guides und Rezensionen zu „TIE Fighter“ Empfehlungen, wie man es schafft, sich nicht schlecht zu fühlen, wenn man für das Imperium zwischen den Sternen herumdüst. Was ich mit alledem sagen will: Die Prämisse von dieses Spiels gehört wohl zu den nachhaltigsten in der Geschichte der Computerspiele. Und das vor allem auch, weil der LucasArts-Klassiker zu einer Zeit auf den Markt gekommen ist, in der die heute üblichen, ambivalenten Helden längst nicht so verbreitet waren. Oder ist es doch nur eine Frage des Alters (nicht des Spiels sondern des Spielers)? Ich weiß es nicht – ein großer Trost war mir allerdings, dass man gar nicht so selten gegen Verräter in den eigenen Reihen losgeschickt wird. Am Ende hatte ich gefühlt deutlich mehr abgeschossene TIEs als X-Wings in meiner Statistik – und das ist ja auch was.

Wer mit dieser moralischen Zwickmühle leben bzw. vor allem auch mit einem Spiel umgehen kann, dem man sein Alter deutlich ansieht und -merkt, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren. Jeder, der auf Star Wars steht und die lange Zeit mit Abstand großartigsten Spiele aus jenem Universum erleben möchte (denn dazu zähle ich auch „X-Wing“), sowieso.

Gesamteindruck: 6/7


Genre: Weltraum-Flugsimulation
Entwickler:
LucasArts
Publisher: LucasArts
Jahr:
1994
Gespielt auf: PC


Screenshots aus „Star Wars: TIE Fighter“ – Copyright beim Entwickler!

FilmWelt: The Arrival – Die Ankunft

1996 war ein schwieriges Jahr für die Menschheit, musste sich unser geliebter Heimatplanet doch gleich mehrerer Invasionen aus dem All erwehren: „Mars Attacks!“, „Star Trek: Der erste Kontakt“ und „Independence Day“ (übrigens der kommerziell erfolgreichste Film des Jahres) ließen Außerirdische landen, die nicht viel Federlesens mit unserer Spezies machten. Mit einem ähnlichen Thema, allerdings deutlich weniger beachtet, kam im gleichen Jahr auch „The Arrival – Die Ankunft“ mit Charlie Sheen in die Kinos. Finanziell war der Film im Vergleich zu den genannten Blockbustern ein Flop – zu Recht? Oder haben wir es hier mit einem verkannten Geniestreich zu tun?

Gesamteindruck: 3/7


Aliens in Mexiko.

Zunächst ein Wort zum Regisseur: David Twohy hatte bis „The Arrival – Die Ankunft“ 1996 in die US-Kinos kam, einen ganzen („Auf der Flucht“, 1993) und einen halben („Warlock – Satans Sohn“, 1989) Hit – die aber als Drehbuchschreiber. Gleichzeitig listet einer der legendärsten Flops der Filmgeschichte, „Waterworld“ (1995), Twohy als Autor in den Credits. An bekanntem Drehbuchmaterial folgten später „Die Akte Jane“ (1997), „A Perfect Getaway“ (2009) sowie die „Riddick“-Reihe mit Vin Diesel. Auf dem Regiestuhl nahm Twohy für „The Arrival“ hingegen erst zum zweiten Mal überhaupt Platz; sein Debüt „Timescape“, 1992, ist mir bis dato nicht bekannt. Die Karriere des US-Amerikaners ist alles in allem eher unspektakulär – 1996 dürfte er nach dem „Waterworld“-Desaster jedoch dringend einen Erfolg gebraucht haben. Ein Wunsch, der sich mit „The Arrival“ weder kommerziell noch inhaltlich erfüllt hat, so viel sei vorweggenommen.

Worum geht’s?
Im Rahmen des SETI-Programms sucht Radioastronom Zane Zaminsky nach Signalen außerirdischer Zivilisationen. Als er eines Nachts tatsächlich fündig wird, meldet er das pflichtbewusst seinen Vorgesetzten – nur um kurz darauf gefeuert zu werden. Doch das ist nicht das einzige Ungemach, schon bald sieht sich der paranoide Astronom von dunklen Mächten verfolgt. Für ihn ist klar: Etwas ganz Großes soll hier vertuscht werden…

Inhaltlich hat „The Arrival“ gegenüber den eingangs erwähnten SicFi-Hits des Jahres 1996 ein Alleinstellungsmerkmal: Statt möglichst spektakulär die katastrophalen Auswirkungen eines außerirdischen Angriffs zu zeigen, stehen hier Geheimhaltung, Verschwörung und Vertuschung im Mittelpunkt. Freilich gibt es auch dafür ein Vorbild, das Mitte der 1990er sensationelle und bis heute nachhallende Erfolge feierte: „Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI“ geht in in Sachen Vertuschung von Alien-Kontakten in eine ähnliche Richtung (Anmerkung am Rande: Die Staffeln 3 und 4 der Serie um die Agenten Fox Mulder und Dana Scully fallen ungefähr in den Zeitraum, in dem auch „The Arrival“ veröffentlicht wurde).

Die Ausgangsposition vorliegenden Werks entspricht also durchaus dem Zeitgeist der 1990er und setzt gleichzeitig einen klaren Kontrapunkt zu den Zerstörungsorgien anderer Kinofilme. Und doch gibt es ein gewaltiges Problem: „The Arrival“ verfügt über eine Handlung, die man so oder so ähnlich in einer Folge „Akte X“ hätte unterbringen können. Die besten Episoden jener Serie sind – im Gegensatz zu „The Arrival“ – durchgehend spannend, die Charaktere etabliert und die Erklärungen innerhalb ihrer Prämisse logisch und verständlich. Hier haben wir hingegen einiges an Leerlauf, keine starken Figuren und immer wieder hanebüchene Szenen. Erwähnt sei an dieser Stelle außerdem, dass „Akte X“ die deutlich besseren, weil realistischeren Special Effects für sich verbuchen kann (die oben genannten Filme sowieso).

Durchschnittliche Kost.

Die Geschichte um verdeckte Alien-Operationen auf der Erde wäre eigentlich interessant – allerdings ist das Drehbuch kaum geeignet, die Hochspannung, unter der vor allem der Held wider Willen ständig steht, zu transportieren. Alles an „The Arrival“ wirkt schwerfällig und kaum zu Ende gedacht. Schade, denn eigentlich ist der Einstieg sehr gut gelungen – aber irgendwann, vielleicht nach einem Drittel der Laufzeit, hat man das Gefühl, dass David Towhy nicht mehr wusste, wie er weitermachen soll. Das Ergebnis sind teils haarsträubende Prämissen – allein wie es die Hauptfigur schafft, eine geheime Basis in Mexiko zu betreten, ist dermaßen unglaubwürdig, dass es fast schon schmerzt. Aber auch wenn man es schafft, über solche Mängel hinwegzusehen, ist und bleibt „The Arrival“ in Hinblick auf Storytelling, Effekte, Action und Spannung unterdurchschnittlich. Klar, es gibt schlechteres zu sehen – aber dermaßen unspektakulär hätte ich mir den Film eigentlich nicht vorgestellt.

In Hinblick auf die Charaktere kann ich mich zum Abschluss kurz fassen: Die Guten sind wenig sympathisch, den Bösen fehlt es an Charisma. Mehr will mir dazu partout nicht einfallen, keine einzige Rolle in „The Arrival“ ist ansatzweise memorabel, sieht man vom aus heutiger Sicht höchst merkwürdigen Aussehen von Charlie Sheen ab. Dass in einer solchen Misere auch die Schauspieler nicht gerade glänzen, ist logisch und soll hier nur am Rande erwähnt werden.

Ich habe irgendwo gelesen, dass „The Arrival“ von Genre-Fans durchaus goutiert wird. Ich selbst halte mich eigentlich auch für einen solchen – mit diesem Film konnte ich aber sehr wenig anfangen. Das hat nichts mit seiner Prämisse zu tun, wohl aber mit der Qualität der Umsetzung. Und die ist beim besten Willen nicht mehr als 3 von 7 Punkten wert. Das ist eigentlich schon sehr großzügig, noch einmal würde ich mir den Film definitiv nicht ansehen.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: The Arrival.
Regie:
David Twohy
Drehbuch: David Twohy
Jahr: 1996
Land: USA, Mexiko
Laufzeit: ca. 115 Minuten
Besetzung (Auswahl): Charlie Sheen, Ron Silva, Lindsay Crouse, Teri Polo, Richard Schiff, Tony T. Johnson



FilmWelt: Pandorum

Es gibt diese Filme, bei denen man in der ersten Sekunde erkennt, ob sie den persönlichen Geschmack treffen – oder eben nicht. „Pandorum“, eine deutsch-britische (!) Produktion aus 2009 ist einer dieser Fälle, die mich mit der ersten Einstellung gepackt und unbändige Vorfreude in mir ausgelöst haben.

Gesamteindruck: 4/7


Raumkrankheit und Amnesie.

