FilmWelt: The Phoenix Tapes ’97

Found Footage-Filme gibt es mittlerweile ja in allen möglichen Formen und Qualitäten, alles losgetreten von „The Blair Witch Project“ (1999). Im Gegensatz zu jenem Klassiker basiert „The Phoenix Tapes ’97“ auf einem Ereignis, das im Jahre 1997 tatsächlich im US-Bundesstaat Arizona stattgefunden hat.

Gesamteindruck: 2/7


Was wird hier vertuscht?

„The Phoenix Tapes ’97“ unterscheidet sich aber nicht nur durch das Aufgreifen eines historisch belegten Vorfalls von anderen Filmen seiner Gattung. Zusätzlich wurden Elemente eingebaut, die dem Werk den Anschein einer Dokumentation geben: Der Vater eines der betroffenen Männer wurde „interviewt“ und macht düstere Andeutung über gewisse Vertuschungsaktionen der US-Regierung. Dieses Material weist deutlich höhere Bildqualität auf, als der Rest des Films, sodass der Eindruck entsteht, das Interview wäre lange nach den „gefundenen“ Videobändern aufgenommen worden. Ein geschickter Schachzug, der das ohnehin schon sehr große Gefühl, hier authentisches Material zu sehen, noch erhöht.

Worum geht’s?
März 1997: Ein entspannter Wochenendausflug verwandelt sich in einen Horrortrip, als sich vier Freunde mit ihrem Wohnmobil irgendwo in Arizona verfahren. Nachts werden die Männer zunächst von unheimlichen Geräuschen und merkwürdigen Lichtern am Himmel wachgehalten. Glauben sie zunächst noch an einen Meteoriten, stellt sich bald heraus, dass sie nicht mehr allein in dieser Gegend sind. Das Material, das sie mit ihren Handkameras aufgenommen haben, wurde irgendwann gefunden. Die vier Männer blieben verschwunden…

Gewisse Fragen stellen sich bei jedem Film, beispielsweise wie gut er unterhält, ob die Story stimmig ist oder ob die Schauspieler eine ansprechende Leistung bieten. Das ist auch im Found Footage-Genre so, allerdings hat diese Gattung einen weiteren Anspruch zu erfüllen: Sie muss immer authentisch wirken und darf nie einen professionellen Eindruck erwecken (freilich gibt es innerhalb dieser Konvention dennoch mehr oder minder professionelle bzw. professionell wirkende Ansätze). Eben jene (vermeintliche) Authentizität machte „The Blair Witch Project“ damals so erfolgreich: Unterstützt von einer überaus geschickt aufgesetzten Kampagne wirkte alles daran dermaßen realistisch, dass man sich legitim fragen konnte, ob der Film wahrhaftig das Verschwinden von drei jungen Leuten dokumentiert. Natürlich gibt es dazu auch Gegenbeispiele; eines davon ist „Cloverfield“ (2008), das sich zwar technisch nahezu perfekt der Found Footage-Technik bedient, dabei aber nie Zweifel an seiner Fiktionalität aufkommen lässt. Wenn wir nun annehmen, dass das auf Pseudo-Authentizität bedachte „The Blair Witch Project“ und das Unterhaltungsprodukt „Cloverfield“ zwei gegensätzliche Positionen im Spektrum der Found Footage-Produktionen einnehmen, würde ich „The Phoenix Tapes ’97“ definitiv in der Nähe von Ersterem ansiedeln. Genau genommen legt vorliegendes Werk den Authentizitäts-Faktor sogar noch eine Stufe höher und dürfte der plausibelste Vertreter seines Genres sein, den ich bis zum Zeitpunkt dieser Rezension gesehen habe.

Authentischer geht es kaum…

Diese kühne Aussage mache ich an zwei Faktoren fest: Erstens gab es im März 1997 in der Nähe von Phoenix im US-Bundesstaat Arizona tatsächlich ein mysteriöses Ereignis, bei dem tausende Augenzeugen eine Anzahl von Lichtern am Nachthimmel gesehen haben. Worum es sich dabei handelte, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Fakt ist jedoch, dass die damals ungewöhnlich breite Berichterstattung, aber auch spätere Sendungen wie „Ancient Aliens“ dafür gesorgt haben bzw. immer noch dafür sorgen, dass der Vorfall im kollektiven Gedächtnis verankert bleibt. Und auch fiktionale Werke, darunter einige Filme, geben dem Thema immer wieder neue Nahrung. Allein dadurch entsteht schon ein Gefühl von Authentizität.

Der zweite Faktor betrifft den Film selbst. Dem hilft paradoxerweise zunächst, dass er im Großen und Ganzen vollkommen unbeachtet geblieben ist und auch von keinem großen Verleih übernommen wurde (derzeit ist er übrigens kostenlos im Prime-Abo von Amazon zu sehen, wo ich ihn aber auch eher zufällig entdeckt habe). Das mag dem Budget nicht gerade zuträglich gewesen sein, sorgt aber für eine zusätzliche Portion Glaubwürdigkeit, weil es den Eindruck erweckt, hier hätte gar niemand versucht, einen Unterhaltungsfilm zu produzieren. Am Rande passt dazu auch, dass „The Phoenix Tapes ’97“ über keinerlei Credits verfügt. Das bedeutet, dass man nicht so richtig weiß, wer die Personen sind, die man beim Herumstolpern im Unterholz beobachtet. All das zusammen lässt den Zuschauer jedenfalls immer mal wieder überlegen, ob sich das, was man zu sehen bekommt, vielleicht wirklich genau so zugetragen hat.

