SerienWelt: The Man in the High Castle – Staffel 1

„The Man in the High Castle“ basiert auf der gleichnamigen Erzählung von Philip K. Dick aus dem Jahre 1962. In der von Amazon produzierten Serie ist häufig recht holprig vom „Mann im hohen Schloss“ die Rede, der Roman erschien im deutschsprachigen Raum hingegen unter dem Titel „Das Orakel vom Berge“. Die Serie besteht aus vier Staffeln, die zwischen 2015 und 2019 erstmals ausgestrahlt wurden. In dieser Rezension behandle ich Staffel 1 aus dem Jahr 2015.

Gesamteindruck: 6/7


Spannendes Alternativwelt-Szenario.

In meiner Rezension zum Buch „Das Orakel vom Berge“ habe ich es schon geschrieben: Eine alternative Realität, in der die Geschichte ganz anders abgelaufen ist, als wir sie kennen, ist eine reizvolle Idee. Den Roman von Philip K. Dick finde ich gut, umso gespannter war ich, wie das eher philosopophisch-nüchterne Werk für ein audio-visuelles Medium umgesetzt werden würde. So viel sei vorweg genommen: Die erste Staffel von „The Man in the High Castle“ hat meine Erwartungen tatsächlich erfüllt, auch wenn nicht alles perfekt ist.

Inhalt in Kurzfassung
Das Deutsche Reich und das Japanische Kaiserreich haben den 2. Weltkrieg gewonnen. Die ehemaligen USA stehen unter Verwaltung der Achsenmächte – die Japaner regieren die Westküste, die Nazis den Westen, dazwischen liegt eine neutrale Zone. Beide Siegermächte herrschen mit Willkür, oft auch mit Brutalität, wenig verwunderlich also, dass sich Widerstand regt. Und dann gibt es da noch merkwürdige Filmrollen, die eine alternative Realität zu zeigen scheinen, eine Welt, in der der Krieg ganz anders ausgegangen ist…

Wer „Das Orakel vom Berge“ gelesen hat, wird anhand der Inhaltsangabe vermuten, dass sich die Serie relativ nahe an der Vorlage orientiert. Zumindest in gewissen Aspekten – sieht man genauer hin, merkt man beispielsweise schnell, dass es doch recht große Unterschiede gibt. Nichtsdestotrotz schafft die Serie eine hervorragende Atmosphäre, die meines Erachtens genau das Amerika zeigt, das Dick in seinem Roman beschreibt. Das betrifft die Figuren (die selbstherrlichen und sich stets überlegen fühlenden Nazis, die zurückhaltenden und verschlossenen Japaner, die zwischen Hoffnungslosigkeit und Trotz schwankenden Amerikaner), aber auch die gesamte Umgebung. Letztere zeigt eine interessante Mischung aus heruntergekommenen Gegenden, in denen die verarmte Bevölkerung ihr Dasein fristet und den luxuriösen Verwaltungsgebäuden der Besatzer. Vor allem die bombastisch-bedrückenden Nazi-Bauwerke stehen in starkem Kontrast zum 1960er-Feeling. Ich würde sogar sagen, dass die Serie durch ihre visuellen Möglichkeiten dem Buch in dieser Hinsicht überlegen ist, das aber auch, weil Philip K. Dick ein eher philosophischer Autor war, der wenig Wert auf Außenbeschreibungen gelegt hat. Umso erstaunlicher, was die Serien-Macher hier geleistet haben.

Freilich gibt es, wie angedeutet, auch gravierende Unterschiede zum Buch, auf die ich aber nicht allzu sehr eingehen möchte. Gesagt sei, dass die Story nur sehr rudimentär auf den Ereignissen des Romans basiert. Letztlich muss man konstatieren, dass die Geschichte in weiten Teilen vollkommen anders abläuft, was aber nicht zwangsweise bedeutet, dass die Serie schlecht ist. Im Gegenteil – wer sich darauf einlassen kann und nicht ständig Vergleiche mit dem Buch zieht (wobei fraglich ist, ob überhaupt ein nennenswerter Teil des Serienpublikums „Das Orakel vom Berge“ gelesen hat), darf sich auf spannende und unterhaltsame 10 Stunden freuen.

Kleinere Kritikpunkte.

Zwei Kritikpunkte habe ich aber dennoch: Erstens hat man des Öfteren das Gefühl, dass die Showrunner versucht haben, viel zu viele Ideen unterzubringen. Eventuell war ursprünglich nur eine Staffel geplant und man wollte deshalb so viel wie möglich umsetzen? Ich weiß es nicht, aber teilweise entsteht dadurch ein regelrecht gehetzt wirkendes Erzähltempo. Damit geht der zweite Punkt einher: Die Hauptfiguren müssen häufig in hoher Schlagzahl ein Problem nach dem anderen lösen und wechseln dabei auch mal munter ihre Ausrichtung. Ihnen passiert einfach zu viel, sodass man einerseits die Glaubwürdigkeit in Frage stellt, andererseits tatsächlich Probleme hat, einen echten Sympathieträger zu identifizieren.

Dennoch: Die erste Staffel von „The Man in the High Castle“ ist gutes Handwerk, bietet ein tolles Setting und ist spannend, kurz: Hier bekommt man alles, was man von einer modernen Serie erwarten darf. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie es in Staffel 2 weitergeht.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: The Man in the High Castle
Idee: Frank Spotnitz
Land: USA
Jahr: 2015
Episoden: 10
Länge: ca. 50-60 Minuten
Gesehen auf: Amazon Prime Video
Haupt-Besetzung: Alexa Davalos, Rupert Evans, Luke Kleintank, DJ Qualls, Rufus Sewell, Cary-Hiroyuki Tagawa, Joel de la Fuente, Brennan Brown, Carsten Norgaard



 

SerienWelt: Lost In Space (ab 2018) – Staffel 2

Staffel 1 von „Lost in Space“ (ein Remake einer TV-Serie der 1960er, weiterführende Links dazu gibt es in der entsprechenden Rezension) hatte meines Erachtens an mehreren Fronten mit Problemen zu kämpfen. Trotz eines vielversprechenden Starts schaffte es die Serie um eine im Weltraum gestrandete Familien nicht, nachhaltig zu begeistern – das Drehbuch war über weite Strecken hanebüchen, es war praktisch unmöglich, sich mit den Figuren vernünftig zu identifizieren und weite Teile der Präsentation waren ein einziges Klischee. Dennoch hoffte ich auf Besserung in Staffel 2 – ob sich die Hoffnung erfüllt hat oder woran es diesmal hakt, versuche ich in folgender Rezension herauszuarbeiten.

Gesamteindruck: 3/7


Keine Besserung in Sicht.

Ja, das Drama. Es ist aus modernen Serien nicht wegzudenken. Egal, ob das Genre nun Science Fiction (Star Trek: Picard), Fantasy (Game of Thrones), Horror (Spuk in Hill House) oder …ähem… Drama („Das Boot“) heißt – immer haben die Figuren neben ihrer meist sehr klassischen Mission (der Kampf gegen das Böse, die Rettung der Menschheit, der Welt, der Galaxis oder des Friedens) mit einer Vielzahl an privaten Problemen zu kämpfen. Ich bin beileibe kein Gegner dieser Herangehensweise, hat sie uns doch in vielen Fällen einen bisher im Serienbereich nicht gekannten Tiefgang beschert. Dennoch: Es gelingt manchmal besser, manchmal schlechter, komplexe persönliche Beziehungen darzustellen. „Lost in Space“ zeigt leider auch in Staffel 2, wie es nicht geht.

Inhalt in Kurzfassung
Einige Monate nach den Ereignissen von Staffel 1 sitzt die Familie Robinson gemeinsam mit Erzfeindin Dr. Smith und Techniker/Schmuggler/Soldat Don West nebst Huhn Debbie auf einem lebensfeindlichen Planeten fest. Ihrem Raumschiff fehlt es an Energie, sodass ein Entkommen unmöglich scheint – bis sie ein Naturphänomen entdecken, dass die Lösung ihrer Probleme sein könnte.

Freilich liegen die Schwierigkeiten der Serie nicht darin, dass sie die brave und nette Familie aus den 1960ern mit Ecken und Kanten versieht. Zumindest nicht vordergründig – sieht man genauer hin, merkt man hingegen recht schnell, dass der in „Lost in Space“ laufend zelebrierte Familienzwist großteils Fassade ist und, wenn es gerade ins Drehbuch passt, geflissentlich ignoriert wird. Für mein Gefühl will man die Robinsons gar nicht als zerstrittene und dysfunktionale Familie darstellen, „muss“ es aber tun, um modernen Anforderungen an eine Serie gerecht zu werden. Das Ergebnis ist ein ständiges Auf und Ab aus Streit und Versöhnung, aus „wir haben uns alle lieb“ und „wir gehen uns ganz fürchterlich auf die Nerven“. Letztlich überwiegt meines Erachtens der Ansatz, dass die Familie zusammenhält und nur so alles schaffen kann. Klingt wie ein klebrig-süßes Klischee aus Amerika? Ist es auch, wäre aber dennoch gar nicht so verkehrt, wenn es nicht dermaßen aufgesetzt rüberkommen würde.

Denn, und auch daran hat sich seit Staffel 1 nichts geändert: Das Drehbuch erfindet ständig neue Bedrohungen und Gefahren, scheinbar mit dem einzigen Ziel, die Familienmitglieder zur Zusammenarbeit zu zwingen. Häufig passiert das zu allem Überfluss auch noch mit mit dem Holzhammer, Subtilität ist und bleibt in „Lost in Space“ Mangelware. Wer die erste Staffel gesehen hat, weiß, was das bedeutet: Durchgehend explodiert irgendwo irgendwas und die Robinsons sind die einzigen, die wahlweise sich selbst oder allen anderen helfen können. Gelingt das nicht auf Anhieb, gibt es einen deus ex machina, der naturgemäß immer wieder Löcher in der eh schon fragilen Logik der Serie hinterlässt. Erklärungen bleibt man dann meist schuldig.

