FilmWelt: Eolomea

„Eolomea“ aus dem Jahr 1972 ist der erste und zum Zeitpunkt dieser Rezension einzige Film der DEFA (Deutsche Film AG), den ich gesehen habe; genau kann ich das freilich nicht sagen, es gibt immerhin um die 700 DEFA-Filme. Viel habe ich mir jedenfalls nicht versprochen – und doch: „Eolomea“ hatte eine merkwürdige, fast hypnotische Wirkung auf mich.

Gesamteindruck: 4/7


Science Fiction aus dem Osten.

Es mag sein, dass das Jahr, in dem „Eolomea“ gedreht wurde, den modernen Science Fiction-Fan abschreckt. In diesem Genre kam es ja schon immer auch auf die Technik, sprich die Güte der Effekte und die glaubhafte Darstellung einer zukünftigen Welt an. Diesbezüglich kann ich aber definitiv beruhigen: „Eolomea“ ist mittlerweile 50 Jahre alt, sieht jedoch deutlich besser aus, als man meinen möchte. Sowohl Raumschiffe als auch Kulissen und Kostüme wirken nach nach wie vor sehr ansprechend. Welchen Eindruck das alles in den 1970ern gemacht hat, wage ich nicht zu mutmaßen; er kann aber definitiv kein schlechter gewesen sein.

Inhalt in Kurzfassung
Nachdem acht Raumschiffe in der Nähe der Station „Margot“ verschwunden sind, wird ein sofortiges Verbot für alle weiteren Flüge ausgesprochen, bis die Ursache für die merkwürdigen Ereignisse gefunden wird. Es scheint, als hätte das Verschwinden der Raumer etwas mit den periodischen Funksignalen zu tun, die aus dem viele Lichtjahre entfernten Sternbild „Schwan“ kommen – und die als Buchstabenkombination „EOLOMEA“ entschlüsselt wurden…

„Eolomea“ wurde, wie einleitend erwähnt, von der DEFA gedreht. Sieht man sich den Film heute an, hat man daher ständig das Gefühl, man müsste nach irgendwelchen Botschaften suchen, die sich entweder subversiv gegen das DDR-Regime richten oder anti-westliche Propaganda beinhalten. Mir persönlich wäre weder in die eine noch in die andere Richtung etwas aufgefallen, ich muss aber zugeben, dass es diesbezüglich mit meinem geschichtlichen Verständnis nicht allzu weit her ist. Immerhin ist es mir dadurch möglich gewesen, „Eolomea“ einfach nur als Science Fiction-Film zu betrachten und zu bewerten.

Und als solcher funktioniert der 80-Minüter des bis weit in die 1990er Jahre hinein tätigen Regisseurs Hermann Zschoche definitiv. Positiv ist mir vor allem aufgefallen, dass in „Eolomea“ durchgehend gute bis sehr gute Schauspieler vor der Kamera stehen. Erfreulich auch, dass die Mimen zwar nicht sonderlich tiefgründige, aber immerhin sehr sympathische Charaktere verkörpern dürfen – allen voran den zwischen Draufgängertum und Lustlosigkeit hin- und hergerissenen Raumpiloten Daniel Lagny, gespielt vom bulgarischen Multitalent Iwan Andonow. Sogar der eigentlich eher als Antagonist angelegte Professor Olo Tal (eine weitere Bösewicht-Rolle für den 2018 verstorbenen Rolf Hoppe) und die unterkühlte Professorin Maria Scholl (Cox Habbema) haben ihre sympathischen Momente.

In dieser Hinsicht muss man auch die Dialoge hervorheben, die ausgesprochen geschickt inszeniert wurden – denn sie gaukeln eine Tiefgründigkeit vor, die der Film eigentlich gar nicht hat. Zumindest nicht von der eher minimalistischen Handlung her. Aber die Art und Weise, wie die Charaktere ihre Motivationen, Befürchtungen und Wünsche zum Ausdruck bringen, muss man fast schon als grandios bezeichnen. Ich habe das Gefühl, dass es genau das ist, was heutigen Filmen oft fehlt: Figuren mit Ecken und Kanten – und natürlich Schauspieler, die das auch genau so rüberbringen können.

Und noch ein Lob möchte ich aussprechen: Durch das Zusammenspiel zwischen Musik und immer wieder eingestreuten, leicht psychedelischen Elementen, entsteht die eingangs von mir erwähnte, hypnotische Wirkung. Das ist schon sehr speziell, aber genau richtig dosiert, um nicht aufgesetzt oder gar unangenehm zu wirken. Übrigens: Das Drehbuch ist passenderweise auch mal nicht-linear. Es werden gelegentlich Rückblicke, die nicht sofort als solcher erkenntlich sind, eingestreut. Kann es sein, dass Hermann Zschoche ein sehr fortschrittlicher und experimentierfreudiger Regisseur war (zum Zeitpunkt dieser Rezension lebt der Mann übrigens noch, ist aber längst nicht mehr im Filmbusiness tätig)? Ich weiß es nicht, aber „Eolomea“ würde auf jeden Fall dafür sprechen.

Nicht zu Ende gedacht.