…unterhaltsamer aber schon.

Es gibt eigentlich sogar noch einen dritten Punkt, der die scheinbare Authentizität erhöht – bei dem bin ich allerdings sehr zwiegespalten: „The Phoenix Tapes ’97“ wurde mit Handkameras, die genau in jene Zeit passen, aufgenommen (zumindest erweckt das Material genau diesen Eindruck). Klingt im ersten Moment gut, ist in Wirklichkeit aber problematisch: „The Blair Witch Project“ ist grundsätzlich ähnlich gefilmt, die Aufnahmen sind allerdings von deutlich höherer Qualität hinsichtlich Bild, Ton und Schnitt. Anders ausgedrückt: Wer den 1999er Klassiker aufgrund seiner Anmutung schwer zu konsumieren fand, braucht sich die Phoenix Tapes gar nicht erst anzusehen. Die Bilder sind extrem verwackelt, oft unscharf, speziell die Nachtaufnahmen sind so grobkörnig, dass eigentlich kaum etwas zu erkennen ist. Der Ton ist schwankend, was noch zu verschmerzen wäre, allerdings sind die vier Herren akustisch teilweise nicht zu verstehen (eine Synchronisation gibt es meines Wissens übrigens nicht, aber notfalls helfen die ab und an unfreiwillig komischen Untertitel ganz gut weiter). Ein Schnitt im eigentlichen Sinne ist nicht vorhanden, was problematisch ist, weil dadurch einige Szenen Längen haben.

Wie gesagt: All das macht den Film sowohl technisch als auch atmosphärisch sehr plausibel, trägt aber mindestens ebenso viel dazu bei, das „The Phoenix Tapes ’97“ – ganz im Gegensatz zu „The Blair Witch Project“ und vielen seiner Nachfolger – relativ anstrengend ist. Neben den genannten Punkten liegt das auch daran, dass man eine Story oder ein Drehbuch nicht mal so richtig erahnen kann. Im Gegenteil, der Film erinnert ungut daran, was passiert, wenn man mit seinen Freunden auf Urlaub fährt und immer mal wieder die Kamera einschaltet bzw. das dabei entstandene und unbearbeitete Material Bekannten zeigt, die nicht dabei waren. Haben die meisten wohl schon erlebt – und sich fürchterlich dabei gelangweilt. Die vier Protagonisten (auch die mögen authentisch sein, weil man sie aber nicht persönlich kennt und sie nicht charakterisiert werden, sind sie komplett austauschbar) machen ihre Scherze, die man als Außenstehender großteils nicht kapiert, sie wandern, sie laufen davon usw. Da ziehen sich die für einen solchen Film eigentlich vorbildlichen 67 Minuten teilweise kurios in die Länge.

Abschließend sei erwähnt, dass man gegen Ende hin tatsächlich Aliens zu sehen bekommt. Spätestens da ist dann natürlich Schluss mit der Authentizität und auch dem Letzten wird klar, dass „The Phoenix Tapes ’97“ ein Werk der Fiktion und keine Dokumentation ist. Ganz hat Regisseur/Produzent/Darsteller Turner Clay (seines Zeichens wohl eine Art Spezialist für Found Footage) das Muster also doch nicht durchgehalten.

Fazit: Ein Punkt für die technisch wirklich großartige hergestellte Authentizität, ein zweiter für die brauchbare Atmosphäre, die immer mal wieder unheimlich durchblitzt. Mehr ist aus meiner Sicht aber nicht drin; wer auf Found Footage und/oder UFOs steht, kann aber mal einen Blick riskieren. Alle anderen seien gewarnt: Über weite Strecken ist „The Phoenix Tapes ’97“ weder unheimlich noch sonst irgendwie gehaltvoll.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: The Phoenix Tapes ’97.
Regie:
Turner Clay
Drehbuch: Turner Clay
Jahr: 2016
Land: USA
Laufzeit: ca. 65 Minuten
Besetzung (Auswahl): Turner Clay



FilmWelt: Der Kreis

50 Menschen erwachen ohne zu wissen, wie sie dort hingekommen sind und was sie dort sollen, in einem dunklen Raum. Zu sehen sind nur sie selbst und ein Kreis aus Lichtern und Pfeilen am Boden sowie ein merkwürdiges Gerät in der Mitte. Die Regeln müssen sie bald auf die harte Tour lernen: Wer seinen Platz verlässt, stirbt; wer einen anderen Menschen berührt, stirbt. Und: Alle zwei Minuten stirbt jemand, der keine dieser Regeln gebrochen hat – allerdings können sie beeinflussen, wer als jeweils Nächster ins Gras beißen muss. Doch wie soll man unter völlig Fremden eine solche Entscheidung treffen? 