Ein Beispiel: Vater John Robinson stürzt in einen tiefen Schacht, bleibt schwer verletzt liegen. Retten kann ihn – natürlich – nur seine Stieftochter Judy, die auf dem Weg zu ihm vor allerlei Probleme gestellt wird. Zum Glück ist sie ein wahres Wunderkind und schafft es gerade noch rechtzeitig zum Verwundeten. Klingt ein bisschen oberflächlich und an den Haaren herbeigezogen? Für mich schon – und Sinn der Sache ist letztlich nur, eine „Ausrede“ zu haben, wie man in Rückblenden auf die Beziehung zwischen John und Judy eingehen kann. Nicht falsch verstehen: Das kann man schon mal so machen. In „Lost in Space“ ist das aber ein dermaßen inflationär verwendetes Muster, dass ich nur den Kopf schütteln kann. Die eigentlich brauchbare Idee, sich Gedanken über das Verhältnis zwischen Familienvater und adoptierter Tochter zu machen, wird vollkommen durch den kurios-dramatischen Rahmen, den so etwas heutzutage offenbar immer haben muss, überdeckt. So etwas kann man doch auch subtiler lösen, sollte man zumindest annehmen.

Kaum Charakterentwicklung.

An dieser Stelle sei – wenn auch eher am Rande – erwähnt, dass die Charaktere seit Staffel 1 kaum weiterentwickelt wurden. Die Versuche, das zu tun, erschöpfen sich großteils in Minidramen, wie ich es im obigen Beispiel dargestellt habe. Eine Ausnahme ist Dr. Smith, der ein paar neue Persönlichkeitsaspekte verpasst wurden – deren Eingliederung in das Robinson-Kollektiv lässt einen allerdings permanent am Geisteszustand der Familie zweifeln.

Deutlich verändert hat sich allerdings die Situation zwischen Will Robinson und seinem zu Staffelbeginn noch verschollenen Roboterfreund. Leider haben die Autoren auch hier nicht das richtige Erzähltempo gefunden – es ist ja von vornherein klar, dass es zu einer Wiedervereinigung kommen muss. Der Weg dorthin ist allerdings dermaßen zäh, dass man relativ schnell das Interesse verliert und sich dann über das tatsächliche Wiedersehen nicht so richtig freuen kann. Apropos Roboter: Dass es mehr als einen gibt, wurde in Staffel 1 ja bereits angedeutet. Staffel 2 liefert dazu einige Erklärungen nach, bleibt dabei aber stellenweise so vage, dass eher Verwirrung statt Aufklärung betrieben wird. Auch hier: Schade, denn genau an dieser Stelle wäre gutes Science Fiction-Potential vorhanden gewesen.

Optik bleibt größer Pluspunkt.

Den positivsten Faktor an „Lost in Space“ möchte ich abschließend aber auch noch erwähnen: Staffel 2 sieht für mein Dafürhalten sogar noch besser aus, als der Auftakt. Falls das überhaupt möglich ist – schon in Staffel 1 war die Optik unglaublich gut. Wie aber hier Planeten, Lebewesen, Raumschiffe, der Weltraum, Roboter usw. auf den Schirm gebracht wurden, ist einfach grandios. Allein die Wassserwelt, auf der die Robinsons zu Staffelbeginn gestrandet sind zeugt von einem sehr, sehr guten Gespür für die passende Optik. Zu schade, dass der Rest des Programms nicht ansatzweise mithalten kann.

Staffel 3 wird es 2021 wohl geben, die Gerüchte sagen allerdings, dass danach Schluss sein soll. Ich nehme jedenfalls an, dass ich der Vollständigkeit halber dabei bleiben werde. Wobei, wenn ich es mir recht überlege, hätte ich Staffel 2 ohne die derzeit verhängten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus (wie sich das wohl in ein paar Jahren lesen wird?) vermutlich bis heute nicht gesehen. Und wenn ich an den Cliffhanger zum Abschluss von Staffel 2 denke, befürchte ich noch mehr Familiendrama. Naja, lassen wir uns überraschen. 3 von 7 Punkten für eine Staffel, die weder besser noch schlechter als die Erste ist.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Lost In Space
Idee: Matt Sazarma, Burk Shapless
Land: USA
Jahr: 2018-
Episoden: 10
Länge: ca. 40-65 Minuten
Gesehen auf: Netflix
Haupt-Besetzung: Toby Stevens, Molly Parker, Taylor Russell, Mina Sundwall, Maxwell Jenkins, Parker Posey, Ignacio Serricchio, Brian Steele



 

SerienWelt: Star Trek: Picard – Staffel 1

Eigentlich hätte mir von vornherein klar sein müssen, dass die erste Staffel über eine der Kultfiguren des Star Trek-Universums meine Erwartungen nicht erfüllen würde. Denn es ist doch so: Praktisch alle Star Trek-Serien nach „The Next Generation“ hatten gewaltige Anlaufschwierigkeiten. Warum hätten die neuesten Reinkarnationen, „Discovery“ und eben „Picard“ eine Ausnahme sein sollen? Und tatsächlich: Wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung ist der Auftakt zu der Serie, in die man als Fan noch größere Hoffnung gelegt hatte, als in alles, was in den vergangenen Jahren (eigentlich sogar Jahrzehnten) unter dem Star Trek-Banner angekündigt wurde, grandios gescheitert. Klingt hart? Ja, vielleicht. Versuchen wir, der Sache auf den Grund zu gehen…

Gesamteindruck: 3/7


Großer Name, herbe Enttäuschung.

„Star Trek: Picard“ ist ein Zugeständnis an moderne Sehgewohnheiten. Das betrifft einerseits den Inhalt, andererseits die Form. Letzteres bedeutet: Im Gegensatz zum letzten Serienauftritt von Jean-Luc Picard („Star Trek: The Next Generation“, 1987-1994) haben wir es mit einem staffelübergreifenden Handlungsrahmen zu tun. Das wäre grundsätzlich sogar begrüßenswert – die späteren Staffeln von „Star Trek: Deep Space Nine“ (1993-1999) „Star Trek: Enterprise“ (2001-2005) waren erste Versuche in diese Richtung und gehören mit zum Besten, das man in Sachen Star Trek sehen kann. Freilich hatte die damalige Herangehensweise noch nicht viel mit dem zu tun, wie Serien heute funktionieren, es war aber immerhin ein erster Schritt zu einem größeren Handlungsbogen. Die Erzählweise von „Picard“ ähnelt – was aufgrund der zeitlichen Nähe wenig überrascht – vor allem „Star Trek: Discovery“ (ab 2017), ist also ein fast schon Soap Opera-mäßiges Drama, das häufig durch Cliffhanger vorangetrieben wird.

Inhalt in Kurzfassung
Wir schreiben das Jahr 2399. Jean-Luc Picard hat die Sternenflotte längst verlassen und verbringt seinen Ruhestand auf seinem Château in Frankreich. 20 Jahre sind seit den Ereignissen von „Star Trek: Nemesis“ vergangenen – und immer noch hat Picard den Verlust von Data nicht verwunden. Doch damit nicht genug: Plötzlich tritt eine junge Frau in das zurückgezogene Leben des ehemaligen Captains der USS Enterprise. Und schon bald findet sich der Pensionist im Weltraum wieder, umgeben von einer zusammengewürfelten Crew und mit der Mission, seinen Schützling vor dunklen Agenten zu retten und dabei ein Geheimnis zu ergründen.

„Star Trek: Picard“ hat leider auf verschiedensten Ebenen mit Problemen zu kämpfen. Ein großer Brocken ist die behäbige Story, die viel zu lange braucht, um überhaupt halbwegs in Fahrt zu kommen. Richtig gelesen, „halbwegs“, denn eigentlich bleibt es bis zum Schluss über weite Strecken zäh. Warum das so ist, ist schnell erklärt: Die Geschichte, die in „Picard“ erzählt wird, hätte man locker in ein oder zwei Folgen „The Next Generation“ abhandeln können. Hat man übrigens sogar gemacht; abgesehen davon wurde die Grundsatzfrage nach den Konsequenzen künstlicher Intelligenz auch in allen anderen Star Trek-Serien immer wieder aufgegriffen und „Picard“ schafft es nicht, diesem Thema neue Nuancen hinzuzufügen. Im Gegenteil, alles, was wir hier zu hören und zu sehen bekommen, hat uns nicht nur Star Trek bereits deutlich besser näher gebracht. Beispiele gefällig? Bitte sehr: „Battlestar Galactica“ (TV-Serie), „Blade Runner“ (Film), die „Roboter-Geschichten“ von Isaac Asimov (Buch), „Fallout 4“ (Spiel) – die Liste ließe sich lange fortsetzen.

Den genannten Titeln ist gemeinsam, dass sie wesentlich mehr Tiefgang haben, als „Picard“ vermitteln kann. Das ist ein bisschen paradox, weil ein solches Serienformat ja eigentlich genug Zeit für eine durchdachte Story bieten würde, wenn man es richtig angeht. Und damit schließt sich der Kreis: Dadurch, dass die Geschichte dünn ist, wirkt sie gestreckt und künstlich in die Länge gezogen. Das macht das Ansehen einzelner Folgen fast schon zur Qual, weil einfach nichts weiterzugehen scheint. Nicht falsch verstehen: Das Thema wäre prinzipiell auch heute noch spannend, müsste dann aber auch entsprechend aufbereitet werden. „Picard“ schafft das kaum, was umso schlimmer ist, weil Star Trek, wie es in den 1960ern von Gene Roddenberry erdacht wurde, immer entweder neue Themen gesetzt oder alte Fragen unter neuen Gesichtspunkten zu beantworten versucht hat. In „Picard“ werden bereits bekannte Versatzstücke genommen und schlicht und einfach schlecht zusammengefügt.