Inhaltlich fußt der Film auf einer eigentlich sehr interessanten Prämisse, die mit auch aus heutiger Sicht noch realistisch wirkendem, quasi-wissenschaftlichen Hintergrund untermauert ist. Das führt uns aber leider auch schon zum eigentlichen Problem, das eine deutlich bessere Wertung verhindert: Die Idee hinter den Signalen aus der Ferne wirkt nicht zu Ende gedacht. Will sagen: Der Film endet, wenn die Spannung deutlich anzieht und man wissen möchte, was es wirklich mit „Eolomea“ aus sich hat. Aufgeklärt wird nichts – und das offene Ende ist leider nicht so gelungen, dass man darüber hinwegsehen kann, vielleicht sogar noch Stunden oder Tage später darüber nachdenkt. Genau genommen wirken dadurch weite Teile des Films wie verhältnismäßig sinnloses Geplänkel, das nur dann eine größere Bedeutung gehabt hätte, wenn „Eolomea“ tatsächlich mit einer klaren Botschaft zu Ende gegangen wäre. So bleibt in der Rückschau das Gefühl einer Art Vorgeschichte, so ähnlich, wie es Pilot-Folgen für heutige Serien oft vermitteln.

Schade drum, denn der Versuch, die Charaktere in den Mittelpunkt eines Science Fiction-Filmes zu stellen, war ein guter Gedanke. Der drängt den Fiction-Anteil zwar etwas in den Hintergrund, das wäre aber in Ordnung gewesen; zumindest dann, wenn das Finale entweder große Fragen gestellt oder beantwortet hätte. So bleibt „Eolomea“ ein Film, den ich mir gerne angesehen habe, der mich am Ende aber ratlos und, ja, auch ein bisschen enttäuscht, zurückgelassen hat.

PS: Angesehen habe ich mir den Film auf Amazon Prime Video, wo er derzeit in der Flatrate gestreamt werden kann. Er scheint aktuell auch offiziell und legal in voller Länge auf Youtube verfügbar zu sein – siehe unten.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Eolomea.
Regie:
Hermann Zschoche
Drehbuch: Angel Wagenstein, Hermann Zschoche, Willi Brückner
Jahr: 1972
Land: DDR
Laufzeit: ca. 80 Minuten
Besetzung (Auswahl): Cox Habbema, Iwan Andonow, Rolf Hoppe, Petar Slabakow, Wsewolod Sanajew



FilmWelt: Schlacht um Midway

„Schlacht um Midway“ ist top besetzt (u. a. am Start: Fonda, Heston, Coburn, Mitchum) und eigentlich auch ganz gut gespielt. Zumindest, wenn man die Maßstäbe für einen linientreuen, patriotisch angehauchten US-Kriegsfilm aus den 1970er Jahren ansetzt, die nun nicht allzu hoch sind. Auch technisch ist das, was Regisseur Jack Smight (†  2003) auf die Beine stellt, gut gemacht und ausreichend spektakulär. Und historisch scheint mir das Ganze wesentlich akkurater zu sein als die „Pearl Harbor“-Katastrophe von Michael Bay. Eine hohe Wertung muss dem Film aber trotzdem versagt bleiben, vor allem, weil er aus heutiger Sicht nicht das erfüllt, was man sich erhofft: Ein Statement gegen den Krieg.

Gesamteindruck: 4/7


Krieg als strategisches Abenteuer.

Die historische Schlacht um Midway, die dem gleichnamigen Film als Hintergrund dient, war ein Wendepunkt am Pazifik-Schauplatz des 2. Weltkrieges. Den Amerikanern gelang es, der bis dahin weitgehend überlegenen Flotte der Japaner eine Niederlage beizubringen und damit die Initiative an sich zu reißen, die bis Kriegsende nicht mehr verloren ging. Der Film nimmt sich dieses Themas an, vorwiegend (natürlich) aus US-amerikanischer Sicht. Die japanische Seite wird zwar ebenfalls beleuchtet, jedoch weit weniger prominent. Diese Herangehensweise entspricht durchaus den Erwartungen an einen Kriegsfilm aus den 1970ern, letztlich ist es löblich, dass überhaupt versucht wird, auch ein bisschen vom Pech, das die Japanaer in bzw. vor dieser Schlacht eben auch hatten, darzustellen.

Wenn man sich die Fakten über „Schlacht um Midway“ zu Gemüte führt, ist man zunächst geradezu erschlagen von der Star-Power, die Regisseur Jack Smight auffährt: Henry „Admiral Nimitz“ Fonda (zwei Oscars) steht an der Seite von Charlton „Captain Garth“ Heston, Cliff „Commander Jessop“ Robertson und James „Captain Maddox“ Coburn (jeweils ein Oscar), dazu diverse Golden Globe-Preisträger und der sehr bekannte Robert „Admiral Halsey“ Mitchum, dem eine größere Auszeichnung in seiner Karriere verwehrt blieb. Dass mit einer solchen Besetzung schauspielerisch alles im Grünen Bereich ist, sollte also nicht überraschen. Im Übrigen machen auch die großteils von asiatisch-stämmigen Amerikanern gespielten Japaner eine sehr gute Figur, was oft genug übersehen wird. Und auch hinter der Kamera werkeln diverse Preisträger, darunter Komponist John Williams, x-facher Oscar- und Golden Globe-Gewinner.

Die Schauspieler und ihre Leistung sind meiner Ansicht nach also nicht für die durchwachsene Bewertung des Films verantwortlich, ebensowenig sind es Technik und Ausstattung, die sich auf der Höhe der Zeit bewegen und auch heute noch einen sehr guten Eindruck machen. Wobei es schon ein wenig auffällt, dass für die Dreharbeiten nur amerikanische Schiffe zur Verfügung standen, die auch der japanischen Seite als Kulisse dienten, aber sei’s drum. „Schlacht um Midway“ krankt auch nicht an der Handlung, die, soweit man das als Laie sagen kann, durchaus den realen Begebenheiten Rechnung trägt. Das Problem ist aus meiner Sicht einzig und allein im Drehbuch zu suchen.