Gesamteindruck: 5/7


Die Mehrheit entscheidet.

„Der Kreis“ (im Original „Circle“) aus dem Jahr 2015 ist filmischer Minimalismus par excellence. Im Wesentlichen spielt sich alles in einem einzigen Raum ab, es gibt praktisch nur die 50 Personen, die man gleich zu Beginn sieht. Und auch die Ausstattung ist denkbar spartanisch: Die Szenerie ist komplett dunkel, lediglich ein paar Lichtfelder am Boden und die Figuren sind zu sehen. Schnitte gibt es zwar, längere Kamerafahrten über Teile des Kreises machen jedoch einen ähnlich großen Teil der Optik aus. Und auch zu hören gibt es nicht allzu viel, sieht man von den Dialogen ab. Die Action beschränkt sich auf die Eliminierung von Personen, die sich im zwei-Minuten-Takt abspielt und kurz und schmerzlos erfolgt.

Es passiert also nicht überbordend viel in diesem Film. Wieso zum Teufel sollte man also überhaupt einschalten? Nun, es geht um nicht mehr und nicht weniger als direkte Demokratie in Reinkultur. Mit dem Unterschied, dass derjenige, der die Abstimmung verliert, stirbt. Zugegeben: Diese Konsequenz ist drastisch und überzeichnet, dennoch zeigt „Der Kreis“, wie anfällig für Manipulation und Populismus ein System, in dem alle Beteiligten direkt und anonym abstimmen, sein kann. Immer wieder stellt der Film neue „Helden“ aus seinem zusehends kleiner werdenden Fundus in den Mittelpunkt, die versuchen, den Rest der Gemeinschaft für ihre Ideen zu gewinnen. Die einen machen das aus ehrlicher Überzeugung und moralischen Erwägungen, die anderen starten schlicht einen Versuch, sich selbst irgendwie zu retten. Beiden gemein ist, dass sie unbedingt eine einfache Mehrheit erringen müssen.

Das Problem dabei ist, dass die Entscheidung, die als Gruppe zu treffen ist, immer den Tod eines Individuums zur Folge hat (übrigens auch ein Unentschieden). Wie also bestimmen, wer es wert ist, weiterzuleben? All das wird im Film ausgiebig diskutiert, verschiedene Möglichkeiten werden ausgelotet und umgesetzt – oder verworfen. Und all das unter mörderischem Zeitdruck. Ein wenig erinnert das an eine verschärfte Variante des Spiels „Die Werwölfe von Düsterwald“, bei dem es ja auch darum geht, das Wahlverhalten der Mitspieler entscheidend zu beeinflussen.

Lebt von Dialogen.

Ob man es glaubt oder nicht: „Der Kreis“ ist trotz – oder gerade wegen – seines Minimalismus sehr spannend. Das liegt an guten Dialogen, vor allem aber auch an den Schauspielern, die diese überzeugend vortragen. Übrigens ist die Truppe großteils völlig unbekannt. Mir hat der Film praktisch durchgehend gut gefallen, wobei ich nicht verhehlen möchte, dass die eine oder andere Szene typisch amerikanisch anmutet – für den durchschnittlichen europäischen Zuschauer also höchst klischeehaft daherkommt. Ein richtiges Problem sehe ich darin allerdings nicht, wohl aber an zwei anderen Stellen: Einerseits ist da das Ende des Films, das ich so nicht gebraucht hätte. Ich glaube, ohne konkrete Auflösung wäre eine längere Nachwirkung des Gesehenen möglich gewesen, obwohl die Neugier dann natürlich umso stärker genagt hätte.

Andererseits habe ich ja schon geschrieben, dass es keine konkrete Hauptfigur gibt, sondern immer wieder im Film ein anderer Charakter die Führungsrolle übernimmt. Diese Übergänge sind teilweise ziemlich abrupt; überhaupt bleibt die Frage, wieso jemand, der im letzten Drittel des Films das große Wort führt, bis dahin nichts oder kaum etwas gesagt hat. Das ist nun kein Beinbruch und der Dramaturgie geschuldet (immerhin starten wir hier mit 50 Figuren was schon einen eklatanten Unterschied zu üblichen Gruppengrößen in Filmen ausmacht), sorgt aber in einigen Szenen doch für ein wenig bitteren Beigeschmack. Ob und wie man das hätte besser lösen können? Keine Ahnung, vielleicht hätte eine halb so große Gruppe gereicht.