Leider ist „Pandorum“ aber auch einer jener Fälle, die es nicht schaffen, die in den ersten Minuten aufgebaute Erwartungshaltung vollständig zu befriedigen. Schade eigentlich, denn prinzipiell hätte der Film alles, was es braucht, um den geneigten SciFi-Fan zu begeistern: Ein riesiges Raumschiff voller Technik, eine lange Reise zu einem fernen Planeten, mysteriöse Fehlfunktionen, geheimnisvolle Kreaturen, einen Helden wider Willen – und doch gelingt es den Filmemachern nicht, diese hervorragenden Zutaten zu einem wirklich wohlschmeckenden Mix zu vereinen.

Worum geht’s?
An Bord des riesigen Raumschiffs „Elysium“ erwachen zwei Besatzungsmitglieder aus dem Hyperschlaf. Eine Nebenwirkung dieser speziellen Art des interstellaren Reisens ist partieller Gedächtnisverlust: Die Männer wissen zunächst nicht, wer und wo sie sind. Keine idealen Voraussetzungen also, um bevorstehende Aufgaben zu lösen – und die sind gewaltig, denn bald müssen die Astronauten feststellen, dass das Schiff gravierende technische Probleme hat. Und dass sie entgegen ihrer anfänglichen Vermutung keineswegs allein an Bord sind…

Die Idee des unsanften Erwachens aus dem Kälte-, Hyper- oder was-auch-immer-Schlaf ist mittlerweile ja fast ein Klassiker in der Science Fiction. Einer der Ausgangspunkte dürfte wohl „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979) sein. Und auch anderweitig hat sich der deutsche Regisseur Christian Alvart inspirieren lassen: So erinnert die ganze Atmosphäre neben genanntem Standardwerk von Ridley Scott frappierend an „Event Horizon – Am Rande des Universums“ (1997, Regie führte Paul W. S. Anderson, einer der Produzenten von „Pandorum“) und der Videospielreihe „Dead Space“ (ab 2008). Wir haben es hier also mit einer dreckigen und kaputten Zukunft zu tun, die ganz und gar nichts von „Star Trek“-Utopie hat. Umgekehrt habe ich das Gefühl, dass sich „Passengers“ (2016) in Hinblick auf die Handlung sehr stark an „Pandorum“ orientiert haben dürfte, im Vergleich aber geradezu klinisch rein wirkt.

Von der Technik her braucht sich „Pandorum“ auch hinter großen Produktionen nicht zu verstecken: Das von außen sehr hübsche und innen völlig heruntergekommene Raumschiff ist eine hervorragende Kulisse. Die mangelhafte Beleuchtung sorgt für gruseliges Ambiente, flackernde Bildschirme, kaputte Konsolen, Schläuche und Kabel, die aus Wänden hängen – für all das muss man den Verantwortlichen ein großes Lob aussprechen, ebenso für die Kameraarbeit, die den Wahnsinn, der das Schiff befallen hat, gut einfängt (aber auch nichts für Fans ruhiger Darstellungen ist). Der Sound passt sich dem an und sorgt dafür, dass man sich auch als Zuschauer kaum jemals sicher fühlt. Passend zu alledem sind auch die Kostüme bzw. generell die körperliche Darstellung der Figuren, die immer wieder von Blut und diversen Flüssigkeiten bedeckt durch enge Schächte kriechen.

Die Stimmung an Bord der „Elysium“ passt also. Zumindest für den Zuschauer – die Besatzung stolpert hingegen von einem Problem zum nächsten. Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen: Das Drehbuch ist leider ein wenig holprig geraten, was „Pandorum“ letztlich viel vom guten Gefühl kostet, das über Atmosphäre, Ausstattung, Beleuchtung und Ton erzeugt wird. Dabei wären Anfangs- und Endpunkt der Geschichte, die Regisseur Alvart und Drehbuchautor Travis Millroy erzählen, aller Ehren wert. Nur das, was dazwischen liegt, wirkt zeitweise zusammengeschustert, wenig inspiriert und ab und an nicht unbedingt logisch.

Bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Im Wesentlichen ist der Mittelteil von „Pandorum“ mehr Action als Science Fiction – die Protagonisten hetzen von einem Ende der „Elysium“ zum anderen, immer verfolgt von merkwürdigen Gestalten, die ein wenig an die Morlocks aus dem Wells-Klassiker „Die Zeitmaschine“ (1895) erinnern. Dazwischen gibt es immer wieder Dialoge, die zum Teil bemüht-philosophisch daherkommen (es stellt sich die Frage nach dem moralischen Kompass, wenn man einer der letzten Überlebenden der Menschheit ist), im Endeffekt aber nur an der Oberfläche kratzen. Das könnte man wohl verschmerzen, würde sich die Action nicht ziemlich hohl anfühlen – von „Alien“-Intensität kann bei „Pandorum“ jedenfalls nicht die Rede sein.

Und noch einen Punkt möchte ich erwähnen, der mich als Fan solcher Geschichten, wie sie die Inhaltsangabe von „Pandorum“ andeutet, massiv stört: Der Film ist in sich nicht so richtig logisch. Die Erklärungen für das Geschehen sind teils in Ordnung (ich mag es, wie die Crew auf einen Überlebenden trifft, der die Geschichte des Schiffs in die Wand graviert hat), alles in allem macht die Handlung aber nicht sehr viel Sinn. Für mein Gefühl fehlen ein paar erklärende Elemente, etwas, das über ein paar Nebensätze hinausgeht. Und dass einiges von dem, was im Schiff passiert, auf die titelgebende Raumkrankheit „Pandorum“ geschoben wird, ist mir tatsächlich etwas zu billig.

Abschließend noch ein Wort zu den Charakteren: Auch hier gibt es Luft nach oben. Die männlichen Hauptdarsteller Dennis Quaid und Ben Foster spielen ihre Rollen zwar gut, die Figuren selbst sind aber nichts, woran man sich länger erinnert. Ein wenig besser ist es mit der einzigen Frau in einer tragenden Rolle, aber letztlich kann auch Antje Traue nicht darüber hinwegtäuschen, dass Charakterzeichnung keine Stärke von „Pandorum“ ist.

Fazit: Ich hätte mir schlicht und einfach mehr von diesem Film erwartet. Man kann ihn sich selbstverständlich gut ansehen – der letzte Twist hat schon was für sich – und er ist technisch definitiv stark gemacht. Aber im Endeffekt ist er völlig zu Recht weder ein echter („Alien“) noch ein heimlicher bzw. zu seiner Zeit verkannter („Event Horizon“) Klassiker des Genres.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Pandorum.
Regie:
Christian Alvart
Drehbuch: Travis Milloy
Jahr: 2009
Land: UK, Deutschland
Laufzeit: ca. 110 Minuten
Besetzung (Auswahl): Dennis Quaid, Ben Foster, Antje Traue, Cam Gigandet, Cung Le, Eddie Rouse



BuchWelt: Lobgesang auf Leibowitz

Walter M. Miller, Jr.


Ich könnte ad hoc nicht sagen, wie lange ich „Lobgesang auf Leibowitz“ schon auf meinem Stapel ungelesener Bücher (SuB) habe. Gefühlt dürfte es sich sogar um eines der ersten Werke handeln, das ich auf jenen (imaginären) Stoß gegeben habe, seit ich zur arbeitenden Bevölkerung gehöre und mir Bücher in größeren Mengen leisten kann. Nun, im Jahre des Herrn 2021 (um im Duktus der Abtei des Heiligen Leibowitz zu sprechen), habe ich endlich die Zeit gefunden, mich mit diesem gefühlt relativ unbekannten Klassiker der postapokalyptischen Science Fiction zu beschäftigen.

Gesamteindruck: 4/7


Wiederholungstäter.

Vordergründig ist „Lobgesang auf Leibowitz“ eine dystopische Science Fiction-Geschichte und behandelt in drei Teilen den Wiederaufstieg der Menschheit nach einer globalen Katastrophe. Autor Walter Miller geht davon aus, dass sich dieser Prozess in Schritten bzw. Epochen vollzieht, die der Vergangenheit unserer westlichen Zivilisation ähneln: „Fiat Homo“ spielt in einer Art Mittelalter, 600 Jahre nach einem großen Atomkrieg, „Fiat Lux“ wiederum 600 Jahre später in einem Zeitalter, das an die Renaissance erinnert und „Fiat Voluntas Tua“ noch einmal sechs Jahrhunderte später zu Beginn einer neuen Raumfahrt-Ära. Verbindendes Element ist die Arbeit der Mönche in der Abtei des Heiligen Leibowitz, irgendwo in einer Wüste im Südwesten von Amerika.