Kurz gesagt: Der Film ist im Endeffekt zu oberflächlich, er konzentriert sich zu sehr auf die technischen und strategischen Seiten des Geschehens. Was der Film nicht zeigt (und wodurch er heutigen Sehgewohnheiten einfach zuwider läuft), ist die Auswirkung des Krieges auf die Soldaten, auf den Einzelnen. Der Krieg wird in „Schlacht um Midway“ zu einer Materialschlacht; die Perspektive konzentriert sich im Großen und Ganzen auf die Admiralität, die ihre Flieger und Schiffe mal hierhin, mal dorthin schiebt, ohne sich groß um die Verluste, die daraus entstehen, zu kümmern. Das mag sogar realistisch sein, leider wird es aber nicht genutzt, um gerade an diesen Zuständen Kritik zu üben. Die kleine Liebesgeschichte, die vorkommt, hätte es für mein Dafürhalten sowieso nicht gebraucht, sie ist aber glücklicherweise nicht entscheidend für die Handlung.

Es mag durchaus sein, dass all das für einen Kriegsfilm aus den 1970ern gereicht hat und vielleicht sogar gewünscht war. Das ändert aber nichts daran, dass es mir persönlich als Zuseher im Jahr 2017 zu wenig ist. Dennoch: Wenn man ohne Erwartung von tieferen Einblicken in die Soldaten-Seele rangeht, kann der Film durchaus unterhalten. Nicht mehr und nicht weniger.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Midway
Regie: Jack Smight
Jahr: 1976
Land: USA
Laufzeit: 132 Minuten
Besetzung (Auswahl): Henry Fonda, Charlton Heston, James Coburn, Robert Mitchum, Robert Wagner, Glenn Ford, Toshirō Mifune



 

BuchWelt: Gateway

Frederik Pohl


In „Gateway“ (1976) hat die Menschheit den Sprung in den Weltraum geschafft, wenngleich nicht ganz so, wie sich der geneigte Sci-Fi-Fan das vorstellen mag. Denn was nützt es, wenn man überlichtschnelle Raumschiffe zur Verfügung hat, diese aber nicht steuern kann und somit auf Gedeih und Verderb der Programmierung durch seit Jahrhunderten verschollene Fremde ausgesetzt ist? Nicht einmal ob man tot oder lebendig von der Reise zurückkehrt ist bekannt. Und doch ist das genau der Stoff, aus dem gute Geschichten geboren werden, wie Frederik Pohl mit diesem Buch beweist. 

Gesamteindruck: 7/7


Eine Reise ins Unbekannte.

„Gateway“ erinnert vom Prinzip her ein wenig an den einige Jahre zuvor erschienenen Strugatzki-Klassiker „Picknick am Wegesrand“. Hier die „Prospektoren“, dort die „Stalker“, beides wagemutige und oft genug verzweifelte Menschen, die auf der Suche nach Reichtum ihr Leben riskieren. Da wie dort gibt es wenige Informationen über die von Außerirdischen (in „Gateway“ haben sie zumindest einen Namen: „Hitschi“) hinterlassenen Artefakte. Und auch abseits dieser Gemeinsamkeiten sind die Romane nicht so verschieden, wie man denken könnte, wenn man an die Herkunft der zwei Werke bzw. ihrer Autoren denkt. Gemein ist ihnen nämlich auch, dass es vornehmlich um die psychologische Situation des Protagonisten geht – und auch um gesellschaftskritische Ansätze. Und wenn wir schon von Vergleichen und Gemeinsamkeiten spricht, sei auch noch angemerkt, dass beide Bücher ähnlich hervorragend sind.

Doch nun zu „Gateway“ selbst, einem Roman, der mit knapp über 220 Seiten nicht allzu umfangreich ausgefallen ist. „Leider“, ist man versucht zu sagen. Denn Autor Frederik Pohl schafft es geradezu meisterhaft, mit den Erwartungen des Lesers zu spielen. Beispielsweise wartet natürlich jeder, der das Buch zur Hand nimmt und den Klappentext gelesen hat, darauf, dass der Protagonist Robinette Broadhead endlich in ein Hitschi-Raumschiff steigt und sich ins Abenteuer stürzt. Allerdings tut Pohl seinen Lesern diesen Gefallen relativ spät im Buch.

Dass „Gateway“ dennoch zu keinem Zeitpunkt langweilig wird, ist eine Meisterleistung des Autors. Die Handlung spielt sich auf zwei Ebenen ab: Erstens die Gegenwart, in der sich Broadhead in psychologischer/psychiatrischer Behandlung befindet, damit gleichsam die Reise in sein eigenes Ich antritt. Zweitens wird in Rückblenden von den vergangenen Erlebnissen und Taten des (Anti-)Helden berichtet. All das in der Ich-Form, was eine schnelle Identifikation zulässt. Für mein Dafürhalten ist das derartig spannend und interessant umgesetzt, dass man zwischendurch kaum daran denkt, dass der erste Flug, also das Ereignis schlechthin, nicht und nicht stattfindet. Frederik Pohl sorgt aber auch dafür, dass keine Längen entstehen und man sich trotz dieser Materie, die sich auf den ersten Blick vielleicht schwierig und trocken anhört, bestens unterhalten ist. Einerseits schafft er das durch die Sprache, die immer gut verständlich und leicht zu lesen ist, andererseits verdient die Idee, manche Seiten als „Kleinanzeigen“, die direkt von den Computerbildschirmen auf Gateway stammen, zu gestalten. Das macht das ganze Setting unglaublich lebendig und greifbar.