Wie dem auch sei: „Der Kreis“ ist ein guter Film mit nur ganz kleinen Längen. Sollte jedem, der sich für Psychologie, Meinungsmache, Manipulation und ähnliches interessiert, gefallen. Wer allerdings Horror und/oder Splatter sucht, wie es z. B. in Teilen des ähnlich gelagerten „Cube“ vorkommt, ist hier fehl am Platze.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Circle.
Regie: Aaron Hann, Mario Miscione
Drehbuch: Aaron Hann, Mario Miscione
Jahr: 2015
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Besetzung (Auswahl): Allegra Masters, Aimee McKay, Ahley Key, Autumn Federici, Carter Jenkins, Julie Benz, Michael Nardelli, Cesar Garcia



 

FilmWelt: Edge of Tomorrow

Man fragt sich beim Ansehen von „Edge of Tomorrow“ unwillkürlich, was Hollywood-Star Tom Cruise gedacht haben mag, als ihm das Drehbuch vorgelegt wurde. Eine Invasion nahezu unbesiegbarer Aliens? Geschenkt. Cruise als Soldat, der helfen muss, die Außerirdischen zu vertreiben? Kein Problem. Aber dass der Star des Films zeitweise im Sekundentakt stirbt, wird beim bekennenden Scientologen wohl für ein sehenswertes Gesicht gesorgt haben. Noch dazu ist man nicht zimperlich: Explosionen, Kopfschüsse, Fahrzeuge, die ihn überrollen, brutale Ausbildungsmethoden – all das und noch mehr kostet Hauptfigur Bill Cage immer wieder das Leben. Den Zuschauer wird’s – zumindest anfangs – wenig stören, ist der Presseoffizier doch ein ausgesprochen unsympathischer Feigling.

Gesamteindruck: 5/7


Und täglich grüßt das Alien.

Vielleicht war es Tom Cruise ja ein Trost, dass keiner der unzähligen Tode, die er in „Edge of Tomorrow“ stirbt, endgültig ist. Das Motiv des ständigen Wieder-Erlebens des gleichen Tages kennt man genau so aus dem Kultfilm „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (1993 mit dem grandiosen Bill Murray). Abgesehen davon haben die beiden Filme jedoch nichts gemeinsam (vielleicht noch ein bisschen Situationskomik und – selbstverständlich – die Frage nach einer Möglichkeit, aus dem ständigen Kreislauf auszubrechen).

Inhalt in Kurzfassung*
Ein Soldat wider Willen stirbt auf dem Schlachtfeld im Kampf gegen übermächtige Aliens. Doch kurz nach seinem Tod wacht er wieder auf – und es ist der Tag zuvor. Das gleiche passiert ihm unzählige Male in diesem Film, bis er schließlich herausfindet, was diese „Gabe“ zu bedeuten hat und wie er sie verwenden kann, um die Erde von den außerirdischen Aggressoren zu befreien.

* Der Versuch eines neuen Features auf WeltenDing. Ich versuche Spoiler zu vermeiden.

„Edge of Tomorrow“ ist dem Genre der Military-Science Fiction zuzuordnen. Das bedeutet: Viel Action, große Schlachten und die klare Ausrichtung auf die Darstellung militärischer Handlungs- und Denkweisen. Der Höhepunkt kriegerischer Herrlichkeit ist eine Art Remake der berühmten Eröffnungsszene aus „Der Soldat James Ryan“ (1998). Zwar erreicht die Landung in der Normandie in „Edge of Tomorrow“ nicht Spielberg’sche Intensität, ein epischer Anblick ist es aber allemal, wenn die Transportflieger hunderte, tausende Soldaten in mechanischen Kampfanzügen am Strand absetzen. Überhaupt ist der Film in Bezug auf die Optik sehr gelungen, auch wenn die computergenerierten Effekte natürlich allgegenwärtig sind. Für einen Science Fiction-Blockbuster ist das allerdings durchaus in Ordnung, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass die Darstellung der Invasoren etwas weniger „Matrix“-like wäre. Wie dem auch sei: „Edge of Tomorrow“ sieht sehr, sehr gut aus.

Trotz mittelprächtiger Story sehr unterhaltsam.

Die Handlung reißt hingegen nur unbedingt vom Hocker. Dass die unter dem Eindruck einer Invasion geeinte Menschheit trotz technischer Unterlegenheit alles daran setzt, die Invasoren zu vertreiben, ist erwartbar. Die Zeitsprung-Geschichte leidet hingegen – und das ist ein großer Unterschied zu „Und täglich grüßt das Murmeltier“ – darunter, dass versucht wird, sie zu erklären. Wie meist in solchen Fällen, macht das relativ wenig Sinn und wirkt einigermaßen verworren. Natürlich will man wissen, wieso der gleiche Tag immer und immer wieder von vorne beginnt, richtig zufrieden stellt die präsentierte Lösung jedoch nicht.

Allerdings, und das kann man nicht genug betonen, sorgt gerade die ständige Wiederholung des gleichen Tages (die Nuancen unterscheiden sich selbstverständlich hinreichend) für ganz viele unterhaltsame Momente. Denn nur so entsteht einerseits die Siutationskomik, wenn die Hauptfigur es beispielsweise besonders gut machen will und dennoch nach wenigen Sekunden stirbt. Andererseits gelingt es auf diese Weise, die eigentlich vollkommen abstruse Charakterentwicklung vom feigen PR-Mann im Offiziersrang hin zur Kampfmaschine glaubwürdig und gut zu zeichnen. Diese beiden Punkte machen den Film trotz seines Hau-drauf-Charakters letztlich so unterhaltsam und spannend.