Auch die Charaktere überzeugen nicht.

Nun könnte man hoffen, dass zumindest der zweite Aspekt, der für eine moderne Serien Pflicht ist, bei „Picard“ funktioniert: die Charakterentwicklung. Leider kann man auch an dieser Stelle keine Entwarnung geben, was einerseits am Drehbuch liegt, andererseits aber auch ein bisschen die „Schuld“ des Zusehers ist, wenn man so will. Denn eines ist klar: Der Trekkie will a) Star Trek und b) Jean-Luc Picard sehen, und den ansatzweise so, wie man ihn in Erinnerung hat. Einigermaßen haut das sogar hin, wobei sich der ehemals selbstsichere und vollendete Diplomat in einen von Zweifeln und Gewissensbissen geplagten, komischen alten Kauz verwandelt hat. Schade ist, dass die Serie lieber die oben erwähnte, recht konventionelle Geschichte erzählen will, anstatt ein bisschen mehr darauf einzugehen, warum Captain Picard (übrigens nennen die Protagonisten ihn zum Teil tatsächlich immer noch Captain, warum eigentlich?) so wurde, wie er in „Picard“ eben ist.  Leider werden ausgerechnet die entsprechenden Erläuterungen vollkommen überhastet dargestellt. 20 Jahre Föderationsgeschichte werden in wenige, oberflächliche Minuten gepackt, was dazu führt, dass mich die Serie von Anfang an nicht richtig abholt.

Abgesehen vom Hauptdarsteller (der oft genug eine Nebenrolle einnimmt, aber das nur am Rande) und seinem Schützling (gar nicht unsympathisch dargestellt von Isa Briones) teilt sich der Cast in zwei Gruppen. Einerseits haben wir als Fanservice einige alte Bekannte an Bord. War zu erwarten und ist unterschiedlich gut gelungen. Brent Spiner ist in einer Doppelrolle zu sehen und passt perfekt rein, gleiches gilt für zwei Ex-Borg. Der Auftritt des ewigen Traumpaares Jonathan Frakes und Marina Sirtis freut den Fan zwar (ja, wirklich!), wirkt aber gleichzeitig ziemlich beliebig. Wichtiger, weil mit mehr Screentime versehen, sind aber ohnehin die neuen Mitstreiter und Gegenspieler unseres Mannes. Erstere sind eine bunt gemischte Crew, deren Mitglieder allesamt gewisse Probleme mit der Föderation haben. Und auch miteinander, wie es bei einer heute eben zum guten Ton gehört. Ja, das Drama ist allgegenwärtig, so wie es in jeder neueren Science Fiction-, Fantasy-, Krimi- und sonstigen Serie ist. Aber zum Glück schafft es „J.L.“ (kein Kommentar zu diesem Kürzel…) erwartungsgemäß, dass im Laufe der Staffel alle am selben Strang ziehen. Naja.

Das Problem hierbei ist übrigens nicht so sehr, dass es sich dabei um keine Sternenflotten-Crew handelt, das hätte vielleicht sogar ein recht interessanter Aspekt sein können. Es sind mehr die Stereotypen, die hier bedient werden – die Alkoholikerin ist ebenso an Bord, wie der rebellische Pilot, die verunsicherte, leicht verschrobene Wissenschaftlerin und der jugendlich-naive Kämpfer. Allesamt natürlich mit geheimnisvoller und dunkler Vergangenheit. Eine richtige Beziehung konnte ich zu keinem davon aufbauen, denn ihre Eigenarten erschienen mir immer höchst oberflächlich, was kein Wunder ist, wenn man immer nur ganz kleine Fitzelchen an Hintergrundgeschichte bekommt. Kein Vergleich zu den Figuren, aus denen sich frühere Besatzungen zusammengesetzt haben. Die brauchten nämlich keinen in bedeutungsschwangeren Rückblicken angedeuteten Background, weil sie direkt mit ihrer Präsenz punkten konnten. Klar, es war auch damals nicht jeder Charakter zwingend ein Volltreffer, aber ich war z.B. über den Tod von Tasha Yar in „The Next Generation“ ehrlich erschüttert – im Falle von „Picard“ hätte es mir hingegen wenig ausgemacht, mich von einem Crewmitglied verabschieden zu müssen. Bezeichnend, dass ausgerechnet der Tod eines früheren Wegbegleiters, der hier nur eine kleine Nebenrolle spielt, den größten emotionalen Impact hat. Freilich liegt das alles auch an ewig langen, teils metaphysischen Dialogen, die letztlich nirgendwohin führen und nur den Anschein von Tiefgründigkeit erwecken.

Und die Antagonisten? Früher hatten wir in Star Trek ein klares Gut-Böse-Schema, das erst in späteren Staffeln von „Deep Space Nine“ und im einen oder anderen Film ein wenig aufgeweicht wurde, was dem Franchise definitiv gut getan hat. Heute ist es – nicht nur in Star Trek – so, dass sich die Grenzen noch mehr verwischt haben. Die Guten sind nicht mehr überlebensgroß, sondern haben ihre Schwächen, dürfen auch mal „böse“ Handeln. Umgekehrt ist es genauso, was zu einer ausgeglicheneren Darstellung der Charaktere geführt hat. Früher mussten die Schauspieler, die die Rolle der Bösewichte übernommen haben, besonders glänzen, auch, weil sie im Gegensatz zu den Guten häufig nur eine Folge hatten, um zu reüssieren. Lange Rede, kurzer Sinn: In „Picard“ gibt es einen Haupt-Antagonisten, den Romulaner Narek, der gut von Harry Treadaway (manchen vielleicht als Victor Frankenstein in der Serie „Penny Dreadful“ bekannt) verkörpert wird. Wie die Crew von Picard leidet auch er an Schwächen und Unsicherheiten, was letztlich dazu führt, dass er sich auch als „Guter“ qualifizieren könnte. Für mich dennoch eine der besseren Rollen in „Picard“.

Kurzer Exkurs: „Discovery“ hatte mit einem sehr ähnlichen Problem zu kämpfen. Die Crew ist einfach nicht gut genug – nur mit der Einführung bereits bekannter Charaktere (Christopher Pike und letztlich auch Spock) konnte man sich einigermaßen konsolidieren. Ob das auch ein Weg für „Picard“ sein kann, ist zu diesem Zeitpunkt offen.

Ambivalentes Drumherum.

Zwei Faktoren, die mir persönlich wichtig gewesen wären, sind bei „Picard“ also eine mittelschwere Katastrophe. Kommen wir nun zum Drumherum, das, soviel sei vorweg genommen, zumindest kein Totalausfall ist. Immerhin hat „Picard“ als erste Star Trek-Serie seit „Voyager“ (1995-2001) in einer für alte Trekkie ebenfalls essentiellen Hinsicht einen erheblichen Vorteil gegenüber den unmittelbaren Vorgängern „Enterprise“ und „Discovery“: Wir haben es diesmal mit keinem Prequel zu tun, der Kanon ist also nicht in Gefahr. Wobei ich an dieser Stelle ernsthaft hinterfragen muss, wieso man ausgerechnet die Ereignisse rund um die romulanische Supernova aus „Star Trek“ (2009) als Ausgangspunkt für die Story nehmen musste. Es wäre meines Erachtens besser gewesen, diese schon 2009 sehr fragwürdige Idee unter den Tisch zu kehren – oder endlich vernünftige Erklärungen rund um dieses Ereignis zu liefern. Passiert leider nicht und der Verdacht liegt zumindest nahe, dass diese Geschichte nur aufgegriffen wurde, weil Produzent Alex Kurtzman, der ja auch für den Star Trek-Reboot von 2009 verantwortlich war, seine eigene Idee so gut gefällt. Für mich stellt sich das so dar, als versuche man hier mit dem Holzhammer, Kohärenz zwischen allem, was im Star Trek-Universum seit 2009 passiert ist, herzustellen. Dabei verkennen die Verantwortlichen völlig, dass diejenigen, die eine emotionale Bindung zu diesem Franchise haben, am liebsten alles vergessen würden, was in den vergangenen 10 Jahren passiert ist und lieber ein stärkere Verbindung zur Zeit bis inklusive „Enterprise“ gehabt hätten.

Dem neuen Zielpublikum wird das vermutlich egal sein, ich frage mich aber, ob jüngere Seher überhaupt viel mit „Picard“ anfangen können. Denn die werden sich auch schwer tun, weil man ohne Vorkenntnisse trotz eher seichter Story zeitweise kaum durchblickt. Man hat das Gefühl, dass die Produzenten hier in einer Zwickmühle stecken: Auf der einen Seite der Wunsch, etwas ganz Neues zu schaffen, der dem Zwang, den Gesetzen des Star Trek-Univerums zu folgen, gegenübersteht. Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Das kennt man aus „Discovery“ und es hat zur Folge, das „Picard“ stellenweise ebenfalls weder Fisch noch Fleisch ist. Das äußert sich darin, dass sich die Produzenten sehr auf das unmittelbare Geschehen konzentrieren, dabei aber gleichzeitig dauernd Bezug auf die Vergangenheit nehmen. Das verwirrt stellenweise sogar den gelernten Trekkie, weil das Verhältnis nicht passt – Rückblenden sind schön und gut, sollten dann aber auch so gestaltet werden, dass sie Klarheit schaffen. Und das tun sie bei „Picard“ nur sehr, sehr bedingt.

Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang übrigens, sich einige Star Trek-Folgen aus der Vergangenheit anzusehen. Und damit meine ich nicht zwingend wegen kleinerer Anspielungen, die ein netter Service für die absoluten Fans sind (ein Beispiel dafür wäre der „Raumtrajektor“, den man aus einer „Voyager“-Episode kennt)… Ach was soll’s, dieser Artikel ist eh schon so lang, da kann ich auch gleich ein paar Episoden nennen, die essentiell für das Verständnis von „Picard“ sind: Zunächst die „The Next Generation“-Episoden „Wem gehört Data?“ (hier erfährt man u.a., wer Bruce Maddox ist), die Doppelfolge „In den Händen der Borg“/„Angriffsziel Erde“ (die Borg-Vergangenheit von Picard wird hier erklärt), „Ich bin Hugh“ (handelt von weiteren Versuchen Picards, mit seinem früheren Dasein als Locutus zurecht zu kommen und stellt Hugh vor, der in „Picard“ eine Nebenrolle hat) sowie die „Voyager“-Doppelfolge „Skorpion“ (in der wir Seven of Nine kennen lernen) und den Film „Star Trek: Nemesis“ (zum Tod von Data und der Herkunft von Before). Wer Infos zur romulanischen Supernova sucht, sollte sich den oben genannten Film „Star Trek“ aus 2009 ansehen. Einige weitere Folgen klären andere Details, sind aber meines Erachtens vernachlässigbar. Zusätzlich gibt es Romane und so genannte „Short Treks“, die ebenfalls hilfreich sind – man sieht schon, selbst als eingefleischter Trekkie muss man sich „Picard“ relativ mühsam erarbeiten, vor allem, weil vieles, das hier auftaucht, schon sehr, sehr lange her ist.

Was gibt es sonst noch? Naja, weiterhin Positives und Negatives. Gut gelungen finde ich die Einbindung der Borg, weil der Konflikt, den Jean-Luc Picard durch seine Vergangenheit als Teil des Kollektivs hat, immer schon sehr spannend war. Daran hat sich nichts geändert. Auch die Idee, einen Teil der Handlung auf einem beschädigten Borg-Kubus, der mittlerweile als Forschungsobjekt dient, spielen zu lassen, finde ich großartig. Genau das ist für mich Star Trek. Die Romulaner als Antagonisten wären grundsätzlich auch nicht zu verachten, sind aber leider nur mehr ein Schatten ihrer selbst, was mit der genannten Supernova-Story zu tun hat. So möchte man dieses Volk eigentlich nicht sehen. Und dann haben wir da noch die Föderation, die sich natürlich stark gewandelt hat und in „Picard“ nur mehr als abstraktes, kaltes Konstrukt in Erscheinung tritt. Das wäre zwar ebenfalls eine interessante Entwicklung, die wird aber leider fast komplett ignoriert. Den Weg zu verfolgen, den die Föderation hier eingeschlagen hat, wäre vielleicht die lohnenswertere Story für „Picard“ gewesen. Mir graut übrigens schon ein bisschen davor, wenn ich mir vorstelle, dass eventuell mit Ereignissen aus „Discovery“ in Verbindung gebracht wird…

Vom einen oder anderen Logikloch möchte ich jetzt gar nicht anfangen – da gibt es Kaliber wie eine Androidin, die zur vulkanischen Geistesverschmelzung fähig ist. Warum? Weil sie es sich selbst beigebracht hat. Klar. Solche Dinge mögen im ersten Moment unbedeutend scheinen und nur einem alten Trekkie, der sich starrsinnig an der Vergangenheit festhält, negativ auffallen. Für mich ist das aber – genau wie es beispielsweise der Sporenantrieb in „Discovery“ war – schon ein starkes Indiz dafür, was bei Star Trek mittlerweile absolut falsch läuft: Die Verantwortlichen scheren sich nur deshalb überhaupt um Kontinuität, Kanon und Feeling, damit wenigstens ein paar ältere Zuseher dabei bleiben. Der Rest folgt Marketing-Gesetzen, was mir grundsätzlich egal wäre, wenn es hier nicht unter „Star Trek“ laufen würde. Wie lange das noch gut geht? Keine Ahnung, es ist aber auch fast schon egal. Irgendwie fühlt sich Star Trek, so wie ich es kannte und geliebt habe, tot an.

Es reicht hinten und vorne nicht.

Nein, es reicht nicht, einer Serie den wohl größten Namen des Star Trek-Universums nach Kirk und Spock zu verpassen und von einem Selbstläufer auszugehen. Würde diese Serie nicht als „Star Trek“ vermarktet, würde wohl kein Hahn danach krähen. Zu recht, denn das, was wir hier zu sehen bekommen, ist in den besten Momenten nicht viel mehr als mittelmäßig. Leider überwiegen fragwürdige Ideen, schlechte Drehbücher, langwierige Dialoge und eine Story, die den Namen kaum verdient. Nicht einmal der Hauptdarsteller wirkt so, als wäre er emotional bei der Sache.

All das wäre eigentlich ein Todesurteil. Für „Picard“ vergebe ich dennoch gut gemeinte, wenig objektive 3 Punkte. Denn es gibt den einen oder anderen Moment, in dem man sich dann doch heimisch fühlt. Es gibt ein paar spannende Ansätze (ich hätte so gerne mehr über die Forschungsarbeit auf dem Borg-Kubus erfahren!) und der Weltraum sieht so schön aus, wie nie zuvor. Doch das allein reicht hinten und vorne nicht, um „Star Trek: Picard“ zu einer guten Serie zu machen. Ich dachte erst, es würde weh tun, das zu schreiben – aber nein, es ist schlimmer: Es ist mir tatsächlich fast schon egal. Dabei wollte ich sie doch unbedingt mögen.

Bleibt nur die Hoffnung auf Staffel 2.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Star Trek: Picard
Idee: Alex Kurtzman, Akiva Goldsman, Michael Chabon, Kirsten Beyer
Land: USA
Jahr: 2020
Episoden: 10
Länge: ca. 45 Minuten
Gesehen auf: Amazon Prime
Haupt-Besetzung (Auswahl): Patrick Stewart, Alison Pill, Isa Briones, Michelle Hurd, Santiago Cabrera, Harry Treadaway, Evan Evagora



 

SerienWelt: Game of Thrones – Staffel 1

Wenige Tage vor Erscheinen dieser Rezension war es soweit: Eine der beliebtesten und gleichzeitig auch meistdiskutierten Fernsehserien endete nach 8 Staffeln und 73 Episoden. Zur Umsetzung dieses Mammut-Projektes benötigte das Produzentenduo David Benioff und D.B. Weiss 8 Jahre – die erste Folge von „Game of Thrones“ wurde 2011 ausgestrahlt. Nach so langer Zeit hat man vielleicht das eine oder andere Detail vergessen, kann sich nicht mehr so gut erinnern, was in den einzelnen Staffeln passiert ist. Daher mein Entschluss, quasi direkt nach dem Abspann der finalen Folge noch einmal mit Staffel 1, Folge 1 zu beginnen und – mit etwas Abstand zum ersten Durchgang – Rezensionen zu den einzelnen Staffeln zu verfassen.

Gesamteindruck: 7/7


Großartige Umsetzung.

VORSICHT: Eventuell können „Game of Thrones“-Rezensionen auf WeltenDing Spoiler enthalten!

Die 1. Staffel der US-Serie „Game of Thrones“ behandelt den gleichnamigen 1. Band von George R.R. Martins großer Saga „A Song of Ice and Fire“ (in der deutschen Version: „Das Lied von Eis und Feuer“). Dabei werden in zehn Folgen die Geschehnisse der Buchvorlage ziemlich exakt wiedergegeben. Es gibt natürlich gewisse Anpassungen, hier und da wurde gestrafft und nicht alles ist exakt so, wie man es vielleicht aus den Büchern kennt. Gleichwohl sind die Unterschiede zwischen Buch und Serie in Staffel 1 verhältnismäßig gering.

Inhalt in Kurzfassung
Viele Jahre nachdem er in einer blutigen Rebellion die Macht übernommen hat, bittet König Robert Baratheon seinen Freund und Waffenbruder Eddard „Ned“ Stark, seine rechte Hand zu werden. Schnell zeigt sich, dass die Politik in den Sieben Königslanden vor allem von Intrigen um Macht und Geld bestimmt wird – ein Parkett, auf dem der rechtschaffene Eddard Stark sich schnell mächtige Feinde macht, während er einer Verschwörung auf die Spur kommt, die bereits seinem Vorgänger zum Verhängnis wurde. Zeitgleich erhebt sich im hohen Norden hinter der von den Männern der Nachtwache gehüteten „Mauer“ eine unheimliche Bedrohung für die Reiche der Menschen – und auf einem anderen Kontinent schmieden die letzten Überlebenden der vor der Rebellion herrschenden Dynastie Pläne, aus dem Exil zurückzukehren und den Eisernen Thron für sich zu beanspruchen. 

Vorweg: Ich habe direkt nach 2 oder 3 Folgen der 1. Staffel von „Game of Thrones“ begonnen, die Bücher zu lesen – und habe jedes davon genossen. Die Serie habe ich, wie angedeutet, komplett gesehen, fand aber, bevor ich meine Meinung dazu abgebe, einen 2. Durchgang aller Folgen und Staffeln notwendig. Damit sollte ich eher in der Lage sein, das Gesehene mit etwas emotionalem Abstand und halbwegs objektiv reflektieren zu können.

Viel besser geht es (vermutlich) kaum.