Auszusetzen habe ich an „Gateway“ nichts. Letztlich ist es natürlich unbefriedigend, dass man keine näheren Informationen über die Hitschi und ihre Hinterlassenschaften erhält. Das ist allerdings auch der Reiz dieser Geschichte, auf den man sich schon einlassen muss: Die Menschheit der Zukunft, die Figuren in diesem Roman, wissen auch nicht mehr als der Leser. Das bleibt auch so – und gibt der Fantasie herrlich viel Spielraum. Wer sich mit solchen Nicht-Erklärungen schwer tut, wird mit „Gateway“ keine Freude haben. Mit „Picknick am Wegesrand“ übrigens auch nicht, womit sich der Kreis zu den Strugatzkis wieder schließt.

Gesamteindruck: 7/7gateway


Autor: Frederik Pohl
Originaltitel: Gateway.
Erstveröffentlichung: 1976
Umfang: 224 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

 

BuchWelt: The Stand – Das letzte Gefecht

Stephen King


„The Stand“ wird immer mal wieder als Stephen Kings bestes Werk beschrieben. Dieser Ansicht kann ich nicht so recht zustimmen, was natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks ist. Mir gefällt beispielsweise „Es“ wesentlich besser. Dennoch ist es so, dass dem Amerikaner hier ein Epos über den Kampf zwischen Gut und Böse gelungen ist, das eine unheimliche Kraft entfaltet, die ich persönlich so nicht erwartet hätte.

Gesamteindruck: 5/7


Mächtiges Epos mit einigen Längen.

Im Großen und Ganzen lebt Stephen Kings 1978er-Roman „The Stand“ von zwei Elementen: Zum einen ist die Beschreibung einer quasi-postapolkalyptischen Welt ausgezeichnet gelungen. Dieses Thema ist zwar an sich nicht neu, aber der Autor setzt es auf völlig eigene Art um – ein nahezu völlig entvölkerter Kontinent, auf dem aber die gesamte Technik noch da ist und funktioniert, regt die Fantasie entsprechend stark an. Der zweite wichtige Punkt sind Kings Charaktere. Wer bereits Werke des Amerikaners kennt, weiß, was ihn hier erwartet: Klug und behutsam aufgebaute Figuren, die aus ihrem Alltag direkt in eine immer chaotischer werdende Welt geworfen werden und damit umzugehen lernen. Was das betrifft ist tatsächlich alles im grünen Bereich, auch wenn dem erfahrenen King-Leser einige Personen recht bekannt vorkommen werden.

Was allerdings nicht verschwiegen werden darf: Die vorliegende Fassung enthält durchaus einige Längen, die zwar gerade noch erträglich sind, aber dennoch nicht wegdiskutiert werden können. Ob das an der „erweiterten“ Fassung liegt weiß ich nicht, da ich die Original-Ausgabe nicht kenne. Denn ursprünglich wurde „The Stand“ als einzelner Band veröffentlicht. Ich selbst habe eine zweibändige Edition, herausgegeben vom Verlag Bastei-Lübbe gelesen. Dort steht im Vorwort, dass die Originalausgabe gekürzt war – vorwiegend, weil es der damalige Verlag so wollte. Wie auch immer: King geht ab und an mit seiner – immer schon recht ausgeprägten – Art, sich in Details zu verlieren, einen Schritt zu weit. An diesen Stellen wünscht man sich eine Straffung der Handlung, wobei es aber kein einziges Mal so weit kommt, dass man quer liest.

Wesentlich problematischer als diese Ausschweifungen ist meines Erachtens jedoch der Schluss, der im Vergleich zum Gesamtwerk wenig ausgearbeitet wirkt. Im Kontrast zum insgesamt eher gemächlichen Aufbau geht gegen Ende plötzlich alles sehr schnell und auch nicht ganz nachvollziehbar vonstatten. Schade ist auch, dass der Autor zwar die „Guten“ und ihre Bemühungen sehr ausführlich beleuchtet, die Gegenseite aber ziemlich vernachlässigt. Dabei sollte es auch dort durchaus interessante Charaktere geben, über die man wesentlich mehr erfahren möchte. Grund dafür ist auch, dass King bei der Gruppe um „Mutter Abagail“ (deren Rolle sich mir übrigens auch nicht so wirklich erschließt) zeitweise viel zu tief in den Klischee-Topf greift. Wenn beispielsweise die amerikanische Nationalhymne voller Inbrunst abgesungen wird und dabei kein Auge trocken bleibt, hat das für mich schon etwas von unfreiwilligem Humor. Wobei ich mir vorstellen könnte, dass amerikanische Leser gerade solche Anwandlungen lieben.

Trotz der angesprochenen Kritikpunkte halte ich „The Stand“ für durchaus lesenswert. Fans des amerikanischen Kult-Autors wissen ohnehin was sie erwartet, King-Hasser werden sich auch mit diesem Werk nicht bekehren lassen. Neulingen sei vielleicht ein etwas leichter verdaulicher Einstieg wie „Friedhof der Kuscheltiere“ empfohlen. 5 Punkte jedenfalls für einen Roman, der nicht Kings allerbester ist, seine wirklich schwachen Bücher aber locker hinter sich lässt.

Gesamteindruck: 5/7


Autor: Stephen King
Originaltitel: The Stand.
Erstveröffentlichung: 1978
Umfang: ca. 1.400 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Rozznjogd/Sauschlachten

Peter Turrini


Zwei sehr schonungslose Stücke sind meinem Kärntner Landsmann Peter Turrini mit seinen Frühwerken „Rozznjogd“ (1967) und „Sauschlachten“ (1972) gelungen. Wobei man obige Bewertung durchaus infrage stellen bzw. mit Vorsicht genießen kann – immerhin habe ich nur vorliegendes Buch gelesen, das Bühnenstück als solches kann ich nicht beurteilen. Einem fantasiebegabten Leser dürfte aber ohnehin das berühmte „Bild im Kopf“ entstehen, sodass man sich zumindest gewisse Vorstellungen von der Umsetzung machen kann.