Im Endeffekt ist es wohl genau das, was „Edge of Tomorrow“ bieten will: Action und Unterhaltung ohne tieferen Sinn und ohne großartige Botschaft. Das gelingt ihm meines Erachtens sehr gut. 5 Punkte für einen Blockbuster, der sich selbst glücklicherweise nicht ernst nimmt und zeigt, dass es doch noch möglich ist, gutes Popcorn-Kino abzuliefern. Abzüge in der B-Note gibt es für das Ende, wo dem Streifen dann doch ein wenig Luft und Inspiration ausgehen.

 

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Edge of Tomorrow
Regie: Doug Liman
Jahr: 2014
Land: USA, UK, KOR
Laufzeit: 113 Minuten
Besetzung (Auswahl): Tom Cruise, Emily Blunt, Brendan Gleeson, Bill Paxton



 

FilmWelt: Alien: Covenant

„Prometheus – Dunkle Zeichen“ war 2012 ein merkwürdiges Ding zwischen Hoffnungsschimmer auf einen guten Neustart der „Alien“-Reihe und Enttäuschung, weil einfach kein wirklich guter Film. Schon damals hoffte man auf Besserung bzw. dringend notwendige Erläuterungen in einer Fortsetzung. Die ist nun, 2017, mit „Alien: Covenant“ in die Kinos gekommen. Zusammenfassend kann man sagen: Das Warten hat sich nicht wirklich gelohnt.

Gesamteindruck: 3/7


Eine herbe Enttäuschung.

Ein Verdienst des mittlerweile klassischen „Alien“-Stoffs, der 1979 mit dem ersten Film seinen Ausgangspunkt genommen hat, war die erste Frau in einer Action-Hauptrolle – darauf wird im Zusammenhang mit dem von Kult-Regisseur Ridley Scott ersonnen Werk immer wieder gerne verwiesen. Und offenbar ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass eine Frau bis heute in jedem Film dieses Franchise die Hauptrolle zu spielen hat. Nun ist es nicht so, dass ich damit ein Problem hätte. Im Gegenteil, das durchbricht auch heute, fast 40 Jahre nach dem ersten Auftritt von Ellen Ripley, immer noch ein Klischee. Allerdings sind die Fußstapfen, die Sigourney Weaver in ihrer ersten großen Rolle hinterlassen hat, zu gewaltig für ihre Nachfolgerinnen. Im 2017er Film „Alien: Covenant“ wird das besonders deutlich. Konnte sich Noomi Rapace in „Prometheus – Dunkle Zeichen“ (2012) noch einigermaßen passabel verkaufen, gelingt das Katherine Waterston in der Fortsetzung so gut wie gar nicht. Beide werden von Michael Fassbender, der jeweils den Androiden David bzw. dessen Nachfolgemodell Walter verkörpert, an die Wand gespielt. Das tritt in „Covenant“ noch deutlicher zutage als in „Prometheus“.

Inhalt in Kurzfassung*
Die Besatzung des Kolonieschiffs „USCSS Covenant“ wird nach einem Notfall aus dem Kälteschlaf geholt und empfängt ein Funksignal, das offenbar menschlicher Herkunft ist. Gesendet wird es von einem gut für eine Kolonie geeigneten, erdähnlichen Planeten, den man daraufhin natürlich anfliegt. Dort angekommen beginnt die übliche Alien-Action, man trifft auf alte Bekannte und neue Monster. Achtung: Enthält längere, metaphysische Dialoge über den Sinn des (künstlichen) Lebens.

* Der Versuch eines neuen Features auf WeltenDing. Ich versuche Spoiler zu vermeiden.

Das Problem scheint – wie so oft – nicht eine vermeintlich schwache Schauspielerin zu sein. Denn das Drehbuch ist meiner Ansicht nach leider keineswegs geeignet, die Darsteller gut dastehen zu lassen. Im Wesentlichen gibt es nur drei einigermaßen ausgearbeitete Rollen – zwei davon paradoxerweise vom gleichen Schauspieler (eben Michael Fassbender) verkörpert. Zusätzlich hat Billy Cudrup als  stellvertretender Kommandant Christopher Oram ein wenig Persönlichkeit bekommen. Wichtigste Figur sollte (der Logik der weiblichen Heldin folgend) aber eigentlich Terraforming-Expertin Daniels sein. Die bietet jedoch aufgrund ihrer recht weinerlichen Art kaum Identifikationsfläche. Auf diese Weise kann man eine weibliche Hauptrolle meiner Meinung nach nicht etablieren. Leider zeichnet sich Regisseur Scott auch beim Rest der Crew seines Kolonieschiffs nicht aus. Tatsächlich wächst dem Zuseher kein einziges Besatzungsmitglied richtig ans Herz – sie bleiben austauschbare Abziehbilder, teilweise sogar schrecklich klischeebehaftet – dazu braucht man sich nur den Piloten Tenessee anzusehen.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass man kaum Angst bekommt, wenn die Mannschaft der Reihe nach dahingemetzelt wird – teilweise im Sekundentakt.  Bei manchen ist man direkt erleichtert, wenn man bedenkt, wie sie agieren „dürfen“. Oder war es jemals in einem Film eine gute Idee, mal kurz austreten zu gehen? Oder trotz Angebots einer Begleitung allein nach dem überfälligen Kameraden zu suchen? Der Tod der Figuren erscheint als Strafe für solche Verhaltensweisen fast schon gerecht. Überhaupt sind einige Ideen, die im Film auftauchen, mäßig kreativ. Man fragt sich selbstverständlich von Beginn an, wie es diesmal wohl angestellt wird, dass ein a) ein Funksignal das Raumschiff zu einem Planeten lockt (was in diesem Fall ein besonders unwahrscheinlicher Zufall ist, der jeder Wahrscheinlichkeit vollkommen widerspricht und auch nicht erschöpfend geklärt wird), b) ein Besatzungsmitglied von einem Alien „infiziert“ wird und c) ein Xenomorph in das Raumschiff kommt. Wirklich gut gelöst wird nichts davon – wobei, was heißt nicht gut? Es wird so gelöst, wie es immer war. Das muss nicht schlecht sein, ist aber mittlerweile für sich genommen auch zum Klischee geworden.