Worum geht’s?
Nachdem ein Atomkrieg die Erde verwüstet hatte, wurden sämtliche Bücher und Erkenntnisse, die die Katastrophe überstanden hatten, vernichtet. Wissenschaftler wurden ermordet, wo man ihrer habhaft werden konnte – alles, um eine neuerliche nukleare Auseinandersetzung zu verhindern. Ein gewisser Isaac Leibowitz war einer von wenigen, die versuchten, das alte Wissen zu bewahren, wofür er schließlich mit seinem Leben bezahlte. 600 Jahre später hat die Menschheit die Barbarei hinter sich gelassen und der Orden des mittlerweile als Märtyrer verehrten Leibowitz arbeitet daran, die letzten Überbleibsel der alten Zivilisation zu finden und zu bewahren, auf das irgendwann wieder eine Zeit der Erleuchtung folgen möge

Die Prämisse, dass ein christlich-religiöser Orden versucht, so viel wie möglich vom verloren gegangenen Wissen der Menschheit zu bewahren, ist sowohl groß- als auch einzigartig. Und das sage ich nicht nur, weil ich Endzeit-Geschichten generell mag: „Lobgesang auf Leibowitz“ stellt Fragen, die zur Zeit seiner Veröffentlichung relativ selten in der Science Fiction vorgekommen sind, beispielsweise nach dem Verhältnis zwischen Staat, Kirche und Wissenschaft, aber auch nach Segen und Fluch des Fortschritts. Ein großes Alleinstellungsmerkmal sind dabei die wechselnden Rollen, die die sich ändernden Zeiten widerspiegeln: Anfangs ist es ausgerechnet die Kirche, die das tut, was eigentlich Aufgabe der Wissenschaft wäre und die dadurch einen erneuten Aufschwung der Menschheit ermöglicht. Später erkennt niemand außer den Mönchen die Gefahren, die dieses Wissen birgt, wenn es ohne moralischen Kompass zum Einsatz kommt. All das hebt sich sehr stark vom damals üblichen Science Fiction-Roman ab – und ist auch in heutigen Genrebeiträgen alles andere als alltäglich.

Es wäre jedoch zu kurz gegriffen, vorliegendes Werk „nur“ auf Science Fiction zu reduzieren. Neben den von mir beschriebenen moralischen Implikationen stellt das Buch eine zyklische Geschichte vor: Die 1.800 Jahre, die die Handlung abdeckt, spiegeln im Endeffekt die 1.800 Jahre wieder, wie sie vor dem fiktiven Atomschlag – also in unserer Realität – abgelaufen sind. Und dem Leser stellt sich damit die Frage, ob sich die Fehler, die die Menschheit begeht, zwangsweise wiederholen. Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass die Antwort von Walter Miller höchst pessimistisch ausfällt.

Kein überbordender Unterhaltungswert.

Doch auch, wenn ich die dahinterstehende Philosophie begrüßenswert und als hervorragende Anregung zum Nachdenken empfinde: „Lobgesang auf Leibowitz“ ist immer noch ein Roman, der unterhalten soll. Und das ist der Knackpunkt: Während ich „Fiat Homo“ mit großem Vergnügen gelesen habe und auch „Fiat Lux“ empfehlen kann, empfinde ich den finalen Abschnitt über weite Strecken als schwere Kost. Mag sein, dass das mit der Veröffentlichungsweise zu tun hat: Die drei Teile erschienen zwischen 1955 und 1957 als Novellen in einer amerikanischen Science Fiction-Zeitschrift, eine Gesamtveröffentlichung erfolgte erst 1960. Eventuell liegt es daran, dass „Fiat Voluntas Tua“ die Leichtigkeit seiner Vorgänger fehlt.

Letzten Endes sind diese Schwierigkeiten, die ich mit dem finalen Part der Geschichte habe, der Grund für meinen eher durchwachsenen Gesamteindruck. Philosophische Erwägungen sind ja schön und gut – in „Fiat Voluntas Tua“ hatte ich aber über weite Strecken nicht das Gefühl, dass der Autor wusste, wohin er eigentlich mit seiner Geschichte will. Oder, anders ausgedrückt: Die Story ist schon da, sie ist aber relativ dünn und wirkt, als wäre sie nur vorhanden, um eine Entschuldigung für große Philosophie zu haben (der ich ehrlich gesagt nicht sonderlich gut folgen konnte).

Was die Charaktere betrifft, gibt es wenig Grund zur Beschwerde. Vor allem die Hauptfigur in „Fiat Homo“, ein einfacher Mönch, der nicht weiß, wie ihm geschieht, als er plötzlich Artefakte des Heiligen findet, den sein Orden seit Jahrhunderten verehrt, ist dem Autor hervorragend gelungen. Speziell daraus zieht der erste Abschnitt seine leichte Lesbarkeit – Bruder Francis Gerard ist zwar sehr gläubig und bescheiden, gleichzeitig aber auch ein wenig einfältig und tollpatschig. Dieser krasse Gegensatz zur doch recht harten Philosophie macht die Mischung aus und „Fiat Homo“ zu einem echten Lesevergnügen. Derartige Sympathieträger kommen in den anderen zwei Teilen des Romans nicht vor – wobei ich das Hin & Her zwischen Abt Dom Paolo und dem Wissenschaftler Thon Taddeo Pfardentrott in „Fiat Lux“ durchaus goutiere. Der letzte Akt enthält im Gegensatz dazu kaum memorable Figuren, was wohl ein Mitgrund für die schwerere Lesbarkeit sein dürfte.

Alles in allem ist „Lobgesang auf Leibowitz“ ein Werk, das jeder, der sich für postapokalyptische Szenarien interessiert, gelesen haben sollte. Eine Einschränkung gibt es allerdings: Walter Miller beschreibt hier kein großes Bild möglicher Gesellschaftsformen in einer dystopischen Zukunft. Er konzentriert sich auf einen Aspekt (die Erhaltung des Wissens und den Versuch, die Wiederholung alter Fehler zu verhindern), auf den allerdings sehr detailliert. Wer damit umgehen kann und ein gesundes Interesse an philosophischen Erwägungen, die gelegentlich die Story überdecken, hat, kann zu untenstehender Wertung vielleicht einen oder zwei Punkte addieren. Mir persönlich ist das Buch gegen Ende hin zu unfokussiert, sodass der Gesamteindruck nicht über das gehobene Mittelmaß hinauskommt.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Walter M. Miller, Jr.
Originaltitel: A Canticle for Leibowitz.
Erstveröffentlichung: 1955-1957
Umfang: ca. 320 Seiten
Gelesene Sprache: Englisch
Gelesene Version: E-Book

FilmWelt: V/H/S – Eine mörderische Sammlung

Ich habe mir in letzter Zeit abgewöhnt, Filmtrailer anzusehen. Die Inhaltsangabe muss reichen – und manchmal lese ich nicht einmal die zur Gänze durch. Im Falle von „V/H/S“ aus dem Jahr 2012 hätte ich mir jedoch besser eine Vorschau gönnen sollen, denn auf Found Footage hatte ich eigentlich wenig Bock. Kein Wunder, hatte ich doch zum Zeitpunkt, als ich mir diesen Streifen angesehen habe, zu viele ähnlich gemachte Filme in zu kurzer Zeit gesehen. Ein bisschen ist untenstehender Text also auch unter diesem Gesichtspunkt zu lesen – und doch hat „V/H/S“ auch ganz unabhängig davon Probleme, zu überzeugen.

Gesamteindruck: 3/7


Die Meta-Ebene.

Grundsätzlich sehe ich Found Footage und Mockumentaries gern. Allerdings muss man sich – ausgewiesene Fans mögen das anders sehen – vor einer „Überdosis“ hüten: Meiner Erfahrung nach hat man verwackelte Bilder und improvisierte Dialoge relativ schnell satt. Dass „V/H/S“ im Wesentlichen dem entspricht, was seit (1999) in regelmäßigen Abständen, zu Zeiten sogar inflationär, auf die Menschheit losgelassen wird, war mir anhand der Inhaltsbeschreibung allerdings nicht klar – wenn ich das gewusst hätte, hätte ich den Film etwas länger auf meiner Watchlist gelassen.

Abgesehen davon, dass ich anhand der Kurzbeschreibung nicht mitbekommen habe, dass „V/H/S“ dem Found Footage-Genre zuzuordnen ist, war mir auch nicht bewusst, dass es sich dabei im wahrsten Sinne des Wortes um eine „Sammlung“, wie es der deutsche Subtitel so schön beschreibt, handelt. Heißt: „V/H/S“ besteht aus mehreren Kurzfilmen verschiedener Regisseure, die über eine Rahmenhandlung (ebenfalls im Found Footage-Stil) lose miteinander verknüpft sind. Inhaltlich, so viel sei verraten, nehmen die Clips keinen Bezug aufeinander. Und, weil eventuell nicht jeder Interessierte damit rechnet (die Beschreibung liest sich nach Thriller): „V/H/S“ ist ein Horror-Film, der auch und vor allem übernatürliche Phänomene zeigt. Hätte ich all das gewusst, hätte ich den Film wohl etwas länger auf meiner umfangreichen Watchlist gelassen.