Gesamteindruck: 6/7


Rozznjogd/Sauschlachten.

„Rozznjogd“ (auf Hochdeutsch: „Rattenjagd“) besticht mit einer Aktualität, die heute größer scheint, als zur Uraufführung 1971. Grob gesagt geht es darin um den Ausbruch aus dem Konsumzwang, um das Abwerfen der Masken, die wir uns durch Statussymbole in Form von Markenartikeln erkauft haben. Radikal entfernen die Protagonisten dabei alles, was nicht zu ihrem Körper gehört – vom falschen Haarteil über die Ohrringe bis hin zur Kleidung und letztlich auch den „zivilisierten“ Verhaltensweisen, um sich wirklich kennenzulernen. Dass ein solches Stück, an dessen Ende die Schauspieler nackt und völlig enthemmt sexuelle Handlungen simulieren in den ersten Aufführungen einen Skandal erzeugte, verwundert nicht weiter. Aber im Endeffekt ist es nicht die Nacktheit, die so provoziert, sondern der Spiegel, der der modernen Wohlstandsgesellschaft vorgehalten wird. In letzter Konsequenz sind es nämlich immer noch Menschen, die sich hinter den selbstauferlegten Masken verbergen und nur zu gern befreit werden würden. Dieses Stück lebt nicht zuletzt vom starken Dialekt – für alle, die diesen nicht verstehen, liegt in diesem Buch auch eine hochdeutsche Fassung vor, die allerdings weniger reizvoll (und laut Turrini sogar „unspielbar“) ist.

Das zweite Stück im vorliegenden Band, „Sauschlachten“, widmet sich einer anderen Art von Verweigerung. Denkt man zu Beginn noch, es mit einem Volksstück im Bauernmilieu zu tun zu haben, wird sehr schnell klar, dass eben mit den Erwartungen, die solche Stücke schaffen, gespielt wird. Die „Sprachverweigerung“ macht ein Mitglied der biederen Bauernfamilie zum Außenseiter, den man zur Normalität zwingen will. Die Wut über die Weigerung zur Anpassung wird derart stark, dass schließlich alle Hemmungen und Grenzen über Bord geworfen werden. Dieses Stück scheint starke autobiographische Züge von Peter Turrini zu tragen, der sich in seiner Heimat auch immer missverstanden und als Außenseiter fühlte. Die Umsetzung des Ganzen ist schonungslos und erschreckend, mit einem gewissen Hang zum bitteren Humor – sicherlich nicht jedermanns Sache, aber meiner Ansicht nach sehr gut gelungen.

„Sauschlachten“ ist für mich das stärkere Stück, das schon allein den Kauf des Buches (und nach Möglichkeit den Gang ins Theater) rechtfertigt. Bei „Rozznjogd“ muss man sehen, dass es sich um das Debütwerk von Turrini handelt – was das Stück ebenfalls sehr eindrucksvoll und intensiv macht. Die Höchstwertung verfehlt dieser Doppelband nur ganz knapp, wobei ich noch einmal darauf hinweisen möchte, dass ich die wahre Form, das Theater, nicht kenne.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: Peter Turrini
Originaltitel: Rozznjogd/Sauschlachten.
Erstveröffentlichung: 1967/1972
Umfang: 148 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Der Kult

Thomas Tryon


Wer sich einmal abseits von Stephen King und H.P. Lovecraft in Neuengland gruseln möchte, sollte es mit diesem (leider vergriffenen) Buch probieren. Beispielsweise auf eBay sollte sicher das eine oder andere Exemplar zu finden sein. Wer es schafft, bekommt mit „Der Kult“ ein spannendes, unheimliches Buch, in dem der Horror sich eher auf leisen Sohlen anschleicht. Zwar nicht ganz so diffizil und elegant, wie man es von anderen Autoren kennt, aber dennoch wohltuend anders als alles, was auf den schnellen Schock ausgerichtet ist. 

Gesamteindruck: 5/7


Unheimliche Ereignisse in Neuengland.

Das im äußersten Nordosten der Vereinigten Staaten gelegene Neuengland war schon immer ein guter Boden für unheimliche Geschichten. Dort scheint es – wenn man namhaften Schauer-Autoren wie H.P. Lovecraft und Stephen King glauben darf – tatsächlich nicht ganz mit rechten Dingen zuzugehen. Auch Thomas Tryon verlegt die Handlung seines Romanes „Der Kult“ in diese Gegend, was für Leser, die bereits andere Werke, die dort angesiedelt sind kennen, eine schnelle Identifikation möglich macht.

Das Buch enthält einige Elemente, die man vor allem von Lovecraft kennt und schätzt (wenngleich Tryon die geniale Qualität seines Vorbildes natürlich nicht erreicht). Eine behutsam aufgebaute Geschichte eines Ich-Erzählers, die harmlos beginnt, sich über kleinere Schockmomente steigert und schließlich in einem atemberaubenden Finale endet. Größter Unterschied zu Lovecraft sind die wesentlich plakativeren Ausführungen einiger Szenen. Zwar hat man auch hier – zumindest ab der zweiten Hälfte – das Gefühl, einer unheimlichen, unbegreiflichen Welt, die sich zwischen den Zeilen verbirgt; das Grauen selbst tritt aber wesentlich detaillierter und greifbarer zutage als beim Altmeister. Nichtsdestotrotz gibt es keinen durchgehenden Grusel, der Großteil des Horrors entsteht eher im Kopf als auf dem Papier.