Generell sind Umsetzungen von großen literarischen Vorbildern ja oft eine zwiespältige Sache. Um den Anforderungen des visuellen Mediums gerecht zu werden, muss die Handlung häufig gestreckt oder gerafft werden, hinzu kommt, dass Figuren oft nicht so aussehen und sich nicht so verhalten wie in der Vorlage und das es allgemein sehr schwierig ist, eine bestimmte Atmosphäre einzufangen. Vieles davon hat allerdings mit der individuellen Vorstellung der Leser bzw. Seher zu tun – und allen kann man es naturgemäß nie recht machen.

In „Game of Thrones“ wurde im Prinzip dennoch alles richtig gemacht. Das beginnt bereits mit der Auswahl der Schauspieler: Zum Zeitpunkt der 1. Staffel dürft das einzige, einer breiteren Masse bekannte Gesicht Sean Bean (u. a. Boromir in „Der Herr der Ringe“) als Lord Eddard Stark sein. Bean wird von einer damals weitgehend unbekannten, aber dennoch sehr guten Riege an Darstellern unterstützt. Besonders hervorzuheben sind dabei Peter Dinklage (Tyrion Lannister), Lena Headey (Cersei Lannister), Aidan Gillen (Petyr Baelish) und Iain Glenn (Jorah Mormont) die ihre Rollen tatsächlich so gut spielen, dass man sich direkt in das Buch versetzt fühlt – auch wenn die Optik oft nicht so ganz stimmt. Aber auch alle anderen Figuren wurden sehr gut besetzt, lediglich Jack Gleeson (Joffrey Baratheon) wirkt für mich ein wenig farblos und überfordert.

Das Drehbuch ist sehr gut gelungen und schafft es ausgezeichnet, Stimmung und Atmosphäre der Saga einzufangen. Alle wichtigen Ereignisse aus dem literarischen Vorbild kommen vor oder werden erwähnt – man hat als Kenner des Buches eigentlich kaum das Gefühl, dass etwas Wichtiges weggelassen wurde. Hier zeigt sich auch die Stärke einer mehrteiligen Serie gegenüber einem Kinofilm: Es bleibt genug Zeit, die Charaktere zu entwickeln und die Geschichte ausführlich zu erzählen.

Ebenfalls perfekt umgesetzt wurde die Optik. Es ist eigentlich unglaublich, mit welcher Liebe zum Detail hier für eine Fernsehproduktion gearbeitet wurde. Ein ausreichendes Budget hat es wohl möglich gemacht… Das beginnt bereits beim aufwändigen und epischen Intro und setzt sich über für Serienverhältnisse überdurchschnittlich gute Effekte und Choreografien fort. Auch Landschaft, Bauten, Waffen und Wetter wirken wie aus einem Guss – hier gibt es beim besten Willen nichts auszusetzen. Überraschend war der für eine US-Serie erstaunlich hohe Anteil an Gewalt. Für Enthauptungen, Schwertkämpfe und Turniere wurden soviel Kunstblut und -eingeweide verwendet, wie schon lange in keiner Serie mehr (abgesehen vielleicht vom zeitgenössischen „The Walking Dead“). Auch vor nackten Körpern in eindeutigen Stellungen schreckten die Verantwortlichen nicht zurück – im prüden Amerika sicher ein Schock. Die Serie richtet sich jedenfalls eindeutig an Erwachsene, was aber nicht nur daran, sondern auch an der generellen Komplexität und vielen „politischen“ Szenen liegt.

Synchronisation als einziger Kritikpunkt.

Größter, oft einziger Kritikpunkt vieler Rezensenten ist die deutsche Synchronisation. Tatsächlich ist es so, dass man sich das Ganze nach Möglichkeit im englischen Original ansehen sollte; gleiches gilt ja auch für die Buchvorlage. Sollten die dafür notwendigen Kenntnisse fehlen und man sich nicht mit Untertiteln herumschlagen wollen, ist die deutsche Variante natürlich die einzige Möglichkeit. Hier ist es so, dass sich die Verantwortlichen an die Übersetzung des Buches gehalten haben. Es wurden also praktisch alle Eigennamen eingedeutscht, ähnlich wie man das aus „Herr der Ringe“ kennt. Auch wenn diese Meinung viele nicht teilen werden: ich empfinde das als die bessere Variante gegenüber dem Beibehalten der englischen Begriffe. Allerdings wäre ein wenig mehr Augenmaß notwendig gewesen – ob man beispielsweise „Casterly Rock“ wirklich mit „Casterly Stein“ übersetzen muss, sei dahingestellt. Noch schlimmer ist die Eindeutschung gewisser Familiennamen, was aber in der Serie zum Glück nicht so extrem ins Gewicht fällt (ob nun „Lannister“ oder „Lennister“ ist in der Aussprache praktisch egal, ,ganz im Gegensatz zum Buch). Dass man „Königsweg“ anstelle von „Kingsroad“ sagt ist für mich hingegen eine akzeptable Lösung. Ich denke generell, dass man sich relativ schnell daran gewöhnt und das kein Grund für eine Abwertung sein muss. Die Synchronsprecher wurden übrigens gut und passend ausgewählt, hätten aber etwas emotionaler agieren können.

Eine Problematik, die eventuell abschrecken könnte, wenn man die Vorlage nicht kennt ist deren Komplexität. Bereits im Buch werden Ereignisse und Intrigen nur nach und nach enthüllt, alles ist zu Beginn relativ schwer zu verstehen und mysteriös. Das ist auch bei der TV-Serie so, darum könnten sich Zuschauer, die die Vorlage nicht kennen, vergleichsweise schwer tun, in Staffel 1 mitzukommen. Auch die Fülle der vorgestellten Charaktere macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Aber das ist – wie gesagt – auch beim Buch so und wurde sehr authentisch übernommen.

Fazit: Mit „Game of Thrones“ ist den Produzenten David Benioff und D. B. Weiss tatsächlich ein Geniestreich gelungen. Es gibt wohl nur eine handvoll Filme oder Serien, die es bisher so gut geschafft haben, ein komplexes literarisches Vorbild auf ein visuelles Medium zu übertragen. Von der Ausstattung über die Schauspieler bis hin zur Dramaturgie passt einfach alles. Kenner der Bücher werden sich über die liebevolle Umsetzung freuen und wer mit der TV-Serie in George R. R. Martins Universum einsteigt, bekommt wohl richtig Lust, die Bücher zu lesen und noch tiefer einzutauchen. Gut gemacht, viel besser geht es eigentlich nicht!.

Gesamteindruck: 7/7


Originaltitel: Game of Thrones
Idee: David Benioff, D. B. Weiss
Land: USA
Jahr: 2011
Episoden: 10
Länge: ca. 60 Minuten
Gesehen auf: Sky
Haupt-Besetzung (Auswahl): Sean Bean, Peter Dinklage, Emilia Clarke, Lena Headey, Kit Harington, Sophie Turner, Maisie Williams, Nikolaj Coster-Waldau, Alfie Allen, Mark Addy



 

SerienWelt: Der Pass – Staffel 1

„Der Pass“ ist eine deutsch/österreichische Co-Produktion. Allein deshalb könnte man meinen, die Serie würde sich unversehens auf die Gegensätze zwischen zwei Nationen, die sogar die gemeinsame Sprache trennt, stürzen. Sieht man die Vorschau, denkt man hingegen vielleicht an einen Mystery-Thriller. Beide Annahmen enthalten ein Körnchen Wahrheit, sind aber bei weitem keine bestimmenden Elemente – vielmehr haben wir es hier mit einer eiskalt inszenierten Jagd auf einen grausamen Verbrecher zu tun, die auch von bekannten Hollywood-Größen nicht besser hätte verarbeitet werden können.

Gesamteindruck: 6/7


Grenzfall.

Dabei liest sich die Rahmenhandlung der deutsch/österreichischen Produktion „Der Pass“ zunächst nicht sonderlich aufregend. Der vom Duo Philipp Stennert und Cyrill Boss verarbeitete Stoff unterscheidet sich – so jedenfalls der oberflächliche Eindruck – nicht sonderlich von dem, was man aus zahllosen Folgen „Criminal Minds“, „C.S.I. Miami“ und wie sie alle heißen, kennt. Sieht man sich die 8 Folgen der 1. Staffel (eine zweite wurde bereits in Auftrag gegeben) jedoch an, merkt man schnell, dass nicht nur die geografische Herkunft der Serie außergewöhnlich ist.

Inhalt in Kurzfassung
Auf einem Gebirgspass zwischen Österreich und Deutschland wird eine Leiche gefunden. Weil der augenscheinlich Ermordete genau auf einem Grenzstein drapiert wurde, sind Beamte aus beiden Ländern für den Fall zuständig – auf deutscher Seite ermittelt die tüchtige, junge Kommissarin Ellie Stocker, ihr Gegenüber ist der zynische Inspektor Gedeon Winter. Der interessiert sich zunächst wenig für den Mord, erst als weitere, ähnlich zugerichtete Leichen gefunden werden, wird klar, dass das ungleiche Paar zusammenarbeiten muss, um den Serientäter zu stoppen.

Zunächst ist festzuhalten, dass die Jagd nach dem Mörder, der der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein scheint, extrem spannend inszeniert ist. Der dramaturgische Aufbau passt sehr gut; man lernt zunächst die beiden Ermittler kennen, wobei gerade die richtige Dosis an Privatleben einfließt. Der Interaktion zwischen den Hauptdarstellern Julia Jentsch (Stocker) und Nicholas Ofczarek (Winter) wird viel Raum gegeben und die beiden harmonieren ausgezeichnet miteinander. Dadurch fällt es dem Zuschauer nicht schwer, sich mit den Figuren, die mit ihren kleinen Stärken und großen Schwächen sehr realistisch wirken, zu identifizieren. Und auch die relativ frühe Begegnung des Publikums mit dem Mörder passt vom Timing her gut, obwohl es im ersten Moment merkwürdig ist, dass man den Antagonisten so früh bereits kennt. Dessen Rolle wurde mit Franz Hartwig ebenfalls gut besetzt, die von ihm ausgestrahlte Kälte und absolute Kontrolle in jeder Situation lassen ihn tatsächlich bedrohlicher erscheinen, als das in vielen aktuellen Produktionen der Fall ist.