Worum geht’s?
Eine Bande von Typen, die sich gerne selbst bei Straftaten filmen, wird von einem Unbekannten angeheuert. Der Job: In ein Haus, in dem nur ein alter Mann wohnt, einzubrechen und dort ein bestimmtes Videoband zu stehlen. Nach längerer Suche in dem heruntergekommenen Anwesen finden die jungen Männer schließlich einen Raum mit diversen Bildschirmen und einem Abspielgerät. Damit wollen sie die richtige Kassette finden – doch der Inhalt der Videos ist höchst verstörend…

Bei einer Bewertung von „V/H/S“ kann man auf drei Bereiche eingehen: Das Gesamtkonzept, die fünf Kurzfilme und die sie verbindende Rahmenhandlung. Am einfachsten scheint mir eine Beurteilung der einzelnen Clips zu sein, die sich die Protagonisten der Rahmenhandlung ansehen und deren Qualität zwischen gut und akzeptabel schwankt. Tatsächlich gelungen finde ich die zwei finalen Filme („The Sick Thing That Happened to Emily When She Was Younger“ und „10/31/98“), die auf deutlich subtileren Horror setzen als der teils recht blutige Rest des Materials. Vor allem „10/31/98“ ist ein spannendes Fundstück, eigentlich würden aber beide auf einen entsprechenden Langfilm neugierig machen (bitte nicht, dabei kommt sicher nichts Gutes raus). Vom Rest empfinde ich „Second Honeymoon“ zumindest als gut gespielt (neben „The Sick Thing…“ der einzige Kurzfilm mit memorablen Charakteren), die übrigen Schnipsel kann man sich gerne ansehen, Meisterwerke sind es allerdings nicht.

Neben diesen fünf Kurzfilmen gibt es eigentlich einen sechsten, der die Rahmenhandlung von „V/H/S“ darstellt. „Tape 56“, so der Titel, bildet den Einstieg in die Geschichte und auch zwischen den einzelnen Clips kehrt der Film immer zu den Einbrechern, die ein Tape suchen, zurück. Wie angedeutet ist die Story eher lose – eigentlich passiert nicht viel mehr, als dass die Protagonisten sich Videos ansehen. Was der Sinn der Sache ist, welches Tape genau gesucht wird und wie der Hausbesitzer überhaupt an das Material gekommen ist, erfährt man nicht. Übrigens endet „V/H/S“ nicht, wie man meinen könnte, mit einem erklärenden Beitrag aus „Tape 56“, sondern relativ unprätentiös mit dem Finale von „10/31/98“. Lediglich gemeinsam mit den Credits werden noch ein paar Szenen der Rahmenhandlung abgespielt (wiederholt). „Tape 56“ selbst ist ein eher nerviger Anfang für „V/H/S“, aber zumindest die Szenen im späteren Verlauf sind in Ordnung. Im Gegensatz zu den restlichen Clips gibt es hier allerdings das Problem, dass die Charaktere nie richtig zu sehen sind, was das Ganze noch flacher und sinnfreier wirken lässt, als es ohnehin schon ist.

Hätte deutlich besser sein können.

Und damit kommen wir zum Gesamtkonzept von „V/H/S“. Ich denke, dass der verantwortliche Produzent Brad Miska grundsätzlich eine gute Idee hatte: Found Footage gibt es häufig – eine Geschichte, in der im Found Footage-Stil, sozusagen auf Meta-Ebene, über das Auffinden und Ansehen solchen Materials berichtet wird, ist schon ein Alleinstellungsmerkmal. Leider zeigt „V/H/S“ aber auch die Probleme auf, die daraus entstehen und von denen ich zwei als verantwortlich für meine moderate Wertung identifizieren würde. Erstens ist die Rahmenhandlung nicht ausgereift: Zunächst gelingt es dem Film gut, Spannung aufzubauen – man möchte als Zuschauer unbedingt wissen, welches Tape gesucht wird, was darauf zu sehen ist, was es mit dem Hauseigentümer auf sich hat und was mit den Einbrechern passiert. Allein: Nichts davon wird erklärt. Dass einem nicht alles vorgekaut wird, ist normalerweise kein Fehler, hier ist es aber so, dass man nicht einmal einen kleinen Hinweis darauf bekommt, was von der ganzen Sache zu halten ist. Wenn man ganz streng ist, könnte man sagen, dass man unbedingt eine Rahmenhandlung gebraucht hat, um die Kurzfilme in dieser Form auf den Markt zu bringen – so richtig scheint aber niemand über mögliche Inhalte nachgedacht zu haben, was an verschwendetes Potenzial grenzt.

Daraus folgt zweitens, dass der Film zu lang ist. Found Footage ist per se anstrengend – das weiß wohl jeder, der mal bei der Geburtstagsparty seiner Tante alte Homevideos ansehen musste. In der Regel können Filme wie „Blair Witch Project“ (1999) oder „Cloverfield“ (2008) das über Handlung und Drehbuch kompensieren, die im Gegensatz zur auf Improvisation getrimmten Technik sehr wohl den üblichen Konventionen der Filmemacherei folgen. Wenn das nicht passiert, ist es eine gute Idee, die Laufzeit so kurz wie möglich zu halten („The Phoenix Tapes ’97“ aus dem Jahr 2016 ist ein solches Beispiel, das allerdings mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen hat). „V/H/S“ dauert ungefähr zwei Stunden, was zu viel ist, weil die Handlung kaum Möglichkeiten bietet, sich festzuhalten. Die einzelnen Filme haben nicht mal ansatzweise miteinander zu tun, sind qualitativ unterschiedlich, die Darsteller sind zu kurz im Bild (oder zu wenig charakterisiert), um sich mit ihnen zu identifizieren – und ein Aha-Erlebnis am Ende (oder vielleicht auch mal zwischendrin) fehlt. Damit ist klar, dass sich die zwei Stunden gelegentlich wie Kaugummi zu ziehen scheinen.

Fazit: „V/H/S“ ist definitiv nur für Found Footage-Fans eine grundsätzliche Empfehlung wert. Alle anderen werden wenig Freude damit haben, sogar, wenn sie z. B. „Blair Witch Project“ tolerabel finden. Wenn ich mich ganz weit aus dem Fenster lehnen möchte, würde ich sagen, dass es besser wäre, die fünf Kurzfilme für sich anzusehen – das geht schneller oder man bestimmt selbst, wie viel man davon ertragen kann. Und ob man die Rahmenhandlung nun mitbekommt oder nicht, macht keinen großen Unterschied. 3 von 7 Punkten lasse ich dennoch springen – es ist ja wie erwähnt nicht alles schlecht, nur das Gesamtkonzept geht einfach nicht so auf, wie es wohl gewollt war.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: V/H/S.
Idee:
Brad Miska
Jahr: 2012
Land: USA
Laufzeit: ca. 115 Minuten
Besetzung (Auswahl): Calvin Reeder, Lane Hughes, Adam Wingard, Helen Rogers, Hannah Fierman, Joe Swanberg



FilmWelt: Forbidden World

Die Überlegungen, welchen Film man sich als nächstes im Streamingdienst seines Vertrauens zu Gemüte führt, treiben oft merkwürdige Blüten. Von Mundpropaganda über Meister Zufall bis hin zu einem bombastischen Trailer oder – ganz profan – einer interessanten Inhaltsangabe kann alles dabei sein. In vorliegendem Fall waren es letzteres sowie die Sternewertung bei Amazon („Forbidden World“ ist zum Zeitpunkt dieser Rezension im Prime Abo kostenlos verfügbar), die mich zum Ansehen dieses mir bis dahin völlig unbekannten Werkes verführt haben.

Gesamteindruck: 2/7


„Wir haben Gott gespielt.“

Zunächst kurz zu den Formalitäten, die Kennern der B-Movie-Szene eventuell bekannt sein dürften: „Forbidden World“ ist einer von mehreren Titeln dieses Science Fiction-Films aus dem Jahr 1982. „Mutant“ und „Subject 21“ sind zwei weitere, die im Übrigen deutlich besser zum Inhalt passen, denn ein „verbotener Planet“ kommt in der Handlung eigentlich nicht vor. Im deutschsprachigen Verleih ist der Film auch als „Mutant – Das Grauen im All“ bekannt. Zu erwähnen ist weiters, dass es, ich vermute, aufgrund verschiedener Ekel- und Nacktszenen, verschiedene Schnittfassungen gibt, die Gesamtlänge schwankt dadurch zwischen 73 und 78 Minuten. Amazon Prime scheint die ungekürzte Ausgabe im Programm zu haben, wenn mich nicht alles täuscht.

Worum geht’s?
Eine isolierte Forschungsstation auf dem Planeten Xerbia sendet einen Notruf in die Galaxis: Ein Experiment ist außer Kontrolle geraten und die Wissenschaftler benötigen dringend Unterstützung bei der Eindämmung. Pilot Mike Colby eilt zu Hilfe – und muss bald feststellen, dass die Forscher eine höchst gefährliche Kreatur geschaffen haben, die sich gegen sie gewandt hat…

Die Story, die Regisseur Allan Holzman und Drehbuchschreiber Tim Curnen (mir persönlich sind beide völlig unbekannt) für ihren Produzenten Roger Corman, seines Zeichens bis heute Spezialist für B-Movies, erzählen, finde ich grundsätzlich gelungen. Wir haben es hier mit solider Science Fiction-Kost zu tun, die so oder so ähnlich zwar schon damals nicht ganz neu war, an deren Eckpunkten man aber kaum etwas aussetzen kann. Im Gegenteil, der kritische Ansatz (Zitat aus dem Film: „Wir spielen hier Gott!“) ist heute sogar aktueller denn je. Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich die Handlung im Großen und Ganzen als eine Variante von „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1951) mit Gore-Effekten, die weit über das hinausgehen, was man dort bzw. im ebenfalls ähnlich gelagerten „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979) zu sehen bekommt. Garniert ist das Ganze mit einer Portion Nacktheit, die keinerlei Relevanz für die Story hat, völlig aufgesetzt wirkt und wohl nur um ihrer selbst Willen eingebaut wurde.