Tryon nimmt sich sehr viel Zeit, seine Personen und vor allem den Ort der Handlung, ein verschlafenes, altertümliches Nest, in dem der Gen-Pool ein wenig seicht ist (um es vorsichtig auszudrücken), einzuführen. Die bäuerlichen Bewohner des Ortes werden dabei recht anschaulich in ihren Eigenarten beschrieben, allzu Tiefgehendes darf man auch aber nicht erwarten. Die Geschichte selbst, die die Aufnahme einer Stadtfamilie in die enge Dorfgemeinschaft bis hin zu einem bitteren Ende zeigt, wurde spannend umgesetzt. Trotz des behutsamen Aufbaus und eines Umfangs von über 450 Seiten kamen mir bei der Lektüre kaum Längen unter. Einziger Kritikpunkt ist aus meiner Sicht der manchmal sehr merkwürdig anmutende Stil des Autors – teilweise wird man doch sehr stark an einen Groschenroman erinnert. Wer darüber hinwegsehen kann, wird mit einem interessanten und angenehm zu lesenden Buch belohnt, das hierzulande zu Unrecht kaum bekannt ist.

Gesamteindruck: 5/7


Autorin: Thomas Tryon
Originaltitel: Harvest Home
Erstveröffentlichung: 1973
Umfang: ca. 450 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch (vergriffen)


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BuchWelt: Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang

Arkadi & Boris Strugatzki


Wem dieses Buch letztendlich gefallen könnte, ist schwer zu sagen. Hauptsächlich werden sich wohl Leser von philosophischer Science Fiction, wie man sie beispielsweise auch von Frank Herbert, Philip K. Dick, Isaac Asimov oder auch Stanisław Lem kennt, angesprochen fühlen. Ganz vergleichbar mit deren Werken ist „Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang“ aber nicht – zu stark steht hier der gesellschaftskritische Aspekt im Vordergrund. Einen Blick riskieren können die Fans der genannten Autoren aber auf jeden Fall. Jeder, der eine Art Space Opera oder ähnliches erwartet, sollte einen großen Bogen um dieses Werk machen. Im Endeffekt reicht es bei mir für vier Punkte – ich habe trotz des wichtigen Themas definitiv schon Besseres von Arkadi und Boris Strugatzki gelesen.

Gesamteindruck: 4/7


Harter Tobak in gewöhnungsbedürftigem Stil.

Die Brüder Arkadi und Boris Strugatzki sind ja für ihren ausgesprochen interessanten, mitunter aber auch recht trockenen Zugang zur Science Fiction bekannt. „Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang“ (auch als „Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang“ erschienen) ist ein Beispiel für die nicht gerade angenehm zu konsumierende Variante eines Strugatzki-Buches. In der dünnen Handlung wird der Frage nachgegangen, warum und unter welchen Umständen der Sprung von einer normalen zu einer „Superzivilisation“ scheitern könnte.

Das liest sich in einer Rezension wie ein höchst spannendes Thema. Allerdings seien potentielle Leser gewarnt: Die Andeutungen, die die Autoren in die einzelnen Kapitel verpacken, bleiben meist sehr nebulös. Es gibt zwar Erklärungsansätze für die Ereignisse, die dem Protagonisten und seinen Kollegen widerfahren – wirklich verständlich und schlüssig ist allerdings kaum etwas. Zumindest nicht aus Science Fiction-Sicht. Aus den Anmerkungen geht hervor, dass das Buch als Allegorie auf die Zustände in der ehemaligen Sowjetunion zu lesen ist, ferner dass „Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang“ das einzige Strugatzki-Werk ist, in dem alle Figuren einem realen Vorbild entsprechen. Das Buch ist also eine geschickt verpackte Kritik am Regime des Heimatlandes der Autoren und aus dieser Sicht dementsprechend wichtig.

Stilistisch wirkt „Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang“ teilweise sehr befremdlich, wenn man normale Lesegewohnheiten als Maßstab nimmt. Die Präsentation der Thematik ist – wie man es aus der osteuropäischen Science Fiction kennt – eher trocken, lässt an einigen Stellen aber auch den bei den Strugatzkis durchaus vorhandenen Humor durchschimmern. Die elf (sehr kurzen) Episoden und ihre Unterkapitel beginnen mit Auslassungspunkten bzw. unvollständigen Sätzen. Warum das so ist, hat sich mir persönlich während der Lektüre nicht erschlossen. Gegen Ende des Buches gibt es auch noch einen Perspektivenwechsel von der dritten in die erste Person, ein stilistisches Mittel, das von den Autoren gelegentlich angewandt wird.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Arkadi & Boris Strugatzki
Originaltitel: За миллиард лет до конца света. (Za milliard let do kontsa sveta.)
Erstveröffentlichung: 1976
Umfang: 224 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: eBook, in „Strugatzki Gesammelte Werke 2.“


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FilmWelt: Der Herr der Ringe (1978)

Ich denke, es ist kein Spoiler, wenn man alle potenziellen Interessenten gleich zu Beginn warnt: Dieser Film endet mittendrin, soll heißen, kurz nach der Schlacht bei Helms Klamm. Eine offizielle Fortsetzung gibt es nicht (zumindest nicht vom gleichen Regisseur und im gleichen Stil), es wurde kein Geld dafür locker gemacht. Diese Tatsache zieht die Wertung bei mir nach unten – es ist einfach frustrierend, wenn man um ein der Thematik würdiges Finale gebracht wird. Ansonsten gibt es an diesem ersten Versuch, Tolkiens episches Werk auf Zelluloid zu bannen, nicht so viel auszusetzen, wie man denken könnte.