Vieles bleibt ungeklärt.

Was bleibt also? Natürlich die Story, von der man sich erhofft hat, dass diverse offene Fragen aus „Prometheus“ aufgegriffen und – hoffentlich – geklärt werden. Leider erwartet den Zuseher auch an dieser Stelle eine herbe Enttäuschung, zumindest ist es mir so ergangen. Ja, Ridley Scott versucht, einiges zu erörtern. Allerdings nicht in einem ausreichenden und damit befriedigenden Ausmaß. Abgesehen davon eröffnet der Film gleichzeitig eine Reihe neuer, ungelöster Fragen, sodass es letztlich nicht ansatzweise „klickt“. Fast hat man das Gefühl, der Regisseur hätte sich mit seinen metaphysischen Überlegungen, die in „Prometheus“ noch nicht ganz so prominent waren, übernommen. Mag sein, dass ein bereits geplanter Nachfolger das gerade rückt, aber das macht „Covenant“ leider nicht leichter konsumierbar. Denn wenn sich Androiden in philosophischen Mutmaßungen ergehen, erinnert das sehr ungut an den katastrophalen „Matrix Reloaded“, der 2003 an einem ähnlichen Spagat gescheitert ist. Letztlich ist „Covenant“ hin- und hergerissen zwischen Action und Philosophie, was ihn wesentlich schwerfälliger daherkommen lässt als seinen alles andere als perfekten Vorgänger.

Verhängnisvolle Entmystifizierung.

Ein Punkt, der die „Alien“-Reihe immer schon ausgezeichnet hat, soll nicht unerwähnt bleiben: Das namensgebende Wesen aus einer fremden Welt wird in „Covenant“ weiter entmystifiziert. Die Verantwortlichen mögen das nicht so sehen, weil „Prometheus“ und „Covenant“ keine Fortsetzungen oder Prequels sondern eher ein Neustart sein sollen – für den „Alien“-Fan spielt das jedoch keine Rolle. Bereits die „Prometheus“-Aliens waren nicht die Monster, die man aus dem Original kannte. In „Covenant“ wird das – diverser Erklärungen sei „Dank“ – noch deutlicher. Die Entscheidung, das in der ursprünglichen Reihe als perfekt an jeden Lebensraum angepassten, extrem widerstandsfähigen Jäger dargestellte Wesen zu einer Art Waffe zu machen, nimmt ihm paradoxerweise fast vollkommen den Schrecken. Es ist kein unbekannter, uns völlig fremder Organismus mehr sondern etwas, das man bauen kann. Und das ist der Punkt, an dem ich mir trotz der genannten Unzulänglichkeiten am schwersten mit „Alien: Covenant“ tue: Das Grauen bekommt ohne Not einen quasi-rationalen Grund. Das will mir einfach nicht gefallen, manchmal ist es besser, wenn man nicht alles sieht und alles weiß.

Im Endeffekt ist „Alien: Covenant“ der bisher wohl blutigste Teil der Geschichte um die Xenomorphen. So schnell wurde eine Besatzung selten dezimiert, so blutig noch nie. Das sollte wohl die Löcher in der Handlung stopfen helfen – und man hat ja schließlich auch den Ruf der Brutalität zu verlieren. Nur leider reicht das allein heute nicht mehr, schon gar nicht, wenn der Rest des Filmes ein völlig anderes Tempo anschlägt und die beiden Teile so gar nicht ineinander greifen wollen. Magere 3 Punkte für einen Film, der hoffentlich nicht das unrühmliche Ende für das „Alien“-Universum bedeutet.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Alien: Covenant
Regie: Ridley Scott
Jahr: 2017
Land: USA
Laufzeit: 122 Minuten
Besetzung (Auswahl): Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Guy Pearce



 

SpielWelt: Mass Effect

Ich bin in Bezug auf die „Mass Effect“-Serie ein Spätstarter. 2008 ist die PC-Fassung des ersten Teils erschienen, ich habe 2016 die Trilogie gekauft und zum ersten Mal installiert. Eine lange Zeit, in der mir der Name „Mass Effect“ immer wieder untergekommen ist, es aber genug Anderes zu spielen gab. Immer wieder habe ich vergessen, dass es die Serie überhaupt gibt, bis ich die euphorischen Wertungen zu einem neuen Teil gelesen habe und mir wieder eingefallen ist, dass ich das Spiel unbedingt mal ausprobieren wollte. Und nun habe ich es endlich geschafft, Teil 1 zu spielen und zu beenden.