Ein bisschen Ambialenz.

Irgendwo zwischen Soll und Haben würde ich – neben dem Verlauf der Geschichte – zwei Aspekte verbuchen: Zunächst ist „Forbidden World“ – im Rahmen der Möglichkeiten – gar nicht so schlecht gespielt (speziell im Vergleich zu anderen Filmen seiner Preisklasse, wozu auch die jüngsten Produktionen von Roger Corman zählen). Vor allem der leitende Wissenschaftler Dr. Hauser und dessen kettenrauchender Kollege Dr. Timbergen sind durchaus brauchbare Figuren und werden vor allem gut von Linden Chiles bzw. Fox Harris verkörpert. Den Rest der Truppe kann man hingegen gerade noch passable Leistungen attestieren, wobei hierbei wie üblich auch das Drehbuch zu berücksichtigen ist – dazu etwas weiter unten mehr.

Der zweite ambivalente Punkt betrifft die Ausstattung. Die in Teilen einen ausgezeichneten Eindruck, speziell das Innere und Äußere des Raumschiffs in der Anfangssequenz (und auch der Raumkampf) sowie die Forschungsstation stehen teureren Produktionen jener Zeit nicht viel nach. Eine kurze Recherche hat mir gezeigt, dass die Kulissen teilweise für Frühwerke von James Cameron (die ich bis dato noch nicht gesehen habe) zum Einsatz gekommen sein sollen, bei denen ebenfalls Roger Corman als Produzent fungierte. Ähnliches gilt – sogar in noch stärkerem Ausmaß – für die teils ausgesprochen ekelhaften Gore-Szenen, die überraschend realistisch wirken. Die Optik passt also, zumindest was die erwähnten Teile des Films betrifft. Auch hier folgt noch ein „Aber“.

Die Frage ist nun: Reicht das alles für einen brauchbaren Film? Meine diplomatische Antwort: Jein. Eines ist klar: „Forbidden World“ ist ein B-Movie, daran führt kein Weg vorbei. Aber selbst wenn ich das berücksichtige, kann ich die doch sehr hohe Amazon-Wertung (4 von 5 Sternen bei 289 Bewertungen ist schon eine Hausnummer!), die noch höher wäre, gäbe es nicht eine Reihe von Verrissen aufgrund einer mutmaßlich technisch minderwertigen DVD-Veröffentlichung, nicht nachvollziehen. Wer aber ausgewiesener Fan relativ obskurer B-Filme ist, kann wohl den einen oder andere Punkt addieren. Denn eines muss ich auch ganz ehrlich zugeben: Die von mir etwas weiter oben genannten, positiven Features findet man in diesem Segment auch nicht so häufig in dieser Güte.

Ist und bleibt B-Ware.

An sich gibt es ja verschiedene Möglichkeiten, an Budget-Produktionen heranzugehen. Man kann Filme wie diesen entweder als pure Trash-Unterhaltung sehen, man kann aber auch das Improvisationstalent in technischer und inhaltlicher Hinsicht zu schätzen wissen. Egal, wie man es betrachtet – „Forbidden World“ ist meiner Meinung nach ein Werk, das zwischen den Stühlen sitzt. Ein Beispiel ist die Technik: Ich habe etwas weiter oben Effekte und Ausstattung gelobt – das Kreaturen-Design ist hingegen einfach nur billig und schlecht gemacht (und sieht nicht annähernd so aus wie auf dem Film-Cover). B-Movie hin oder her: Das Monster, das die Station terrorisiert, ist alles andere als furchteinflößend, im Gegenteil, es sorgt für unfreiwillige Lacher. Man kann vielleicht schon die Problematik, die sich daraus ergibt, erahnen: „Forbidden World“ wäre eigentlich ein ernsthafter Film. Wenn das Schmunzeln, das sich zwischendurch immer wieder in das Gesicht des Zuschauers schummelt, beabsichtigt war, ist das meines Erachtens misslungen, weil man immer an unfreiwilligen Humor denkt.

Schlimmer sind freilich die Probleme mit Drehbuch und Darstellung. So mag die Story zwar grundsätzlich gut sein, der Film macht aber wenig daraus, das über rohe Gewalt hinaus geht. Die Erklärungen zum fremdartigen Lebewesen machen wenig bis keinen Sinn, die Charaktere verhalten sich unlogisch, die gesamte Geschichte wirkt, als hätte man sie nur deshalb auf Action ausgelegt, weil man nicht recht wusste, wie man die angedeuteten Problemstellungen moralischer Natur angehen sollte. Dazu kommt der gesamte Aufbau, der früh auf den einzelnen Überlebenden und seine Gespielin hinausläuft. Und ja, ich weiß, dass man als Science Fiction-Fan immer wieder über hanebüchenen Unsinn hinwegsehen kann und muss – aber dieses Werk hat leider das Problem, dass man die Tiefgründigkeit, die angedeutet wird, erwartet – und zu keinem Zeitpunkt bekommt.

Nichts für Feminist:innen.

Ein Punkt, bei dem ich nicht recht wusste, wie ich ihn einordnen soll, sind die Frauenrollen in „Forbidden World“. Es mag revisionistisch anmuten, wenn man die Darstellung der beiden Damen per se kritisiert, denn bis weit in die 1980er wurden Frauen auch in großen Produktionen kaum jemals als gleichberechtigte Heldinnen abgebildet; obwohl es durchaus auch abseits der „Alien“-Reihe Ausnahmen gab, immerhin sind beispielsweise die Nebendarstellerinnen in den vor Männlichkeit nur so strotzenden Schwarzenegger-Highlights „Conan der Barbar“ (1982) oder „Predator“ (1987) alles andere als willenlose Püppchen. Ich bin ferner nicht der Meinung, dass jeder Film zwangsweise eine starke weibliche Rolle aufweisen muss. Was aber in „Forbidden World“ gemacht wird, ist schon harter Tobak: Der ach so charismatische Held (in Wirklichkeit finde ich den Charakter nicht sonderlich sympathisch) kommt auf die Forschungsstation, dort gibt es nur zwei weibliche Wesen, die ihm natürlich sofort verfallen, was mit fast schon Porno-artigen „Dialogen“ und entsprechender Mimik und Gestik untermalt wird. Und damit nicht genug: Abseits der nackten Haut beschränken sich die Damen darauf, aus vollem Halse kreischend durch die Station zu rennen, immer in die Arme der sie vermeintlich beschützenden Männer.

Heute wäre eine solche Darstellung – zum Glück – kaum noch möglich, es sei denn in einer Persiflage. Ob „Forbidden World“ eine solche ist, entzieht sich meiner Kenntnis, für mein Gefühl nimmt sich der Film dafür allerdings eine Spur zu ernst (s. o., ich meine damit übrigens keine Ernsthaftigkeit á lá „Alien“, sondern eher die humorlose Leichtigkeit diverser Action-Kracher). Bei einem aktuellen Film müsste es dafür jedenfalls eine massive Abwertung geben, in vorliegendem Falle ist es eine Frage der Sichtweise: Auf einer Meta-Ebene könnte man Filme wie diesen auch als historisches Dokument sehen, als eine Art Zeitzeugnis für die Darstellung von Frauen in Action- und Science Fiction-Filmen bis ins späte 20. Jahrhundert. Denn dafür ist „Forbidden World“ durchaus ein Beispiel, würde ich sagen – und gleichzeitig davon ausgehen, dass die Darstellung von Weiblichkeit im Erscheinungsjahr noch relativ wenig bis keinen Anlass zur Kritik gegeben haben dürfte.

All das ändert freilich nichts daran, dass der Plot insgesamt ohnehin recht dünn ist und die Rollen (bis auf die zwei weiter oben genannten) kaum Charakter besitzen. Damit wenigstens der strahlende Held etwas mehr Charakter bekommen hätte, hätte es wohl einen deutlich stärkeren Gegenpart gebraucht – sei es durch eine etwas tiefgründigere Figur bei den Wissenschaftler:innen (da hätte sich tatsächlich eine der Frauen angeboten) oder durch ein deutlich beängstigenderes Monster. Weil nichts davon vorhanden ist, reicht es bei mir für großzügige 2 von 7 Punkten. Ich habe tatsächlich schon schlechtere Filme gesehen – und in seiner Kategorie macht „Forbidden World“ sowohl technisch als auch in den Grundzügen der Handlung relativ viel her.

Anmerkung am Schluss: Die Filmmusik würde ich fast schon als „kultig“ bezeichnen. 80er-Synthies, die zu merkwürdig anmutenden Bildüberlagerungen wummern – das ist tatsächlich allerfeinstes B-Movie-Material!