Schauspieler und Handlung: Top!

Die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank gut, das betrifft sowohl Haupt- als auch Nebendarsteller. Eventuell könnte man Nicholas Ofczarek leicht übertriebenes Spiel vorwerfen, andererseits war das wohl notwendig, um den Kontrast zu seiner deutschen Kollegin noch stärker hervorzuheben. Mir hat seine Darbietung (und letztlich auch die Entwicklung seines Charakters) nach einer kleinen Eingewöhnungsphase jedenfalls gefallen. Positiv sind im Übrigen auch der hervorragende Soundtrack, der die bedrückende Stimmung perfekt untermalt und die Optik der Serie, die einerseits den Winter in den Bergen direkt in die eigenen vier Wände zu holen scheint, andererseits die Schön- und Wildheit der Natur außergewöhnlich gut einfängt.

Zur Handlung selbst: Ja, vordergründig ist „Der Pass“ ein klassisches Katz-und-Maus-Spiel zwischen einem überaus intelligenten Verbrecher, der ganz auf sich gestellt eine Hundertschaft an Ermittlern beschäftigt, die seiner einfach nicht habhaft werden können. Garniert ist diese Geschichte mit persönlichen Problemen der Ermittler und der einen oder anderen dramatischen Wendung. Übrigens: Die Klischees, die sich aus der kulturellen Diskrepanz zwischen Deutschland und Österreich ergeben könnten, werden in dieser Serie fast völlig vermieden, wenn man von kleineren Anspielungen absieht. Gute Entscheidung, wie ich finde.

Integriert in die trotz allem eher konventionelle Jagd nach dem Serientäter bietet „Der Pass“ eine Vielzahl an weiteren Aspekten, die man anhand der Inhaltsangabe so vielleicht nicht erwarten würde. So wird u.a. die Frage gestellt, ob in der Polizeiarbeit der Zweck die Mittel heiligt, wenn es darum geht, einen dermaßen gefährlichen Verbrecher zu fassen. Auch die Rolle von Presse (Stichwort: Sensationslust) und sozialen Medien (Selbstdarstellung) wird kritisch hinterfragt, dazu kommt – einigermaßen subtil verpackt – das aktuell allgegenwärtige „Ausländerthema“ nebst politischer Komponente, ein Handvoll Psychologie und ein wenig Brauchtum.

Alles in allem eine sehr schöne Kombination, die meiner Meinung nach nahezu perfekt umgesetzt wurde. Kleinere Längen nimmt man in diesem Fall gerne in Kauf. Sie verhindern zwar die Höchstwertung, aber eine der besten Serien, die man aktuell sehen kann, ist „Der Pass“ definitiv.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: Der Pass
Regie: Philipp Stennert, Cyrill Boss
Land: Deutschland, Österreich
Jahr: 2019
Episoden: 8
Länge: ca. 45 Minuten
Gesehen auf: Sky
Haupt-Besetzung (Auswahl): Julia Jentsch, Nicholas Ofczarek, Franz Hartwig, Hanno Koffler, Lucas Gregorowicz, Lukas Miko, Natasha Petrovic, Martin Feifel



 

SerienWelt: Maniac

Wie so oft in jüngerer Vergangenheit haben wir es auch bei „Maniac“ mit einem Remake zu tun. Die Miniserie wurde erstmals im September 2018 auf Netflix ausgestrahlt und basiert auf einer norwegischen (!) Fernsehserie gleichen Namens. Nun ist es ja nicht grundsätzlich verwerflich, sich anderswo zu bedienen und damit vielleicht sogar guten Stoff einem breiteren Publikum zu präsentieren. Nur muss halt die Qualität passen – und die sehe ich bei den 10 Folgen, die die Miniserie umfasst, eher durchwachsen.

Gesamteindruck: 4/7


Zieht sich etwas.

„Maniac“ ist bei Kritikern in aller Welt hochgelobt und auch Netflix bekommt Lorbeeren für den Mut, eine so außergewöhnliche Serie zu veröffentlichen. Ich selbst finde die Serie grundsätzlich durchaus gelungen – unverbrauchtes Setting, viel Fantasie, hervorragende Optik und klasse Schauspieler. Die Rahmenbedingungen stimmen und werden durch den gewissen Indie-Touch abgerundet, der sich ja längst nicht mehr im Fehlen realistischer Special Effects ausdrückt. Leider ist die Klammer, die all das zusammenhalten muss, nicht groß genug. 10 Folgen gibt es, für meinen Geschmack hätten es 8 und die entsprechende Straffung auch getan.

Inhalt in Kurzfassung
Eine zwielichtige Pharma-Firma verspricht, Menschen mit einer neuartigen Behandlungsmethode von all ihren psychischen Problemen zu heilen. Noch befindet sich die Therapie allerdings in der Studienphase, entsprechend werden freiwillige Testpersonen gesucht. Annie Landsberg und Owen Milgrim sind zwei der Kandidaten, die eine Teilnahme riskieren und dabei sonderbare Dinge erleben.

„Maniac“ geht sehr gut los und schafft es gleich in den ersten Folgen, den Zuschauer für sich zu gewinnen. Die Hauptpersonen und ihre jeweiligen Eigenarten werden umfassend vorgestellt und das geheimnisvolle Experiment bzw. die undurchschaubare Firma im Hintergrund machen schnell neugierig. Neben guten Schauspielern, die ohne viel Schnickschnack zu Werke gehen, hat das vor allem auch mit der ansprechenden Präsentation zu tun. Die Optik ist sehr speziell und erinnert daran, wie man sich vor vielleicht 50 Jahren die Zukunft vorgestellt haben könnte. Allein das hebt die Serie aus dem Einheitsbrei hervor.

Eine Besonderheit von „Maniac“ liegt in den zwei Handlungsebenen. Als Zuseher beobachtet man abwechselnd die Wissenschaftler, die das Experiment durchführen und die Fantasiewelten, die die Probanden während der Studie erleben. In der ersten Ebene haben die Forscher mit ihren eigenen Problemen, darunter ein liebeskranker Computer, zu kämpfen. Noch interessanter ist aber der Teil der Handlung, der in das Innere der freiwilligen Studienteilnehmer führt. Denn deren Psyche lässt sie Dinge sehen und erleben, die man so nicht alle Tage in einer einzigen Serie sieht – da ist es dann auch kein Problem, wenn eine Protagonistin als betrunkene Elfe in einer schwer nach Tolkiens Mittelerde aussehenden Welt unterwegs ist, während ihr männlicher Gegenpart der Sohn eines Mafiapaten ist. Um nur zwei von unzähligen Szenarios zu nennen, die in „Maniac“ präsentiert werden.

Geduldsprobe.

Nun sollte man meinen, dass in einem solchen Setting viel Platz für fantastische Erlebnisse ist, die sich zwar überwiegend im Geist der Probanden abspielen, gerade deshalb aber fast unermesslichen gestalterischen Freiraum bieten. Leider wirkt „Maniac“ auf mich zerfahren und zäh. Ersteres weil es mir an Struktur fehlt und ich Probleme mit der Einordenbarkeit des Gesehenen habe. Das bedeutet: Mir ist nicht so ganz klar, wieso z.B. eine Folge in einer Fantasy-Welt spielt, ich kann den Bezug zur Rahmenhandlung nicht so richtig herstellen. Mag sein, dass das beabsichtigt ist oder ich irgendwelche Symbolik übersehen habe, das ändert aber nichts an meinem Eindruck, dass „Maniac“ stellenweise arg „zusammengeschustert“ wirkt.

Zäh finde ich die Serie, weil es zwischendurch immer mal wieder lange Dialoge gibt. Nein, das ist nicht per se ein Problem, wohl aber, wenn es an Spannung oder wenigstens philosophischem Tiefgang fehlt. Für mich ist ein Großteil dieser Gespräche nicht mehr als Bla-Bla, von dem man sich wünscht, dass es schnell vorüber ist. Und das wird kaum Sinn der Übung sein, vermute ich. Vor allem zum Schluss hin nimmt dieses Ärgernis überhand, sodass man regelrecht froh ist, wenn die letzte Folge über den Bildschirm geflimmert ist. A pro pos: Das Finale selbst hinterlässt auch eher Fragezeichen und schafft nicht das Gefühl, dass man mit „Maniac“ etwas wirklich Bedeutendes gesehen hat. Paradox, wenn trotz Dialoglastigkeit das Gefühl bleibt, das Gesehene wäre ein ziemliches Leichtgewicht unter den Serien gewesen.

Alles in allem ist der Gesamteindruck, den ich von „Maniac“ habe, gerade noch positiv. Die ganz großen Lobeshymnen, die allerorts auf die Serie gesungen werden, kann ich hingegen nicht nachvollziehen. Aber vielleicht liegt es auch an mir und ich hatte einfach nicht die nötige Geduld für die späten Folgen von „Maniac“? Ich weiß es nicht, ein Meisterwerk sieht für mich jedenfalls anders aus. Schade.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Maniac
Regie: Cary Fukunaga
Land: USA
Jahr: 2018
Episoden: 10
Länge: 26-47 Minuten
Gesehen auf: Netflix
Haupt-Besetzung (Auswahl): Emma Stone, Jonah Hill, Justin Theroux, Sonoya Mizuno, Gabriel Byrne, Sally Field



 

SerienWelt: Spuk in Hill House – Staffel 1

Derzeit hat man das Gefühl, dass eigene Ideen ziemlich rar geworden sind. Anders ist die Schwemme an Remakes, Reboots, Pre- und Sequels kaum zu erklären. Auch „Spuk in Hill House“ ist kein neuer Stoff: Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman (Shirley Jackson, 1959) und wurde bereits zweimal verfilmt (1963 als „Bis das Blut gefriert“ und 1999 als „Das Geisterschloss“). 2018 hat das Material den Sprung auf ein Streaming-Portal und gleichzeitig ins Serien-Format geschafft, was einen moderneren Anstrich und verbesserte Charakterentwicklung zur Folge hat.