Gesamteindruck: 4/7


Kein Meisterwerk, aber weit besser als sein Ruf.

Das Drehbuch zur Zeichentrick-Version von „Der Herr der Ringe“ ist in Ordnung – Regisseur Ralph Bakshi hat den Großteil der Schlüsselszenen des Buches in sein Werk aufgenommen. Es kommt durchaus Spannung auf, auch wenn die Figuren sehr flach wirken und praktisch keine Vorstellung bekommen. Trotzdem fiebert man mit, was grundsätzlich ein gutes Zeichen ist. Ähnlich wie einige Jahrzehnte später in Peter Jacksons Realverfilmung wurden auch im Zeichentrickfilm diverse Stationen der Erzählung weggelassen oder stark verändert. So kommt beispielsweise auch in der Zeichentrickversion die Figur des „Tom Bombadil“ nicht vor. Die Charakterzüge einzelner Personen entsprechen übrigens nicht immer nicht der ursprünglichen Beschreibung durch Tolkien, insbesondere bei Frodos Diener Sam fällt das auf. Optisch sehen einige Personen (u. a. Gimli, Aragorn, Elrond) bei weitem nicht so aus, wie man sich das vorstellt – was speziell nach Genuss der Jackson-Verfilmung als störend empfunden werden könnte.

Tricktechnisch erinnert das Ganze ein wenig an die alten „Asterix“-Filme, ist aber nicht ganz so gut umgesetzt. Die Animationen sind sparsam, aber grundsätzlich in Ordnung. Die Farbgebung passt zum Thema, wirkt insgesamt aber ein wenig blass. Es gibt einige „Standbilder“ zu bewundern, die einen ganz eigenen Stil vermitteln – gar nicht schlecht, aber dass Elronds Haus in Bruchtal den Einschlag eines japanischen Tempels hat, ist definitiv Geschmacksache. Eine Besonderheit des Filmes, ein (wie ich finde) sehr gelungenes Alleinstellungsmerkmal, ist die teilweise Verwendung von Realschauspielern anstelle von Zeichentrickfiguren. Nach der Abfilmung wurden diese Szenen im „Rotoskopie“-Verfahren nachgezeichnet. Das schafft eine ganz eigene Atmosphäre, die nach kurzer Eingewöhnungszeit nur als stilvoll und passend bezeichnet werden kann. Insbesondere bei den Orks, die ein wenig an die Sandleute aus „Star Wars“ erinnern, wurde mit dieser Mischvariante gearbeitet.

So viel zur Optik. Was den Ton betrifft, wurde mit der Musikuntermalung meines Erachtens ein wenig zu sparsam umgegangen, auch wenn der Soundtrack an sich sehr gut ist. Die Synchronisation, wirkt bei weitem nicht so professionell wie man das aus den neueren Filmen kennt. Die Sprecher wurden zwar passend gewählt, aber es gibt einige Ungenauigkeiten und Unstimmigkeiten bei der Übersetzung. Das ist zwar nicht allzu störend, aber manchmal unfreiwillig komisch. Zumindest einmal wird im Deutschen „Elb“ und „Elf“ synonym verwendet – was von Tolkien nachweislich nicht so gewünscht bzw. beabsichtigt war. Ansonsten wurden die Sätze teils direkt aus dem Buch (ältere Übersetzung!) übernommen – das kann eigentlich nie ein Fehler sein und sorgt für einige Aha-Erlebnisse.

Aber auch wenn sich die oben beschriebenen Punkte nach viel Kritik anhören, hätte der Film zumindest fünf Punkte verdient. Einen muss man allerdings abziehen, weil man das Gesamtwerk ohne Schluss einfach nicht vollständig beurteilen kann. Übrigens sieht man an einigen Stellen recht deutlich, dass auch Peter Jackson vor seinem Mammutprojekt die Zeichentrickversion ganz genau angeschaut haben dürfte. Manche Szenen wirken bei Jackson wie 1:1 der vermeintlichen Vorlage nachempfunden!

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: The Lord of the Rings
Regie: Ralph Bakshi
Jahr: 1978
Land: USA
Laufzeit: 132 Minuten
Sprecher (Auswahl): John Hurt, Christopher Guard, William Squire, Anthony Daniels



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BuchWelt: Die Wellen ersticken den Wind

Arkadi & Boris Strugatzki


„Die Wellen ersticken den Wind“ ist ein gelungener Abschluss der „Kammerer-Trilogie“. Gewohnt herausfordernd trotz ungewohntem Aufbau lädt das Buch dazu ein, sich mit dem Wesen der Menschheit zu beschäftigen. Von diesem Gesichtspunkt aus kann man den Roman nur als gelungen bezeichnen. Eine hohe Punktzahl geht damit meiner Ansicht nach in Ordnung. Übrigens: Man sollte die Vorgängerromane gelesen haben, bevor man zu diesem Buch greift. Die Verbindung ist zwar eher locker, dennoch wird ansonsten Vieles absolut unverständlich bleiben.

Gesamteindruck: 6/7


Die Kunst der Rekonstruktion.