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Forbidden World (aka „Mutant“ aka „Subject 20“).
Regie:
Allan Holzman
Drehbuch: Tim Curnen
Jahr: 1982
Land: USA
Laufzeit: ca. 80 Minuten
Besetzung (Auswahl): Jesse Vint, Dawn Dunlap, June Chadwick, Linden Chiles, Fox Harris, Michael Bowen



FilmWelt: Split

Der unlängst von mir hier auf WeltenDing behandelte Horrorfilm „The Visit“ (2015) war vielen Kritikern zufolge die Rückkehr von Regisseur M. Night Shyalaman (u. a. „The Sixth Sense“, „Unbreakable“) zu alter Stärke. Ganz so großartig fand ich jenen Film zwar nicht, aber er war zumindest solide. Ähnliches würde ich auch dem ein Jahr später erschienen „Split“ attestieren.

Gesamteindruck: 4/7


Wir sind viele.

Wie bei den meisten seiner Filme zeichnet der US-Regisseur mit indischen Wurzeln auch bei „Split“ sowohl für Regie als auch Drehbuch verantwortlich. Der geneigte Kenner Shyalaman’scher Filmkunst weiß also ungefähr, was ihn erwartet: Ein Thriller mit düsterer Grundstimmung, ein paar Horror-Elementen und dem einen oder anderen Twist, der für offene Münder sorgt.

Worum geht’s?
Nach einer Geburtstagsparty werden drei Teenager von einem Mann betäubt und entführt. Sie kommen in einem Kellerraum zu sich und stellen bald fest, dass ihr Entführer unter einer dissoziativen Identitätsstörung leidet: Sie haben es also nicht mit einer, sondern einer ganzen Reihe von Persönlichkeiten zu tun. Was ihnen zunächst Angst einjagt, entpuppt sich schließlich als Chance, zu entkommen – denn nicht alle Identitäten sind ihnen feindlich gesinnt

Wie so oft bei Shyalaman ist „Split“ eine Genre-technisch Achterbahnfahrt: Der Film täuscht zunächst eine Mischung aus Teenie-Slasher und Torture Porn an, geht dann in Richtung Psychodrama, nur um gegen Ende mit übernatürlichen Elementen aufzuwarten, die den bis dahin sehr realistisch wirkenden Aufbau ad absurdum führen. Diesen Balance-Akt meistert der Regisseur recht gut, sodass sich Fans seiner Filme mit Sicherheit gut von ihm bedient fühlt. Ich selbst bin nicht ganz so überzeugt, wobei ich vorausschicken möchte, dass „Split“ alles andere als ein schwaches Werk ist.

Die Idee, die dem Film zugrunde liegt, ist gut – wobei man auch klar sagen muss, dass die dissoziative Identitätsstörung (DIS), an der der Protagonist leidet, auch schon in anderen Werken thematisiert wurde (noch häufiger übrigens die ähnlich gelagerte Schizophrenie). Ein wenig Bauchweh hat man bei solchen Dingen natürlich immer, stellen die entsprechenden Filme doch Menschen, die an derartigen Störungen leiden, gerne mal als Verbrecher dar, was die Realität nicht widerspiegelt. Diese Diskussion könnte man freilich über viele filmisch verarbeitete Themen führen, was ich aber hier und jetzt definitiv nicht tun möchte. Klar erwähnt sei jedenfalls, dass „Split“ vor allem am Ende deutlich macht, dass es ein Werk der Fiktion ist und nur am Rande mit der realen DIS zu tun hat.

Ein starker Darsteller.

Den Großteil seiner Faszination zieht „Split“ meiner Ansicht nach aus der starken Leistung von Hauptdarsteller James McAvoy. Den Schotten kennt ein breites Publikum wohl vor allem als die junge Version des eigentlich von Sir Patrick Stewart gespielten Professor X aus diversen X-Men“-Filmen. McAvoy gelingt es sehr gut, die verschiedenen Persönlichkeiten, die sich seiner Figur bemächtigt haben, zu verkörpern – jede davon, die im Film zu sehen ist, hat ihre eigene, sehr spezielle Note, was neben dem Drehbuch vor allem der Leistung des Schauspielers zu verdanken ist. Im Vergleich dazu bleiben die Nebenrollen leider relativ blass. Am besten gefallen hat mir die Rolle der Therapeutin, die sich von ihrem Patienten so weit einlullen lässt, dass sie jede Vorsicht vergisst (gespielt von der eher selten in Hollywood-Produktionen zu sehende Betty Buckley), der Rest des Ensembles (bzw. der von ihnen gespielten Charaktere) fällt eher unter „ferner liefen“. Vor allem die drei gefangenen Mädels habe ich als reinstes Klischee empfunden (ja, alle drei!).

Dass der Film vor allem von seiner Hauptfigur lebt, bedeutet in diesem Fall leider nichts Gutes für Drehbuch und Handlung. Ganz so schlimm, wie das im ersten Moment klingt, ist es natürlich nicht – ein besseres Prädikat als „solide“ würde ich „Split“ jedoch nicht verpassen wollen. Dabei sehe ich, wie so oft, nicht den einen, großen Fehler, sondern es ist eher die Summe an Kleinigkeiten, die den Gesamteindruck nach unten ziehen. Ein Beispiel sind die Dialoge, die zwischen gut (wenn der Protagonistin von seiner Therapeutin befragt wird oder wenn sein kindliches Ich mit einer seiner Gefangenen verhandelt) und belanglos schwanken. Ähnlich ist es mit dem Drehbuch: Man hat das Gefühl, dass der Regisseur sich nicht entscheiden konnte, welches Tempo er seinem Film verpassen wollte. Die Diskrepanz zwischen ruhigem Aufbau und der unvermittelt schnellen Action im letzten Abschnitt hat mich jedenfalls etwas ratlos zurückgelassen.

Verlässt sich sehr auf den letzten Twist.

Was die Handlung betrifft, kann ich die ganz großen Lobeshymnen ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Ab und an kommt schon Spannung auf, weil man aber relativ früh im Film erfährt, worunter die Hauptfigur leidet, ist zumindest in dieser Hinsicht kein Aufreger dabei. Meist geht es also um die Versuche seiner drei Opfer sich zu befreien – entweder selbst oder indem sie sich seiner Persönlichkeiten bedienen, die ihnen zum Teil gewogen sind. Ersteres ist, mit Verlaub, ziemlich langweiliges Standardprogramm. Die Verhandlungen mit den anderen Identitäten sind hingegen ganz gut gelungen – so richtig befriedigend empfand ich sie aber nicht, hatte eher das Gefühl, dass in dieser Hinsicht deutlich mehr möglich gewesen wäre. Schade eigentlich: Im Allgemeinen hat man bei „Split“ fast durchgehend den Eindruck, dass der Film nicht mit ganzer Konsequenz zu Ende gedacht wird. Alles wirkt so, als hätten gute Ideen etwas mehr Zeit zum Reifen benötigt.

Letzten Endes haben mir zwei Szenen so gut gefallen, dass „Split“ bei mir trotz allem noch eine passable Wertung bekommt: Einmal findet eines der Mädchen eine Aufzeichnung, in der sich verschiedene Persönlichkeiten des Protagonisten zu Wort melden – das ist spannend und zeigt, dass das Potenzial deutlich höher gewesen wäre. Der zweite Wohlfühlfaktor ist natürlich der finale Twist, auf den sich der ganze Film sehr stark zu verlassen scheint. Und ja, es stimmt, der allerletzte Take schlägt wirklich ein wie eine Bombe (zumindest bei denen, die einen bestimmten, älteren Film von M. Night Shyalaman kennen). Zwar meine ich, irgendwo im Hinterkopf eine kleine Stimme gehört zu haben, die mir weismachen wollte, dass bewusste Szene ein wenig aufgesetzt wirkt (als hätte man gewusst, dass der Film ohne sie vielleicht nicht so lang in Erinnerung bleiben würde), aber dieses Stimmchen kann man auch gut ignorieren.

Fazit: Vier Punkte für einen Film, der gut und solide ist, sein Potenzial für mein Gefühl aber zu keinem Zeitpunkt so richtig abrufen kann. Die Fantasy-Elemente im letzten Drittel muss man erst einmal verdauen, aber in Anbetracht des letzten Twists machen sie schon Sinn. Ohne den wären sie hingegen vollkommen fehl am Platze gewesen, was mir als Zuseher übrigens die ganze Zeit im Kopf herumgespukt ist und vielleicht auch minimalen Einfluss auf die Gesamtwertung hat.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Split.
Regie:
M. Night Shyamalan
Drehbuch: M. Night Shyamalan
Jahr: 2016
Land: USA
Laufzeit: ca. 120 Minuten
Besetzung (Auswahl): James McAvoy, Anya Taylor-Joy, Betty Buckley, Haley Lu Richardson, Jessica Sula, Bruce Willis



FilmWelt: Das Werwolfspiel

Manche Rezensenten scheinen mit einer falschen Vorstellung an diesen Film heranzugehen: Das titelgebende Werwolfspiel existiert wirklich – dabei handelt es sich, genau wie im Film dargestellt, um ein Rollen-/Gesellschaftsspiel, in dem Mitspieler identifiziert werden müssen, die die Rolle eines Werwolfs zugelost bekommen haben. Es gibt also keinen Grund, enttäuscht zu sein, wenn in „Das Werwolfspiel“ niemandem bei Vollmond Haare und lange Zähne wachsen.