Gesamteindruck: 5/7


Viel Drama und ein bisschen Horror.

Kunst ist ja immer auch ein Spiegel ihrer Zeit. Es kann so gesehen durchaus lohnend sein, eine bereits mehrfach erzählte Geschichte an aktuelle Gegebenheiten und Probleme anzupassen. In Bezug auf bewegte Bilder war zu diesem Zweck bis vor wenigen Jahren meist die Kinoleinwand das Mittel der Wahl, in jüngster Zeit wurde dafür die Fortsetzungserie (engl.: serial) (wieder-) entdeckt. Heißt: Die Handlungsstränge sind episodenübergreifend und die einzelnen Folgen bauen aufeinander auf. Der Charakterentwicklung kann damit entsprechend viel Platz eingeräumt werden. Das macht sich „Spuk in Hill House“ zu Nutze und zeichnet einerseits sehr detaillierte Figuren, spielt andererseits mit verschiedenen Zeit- und Handlungsebenen und leistet sich den Luxus, Erklärungen für das Geschehen nicht immer sofort zu liefern.

Inhalt in Kurzfassung
Anfang der 1990er zieht Familie Crain (Vater, Mutter, fünf Kinder) in das „Hill House“ und stellt bald fest, dass es in dem düsteren Anwesen nicht mit rechten Dingen zugeht. Alpträume, merkwürdige Phänomene und Erscheinungen terrorisieren vor allem die Mutter und die jüngeren Kinder, bis es schließlich zur Tragödie kommt. Viele Jahre später bringt das Schicksal die Mitglieder der Familie erneut zusammen und sie müssen sich den Geistern ihrer Vergangenheit (und auch den Dämonen der Gegenwart) stellen.

Unlängst habe ich die erste Staffel der Netflix-Serie „Lost in Space“ (2018) rezensiert. Deren Kernelement ist dem von „Spuk in Hill House“ durchaus ähnlich: eine dysfunktionale Familie, die mehr mit zwischenmenschlichen Problemen zu kämpfen hat, als sich äußeren Einflüssen zu stellen. „Lost in Space“ ist also mehr Drama als Science Fiction. Oder will es sein, wieso das nicht so gut funktioniert, habe ich in meiner Rezension dargelegt. „Spuk in Hill House“ ist – analog dazu – mehr Drama als Horror, macht seine Sache aber ungleich besser. Das liegt vorwiegend an den Charakteren, die ausgezeichnet aufeinander abgestimmt und stets glaubwürdig sind. Entsprechend muss man die Darsteller loben, die den Figuren realistisches Leben einhauchen.

Das dürfte gar nicht so leicht gewesen sein, denn „Spuk in Hill House“ folgt nicht strikt der linearen Erzählform. Es gibt zwei Zeitlinien (1992 und die Gegenwart), die ineinander übergehen und in praktisch allen Episoden quasi-parallel dargestellt werden. Man bekommt also jede Figur als jung und alt präsentiert, entsprechend viel Augenmerk musste Mike Flanagan auf eine vernünftige und nachvollziehbare Entwicklung seiner Charaktere legen. Interessant, wie gut dieser Aspekt der Serie funktioniert – am Ende erhält man tatsächlich ein Gesamtbild, das man auch versteht. Ganz generell muss man das Drehbuch loben, das es sehr geschickt schafft, den Zuseher bei der Stange zu halten. So sind in den Episoden immer wieder Details eingestreut, die man in diesem Moment nicht einordnen kann. Das mag anfangs frustrierend sein, allerdings merkt man schnell, dass es immer eine Aufklärung gibt. Um die eine oder andere Szene zu verstehen, muss man zwar bis zum Staffelfinale warten, all das wurde aber so geschickt und interessant verpackt, dass der Frust schnell weicht und man einfach wissen will, wie es weitergeht.

Ärgerliche Schlussphase.

Leider reicht es trotz dieser Lobeshymnen nicht für ein bessere Bewertung von „Spuk in Hill House“. Denn alles, was ich bis hierhin geschrieben habe, gilt vornehmlich für die ersten sechs bis sieben Episoden dieser ersten Staffel. Zum Schluss hin wird es leider sehr anstrengend und man hat als Zuseher das Gefühl, dass einige Inhalte fast schon mit Gewalt auf das gewünschte Ende hingetrimmt werden mussten. Am meisten stören aber die Dialoge, die zum Finale hin immer länger werden und in denen die Charaktere Dinge zum Besten geben, die in Wirklichkeit niemand so sagen würde. Es wird teilweise so philosophisch und wortgewaltig, wie man es vom berühmt-berüchtigten Architekten in „Matrix Reloaded“ kennt. Und das ist wahrlich kein Kompliment. Denn auch „Spuk in Hill House“ wird dadurch gegen Ende viel anstrengender, als es notwendig gewesen wäre.

Übrigens: Ja, es gibt natürlich Horror in „Spuk in Hill House“. Meist ist das eher im Hintergrund zu beobachten, aber auch der eine oder andere Jumpscare hat es in die Serie geschafft. So richtig zum Fürchten ist das alles aber selten, wer sich also durchgehend gruseln möchte, wird – zumindest mit dieser Staffel – nicht glücklich werden. Ich selbst bin dennoch gespannt, wie es weitergeht – die Geschichte der Familie Crain scheint mit Staffel 1 ja abgeschlossen zu sein.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: The Haunting of Hill House
Idee: Mike Flanagan
Land: USA
Jahr: 2018
Episoden: 10
Länge: ca. 60 Minuten
Gesehen auf: Netflix
Haupt-Besetzung (Auswahl): Michiel Huisman, Timothy Hutton, Elizabeth Reaser, Oliver Jackson-Cohen, Kate Siegel, Victoria Pedretti, Carla Gugino, Paxton Singleton, Henry Thomas



 

SerienWelt: Lost In Space (2018) – Staffel 1

Remakes von alten Filmen, aber auch von Serien, sind schwer in Mode. Das kann einem gefallen oder auch nicht: Gegner beklagen den Mangel an neuen Ideen und die zum Teil arg lieblosen Neufassungen, Befürworter freuen sich über Updates mit aktuellem Anstrich und sind häufig der Meinung, dass früher ohnehin alles besser war. Streaming-Anbieter Netflix versucht sich ab 2018 an einem Remake von „Verschollen zwischen fremden Welten“, einer klassischen Science Fiction-Serie der 1960er Jahre.

Gesamteindruck: 3/7


Bruchlandung.

Nimmt man es ganz genau, ist „Lost In Space“ das Remake einer bereits 1998 als Hollywood-Film adaptierten TV-Serie, die auf einem Comic („Space Family Robinson“, 1962) basiert. Dieser hat wiederum ein Kinderbuch („Der Schweizerische Robinson“, Johann David Wyss, 1798) zur Vorlage, das seinerseits eine Adaption von „Robinson Crusoe“ (Daniel Defoe, 1719) darstellt. Insofern ist der Stoff nicht an die 60, sondern 200 Jahre alt, wenn man so will. Übrigens: Ich habe kein grundsätzliches Problem mit Remakes. Im Gegenteil, die Neuauflage von „Battlestar Galactica“ (2004-2009) ist beispielsweise eine meiner absoluten Lieblingsserien und schlägt das Original in praktisch allen Belangen. Von der Klasse eines „BSG“ ist „Lost In Space“ jedoch Lichtjahre entfernt – doch der Reihe nach.

Inhalt in Kurzfassung
In naher Zukunft wird die Erde immer unbewohnbarer. Einzige Chance für die Menschheit scheint die Besiedelung einer neuen Welt im Sternensystem Alpha Centauri zu sein. Unter den wenigen Auserwählten, die die Reise antreten dürfen, ist die fünfköpfige Familie Robinson. Als das Kolonieschiff „Resolute“ auf dem Weg zur neuen Welt schwer beschädigt wird, können sich die Robinsons auf einen unbekannten Planeten retten. Dort müssen sie um ihr Überleben kämpfen.

Die Grundprämisse der „Robinsonade“ ist das Stranden auf der einsamen Insel. Ganz so allein wie weiland Robinson Crusoe ist man allerdings nur zu Beginn von „Lost In Space“. Und auch an anderen Schrauben wurde sanft gedreht, um die Serie aus den 1960ern in die Gegenwart zu holen: Von der harmonischen Familie mit den braven Kindern ist praktisch nichts übrig – so erfahren wir, dass die Eltern John und Maureen Robinson seit Längerem getrennt sind und kurz vor der Scheidung stehen. Die älteste Tochter Judy ist dunkelhäutig, stammt aus erster Ehe und ist eine Art Universalgenie. Ihre Halbschwester Penny steht in milder Konkurrenz zu ihr und übernimmt den ironisch-komischen Part. Und dann wäre da noch Will, jüngster Spross, ebenfalls sehr intelligent, gleichzeitig aber auch als einziges Familienmitglied verletzlich und emotional. Mehr oder weniger rebellisch sind alle drei Kinder.