Gesamteindruck: 6/7


Klassiker mit kleinen Längen und Makeln.

„Mass Effect“ stammt aus dem Hause BioWare. Was das bedeutet, kann sich jeder einigermaßen erfahrene (Rollen-)Spieler einigermaßen vorstellen: Eine tolle, tiefgründige Story, gute Dialoge, in denen wirklich etwas gesagt wird, eine liebevoll und detailliert ausgestaltete Welt. Und genau das haben die Kanadier in „Mass Effect“ einmal mehr perfekt hinbekommen. Dabei ist es geradezu unglaublich, mit welcher Leichtigkeit man der Story folgen kann, wie einfach es ist, in dieses Universum einzutauchen. Wäre „Mass Effect“ ein Buch, könnte man die Story nur als „Pageturner“ beschreiben. Und das obwohl die Galaxie in diesem Spiel keineswegs ein kleiner, eindimensionaler Ort ist. Hier kämpfen nicht nur Menschen gegen einen außerirdischen Aggressor – im Gegenteil, es gibt ein komplexes Gefüge in dem verschiedene Rassen mit- und gegeneinander agieren. Und das versteckt und offensichtlich. Dass man diesem Ränkespiel mit der Zeit immer besser folgen kann, sogar ohne ständig in den allgegenwärtigen „Codex“ zu sehen, in dem alles festgehalten wird, was der Spieler über andere Rassen, über Technologie, über Planeten und worüber auch immer herausfindet, ist der wahre Verdienst von BioWare. Man muss sich den Zugang zum „Mass Effect“-Universum nicht auf anstrengende Art und Weise erarbeiten, sondern wird herangeführt. Sanft und ohne Probleme – und wer sich tiefer einlesen möchte, kann das jederzeit tun. Unglaublich, was man hier hinbekommen hat und das ist wohl auch ein Grund, warum die Serie so beliebt ist.

Die Story bleibt übrigens bis zum Schluss, der offen ist (weil die „Mass Effect“ von Beginn an als Trilogie konzipiert war), sehr spannend. Durchhänger gibt es im Laufe der Haupthandlung nicht. Auch der Wiederspielwert kommt nicht zu kurz: Verschiedene Klassen und Hintergründe der eigenen Figur, Romanzen sowie folgenschwere Entscheidungen (deren Auswirkungen z. T. erst in den späteren Spielen merkbar werden) machen es möglich. Und ein weiteres Lob muss man an dieser Stelle anbringen: Die NPCs sind großartig. Das betrifft vor allem das eigene Team, das man sich im Laufe des Spiels zusammenstellt. BioWare-typisch wachsen einem die Charaktere, die fast laufend mit dem Spieler interagieren, sehr stark ans Herz. An manchen Punkten macht das die Entscheidungen noch einmal wesentlich schwerer, vor allem, wenn man eine liebgewonnene Figur vielleicht in den Tod schicken muss. Diese Bindung an die Figuren ist ebenfalls bekannt von BioWare, in „Mass Effect“ treiben sie es meines Erachtens auf die Spitze. Übrigens sind auch die Nebencharaktere, die nicht zur eigenen Mannschaft gehören, sehr ansprechend programmiert.

Deutet also alles auf die Höchstwertung hin? Leider nicht ganz, denn es gibt doch ein paar Punkte, die ungeduldigen Spielern den Spaß verleiden könnten. Und dabei spreche ich nicht von Grafik und Bedienung, die aus heutiger Sicht sehr antiquiert wirken (vor allem die Steuerung macht am PC zu schaffen, die Grafik ist eigentlich in Ordnung; der Sound ist hingegen grandios!). Kurz gesagt: Die Programmierer scheinen so viel Arbeit und Herzblut in die Hauptmission gesteckt zu haben, dass für die Nebenaufträge keine Kapazitäten mehr übrig waren. Im Questlog hört sich vieles auch abseits der Hauptstory spannend und interessant an – in Wirklichkeit ist jede Nebenmission eintönige Standardkost. Das beginnt bei den immer gleich aussehenden Planeten, auf denen man immer das Gleiche tun soll und endet bei langen Fahrten mit dem „Mako“, einer Art bewaffnetem und gepanzertem Mondfahrzeug. All das nervt spätestens nach drei oder vier Spielstunden. Leider kommt man nicht drum herum, wenn man seinen Charakter ordentlich verbessern möchte.

Das war es aber auch schon mit der Kritik. Mehr als die Eintönigkeit bei Nebenquests kann man „Mass Effect“ kaum vorwerfen. Tatsächlich nervt diese Sache aber bereits nach kurzer Zeit so sehr, dass mir ein zweiter Durchgang vergällt wurde, zumindest bisher. Und gerade in Verbindung mit der suboptimalen Bedienung wirkt sich das Ganze noch einmal fataler aus.