Gesamteindruck: 2/7


Die Werwölfe vom Wienerwald.

Wenn man noch nie etwas von vorliegendem Streifen gehört hat, ist das nicht verwunderlich. „Das Werwolfspiel“ ist eine Low Budget-Produktion aus Österreich, für Regie und Drehbuch zeichnet Johanna Rieger verantwortlich, die auch eine der Hauptrollen spielt. Dass ich selbst – durchaus mit einer Affinität zu Indie-Kram ausgestattet – überhaupt darauf aufmerksam geworden bin, hat vor allem mit dem eingangs erwähnten Spiel zu tun: Ich bin gelegentlicher Teilnehmer bei einer Online-Variante, habe auf der Suche nach neuen Spielerrunden gegoogelt und irgendwo in den Untiefen der Suchmaschinenergebnisse war vorliegender Film vertreten. Anders hätte ich ihn wohl nie entdeckt – er ist zum Zeitpunkt dieser Rezension im Prime-Abo von Amazon enthalten, dort aber so gut versteckt, dass wohl nicht allzu viele User zufällig darüber stolpern dürften.

Worum geht’s?
In einem abgelegenen Haus im Wald treffen sich einige ehemalige Schulkameraden erstmals nach vielen Jahren wieder. Geplant ist eine Partie des Rollenspiels „Die Werwölfe von Düsterwald“. Schon nach wenigen Minuten reißen alte Gräben wieder auf – und Realität und Spiel beginnen sich zusehends zu vermischen…

Wer „Das Werwolfspiel“ allen Widrigkeiten zum Trotz findet, sieht einen Film, der sehr speziell ist, so viel kann man zumindest festhalten. Zunächst das Positive: Die Idee, ein eigentlich harmloses Gesellschaftsspiel in eine Art Slasher zu verwandeln, in dem die Beteiligten nach und nach auch in der Realität dezimiert werden, ist gut. Vielleicht sogar einzigartig – zumindest fällt mir aus dem Stegreif kein Film ein, der dieses Thema hat. Dass dahinter eine Art Rache-Geschichte steckt, ist zwar vorhersehbar, aber durchaus legitim und damit keineswegs negativ. Ein zweiter Pluspunkt ist die musikalische Untermalung, die ausgezeichnet zu Idee und Schauplatz passt (letzterer ist übrigens ebenfalls gut gewählt und für den Film adaptiert).

Mehr kann ich aber leider nicht im Haben verbuchen. Im Gegenteil, „Das Werwolfspiel“ hat mit grundlegenden Schwierigkeiten zu kämpfen. Am leichtesten ist noch über die Tonprobleme hinwegzusehen, die speziell am Anfang des Filmes verhindern, dass man die eröffnenden Dialoge versteht. Interessanterweise macht sich diese Problematik, die ich auf das angespannte Budget zurückführe, nur beim Ton, nicht aber in der Optik bemerkbar. Gravierender und für den schwachen Gesamteindruck ausschlaggebend sind aber ohnehin andere Probleme – die aus meiner Sicht gröbsten betreffen Handlung und Drehbuch, Charaktere sowie die Darsteller.

Grundsätzliche Schwierigkeiten.

Beginnen wir vielleicht mit den Darstellern. Mir ist natürlich klar, dass ein Film wie „Das Werwolfspiel“ gewisse Grenzen hat, was die Besetzung betrifft. Ich möchte den Schauspielern (von denen mir übrigens kein einziger bekannt vorher bekannt war) auch überhaupt nicht zu nahe treten, aber das, was hier geboten wird, tut dem Film wahrlich keinen Gefallen. Das beginnt bei unbeholfen wirkenden Bewegungsabläufen und findet in der über weite Strecken unnatürlichen Sprechweise seinen Höhepunkt. Die Darsteller scheinen immer wieder zu vergessen, dass sie vor einer Fernsehkamera stehen – und nicht auf einer Theaterbühne. Nicht alle, wohlgemerkt, aber im Großen und Ganzen ist „Das Werwolfspiel“ völlig übertrieben gespielt und intoniert, was den Film unfreiwillig komisch macht. Beides ist bei deutschsprachigen (also nicht synchronisierten) Serien der jüngeren Vergangenheit übrigens immer mal wieder ein Kritikpunkt (jüngst z. B. bei „Tribes of Europa“), aber so eklatant ist es mir noch nie untergekommen. Zur Ehrenrettung der Mimen sei gesagt, dass ich vermute, dass sie auch mit den eher angerissenen als ausführlich gezeichneten Charakteren zu kämpfen hatten. Die Figuren sind so angelegt, dass man als Zuschauer schon eine gewisse Tiefe hineininterpretieren könnte – ein Vergnügen ist das in diesem Falle aber nicht, wenn ich ganz ehrlich sein soll. Zu vieles bleibt angedeutet und zweideutig, allerdings nicht auf eine gute Art.

Leider können Handlung und Drehbuch diese Probleme nicht kaschieren. Im Gegenteil – „Das Werwolfspiel“ wirkt, als hätte die Regisseurin nicht gewusst, was sie mit ihrer guten Idee machen soll – eine Geschichte ist höchstens in Andeutungen vorhanden. Und selbst die sind verwirrend und in sich nicht schlüssig, sodass der Film zu keinem Zeitpunkt richtig in flow kommt. Ich habe mir jedenfalls sehr schwer getan, die Hintergründe zu durchschauen. Nun kann man sagen, dass das auch in großen Produktionen ab und an so ist, oft auch mit Absicht, weil der Weg sozusagen das Ziel ist. Wenn das hier die Absicht gewesen sein sollte, ist das leider völlig misslungen und der Film wirkt zerfahren bzw. nicht zu Ende gedacht. Ein bisschen mag das sogar mit dem dilettantisch anmutenden Schnitt zu tun haben, der eine Abgrenzung gewisser Szenen nicht sauber hinbekommt. Und: Wie der „Werwolf“ es letztlich schafft, seine Morde zu begehen, bleibt ein ebenso großes Rätsel wie das Wieso. Die Puzzleteile fügen sich am Ende einfach nicht befriedigend zusammen.

Gerade letzteres ist meines Erachtens das größte Manko von „Das Werwolfspiel„. Ich habe ja mehrfach das schmale Budget angesprochen – die Einschränkungen und Abstriche, die das mit sich bringt, sind mir zwar nicht im Detail bekannt, mir ist aber klar, dass daraus mannigfaltige Schwierigkeiten entstehen. Dennoch gibt es – auch für Zuseher, die grundsätzlich zu schätzen wissen, dass es Filme wie diesen gibt – eine gewisse Grenze für die Qualität (die ist gerade im Independent-Bereich übrigens meist inhaltlicher und kaum jemals technischer Natur). „Das Werwolfspiel“ hangelt sich an diesem Bereich (eigentlich ist es ja keine scharfe Grenze) entlang, hat neben der Idee durchaus seine Momente und ist zwischendurch immer mal wieder spannend. Leider fehlt am Schluss der so wichtige Moment der Erkenntnis, der alle anderen Probleme, die ich genannt habe, vergessen machen würde. Weil der letzte Twist nicht (oder nicht gut) kommt, summieren sich die großen und kleinen Mängel soweit, dass ich beim besten Willen nicht mehr als 2 von 7 Punkten geben kann.

Wer jeden österreichischen Film gesehen haben muss, kann natürlich einen Blick riskieren – alle anderen, egal ob Fans der „Werwölfe von Düsterwald“ oder nicht, sollten es sich zweimal überlegen, bevor sie hier 1 1/2 Stunden ihres Lebens investieren.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Das Werwolfspiel.
Regie:
Johanna Rieger
Drehbuch: Johanna Rieger
Jahr: 2013
Land: Österreich
Laufzeit: ca. 95 Minuten
Besetzung (Auswahl): Johanna Rieger, Anton Frisch, Markus Zett, Stefanie Frischeis, Rita Hatzmann



FilmWelt: Under the Skin

In der deutschsprachigen Fassung trägt „Under the Skin“ den Subtitel „Tödliche Verführung“. Die Intention scheint klar: Hauptdarstellerin Scarlett Johansson ist zweifellos verführerisch, was sich definitiv besser für die Promotion eignet als der vergleichsweise schwierige Inhalt des Werks. Dennoch – oder gerade deshalb – empfinde ich den deutschen Titel als völlig unpassend, unterstellt er der namenlosen Protagonistin doch eine Intention, die in diesem Sinne gar nicht im Film vorkommt.

Gesamteindruck: 4/7


„Akte X“ für die Kunstgalerie.

„Under the Skin“ ist nicht zu verwechseln mit dem französischen Film „In My Skin“ (2002), den ich unlängst hier auf WeltenDing behandelt habe. Wobei es trotz höchst unterschiedlichen Inhalts tatsächlich Gemeinsamkeiten gibt, wenn man es genau betrachtet: In beiden Werken spielt eine rätselhafte Frau die Hauptrolle, der Anteil an Nacktszenen ist ähnlich hoch (und ähnlich unaufdringlich bzw. künstlerisch in der Darstellung), die Handlung ist hüben wie drüben kaum zu erahnen – und bei beiden Filmen dürfte die Machart einer breiteren kommerziellen Verwertbarkeit entgegenstehen. Wobei letzteres bei vorliegendem Werk aufgrund der bekannten Hauptdarstellerin deutlich einfacher gewesen sein dürfte.