Neben den Robinsons gibt es drei weitere Hauptrollen. Der Antagonist nennt sich wie im Original Dr. Smith, ist 2018 allerdings weiblich und hat eine dubiose Hintergrundgeschichte spendiert bekommen. Mit dabei außerdem wie schon in den 1960ern Don West, der allerdings als Techniker/Schmuggler. Und auch der Roboter, mit dem sich Will Robinson anfreundet, darf nicht fehlen. Dessen außerirdischer Ursprung und sein bedrohliches Äußeres haben nichts mehr mit seinem plump-freundlichen Pendant aus der Original-Serie zu tun.

All das klingt zunächst sehr positiv und spannend. Im Übrigen weiß auch die Technik zu überzeugen: Alles an „Lost In Space“ sieht geradezu unverschämt gut aus. Das beginnt bei den realistisch wirkenden Raumschiffen und Fahrzeugen sowie den gut gemachten Kostümen, setzt sich beim Planeten mit seinen spektakulären Außenaufnahmen fort und reicht bis zum wunderschön dargestellten Weltraum. Nichts auszusetzen gibt es außerdem an Kamera, Schnitt und Special Effects – alles fügt sich sehr gut ins Gesamtbild. Lediglich der dramatische Soundtrack ist für meinen Geschmack ein wenig zu vordergründig, aber das ist bei Weitem kein Beinbruch. Was sind also die Probleme an „Lost In Space“, wenn Idee und Technik passen? Man kann es leicht erraten: Die Serie krankt massiv an Drehbuch und Charakterdarstellung. Ich bin sogar versucht zu sagen, dass man in diesen beiden so wichtigen Bereichen praktisch alles falsch gemacht hat.

Kommt nicht richtig in Schwung.

Beginnen wir mit dem Drehbuch: Die Autoren bringen jedes Mitglied der Hauptbesetzung in den 10 Episoden der Staffel praktisch durchgängig in vermeintlich ausweglose, gefährliche Situationen. Das muss per se nicht problematisch sein, gewisse Action-Serien arbeiten auch mit solchen Mitteln und wissen trotzdem zu unterhalten. Nun ist „Lost In Space“ mit seinen stark aufeinander aufbauenden Folgen aber vollkommen anders angelegt als „Knight Rider“ oder von mir aus auch „Stargate – Kommando SG-1“. Heißt: Die Serie sollte eigentlich ein (Familien-)Drama sein, garniert mit gut gemachten, zweckmäßigen Action-Sequenzen. Leider hat man ständig das Gefühl, dass ein Missverhältnis zwischen diesen beiden Polen besteht; eine Vielzahl an Szenen bringt weder die Serie als Ganzes noch die Charaktere, die darin agieren, voran. Schlimmer noch, einige Sequenzen wirken wie Lückenfüller, damit die Spielzeit von rund 50 Minuten pro Folge überhaupt erreicht wird. Es ist, als hätte man sich im Vorhinein viel zu wenige Gedanken darüber gemacht, wo man eigentlich hin möchte. Oder als wären die Bücher für 30-minütige Episoden geplant gewesen und Netflix hätte in letzter Minute gesagt: „Es müssen 50 Minuten sein!“ So funktioniert es aber nicht, man hat den Eindruck von Stückwerk und die Serie kommt einfach nicht richtig in Schwung, ist nicht rhythmisch, wenn man so will.

Ein Beispiel dazu: Maureen Robinson will in einer Episode mit einer Art Ballon in die Atmosphäre des namenlosen Planeten aufsteigen, um von dort aus einen besseren Blick auf die Sonne zu haben. Warum auch immer – die Erklärungen für solche Handlungen sind in „Lost In Space“ gerne mal an den Haaren herbeigezogen und geraten entsprechend schnell in Vergessenheit. Bevor sie das schafft, wird ihr Fluggerät vom Wind erfasst, schleift sie über den Boden und lässt sie fast in eine Schlucht stürzen. Dieser Zwischenfall hat allerdings keinerlei Auswirkung auf den Erfolg ihrer Mission oder die Entwicklung ihres Charakters, ist also vollkommen irrelevant. Derartige Dinge kommen immer wieder vor, sodass man sich fragt, was uns die Produzenten damit sagen wollen – für mich macht das „Lost In Space“ zu einer Anhäufung von Unwahrscheinlichkeiten und Situationen, in denen man einen Deus ex machina bemühen muss. Das mag auch in anderen Serien immer wieder vorkommen, so geballt, wie in dieser Netflix-Produktion habe ich es aber noch nie erlebt. Erschwerend kommt die Vorhersehbarkeit gewisser Handlungen und Situationen hinzu – so wird zum Beispiel in einer Weltraumszene eine Harpune abgeschossen, um driftende Crewmitglieder zu bergen. Die Kamera fängt ein, wie das Seil, an dem die Harpune hängt, auf sein Ziel zuschießt, sich abwickelt, immer länger und länger wird – und weiß sofort, dass die Länge nicht ausreichen wird. Und genau so kommt es dann auch.

Keine Identifikationsfiguren.

Während das Drehbuch meiner Meinung nach die Orientierungslosigkeit der Verantwortlichen offenlegt, haben die Charaktere mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen: Der Versuch einer moderneren Inszenierung der 1960er-Vorzeigefamilie scheitert gnadenlos an deren dümmlicher Darstellung (und damit meine ich nicht die schauspielerische Leistung, die allerdings auch nicht Emmy-verdächtig ist). So ist zum Beispiel die Idee, dass man die Hintergrundgeschichten zu den Figuren immer wieder in kleinen Rückblenden erfährt, gut. Nur sind die Häppchen, die dabei serviert werden, sehr klein, sodass sich das Gefühl von Tiefe sehr langsam einstellt – wenn überhaupt. Im Endeffekt ist das aber fast egal, weil das großteils unrealistische Verhalten der Raumfahrer alles andere überdeckt. Zu allem Überfluss betrifft das nicht nur die Hauptpersonen, sondern auch die später eingeführten Nebencharaktere.

Was meine ich damit? Es kommt in „Lost In Space“ beispielsweise immer wieder zu brenzligen Situationen weil man trotz des gemeinsamen Schicksals stets das eine oder andere Geheimnis voreinander hat. Dass so etwas für gruppendynamische Prozesse und damit Spannung in einer Serie sorgen kann, haben andere Shows bewiesen – hier ist es allerdings so, dass dieses Gehabe hoffnungslos aufgesetzt und an den Haaren herbeigezogen wirkt. Womit sich der Kreis zu den Mängeln im Drehbuch wieder schließt. Denn wenn man es nicht schafft, seine Charaktere sympathisch oder wenigstens interessant zu gestalten, versucht man eben, sich über Tricks zu retten, die Tiefe vorgaukeln sollen. Das kann funktionieren, tut es im Falle von „Lost In Space“ aber nicht.

A pro pos „Sympathie“: Es ist schon ein Kunststück, bei einer Kernmannschaft von 7 Hauptpersonen (8, wenn man den wortkargen Roboter dazu rechnet) praktisch niemanden hat, der Sympathien beim Zuseher zu wecken vermag. Dafür fehlt es entweder an Charisma (Vater, Mutter, älteste Tochter) oder dümmlich-peinliche Dialoge stehen im Weg (jüngere Tochter, der Techniker). Für mich unerwartet ist es ausgerechnet der jüngste Sohn, dessen Rolle am besten funktioniert und dessen Darstellung verhältnismäßig wenig nervt. Brauchbar geschrieben wurde auch die Antagonistin, die weniger bösartig, sondern eher verschlagen wirkt, gleichzeitig sogar ein wenig Mitleid weckt. Sympathisch geht anders, ist aber immerhin einigermaßen interessant und annehmbar von „Independent-Queen“ Parker Posey gespielt. Das zeigt aber gleichzeitig auch eine Facette des Problems mit der Charakterdarstellung: Die Familie ist dysfunktional, außerhalb gibt es einen halb-lustigen Techniker und eine Schurkin. Mit wem soll man sich als Zuseher identifizieren? Mir persönlich war das praktisch unmöglich und wäre einer der Charaktere ums Leben gekommen, hätte das bei mir keine Emotionen geweckt. In manchen Fällen hätte ich mich sogar gefreut – was kaum Sinn und Zweck der Übung sein kann.

Hoffnung auf Staffel 2.

Ob ich mir eine weitere Staffel dieser Serie antue, weiß ich noch nicht. Der finale Cliffhanger spricht schon dafür, ein paar offene Fragen wurden durchaus geschickt eingebaut – und die Antworten würde ich gerne erfahren. Dass man die Fortsetzung kaum erwarten kann (wie es z.B. bei „Game of Thrones“ der Fall ist), ist dennoch nicht der Fall. Paradoxerweise hat das auch was mit dem Finale zu tun, dessen letzter Twist dafür sorgt, dass die 10 Folgen von Staffel 1 mit einem Schlag quasi ihre gesamte Bedeutung verlieren. Das wäre rein von der Handlung her ja kein Problem, weil es aber an Darstellung und Entwicklung der Charaktere dermaßen hapert, fragt man sich am Schluss zwangsläufig, wofür die man eigentlich 10 Stunden seines Lebens geopfert hat.

Bewertungstechnisch ist das quasi der Todesstoß für „Lost In Space“. Dass es dennoch 3 Punkte gibt, liegt an der exzellenten Ausstattung und an ein paar guten Ansätzen, die zumindest ab und an zu unterhalten vermögen.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Lost In Space
Idee: Matt Sazarma, Burk Shapless
Land: USA
Jahr: 2018
Episoden: 10
Länge: ca. 45-65 Minuten
Gesehen auf: Netflix
Haupt-Besetzung: Toby Stevens, Molly Parker, Taylor Russell, Mina Sundwall, Maxwell Jenkins, Parker Posey, Ignacio Serricchio, Brian Steele