Aber abgesehen davon ist bei „Mass Effect“ alles im grünen Bereich und ich kann das Spiel jedem, der auch nur etwas für Rollenspiele übrig hat (und natürlich auch dem Weltraum-Szenario nicht abgeneigt ist), nur empfehlen. Es lohnt sich wirklich, vor allem, wenn man nach „Mass Effect“ nicht aufhört und die Geschicke von Commander Shepard in Teil 2 und 3 wieder übernimmt.

Übrigens: 32 Spielstunden habe ich gebraucht, um „Mass Effect“ abzuschließen. Das weiß ich dank Zeitnehmung meines Origin-Accounts. „Account“? Ja, richtig, jedes Spiel der Trilogie ist auch heute noch online zu aktivieren. Sorgt natürlich für Kritik, mich persönlich stört daran eigentlich nur, dass es verschiedene Plattformen für verschiedene Spiele gibt und ich schon gar nicht mehr weiß, wo ich schon überall registriert bin. Aber das soll hier nicht das Thema sein – wenn, dann überhaupt nur, weil ich zunächst mit der Aktivierung Probleme hatte, bei denen mir nur das Internet weiterhelfen konnte. Wenn schon Kopierschutz und Aktivierungszwang, dann bitte auch so, dass es funktioniert – was es letztlich zwar tat, aber das geht definitiv besser.

Gesamteindruck: 6/7


Genre: Rollenspiel
Entwickler: BioWare
Jahr: 2008
Gespielt auf: PC
Gekauft bei: Gamestop als „Mass Effect-Trilogy“


 

SpielWelt: Master of Orion 2 – Battle At Antares

Insgesamt kann man diesem Spiel aufgrund des enormen Suchtpotentials und der bis heute selten erreichten Spieltiefe eigentlich nur die Höchstwertung geben. Wir haben es hier mit einem Meilenstein zu tun. Und: Der erneute Spieldurchgang hat erst so richtig die Vorfreude auf einen auf genau diesem Teil der Serie basierenden Nachfolger geweckt.

Gesamteindruck: 7/7


Ein Universum voller Möglichkeiten.

Vom Gefühl her sind die Möglichkeiten, die man in „Master Of Orion 2 – Battle At Antares“ hat, genauso unendlich wie das Weltall. Die Entscheidungsmöglichkeiten beginnen bereits vor dem eigentlichen Spielbeginn, wenn man die Größe und das Alter der Galaxie, die Anzahl der Gegner usw. wählen muss, was deutliche Auswirkungen auf den weiteren Spielverlauf hat. Auch die verschiedenen Rassen, die man durch das Spiel führen kann, haben jeweils ganz eigene Eigenschaften wollen entsprechend mit Bedacht gewählt werden. Alternativ kann auch eine eigene Spezies erschaffen werden, was nahezu Rollenspiel-Atmosphäre aufkommen lässt.

Aber auch das Spiel selbst bietet eine Unzahl an taktischen und strategischen Möglichkeiten, die von den meisten Spielern erst nach mehreren Anläufen komplett genutzt werden dürften – zu dicht ist die Komplexität, als dass sie gleich beim ersten mal zur Gänze erfasst werden könnte. Dabei macht „Battle At Antares“ aber nicht den Fehler seines wenig erfolgreichen, nicht mehr von MicroProse programmierten Nachfolgers, zwischen den vielen Optionen auf die Benutzerfreundlichkeit zu vergessen. Alle Menüs und Kontrollen sind jederzeit gut erreichbar und logisch untergebracht. Auch der Grad der Automatisierung der einzelnen Welten und Systeme kann ganz nach Wunsch angepasst werden. Der große Umfang des Spieles ergibt sich auch aus der Möglichkeit, seine Raumschiffe, die natürlich in verschiedene Klassen (vom Zerstörer bis zum Todesstern) eingeteilt sind, selbst zu designen und aufzurüsten; dazu kommen noch umfangreiche Forschungsmöglichkeiten, die ebenfalls große Auswirkungen auf den Verlauf der Partie haben. Im Endeffekt machen all diese Vorzüge das Spiel zu einem wahren Klassiker, der enormes Suchtpotential hat. Genügend Wiederspielwert ist bei einem solchen Programm so oder so vorhanden, sodass man auch heute noch guten Gewissens eine Empfehlung für „Master Of Orion 2“ aussprechen kann.

Dabei sollten allerdings einige Schwachpunkte nicht verhehlt werden. Zum einen wirkt die Diplomatie, derer man sich im Spiel bedienen kann, doch ziemlich aufgesetzt und bietet zu wenige Optionen, außerdem scheint es mir zuwenig Konsequenzen aus diesen Spielchen zu geben. Negativ fällt auch die schwache Übersetzung ins Deutsche auf, bei der offensichtlich einige Schaltflächen „vergessen“ wurden. Schwache Qualitätskontrolle, vor allem, da dieses Problem sehr offensichtlich ist. Damit wäre aber auch schon genug gemeckert, Grafik und Sound bewegen sich auf akzeptablen, wenn auch nicht gerade berauschendem Niveau. Für ein Programm dieses Genres ist das aber ohnehin sekundär.

Gesamteindruck: 7/7


Genre: Strategie (rundenbasiert)
Entwickler: MicroProse
Jahr: 1996
Gespielt auf: PC
Gekauft bei: Good Old Games