Es ist nicht einfach mit den Romanen von Arkadi und Boris Strugatzki. Mit ein Grund dafür sind die vielen „weißen Stellen“, in ihren Erzählungen. Also Teile, an denen wichtige Informationen zu fehlen scheinen, die nach einer Eigeninterpretation des Lesers verlangen. Genau das ist es, was viele Leser modernerer Science Fiction abschrecken wird; und genau das ist es auch, was die Bücher der russischen Schriftsteller-Brüder so interessant und lesenswert macht. Denn auch abseits der von den Autoren ursprünglich vorgesehenen Interpretationsmöglichkeiten, die sich großteils auf das kommunistische Russland ihrer Zeit beziehen, gibt es immer aktuelle Lesarten für ihre Bücher. Dass das mitunter anstrengend sein kann und nicht nebenher funktioniert, soll nicht unerwähnt bleiben. Wer die leichte Unterhaltung sucht, sollte also auch von „Die Wellen ersticken den Wind“ die Finger lassen.

Stilistisch unterscheidet sich dieser dritte und letzte Teil der Trilogie um Maxim „Mak Sim“ Kammerer grundlegend von seinen Vorgängern (was auch kein Wunder ist – „Die bewohnte Insel“ erschien 1969, „Ein Käfer im Ameisenhaufen“ 1979). Die Geschichte setzt sich aus Teilen von Dokumenten und Interviews zusammen, hat also einen ähnlichen Charakter wie beispielsweise „Dracula“ von Bram Stoker. Im Gegensatz dazu ist „Die Wellen ersticken den Wind“ allerdings im typischen Strugatzki-Stil verfasst, also sehr trocken und ausgesprochen komplex. In diesem Buch hat sich die eigentliche Hauptfigur, also Maxim Kammerer, noch mehr von seiner ursprünglichen Rolle entfernt, als in „Ein Käfer im Ameisenhaufen“. Diesmal ist er überhaupt nur Interpret für von einem Anderen vorgelegte Dokumente, in denen außergewöhnliche Ereignisse beschrieben werden, die auf Aktivitäten der Wanderer auf der Erde hinweisen. Was das letztlich bedeutet und ob sich tatsächlich außerirdische „Progressoren“ auf der Erde befinden, soll hier nicht verraten werden. Nur so viel: In üblicher Strugatzki-Manier ist nichts wie es scheint und der Leser muss am Ende selbst entscheiden, wie er die Handlung verstehen will.

Wobei es nicht ganz so „schlimm“ ist. In der aktuellsten Gesamtfassung gibt es auch zu dieser Geschichte die Erläuterungen von Boris Strugatzki, die einiges klarer werden lassen. Dennoch bleibt mehr als genug Spielraum für eigene Gedankenexperimente.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: Arkadi & Boris Strugatzki
Originaltitel: Волны гасят ветер.
Erstveröffentlichung: 1985
Umfang: 158 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: eBook, in „Strugatzki Gesammelte Werke 1.“


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Arkadi & Boris Strugatzki


In „Ein Käfer im Ameisenhaufen“ verlangen Arkadi und Boris Strugatzki dem Leser einmal mehr sehr viel Eigenleistung ab. Auch wenn hier mehr erklärt wird, als in anderen Romanen der Brüder, entziehen sich viele Passagen nach wie vor dem einfachen Verständnis. Hier ist Mitdenken angesagt. Wer damit nichts anfangen kann, wird mit diesem Buch ebenso wenig Freude haben, wie mit dem Großteil der anderen Strugatzki-Veröffentlichungen.

Gesamteindruck: 6/7


Mak Sim als Detektiv.

„Ein Käfer im Ameisenhaufen“ von den russischen Strugatzki-Brüdern ist der zweite Teil der Trilogie um Maxim „Mak Sim“ Kammerer. Zentriert sich der zehn Jahre vor diesem Buch erschienene Vorgängerroman, „Die bewohnte Insel“, noch sehr stark auf den Hauptprotagonisten, ist in vorliegendem Werk eine grundsätzlich andere Herangehensweise zu beobachten. Es gibt eine Reihe von Nebenpersonen, deren Erfahrungen und Vergangenheit wesentlich ausführlicher beleuchtet werden – der Leser erhält dadurch mehr Input, als man es aus anderen Strugatzki-Erzählungen kennt.

Der Inhalt des Buches ist eine Art Detektivgeschichte; allgemein gesprochen ist der Held auf der Suche nach einer bestimmten Person. In diesem Fall ist die Herausforderung – sowohl für die Hauptfigur als auch für den Leser – aus ihm nur zögerlich zugänglich gemachten Informationen seine Handlungsmöglichkeiten abzuleiten. Das Gefühl, für einen riesigen Apparat zu arbeiten, der keine Notwendigkeit darin sieht, seine Anweisungen zu erläutern, ist allgegenwärtig. Dementsprechend schwer fällt die Lektüre zeitenweise – vor allem auch, weil bis zum Schluss nicht klar wird, was das Ganze eigentlich soll.

Dass die Schriftsteller von ihrem Publikum so viel Mitarbeit verlangen, schlägt sich auch in diesem Werk im Stil nieder. Er entspricht genau dem, was man von den Klassikern der russischen Science Fiction erwartet, ist entsprechend distanziert und spröde. Auch damit muss man als Leser zurechtkommen – mir persönlich gefällt diese Abweichung zum westlichen Standard (der natürlich auch einiges für sich hat!) ausgesprochen gut.

Für die volle Punktezahl reicht es zwar nicht, ausgesprochen interessant ist der philosophische Ansatz über das Wesen der Menschheit aber allemal.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: Arkadi & Boris Strugatzki
Originaltitel: Жук в муравейнике.
Erstveröffentlichung: 1979
Umfang: 196 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: eBook, in „Strugatzki Gesammelte Werke 1.“


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