Worum geht’s?
Eine dunkelhaarige und namenlose Schönheit ist in ihrem Lieferwagen in Glasgow und Umgebung unterwegs. Dabei spricht sie wahllos Männer an und versucht, sie zum Mitfahren zu überreden. Lässt sich ein Unglücklicher darauf ein, bringt sie ihn in ein heruntergekommenes Haus, das er nie mehr verlässt…

Es ist mir nicht leicht gefallen, die Handlung von „Under the Skin“ zusammenzufassen. Und im ersten Moment mag das, was in meiner sehr kurzen Inhaltsangabe steht (viel mehr passiert wirklich nicht!), auch tatsächlich nach der eingangs kritisierten „Tödliche Verführung“ klingen. Dem ist aber nur bei oberflächlicher Betrachtung so; in Wirklichkeit ist das namenlose Wesen nicht von (Mord-)Lust oder ähnlichen Begierden getrieben, sondern scheint einzig und allein seinem Instinkt (oder seiner Programmierung?) zu folgen. Platz für positive oder negative Gefühle gibt es dabei nicht. Darum wäre es meiner Meinung nach ausreichend gewesen, den Film auch im deutschsprachigen Verleih entweder nur „Under the Skin“ oder eben „Unter der Haut“ zu nennen, weil das den Kern der Sache deutlich besser trifft – dreht sich das Werk doch um die Frage, was sich unter dem optisch so verführerischen Äußeren verbirgt.

Ähnlich schwierig wie die Beschreibung der Handlung ist die Frage nach dem Genre zu beantworten. Am ehesten würde ich „Under the Skin“ als Mischung aus Science Fiction, Mystery und Horror bezeichnen; ich denke, etwas gestrafft hätte der Film auch eine gute „Akte X“-Folge abgeben können. Zumindest was Handlung und Inhalt angeht – ein ganz anderes Thema ist die technische Ausführung: „Under the Skin“ ist eine Mischung aus traditioneller Kameraarbeit und einem weit größeren Anteil an Szenen, die teilweise mit Hand- und versteckten Kameras gedreht wurden, was für einen ganz eigenen Touch sorgt. Mit einer klassischen Mockumentary oder einem Found Footage-Film haben wir es aber nicht zu tun, denn es gibt keine Protagonisten, die die Kameras bedienen. Ich denke, dass Regisseur Jonathan Glazer mit seiner Herangehensweise ein Gefühl von Unmittelbarkeit und Spontanität erzeugen wollte. Das ist ihm meines Erachtens gut gelungen, die Atmosphäre (auch in Verbindung mit dem Soundtrack, der an Horrorfilme der 1960er und 70er Jahre erinnert) ist sehr speziell und mir fällt auf Anhieb kein Film mit einer ähnlichen Stimmung ein.

Im Haben ist schließlich auch die Leistung von Scarlett Johansson zu verbuchen, deren Marvel-Karriere zu jener Zeit bereits gestartet war. „Under the Skin“ wird komplett von ihrer intensiven Darstellung einer mysteriösen Figur getragen. Bemerkenswert auch der Wandel, den die Protagonistin im Laufe des Films erfährt: Anfangs noch völlig emotionslos und gerade deshalb so beunruhigend und verstörend, wird sie im Laufe der Handlung zusehends zerbrechlicher und schafft es schließlich sogar, echte Sympathien beim Zuseher zu wecken. Dass die US-Schauspielerin das dermaßen gut hinbekommt, liegt zwar auch am Drehbuch – dennoch muss man den Hut vor ihrer Leistung ziehen, „Under the Skin“ war mit Sicherheit kein einfacher Film für sie.

Handlung glänzt durch Abwesenheit.

Dass ich trotz der genannten Punkte nicht ganz überzeugt bin, liegt an der Handlung. Beziehungsweise an der fast völligen Abwesenheit einer solchen. Vielleicht war die Entwicklungszeit – Wikipedia nennt hier zehn (!) Jahre – dann doch etwas zu lang und die Drehbuchautoren Jonathan Glazer und Walter Campbell haben sich verzettelt? Ich kenne die Vorlage nicht („Under the Skin“ soll auf einem gleichnamigen Roman aus dem Jahr 2000 basieren, dessen Inhaltsangabe aber zeigt, dass sich der Film nur sehr lose daran orientiert), es würde mich aber wundern, wenn das Buch auch dermaßen handlungsarm wäre.

Im Wesentlichen beobachten wir die Protagonistin, wie sie mehrfach Männer in ihr Haus bringt, wo sie in einer merkwürdigen Flüssigkeit zu versinken scheinen. Diese Szenen – und vorher der Versuch, ein Opfer zu finden – laufen immer ähnlich ab, wodurch das Gefühl eines künstlich in die Länge gezogenen Films entsteht. Ich habe oben ja „Akte X“ erwähnt und bleibe dabei: Die Handlung von „Under the Skin“ hätte man in einer Folge jener Serie deutlich gestrafft unterbringen können (den künstlerischen Ansatz zugegebenermaßen nicht). Neben den Längen, die eben daraus entstehen, gibt es ein weiteres Problem: Der Film erklärt – nichts. Weder erfahren wir, was die Protagonistin ist, noch, was es mit dem Motorradfahrer auf sich hat, der offenbar hinter ihr aufräumt – oder wieso sie plötzlich an ihrer Mission zu zweifeln beginnt. Ja, nicht mal, ob sie überhaupt eine „Mission“ hat, wird klar.

Nicht falsch verstehen: Ich kann grundsätzlich schon was mit Filmen anfangen, die dem Publikum ein breites Feld an Interpretationsmöglichkeiten bieten. Darum fand ich „In My Skin“ (kein Verschreiber!) gar nicht so schlecht, wie es viele Bewertungen suggerieren würden. Was mir als Zuschauer aber in „Under the Skin“ abverlangt wird, ist dann doch etwas zu viel des Guten. Fast schon paradox ist, dass der Film tatsächlich nachwirkt: Seine Atmosphäre ist so eigenartig, dass man sich immer wieder dabei ertappt, Scarlett Johannson im eigenen Kopfkino zu beobachten. Aber bei mir war es wirklich nur dieser künstlerische Aspekt, der mich tatsächlich beeindruckt hat. In Hinblick auf die Handlung habe ich mich hingegen mehrfach gefragt, ob die Verantwortlichen vielleicht selbst keine Ahnung hatten, welche Geschichte sie erzählen wollten. Kurz: „Under the Skin“ lässt den Zuseher völlig allein, es gibt praktisch nichts, an dem man sich festhalten oder entlangtasten kann.

Schwer zu bewerten.

Wie soll man das nun bewerten? Nun, ich kann die Begeisterung jener Kritiker verstehen, die den künstlerischen Aspekt loben. Wer sich auf eine sehr spezielle Reise begeben möchte und massentauglichere Sehgewohnheiten ablegen kann, wird mit diesem unkonventionellen Film wohl seine Freude haben (ein wenig Science Fiction-Affinität muss man aber schon mitbringen, denke ich). Auch, dass die von Jonathan Glazer geschaffene Atmosphäre, also die Kombination aus Bild, Ton und Schauspiel, länger nachwirkt, als man bei einem so handlungsarmen Werk meinen könnte, würde ich definitiv positiv bewerten.

Auf der anderen Seite ist „Under the Skin“ kein isoliertes Nischenprodukt. Klar, ein Hollywood-Blockbuster ist es nicht, aber wir haben es dennoch mit einem Film zu tun, der auch auf ein Publikum außerhalb der, ich nenne sie mal so, Kunstszene trifft. Für ein solches ist er meines Erachtens nur bedingt geeignet – muss er auch nicht sein, dennoch kann und darf man ihn auch diesem Blickwinkel beurteilen. Ich selbst sitze in dieser Hinsicht ein wenig zwischen den Stühlen: Ich weiß die Atmosphäre, die „Under the Skin“ umgibt, durchaus zu schätzen. Aber, es tut mir leid, Freunde der hohen Kunst, ich kann einfach nicht ganz aus meiner Haut (höhö…) heraus: Ein Film soll auch unterhalten, auf welche Weise auch immer. Dieser hier tut das nur bedingt.

Fazit: Vier von sieben möglichen Punkten für einen Film, der so einzig- und eigenartig ist, wie kaum ein zweiter. In manchen Gemütslagen würd ich wohl 6/7 geben, in manchen nur 2/7. Das sagt eh schon alles – oder nichts?

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Under the Skin.
Regie:
Jonathan Glazer
Drehbuch: Jonathan Glazer, Walter Campbell
Jahr: 2013
Land: Großbritannien
Laufzeit: ca. 105 Minuten
Besetzung (Auswahl): Scarlett Johansson, Joe Szula, Kryštof Hádek, Adam Pearson, Dave Acton, Michael Moreland